Soul Doubt

The Dance Of Light And Shade

Ende der 1990er wurde man für eine Weile mit musical-artigen Konzeptalben zwischen Prog, Metal und AOR förmlich bombardiert. Seit einigen Jahren gilt ja nun im Prog die Pflicht zu düster, depressiv und mindestens ein wenig psychotisch, weshalb es umso mehr freut, dass die Italiener Soul Doubt das entsprechende Memo nicht bekommen oder schlicht ignoriert haben – denn „The Dance Of Light And Shade“, das Debüt der achtköpfigen Formation, klingt wie eine Mixtur aus West End-Musical, Ayreon, Avantasia und alten Dream Theater, abgeschmeckt mit einem nicht zu knappen Schuss bombastischen Neoprog und somit schon einmal erfreulich anders als alles Andere, was in den letzten Prog-Monaten so erschienen ist.

Im Gegensatz zu Arjen Lucassen, Tobias Sammet oder auch den Clive Nolan/Oliver Wakeman-Kollaborationen „spielen“ bei Soul Doubt aber die beiden etatmäßigen Sänger der Band, Marco Ciancaguni und Emma Ronca, alle Rollen selbst. Größtes Lob gehört dabei Marco, der mal Pathos wie ein David Byron und mal knackige Rock’n’Roll-Vibes a la Lenny Wolf oder Steve Lee versprüht, ohne dabei danebenzulangen. Ein ganz großes Talent, ohne Frage. Auch die Gitarrenarbeit kann begeistern: wieselflinke Leads, knackige Riffs, ganz ohne neoklassisches Geshredde und auch in der Rhythmusarbeit eher vom Hardrock oder frühen Progmetal-Tagen beeinflusst. Teilweise erinnert mich Marco Calbis filigraner, aber kraftvoller Stil an Ian Crichton (Saga), mit Sicherheit keine schlechte Assoziation!

Aber, technisches Können reicht schließlich auch nicht, und zum Glück sind Soul Doubt in melodischer Hinsicht ebenso begabt. Okay, wie schon erwähnt sollte man keine Angst vor Musical-Kitsch haben, denn einige Momente der esoterisch angehauchten Messias-Story suhlen sich durchaus darin. Dabei bietet das Album aber genug musikalisches Detail und genügend durchaus kräftig rockende Augenblicke, die darüber hinwegtrösten beziehungsweise entsprechende Phasen gar nicht sonderlich herausragen zu lassen. Das ist dann wohl auch die einzige Kritik, die mir einfällt: die knapp 110 Minuten Musik sind dann doch ein wenig viel für ein Album, das trotz toller Melodien kaum in sich abgeschlossene Songs enthält. Na, dann muss man das Album eben am Stück hören. Verdient hat es die Band auf jeden Fall – man sollte Soul Doubt im Auge behalten. Das hochprofessionell produzierte „The Dance Of Light And Shade“ gibt’s, wie noch ganz viel anderes feines Zeug, bei den Kollegen von Just For Kicks zu kaufen.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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