Rage

Seasons Of The Black

  • Artist: Rage
  • Album: Seasons Of The Black
  • Label: Nuclear Blast
  • Release: 2017-07-28
  • Medium:
  • Bewertung:1

Das letzte Rage-Album „The Devil Strikes Back“ hatte in erster Linie die Aufgabe, verlorenen Boden gut zu machen und das neue Line Up der Band zu etablieren. Nun, nachdem das dank richtig starker Songs und ebenso starken Livegigs wunderbar geklappt hat und überraschenderweise sogar eines der stärksten Alben der gesamten Bandhistory hervorbrachte, bleibt nun die Frage, ob das ein typischer, nicht zu wiederholender Debüt-Kraftakt war oder ob Rage tatsächlich in der Lage sind, dauerhaft auf diesem Niveau zu agieren.

Nun, keine Sorge, mit „Seasons Of The Black“ schicken Peavy und Co nämlich erfreulicherweise einen gleichwertigen Nachfolger ins Rennen. Im Gegensatz zum knallhart am „Black In Mind“-Sound orientierten „The Devil Strikes Back“ gibt sich „Seasons Of The Black“ ein wenig variabler und moderner, und in der Tat auch in den Details wieder ein wenig progressiver. Das vorab veröffentlichte ‚Blackened Karma‘ hätte mit seinem Groove-Metal-Riff beispielsweise auch problemlos auf jedem Album der Smolski/Terrana-Ära stehen können, und die abschließende Zwanzig Minuten-Suite ‚The Tragedy Of Man‘ führt die epische Linie der Lingua Mortis-Ära fort. Aber keine Angst, der Tabaluga-Nonsens des „LMO“-Albums bleibt in der Schublade, es handelt sich hier eher um drei thematisch verbundene Songs plus ein akustisches Intro namens ‚Gaia‘. ‚Justify‘ und ‚Bloodshed In Paradise‘ sind dabei typische Rage-Kracher mit Riffpower vom Fass und Ohrwurmhooklines, die Orchestersamples spielen hier ganz klar eine untergeordnete Rolle, nur zum Abschluss geht es mit der Feuerzeug-Ballade ‚Farewell‘ ganz klar in die „XIII“- und „Ghosts“-Ära. Sprich, Bombast ohne Ende, aber erfreulicherweise, ohne über die Kitschgrenze zu fallen.

Neben diesen „Neuerungen“ (eigentlich eher „Wiederentdeckungen“) gibt es aber natürlich jede Menge purer Metal-Klänge mit den typischen, düsteren Rage-Riffs, eingängigen Refrains und einmal mehr erfreulicher Thrash-Kante mit immer mal wieder durchgetretenem Gaspedal, wie er auch den Vorgänger dominierte. ‚Serpents In Disguise‘ und das mit Anthrax-mäßigem Intro ausgestattete ‚Walk Among The Dead‘ sind dabei mit Sicherheit zukünftige Livehöhepunkte und setzen sich schon beim ersten Hören im Hirn fest, das „böse“ ‚Septic Bite‘ erinnert gar ein wenig an die jüngeren Death Angel. Die schon auf „The Devil Strikes Back“ beeindruckenden Background-Chöre (sowohl Drummer Lucky als auch Gitarrist Marcos sind in anderen Bands als Leadsänger tätig) werden auch hier wieder eingesetzt und runden Songs wie ‚All We Know Is Not‘ und ‚Time Will Tell‘ perfekt ab. Die Gitarrenarbeit von Marcos verdient ebenfalls großes Lob, die Riffs sind einmal mehr schön aggressiv, und die Soli klingen diesmal deutlich verspielter und melodischer, ohne aber die rock’n’rollige Schlagseite zu vernachlässigen – und vor allem, ohne in sinnloses Skalenrasen zu verfallen.

Ohne Frage haben Rage es geschafft, dem großartigen Vorgänger einen gleichwertigen Nachfolger folgen zu lassen, der einerseits klar in die selbe Kante schlägt, aber auch einige Verfeinerungen und Weiterentwicklungen des bandeigenen Stils zulässt. So, wie man sich das als Fan wünscht. Auch die Produktion ist schön fett ausgefallen – es bleibt schlicht nichts zu meckern. Zumindest an der Musik – das Cover ist nämlich genauso häßlich wie das des Vorgängers… aber das hat bei Rage ja auch Tradition. Ungeachtet dessen ist Rages Neue im klassischen Heavy Metal das Beste, was mir seit dem letzten Rage-Album untergekommen ist – und die Kollegen von Accept rauchen Peavy, Marcos und Lucky ganz fraglos diesmal in der Pfeife. Die Höchstnote ist somit Ehrensache.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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