The Georgia Shine Band

The Georgia Shine Band

  • Artist: The Georgia Shine Band
  • Album: The Georgia Shine Band
  • Label: Just For Kicks
  • Release: 2016-10-28
  • Medium:
  • Bewertung:3+

Für alle, denen der Trend zum Metalriff im Southern Rock mittlerweile auf den Keks geht, haben die Kollegen von Just For Kicks (die die CD über ihren Webshop vertreiben) hier mal wieder ein echtes Schmankerl ausgegraben. Die Newcomer The Georgia Shine Band orientieren sich mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum nämlich eher an der traditionellen, deutlich Boogie- und vor allem Country-infizierten Südstaaten-Lehre von Doc Holliday, Outlaws oder auch mal den rockigen Siebziger-Scheiben der Charlie Daniels Band.

Die Band besteht dabei auch nicht aus jungen Hüpfern, sondern aus gestandenen, wenn auch eher unbekannten Veteranen der Szene. Zwar haben die Herrschaften noch keinen echten Hit am Start, der es mit den Klassikern aufnehmen könnte, und der „southern drawl“ wirkt gelegentlich etwas eigenwillig überzogen. Dafür kommt aber eine Menge authentische Spielfreude rüber, die darüber gerne wegsehen lässt. Speziell in den Country-lastigen Songs wie ‚Shame‘, ‚I’m Gone‘ oder ‚Love Is Alive‘ kommt durchaus echtes Westernfeeling auf. Lediglich die etwas arg klischeehaften Texte, die mit allen dümmlichen Redneck-Klischees ausgestattet sind, ohne dabei eine Spur von Selbstironie erkennen zu lassen, könnten manchem Zuhörer etwas gegen den Strich gehen. Das gilt ja leider für einen Großteil der Genre-Kollegen genauso, aber die seltsame Patriotismus- und Kriegsromantik in ’64‘ klingt für europäische Ohren schon reichlich unverdaulich.

Aufgrund der Tatsache, daß die Scheibe mit kleinem Budget produziert wurde, muß man freilich soundtechnisch auch einige Abstriche machen. Statt warm und fett klingt’s hier eher dünn und gelegentlich in den Höhen reichlich zischelig. Auch da ist noch Luft nach oben, wobei ich mir sicher bin, daß die Band in Zusammenarbeit mit einem namhaften Profi-Produzenten durchaus in der Lage sein wird, an die Genre-Front aufzuschließen. Als Fazit haben wir hier also ein Album, daß der an glattpolierte Mainstream-Kost gewohnte Rocker vielleicht eher erst mal antesten sollte, harte Südstaaten-Freunde werden hingegen definitiv ihre Freude haben und unterstützen noch dazu eine unbekannte, aufstrebende Kombo jenseits der Mainstream-Industrie.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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