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Syd Barrett – A Hard Day's Night

Die Meldung, dass Syd Barrett am Freitag verstorben ist, kam weder besonders überraschend, noch war sie sehr schockierend, letztendlich wurde damit nur ein Zustand offiziell gemacht, in dem Barrett sich im Bewusstsein der Öffentlichkeit spätestens seit 1972 ohnehin befunden hatte, dem Jahr als er aufgrund massiver psychischer Probleme zurück zu seiner Mutter nach Cambridge zog und unsichtbar wurde. Wenn er in den Nachrufen jetzt wieder nur als "Pink Floyd-Gründer" bezeichnet werden wird, dann ist das faktisch zwar richtig, tatsächlich ist er jedoch erheblich mehr als das, er ist die dunkle Seite von Pink Floyd und eine der größten Ikonen, die der psychedelische Untergrund der späten Sechziger Jahre hervorbrachte. Ein Nachruf.

Roger Keith Barrett wird am 6. Januar 1946 in Cambridge geboren, dank seines immensen Talentes bekommt er 1963 problemlos einen Platz an der hoch angesehenen Londoner Camberwell Art School. Egal ob Musik oder bildende Kunst, Syd fällt der künstlerische Ausdruck in jeder Disziplin extrem leicht, darüber hinaus ist er mit einem Charisma ausgestattet, dem man nur schwer entkommt, David Gilmour erinnert sich: "Syd war magnetisch, er lief die Strasse runter und die Leute starrten ihn an. Sie konnten nicht anders!" 1965 steigt Syd in Roger Waters Band The Screaming Abdabs ein, benennt sie aber lieber in The Pink Floyd um und komponiert 99% des Materials. Das gesamte Jahr 1966 über ist man Stammgast in den einschlägigen Clubs des "Swinging London", wo man Konzerte gibt, deren hypnotische Ausstrahlung schnell einen legendären Ruf bekommen, so dass im März 1967 schließlich die erste Single "Arnold Layne" folgt, die es wahrlich in sich hat. Während bereits der Titel ein Seitenhieb auf das einen Monat zuvor veröffentliche "Penny Lane" von The Beatles ist, begibt man sich textlich vollends auf sehr dünnes Eis und erzählt die Story eines Transvestiten, der Damenwäsche von fremden Leinen stiehlt. Den Verantwortlichen der BBC entgeht dieses brisante Thema überraschenderweise, die Single bekommt kein Sendeverbot, landet dafür aber auf Platz 20 der britischen Charts und etablierte Pink Floyd als eine der aufregendsten neuen Bands.

 

