#nurmalsogefragt: SOEN kurz und knapp zum neuen Album Lotus

SOEN haben gerade mit „Lotus“ ihr neues Album veröffentlicht und werkeln derzeit an den Songs für die in wenigen Wochen beginnenden Europatour zum Album. Umso feiner, dass die Band sich ein paar Minuten für Whiskey-Soda freigemacht hat (uiuiui…) und uns kurz und knapp ein paar dringliche Fragen zu „Lotus“ beantwortet hat!

WS: Es scheint, als hättet Ihr auf „Lotus“ nicht unbedingt große stilistische Änderungen angepeilt, sondern eher den Stil, den Ihr auf den bisherigen Alben entwickelt habt, weiter verfeinert. Stimmt Ihr da zu und habt Ihr das Songwriting diesmal anders angepeilt?

Unser Songwritingprozess verändert sich ständig, aber wir sind da selbst so tief drin, dass wir währenddessen eigentlich keinen Unterschied bemerken. Wir haben, auch früher nicht, das Songwriting bewusst gesteuert. Aber je mehr wir zusammen schreiben und touren, desto mehr wächst die Sache in etwas Organisches, und je mehr sie wächst, desto besser wird sie.

WS: Euer Produzent David hat letzten November angekündigt, der Sound von „Lotus“ würde heavier und moderner ausfallen – nun hat das Album aber tatsächlich einen gefühlt rockigeren und basischeren Sound bekommen. Ist das ein Widerspruch?

Tatsächlich hatten wir einen ganz bewussten Plan für den Sound des Albums, nämlich, dass es moderner als „Lykaia“ klingen sollte. Wir haben bei „Lykaia“ ausprobiert, mit ausschließlich analogem Equipment aufzunehmen, aber für „Lotus“ waren wir der Meinung, etwas „mehr“ zu brauchen. Moderner heißt ja auch nicht automatisch steriler und kalt. Wenn es für Dich also warm und menschlich klingt, dann würde ich sagen, wir haben genau das Geplante erreicht!

WS: Ihr hattet auch angekündigt, dass die Musik auf „Lotus“ zum „Fühlen und zum Denken“ anregen sollte. Für meinen Geschmack sind die Lyrics auch optimistischer als auf den Vorgängern – fast wie ein Gegenentwurf zum immer zynischer werdenden Zeitgeist. Ist Euch das wichtig?

Nein. Ich denke, die Texte klingen deshalb so, weil wir an dem entsprechenden Tag in einer speziellen Laune waren und bestimmte Dinge um uns herum passieren. Es wäre auch schwer, sich bewusst hinzusetzen und zu sagen: „heute schreib‘ ich einen Song über die dunkle Seite unserer Gesellschaft, aber mit einem Hoffnungschimmer!“ Aber, wir sind eben ständig von Dunkelheit und Licht umgeben, und beides nimmt Einfluss auf das, was wir zu sagen haben.

WS: Das Video zu ‚Martyrs‘ hat auf YouTube teils ein überraschend negatives Feedback bekommen – obwohl natürlich umgekehrt auch viel Lob da ist. Obwohl ja gerade die Metalszene eigentlich immer Toleranz und Zu-sich-selbst-stehen predigt, gab es da viele extrem homo- und transphobe Kommentare zu lesen. Wie steht Ihr zu den Kommentaren und denkt Ihr, dass die Metalszene diesbezüglich konservativer geworden ist?

Ich glaube nicht, dass die Metalfans generell konservativer geworden sind. Es sind eben einfach Leute, und Leute sind unterschiedlich. Manche sind offen, manche nicht… Aber die Negativität hat uns schon in gewissem Mass überrascht, und diese Kommentare haben glasklar gezeigt, dass dies einer der wichtigsten Songs auf dem Album ist. Diese Fragen müssen gestellt werden. Hoffentlich kann ‚Martyrs‘ bei Einigen, die diese Message nicht mögen, eine Saat pflanzen, die sie zum Nachdenken und vielleicht zum Umdenken bewegen kann.

WS: Noch wenige Wochen, und Ihr geht wieder auf Tour. Schon auf der „Lykaia“-Tour fragten viele Fans nach einem Livealbum oder gar einer BluRay. Gibt es diesbezüglich Pläne für die kommende Tour?

Wir hatten tatsächlich geplant, von der zweiten Hälfte der „Lykaia“-Tour eine DVD zu veröffentlichen. Das hat aber leider nicht geklappt. Wir haben keine wirklichen Pläne für die Tour, aber unser großartiger Soundmensch Peter Droneberger zeichnet eine ganze Menge Material auf, wenn wir touren, wer weiß also, was dabei herauskommt!

WS: Apropos Tour: Ihr habt mittlerweile vier Studioalben zur Auswahl. Ist es für Euch wichtiger, in der Setlist das neue Album zu promoten oder einen guten Überblick über Eure Karriere zu bieten? Und habt Ihr irgendwelche berraschungen geplant – Andeutungen reichen in diesem Fall, sonst sind’s ja keine Überraschungen mehr!

Wir suchen uns eigentlich immer unsere Lieblingsstücke von jedem Album heraus. So gesehen war jede Tour eine „Best Of“, was die Auswahl betrifft. Da wir jetzt ein neues Album und noch acht weitere Songs zum Auswählen haben, destilliert sich das natürlich zu unserem bislang mit Abstand besten Set. Und, ich würde es nicht unbedingt eine Überraschung nennen, aber wir haben einen Song von „Cognitive“ ausgegraben, den wir seit der Zeit vorm „Tellurian“-Album nicht mehr gespielt hatten – und wir werden ein paar andere Dinge ausprobieren, um mal zu testen, wie unser Publikum darauf reagiert.

Wer die Band von Mitte März bis Anfang April live sehen will, kann das bei folgenden Terminen tun:

14. März 2019 – Hamburg, Logo

15. März 2019 – Berlin, Roadrunner

16. März 2019 – Aschaffenburg, Colos-Saal

17. März 2019 – Stuttgart, Club Cann

19. März 2019 – München, Backstage Werk

20. März 2019 – Hagen, Kultopia

21. März 2019 – Köln, Helios

3. April 2019 – CH, Pratteln, Z7

Vielen Dank an Dave von Oktober Promotion für’s Organisieren des Interviews! Foto zur Verfügung gestellt von Oktober Promotion

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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