SONS OF APOLLO – Die neue Prog-Metal-Supergroup

Im März hatte Mike Portnoy ja mit ominösen Schuh-Bildern bereits eine neue Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Dream Theater-Kollegen Derek Sherinian angeteasert und in den letzten Monaten immer wieder ebenso ominöse Andeutungen über das beste Line-Up, in dem er je gespielt hätte, gemacht. Nun steht nicht nur der Name des neuen Portnoy/Sherinian-Projektes fest, sondern auch die Namen der Mitverschwörer – und da fliegt nicht nur dem Spliff-Fan das proverbiale Blech weg.

Unter dem Namen Sons Of Apollo versammeln die beiden nämlich ein Line-Up, das Seinesgleichen sucht. Als Gitarristen haben sie sich Ron ‚Bumblefoot‘ Thal verpflichtet, der zwar durch Guns N’Roses bekannt wurde, aber in Musikerkreisen eher dank seiner zappaesken Soloalben und seiner Fähigkeit, Highspeed-Shredding mit unkonventionellen Jazzharmonien zu verbinden, hohes Ansehen genießt. Am Bass hat sich Portnoy mit seinem Winery Dogs-Kollegen Billy Sheehan einen der vermutlich einflussreichsten Rock’n’Roll-Bassisten überhaupt verpflichtet. Der hat von der Fusion-Truppe Niacin bis zu den AOR-Chartstürmern Mr. Big eine beeindruckende Vita, am legendärsten dürften aber die kongenialen Kabinettstückchen sein, die er Mitte der 1980er mit Steve Vai in der Band von David Lee Roth aus dem Ärmel schüttelte.

Soweit, so gut – aber Sons Of Apollo verfügen nicht nur über vier virtuose Instrumentalisten, sondern auch noch über eine der unverkennbarsten Hardrock-Stimmen überhaupt: niemand Geringeres als Jeff Scott Soto ist als Sänger der Band bestätigt! Soto fiel den meisten Musikfans erstmals auf als Sänger von Yngwie Malmsteen, für den er zwei Karrierehighlights, „Rising Force“ und „Marching Out“ veredelte. In der Folge sang Soto bei einer Reihe weiterer Gitarrenhelden, darunter Kuni und Axel Rudi Pell und gründete parallel die AOR-Kultformation Talisman. Auch in den Diensten von Journey und dem Trans-Siberian Orchestra stand Soto bereits, und gemeinsam mit Steelheart-Fronter Mike Matijevic war er auch für die Gesangsparts in Mark Wahlbergs „Rock Star“-Streifen verantwortlich.

Als Quell von Sons Of Apollo kann man wohl die Instrumentaltruppe PSMS bezeichnen, mit der Portnoy, Sherinian und Sheehan vor einigen Jahren (zusammen mit Tony MacAlpine) Musik aus ihren respektiven Backkatalogen performt hatten. Natürlich ist keine Frage, daß das deutsche Proglabel InsideOut sofort zugeschlagen und die Band in ihr Roster aufgenommen hat. Und so darf man sich darüber freuen, daß schon am 20.Oktober 2017 mit „Psychotic Symphony“ das Debüt der Formation erscheint. Jetzt schon gibt es einen Teaser mit diversen Songausschnitten, und der läßt die Stimmung erneut steigen: nachdem Portnoy so ziemlich allem, was an seine Ex-Kollegen von Dream Theater erinnern könnte, in den Jahren nach der Trennung konsequent aus dem Weg gegangen war, gibt es hier scheinbar genau die Mischung aus Prog-Metal und großen Gesangslinien, mit der sich Dream Theater unter Portnoys Führung in den späten Achtzigern und durch die Neunziger zum Nonplusultra des progressiven Metal gemacht hatten.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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