Re-Recording trifft nicht immer auf Gegenliebe. Oftmals stehen Alben mit ausschließlich neu aufgenommenen Songs als Lückenbüßer da. Bei Arch Enemys 'The Root Of All Evil' wird jedoch schnell klar, dass ein solches Urteil in diesem Fall absolut vorschnell wäre. Die alten Songs erscheinen in einem völlig neuen Gewand und sind kaum wiederzuerkennen. Der Longplayer enthält auserwählte Stücke der ersten drei Arch Enemy Veröffentlichungen 'Black Earth', 'Stigmata' und 'Burning Bridges'. Die Werke stammen allesamt aus der Schaffensperiode 1996-1999. Damals stand noch Johan Liiva am Mikrofon, der mit seiner weniger kraftvollen Stimme stets etwas bemüht klang. Zudem war der Sound der Truppe noch weitaus altbackener und roher. Allein diese Gründe dürften klar machen, dass eine Übertragung des Songmaterials ins Jahr 2009 eine interessante musikalische Veränderung mit sich zieht. Man könnte sogar einen Schritt weiter gehen und von einer Neuinterpretation sprechen. Frontdame Angela Gossow klingt nicht nur aggressiver, sondern vor allem weitaus charismatischer als Liiva. Der Wiedererkennungswert ihrer Stimme verleiht Arch Enemy einen aussagekräftigen Sound mit mehr Individualität. Ein weiteres Trademark der Melodic-Deather - und der Höhepunkt eines jeden Songs – ist die singend-melodische Leadgitarrenarbeit von Michael Amott. Nur wenige Gitarristen haben einen derart musikalischen und intensiven Ton unter den Fingern. Schon gar nicht im Death Metal Sektor. Auf den alten Aufnahmen trübt der undifferenzierte, mulmige Sound diese ausgesprochen gelungenen Momente der Band. Früher war alles besser? Von Wegen! Die modernen Klänge passen wie die Faust aufs Auge - Präzise Trigger-Drums, druckvolle Rhythmusgitarren und die angesprochene Präsenz der Gitarrensoli. Frisch und mit einer gehörigen Portion Explosivität geht 'The Root Of All Evil' kräftig zur Sache. Für Mix und Mastering zeigt sich kein geringerer als Andy Sneap verantwortlich, dessen positiver Einfluss unüberhörbar ist. Im A/B-Vergleich zu den Originalaufnahmen stechen Titel wie 'Bury Me An Angel' oder 'The Immortal' besonders hervor. Als absoluter Höhepunkt entpuppt sich 'Pilgrim', dessen hymnenhafte Melodieführung perfekt mit der geradlinigen Rhythmusarbeit verschmilzt. Unterm Strich hat man verstaubte Songperlen absolut gelungen aufpoliert und somit einen vollwertigen Silberling geschaffen, dessen Daseinsberechtigung nicht in Zweifel gestellt werden muss. Die Tatsache, dass man in Sachen Songwriting jedoch längst nicht an aktuellere Werke wie 'Rise Of The Tyrant' heranreicht ist dennoch unüberhörbar. Den Vorwurf evolutionär einen ordentlichen Schritt zurückzutreten muss sich das Quintett um die attraktive Sängerin daher leider gefallen lassen.