Und das Publikum wird nicht enttäuscht: Das im August 1967 erscheinende Album "The Piper At The Gates Of Dawn" entfaltet ein kaleidoskopartiges Panorama des Vereinigten Königreiches zwischen dem viktorianischen Zeitalter und dem Space Age, nicht von ungefähr stammt der Titel aus Kenneth Grahames 1908 veröffentlichtem Kinderbuchklassiker "The Wind In The Willows". Das Werk unterstreicht auch nochmals überdeutlich, was für eine furchtbar leere, aufgeblasene und biedere Angelegenheit doch das kurz zuvor veröffentlichte "Sgt. Peppers"-Album von The Beatles eigentlich gewesen war und während dessen bemühte Ersatzpsychedelik heute hoffnungslos veraltet klingt, strahlt "The Piper At The Gates Of Dawn" immer noch in einem seltsamen, unwirklichen Licht: Egal ob die zerrende Psychotik von "Interstellar Overdrive", das irritierende "Astronomy Domine" oder das berührend naive "Bike", das ist keine Schönheit, an die man sich gewöhnen könnte. Damit endet der schöne Teil der Geschichte leider auch schon, bereits 1965 hat Barrett LSD entdeckt, in einem bizarren Experiment filmt ein Mit-Student sogar noch, wie er in freier Natur seinen ersten Trip schmeisst und der so entstandene Kurzfilm "Syd's First Trip" bekommt schnell einen dermaßen berüchtigten Status, dass David Gilmour das Ding kurzerhand kauft, um es aus dem Verkehr zu ziehen und das Ansehen seines Freundes zu schützen. Was als Spaß begann, wird leider rasend schnell Ernst, spätestens ab 1967, als Barrett in die - mittlerweile ebenfalls berüchtigte - Wohnung in der Londoner Cromwell Road zieht und fortan regelmäßig seinen Frühstückskaffee mit LSD versetzt. Eine "Diät", die er monatelang durchzieht und die ihn psychisch zerstört. Prompt beginnt sein Charisma sich zu verändern, er entwickelt ein "stechendes Starren" an das sich Zeitzeugen noch heute mit einem Schaudern erinnern. Wenn er sie nicht von vornherein verpasst, stolpert er durch Konzerte, komponiert kaum noch, sitzt apathisch im Studio und wird musikalisch so unzuverlässig, dass Pink Floyd David Gilmour zunächst als Verstärkung holen, Barrett jedoch im April 1968 endgültig rauswerfen. Eine Entscheidung, die weder Waters noch Gilmour leicht fällt, aber im Interesse der Band unumgänglich ist. Die beiden haben ein schlechtes Gewissen und unterstützen Syd zumindest bei der Aufnahme der beiden Solo-Alben "The Madcap Laughs" (1969) und "Barrett" (1970), zwei faszinierende Platten, voller dunkler, gebrochener Songs, da sich jedoch sein psychischer Zustand zunehmend verschlechtert, verschwindet Syd, zieht zurück zu seiner Mutter nach Cambridge. 1972 gibt es dann einen letzten Versuch, gemeinsam mit Twink von den Pink Fairies gründet er die Band Stars, ein Projekt das nach kürzester Zeit scheitert: In London sind eine Reihe von Konzerten anberaumt, doch schon nach dem zweiten ist Schluss, es wird unmissverständlich klar, dass die offene Bühne nicht der richtige Platz für einen psychisch kranken Menschen ist. Ein Augenzeuge erinnert sich an den letzten Auftritt: "Syd kam mit traurigem Blick von der Bühne, packte seine Gitarre ein und ging. Einfach so, ohne ein einziges Wort verschwand er in der Nacht!" Und dort blieb er die letzten 34 Jahre seines Lebens auch, Pink Floyd verwalten sein Erbe, widmen ihm den Song "Shine On You Crazy Diamond". Barrett ist bei den Aufnahmen 1974 dabei, sitzt aber still in der Ecke und die Erinnerung an ihn steckt auch tief im Zentrum des megalomanischen Monsters, namens "The Wall". In der Punk-Ära schafft er in kompletter Abwesenheit das Unmögliche: Während Pink Floyd allgemein verhasst sind, wird Syd fast schon ins Mystische überhöht. Die Television Personalities widmen ihm den Song "We Know Where Syd Barrett Lives", in den frühen Achtzigern kommt es leider kurz in Mode, vor dem Anwesen der Barretts so lange zu warten, bis Syd im Garten erscheint und ihm dann über den Zaun Fragen zu stellen. Die auf diesem fragwürdigen Weg entstandenen "Interviews" unterstreichen jedoch nur die Tatsache, dass Barrett krank ist.

Das alles ist seit Freitag Vergangenheit, wenn man nun im Andenken an Syd Barrett "The Piper At The Gates Of Dawn" hört, sollte man sich auf keinen Fall von den atemberaubenden Stereo-Effekten täuschen lassen, Syd bevorzugte stets den Mono-Mix, da nur dieser nach seinen exakten Vorstellungen und Anweisungen entstanden war. Es ist so absurd wie wahr: Barretts Hirn hatte sich so verändert, dass er kein Stereo benötigte, um seine Musik dreidimensional zu hören. Am 7. Juli hat er sich nun auch körperlich von uns verabschiedet und ist in die ewige Nacht gedriftet, mit ihm verschwindet auch die letzte Hoffnung, dass er nicht doch noch eines Tages plötzlich klar wird und neue Musik macht. Wir erinnern uns an die "Arnold Layne"-Single, wo er nach 38 Sekunden singt: "Distorted view / See through baby blue!", eine Aufforderung, der er selbst leider nicht mehr nachkommen konnte. Schlaf gut, Syd!


 

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