Vanden Plas

The Seraphic Live Works

  • Artist: Vanden Plas
  • Album: The Seraphic Live Works
  • Label: Frontiers Records
  • Release: 2017-05-12
  • Medium:
  • Bewertung:2

Warum erst jetzt die sechs Jahre alte Aufzeichnung des Vanden Plas-Gigs vom ProgPower XII-Festival erscheint, darüber kann man nur mutmaßen – womöglich hat es aber damit zu tun, daß ein Teil der Show bereits auf der offiziellen Compilation-DVD zum Festival erschienen ist. Nun, nachdem die letzten beiden „Chronicles Of The Netherworld“-Konzeptalben bei den Fans teilweise auf eher gespaltene Reaktionen gestoßen waren, kommt aber eine Erinnerung daran, wie knackig die Band zu „The Seraphic Clockwork“-Zeiten klang, möglicherweise auch ganz gelegen.

Zum ersten Livealbum „Spirit Of Live“ gibt’s mit dem Titelsong von „Far Off Grace“ nur eine Überschneidung, aber auch ohne Hits wie ‚I Can See‘ können Vanden Plas im Laufe der 80 Minuten vollkommen überzeugen. Spätestens, wenn im abschließenden ‚Silently‘ nach Herzenslust improvisiert und verlängert wird, kann man sich eines fetten Grinsens nicht erwehren. Was den Pfälzern schwer zugute kommt, ist ihre songorientierte Herangehensweise, die auch in komplexen Longtracks wie ‚Rush Of Silence‘ immer auf eingängige Gesangslinien, ein sympathisches Mindestmaß an nachvollziehbaren Grooves und, zumindest live, positiver Rock’n’Roll-Attitude setzt. Möglicherweise kommt hier zum Tragen, daß die Band in ihrer Prä-Prog-Frühphase eher von melodischen Hardrockbands wie Dokken und White Lion beeinflusst war. So oder so stehen Vanden Plas in Deutschland vollkommen konkurrenzlos da, und auch auf internationalem Parkett muss man sich nicht verstecken. Neben der kraftvollen und tighten Performance der Instrumentalisten punktete natürlich auch Sänger Andy Kuntz, der im Gegensatz zu 90% aller Progmetal-Fronter auch live ohne Probleme in der Lage ist, die im Studio eingesungenen Gesangslinien dynamisch und ohne Abstriche darzubieten.

Leider hält die visuelle Seite das Niveau der Musik nicht wirklich. Schnitt und Kameraführung sind klar eher semiprofessionell und wirken doch ein wenig hausbacken. Aufgrund dessen gibt es trotz aller Begeisterung für die CD auch keine höhere Benotung – die DVD bleibt ein nettes Bonusteil, muss aber ja leider mitbezahlt werden. Von der rein musikalischen Seite jedoch kann man „The Seraphic Live Works“ ohne Frage jedem melodisch ausgerichteten Progmetaller ans Herz legen. Es bleibt zu hoffen, daß die Band selbst sich nach Sichtung des Materials auch für den nächsten Longplayer wieder ein wenig an ihre eingängigere Seite erinnert – denn dort liegt, wie hier nachzuhören, einfach doch die größte Stärke der Band.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.