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VOIVOD - Drei Klassiker kommen zurück

Auch wenn sie kommerziell nie so wirklich den Sprung in die erste Liga schafften, können sich die Kanadier Voivod doch auf die Fahnen schreiben, das Gesicht der harten Stromgitarrenmusik speziell zwischen 1984 und 1993 nachhaltig verändert zu haben. Die Band wandelte sich in dieser Zeit von der chaotisch-rohen Prügelkombo an der Schwelle von Venom und frühem Hardcore zur experimentellen, Alternative-beeinflussten Progband, die für Acts wie Tool eine wichtige Stilprägung gab. Neben der vollkommen unkonventionellen Gitarrenarbeit von Denis "Piggy" D'Amour und den schon früh aus gängigen Strophe/Refrain-Schamata ausbrechenden Songwriting war es auch die konzeptionelle Strukturierung, die von Denis "Snake" Belangers Lyrics bis zum Artwork von Drummer Michel "Away" Langevin alle Aspekte der Voivod-Alben zu Gesamtkunstwerken machte. Drei der wichtigsten Alben - die Thrash Metal-Phase der Band - werden nun im Zuge der Aufarbeitung des Noise Records-Backkatalogs endlich wiederveröffentlicht. Und das erfreulicherweise in aufwändigen, aber dennoch bezahlbaren Sondereditionen mit massenweise Bonus-Material und, für Sammler, auch als Vinyl-Editionen, die detailgetreu den Originalalben entsprechen. Whiskey-Soda schaut für Euch nach, was die Reissues von "RRRÖÖÖAAARRR", "Killing Technology" und "Dimension Hatröss" so können.


Legen wir also los... here we go!



Nachdem das chaotische und legendär schwerverdauliche (aber dennoch schweinisch geile) Debüt "War And Pain" bei Metal Blade erschienen war und diese Partnerschaft die Band trotz guter Verkaufszahlen in Schulden getrieben hatte, erschien dank Vermittlung von Celtic Frosts Thomas Fischer das zweite Album "RRRÖÖÖAAARRR" beim Berliner Label Noise Records. Die Haupteinflüsse auf "RRRÖÖÖAAARRR" hießen nach wie vor Venom, NWOBHM, Crust-Punk und US-Hardcore, ein ordentliches Mass an Chaos ist demnach immer noch garantiert. Unüberhörbar hatte aber auch die erste Welle an Thrashbands, speziell Slayer und die erwähnten Celtic Frost, ihren Eindruck hinterlassen. Nicht umsonst heißt ein Song gar 'Thrashing Rage'. So richtig passt allerdings selbst dieser Song nicht hundertprozentig in die Genrekonventionen. Die unorthodoxe, schräg-disharmonische Gitarrenarbeit von "Piggy" war aber klar anders als alles Andere im Thrash-Bereich. Die jazzigen Akkordfolgen und Experimente mit offenen Stimmungen waren deutlich an King Crimson oder Can angelehnt und die unerwarteten Breaks, die sich auch durch den Rest des Albums zogen, machten das ungestörte Durchbangen schon damals fast unmöglich. Aber in 'Korgüll The Exterminator', 'Build Your Weapons' oder speziell 'To The Death' gibt es tatsächlich sogar eingängige, mitgröhlbare "Refrains", weshalb das Album damals in eine Reihe mit frühen Extrem-Knüppel-Klassikern "Morbid Tales" (Celtic Frost) oder "Obsessed By Cruelty" (Sodom) gestellt wurde und unter Thrash-Fans automatisch Kultstatus erreichte.



Das nächste Studiowerk hieß "Killing Technology" und stellte einen deutlichen Bruch mit den Vorgängern dar. Dank der sauberen Produktion von Noise Records - Stammproduzent Harris Johns und der deutlich verbesserten musikalischen Fähigkeiten der Band kamen die schon immer latenten experimentellen und progressiven Einfälle von Voivod erstmals so richtig zur Geltung. Teilweise ist man damit recht nahe an der Techno Thrash-Bewegung, die zur gleichen Zeit an Bedeutung gewann. Auch Snakes Vocals verdienen erstmals die Bezeichnung Gesang. Statt nur an Cronos und Tom Araya orientierte er sich stimmlich nun auch zusehends am ätzenden Gemeckere von Jello Biafra oder John Lydon, inklusive deutlich melodischerer Gesangslinien. Harris Johns hatte die Band auch mit der Sampling-Technik vertraut gemacht, was diese auch bereits begann, nach Herzenslust auszunutzen. Deshalb tauschen auf "Killing Technology" erstmals die prägenden verzerrten Vocals, Roboterstimmen und Industrial-Elemente auf. Dennoch ist "Killing Technology" wahrscheinlich das purste Thrash-Album, das Voivod je abgeliefert haben und deshalb für Genre-Fans unumgänglich. Das Remaster enthält übrigens als Bonustracks (wie die originale CD-Version auch) die beiden Songs der "Cockroaches"-Maxi, die stilistisch wie qualitativ perfekt zum Rest passen. Die Vinyl-Ausgabe muss leider auf sämtliche Bonusstücke verzichten, hier wird akkurat das Originalalbum reproduziert.



Mit "Dimension Hatröss" gerieten Voivod schon zum ersten Mal mit den Szenewächtern aneinander. Nicht nur hatte die Band klar das Tempo und die Heaviness gedrosselt, der komplette Sound präsentierte sich nun aufgeräumter und nutzte den Thrash Metal nur noch als Ausgangsbasis. Stattdessen wurden die progressiven Elemente in den Vordergrund gestellt, und die Begeisterung für Einstürzende Neubauten und P.I.L. war in jedem einzelnen Song des Konzeptalbums zu vernehmen. Psychedelische und abwechslungsreiche Gesangslinien, elektronische Elemente und seltsame Geräuschkulissen waren dieses mal genauso wichtig wie Double Bass-Drums und punkiges High-Speed-Riffing. Von beidem gab es aber immer noch genug, um Voivod den Zuspruch der Indie-Szene oder des Mainstream zu verwehren. Auf Songs wie 'Tribal Convictions' und 'Microsolutions To Megaproblems' ist definitiv bereits der Stil der nachfolgenden "Prog-Trilogie" zu vernehmen. Doch das ist eine andere Geschichte, obwohl zumindest der Nachfolger "Nothingface" in Deutschland ja immer noch über Noise aufgelegt wurde.


VOIVOD - Drei Klassiker kommen zurück Seiten 1 2

 

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SaschaG
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