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Rainbow -  A Light In The Black     Artist:  Rainbow
    Album:  A Light In The Black
    Label:  Polydor / Universal Music
    Release:  23.01.2015
   Medium:  Compilation
    Genre:  Hardrock ausdrucken 
    Autor:  Philip empfehlen/teilen 
 

Joe Lynn Turner, Ex-Rainbow-Frontmann Nummer drei, sorgte kürzlich für Aufsehen, als er eine Reunion mit Ritchie Blackmore als unausweichlich bezeichnete. "Es geht nicht anders, er muss es tun", sagte Turner, gerade so, als hätte er mit Blackmore schon alles besprochen. Auch wenn nicht viele Fans damit rechnen: So unberechenbar wie der Ausnahme-Gitarrist seit jeher ist, sollte man es nie ausschließen. Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr. Blackmore ist 69, Turner 63. Mit 80 bzw. 74 wird das wohl nichts mehr.

Bis es soweit ist, macht das neue und ebenso unerwartete Rainbow-Boxset "A Light In The Black" Lust darauf. Auf fünf CDs und einer DVD lässt es (fast) alle Rainbow-Phasen Revue passieren. Aus den Jahren 1975 bis 1984 findet der geneigte Fan neben den obligatorischen Hits auch haufenweise seltenes Material: Studio-Outtakes, alternative Versionen und Live-Tracks. Das kurze Rainbow-Comeback in der Mitte der 90er Jahre (mit Sänger Nummer vier Doogie White) findet leider gar keine Berücksichtigung.

Angesichts der Materialfülle liegt der Fokus nachfolgend auf den Besonderheiten des Boxsets. Auf der ersten CD (1975-1976) sind das unter anderem vier "Rough Mixes", also rauere, weniger polierte Abmischungen. Auch wenn es bei "Tarot Woman", "Stargazer" und "Run With The Wolf" bisweilen knistert - der direkte, brachialere Sound ist eine spannende Alternative zu den bekannten Versionen. Obendrein gibt es zwei unpolierte Liveversionen aus dem japanischen Osaka, das monumentale "Mistreated" und ein unfassbares Medley aus "Purple Haze", "White Christmas" (!), "Lazy" und "Man On The Silver Mountain".

Auf CD zwei (1977-1978) folgt mit "Sensitive To Light" der nächste Rough Mix, dazu haufenweise Rehearsal-Aufnahmen von 1977, mitgeschnitten im Pirate Sound Studio in Los Angeles. Es sind Spielereien wie "Jesu, Joy of Man's Desiring", die Blackmore-Jünger glücklich machen. Natürlich sind diese halbfertigen Tracks nur was für Fans. Bei der siebenminütigen "Probeversion" von "Long Live Rock'n'Roll" ist der Gesang von Ronnie James Dio kaum zu hören. Höhepunkt der CD: eine 22-minütige Live-Version von "Catch The Rainbow" aus dem Jahr 1978, wieder in Osaka aufgenommen und trotz Bootleg-ähnlicher Tonqualität ein Genuss. Aus "Don Kirshner's Rock Concert" (New York, 1978) stammen "Long Live Rock'n'Roll" und "L.A. Connection".

Disk Nummer drei (1979-1980) dreht sich um die Zeit mit Sänger Graham Bonnet, beginnt allerdings mit einer hörenswerten Instrumental-Version. "Eyes Of The World" war ohne Gesang auch schon auf der Deluxe Edition des Albums "Down To Earth" zu hören - zusammen mit dem Alternative Outtake von "Ain't A Lot Of Love In The Heart Of Me". Offenbar neu erhältlich sind der Single-Remix von "All Night Long", und drei Live-Tracks aus der Calderone Hall in Hempstead, NY: "Over The Rainbow/Eyes Of The World", "Love's No Friend", "Beethoven: Ode to Joy". Auch hier gilt: Trotz mancher Übersteuerung sind sie eine Bereicherung. Kracher zum Schluss ist "Stargazer", aufgezeichnet 1980 in Donington beim ersten "Monsters Of Rock".

Mit Graham Bonnet hat Ritchie Blackmore aus der Hardrock-Band Rainbow eine AOR-Band mit MTV-Appeal gemacht. Dann übernahm Joe Lynn Turner, Sänger auf der vierten CD (1981-1982). Auf fünf Klassiker folgen Live-Versionen von einem Konzert aus dem London Hammersmith (1981), die zum Teil offenbar unbearbeitet vom Soundboard abgenommen wurden. Bei "Spotlight Kid" hört man das Publikum gar nicht, dafür beim Rainbow-uneigenen "Fire" (mit "Rule Britannia" Intro), einer fantastischen Live-Performance. Bei den Aufnahmen von 1982 (San Antonio, Texas) ist der Sound deutlich besser. Kein Wunder, denn sie stammen vom Live-Album "Finyl Vinyl".

Disk fünf (1983-1984) hält mit "Anybody There" und "Drinking With The Devil" weitere Outtakes parat, letzteres mit alternativem Gitarrensolo - für Blackmore-Aficionados eben. '83er Live-Tracks aus Cardiff ("Stranded", "Power" und "Fire Dance") in fantastischem Klang dürften den meisten Fans neu sein. Die Budokan-Mitschnitte von "Fool For The Night" und "Difficult To Cure" stammen erneut von "Finyl Vinyl", auf dem die gefeierte, lässige Version von "Smoke On The Water" (hier der Abschluss) noch fehlte.

Und dann ist da noch die DVD: "Live At Monsters Of Rock, Castle Donington, UK, 16 August 1980". Das monströse Konzert mit Rainbow als allererstem Headliner des legendären Festivals ist leider nicht komplett erhalten (oder zumindest vorhanden), sondern nur in einer Länge von 30 Minuten bzw. sieben Songs. Das entspricht nicht mal der Hälfte des Sets.

Die Hitsingle "Since You've Been Gone" ist ebenso wenig dabei wie der "Stargazer" (das auf Disk drei immerhin als Audiotrack vorliegt). Dafür gibt es das skurrile Cover von "Will You Love Me Tomorrow?". Es ist ein kurzes, aber ein großes Vergnügen. Was zu sehen und zu hören ist, ist einfach großartig. Abgesehen davon, dass der Background-Gesang so gut wie gar nicht zu hören ist, sind Ton und auch Bild sind angesichts des stattlichen Alters von 35 Jahren erstaunlich gut. Bitte mehr davon.

Wow! Mehr als fünfeinhalb Stunden Rainbow-Musik auf fünf CDs und obendrein diese fabelhafte DVD. Dazu liegt der schönen Box ein Poster vom "Monsters Of Rock" 1980 bei, sowie eine Reproduktion eines Tourprogramms und ein fettes Hardcover-Booklet mit umfangreichen Liner-Notes (natürlich ohne neues Blackmore-Interview). Das ist ein Fest für Rainbow-Fans.

Gibt es auch Kritikpunkte? Ja, die gibt es. Mal abgesehen davon, dass die Ära mit Doogie White fehlt, nervt die Aufbewahrung der CDs in superdünnen (man möchte fast sagen: billigen) Papphüllen. Man läuft schon Gefahr die Hüllen zu beschädigen, wenn man sie aus der Folie auspackt. Außerdem haben sich bei den Titellisten hier und da kleine Tippfehler eingeschlichen. Das wirkt überraschend lieblos an diesem sonst so liebevoll gestalteten Boxset. Und trotzdem ist es Meckern auf hohem Niveau. Mehr noch als an der von Turner angestrebten Reunion führt an "A Light In The Black" absolut kein Weg vorbei.


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