Qualität statt Quantität - nach diesem Motto arbeitet man im Hause Spiralchords. Das kleine Label konnte schon mit den ersten beiden Signings, MDM und Artifact, zwei Volltreffer landen und präsentiert mit We Got This Far nun seinen dritten Act. Das kalifornische Duo war mit der 2008 veröffentlichten Vinyl-Single bislang nur Industrial-Rock-Insidern bekannt, mit dem Debüt-Album 'Blunt Force Volume' dürften sie allerdings reihenweise offene Türen einrennen. Die Melange aus elektronischen Klanglandschaften und heruntergestimmten Gitarren wurde von Bands wie Nine Inch Nails perfektioniert - umso trauriger ist es, dass viele Bands heutzutage weit davon entfernt sind zu erkennen, wie vielfältig die Möglichkeiten einer solchen Kombination sind. Bei We Got This Far hingegen knarzt und pulsiert es an allen Ecken und Enden, die Musik wirkt gleichzeitig kalt und lebendig, emotional und distanziert. Das Duo vollzieht eine Achterbahnfahrt der Gefühle, wie sie Bands des Genres normalerweise nicht auf die Beine stellen können: 'Like Dying' ist die brutale Dampfwalze, 'Sedona' schon fast eine Ballade, und 'So This Is Doom' ein Neun-Minuten-Epos von gerade gegen Ende lärmender Schönheit. Vor allem von den immer wiederkehrenden Akustik-Gitarren, die im Zusammenspiel mit der Industrial-lastigen Grundausrichtung elegante und melancholische Überraschungsmomente auffahren, wird der Hörer zunehmend in den Bann gezogen - selbiges gilt für die eindringlichen Vocals. Keine Frage, hier wurde sowohl in der Instrumentierung als auch im Songwriting mit extrem viel Liebe zum Detail gearbeitet, so dass sich die Intensität der Platte mit jedem Durchlauf steigert. Für ein Debüt ist den Herren Ollie Marsh und Jason Silva ein echter Geniestreich geglückt. Zwar sind die Einflüsse von eben Nine Inch Nails oder auch Dismantled nicht zu überhören, doch vom Kopieren ihrer Helden sind We Got This Far zu jeder Sekunde meilenweit entfernt. Silva selbst sagt über das Album: 'Ich hasse die Erfahrungen, die diese Songs inspriert haben, so etwas sollte niemand erleben... Es war viel Risiko im Spiel bei 'Blunt Force Volume', die Worte sind so nackt, dass es fast schon zu persönlich sein kann...zu enthüllend. Aber ich bin stolz darauf, weil es real ist, weil ich mein Inneres nach außen gekehrt habe und etwas Bedeutsames auf den Tisch gebracht habe, Song für Song, Text für Text.' Und dass sich diese Sicht auch zu 100% auf den Hörer überträgt ist eigentlich das Schönste an der ganzen Sache.