Goodbye to Misery

Der Weg und das Ziel sind für die Melodic-Punkrocker von Cold Years klar: Es soll nach oben und letztlich in die großen Arenen gehen. Das wurde bereits bei ihrem Debütalbum „Paradise“ im Jahr 2020 deutlich. Auch wenn der zweite Longplayer traditionell als die schwierigste Platte für Bands gilt, soll „Goodbye to Misery“ (Inside Job) für sie nur eine Durchgangsstation für die große Rockkarriere sein.

Der Opener „32“ knüpft zunächst nahtlos an den Vorgänger an. Melodischer Punkrock im Stil von The Gaslight Anthem, nur in einer rockgieren Version als das, was die großen US-Amerikaner auf ihren letzten Alben dargeboten haben.

Nach diesem guten Start nehmen die eher im launigen MidTempo gehaltenen Tracks „Britain is Dead“ und „Goodbye to Misery“ den ersten Schwung leider etwas raus. Der Einfluss vom ominösen Springsteen-Rock-Genre wird deutlich, wobei die Betonung auf „Rock“ liegt. Gut, dass „Headstone“ wieder eine andere Richtung einschlägt. Denn die Stärke von Cold Years wird direkt deutlich: Gefällige Punkrocksongs zum Fäuste recken und mitsingen wie „Jane“, „Wasting Away“ oder „Kicking and Screaming“, ohne dabei musikalisch ernsthaft zu knarzen, kratzen oder weh zu tun, obwohl die Stimme von Frontmann Ross Gordon immer wieder erfreulich rau daherkommt. Trotzdem wirken die Lieder insgesamt glatter und  durchdachter komponiert als auf „Paradise“.

Trotzdem beziehen Cold Years auf „Goodbye to Misery“ deutlich Stellung. Die Schotten sind nicht stolz darauf zu Großbritannien zu gehören. Denn für sie hat das britische Empire in seiner Geschichte nur Unglück gebracht und Zivilisationen unterdrückt. Auch für sich und ihre Generation blicken sie düster in die Zukunft. Das Quartett geht davon aus, dass sie und ihre Altersgenossen nie ein Haus besitzen werden, nie in Rente gehen können und immer in Schulden leben werden. Diese frustrierende Feststellung und die Hoffnung auf eine Flucht daraus, thematisieren sie immer wieder. Nicht umsonst singen sie direkt zu Beginn der Platte: „We are generation overdrawm // we are argeneration fuck it all / I threw away all of my chances and swallowed the dice // been running so long give it all for a beautiful life“

Inhaltlich bieten Cold Years einen interessanten Einblick in die Frustration einer jungen britischen Generation. Musikalisch ist das Ganze auf „Goodbye to Misery“ in melodischen Punkrock gepackt, der noch etwas glatter und eingängiger als aus dem Debüt ist. Die ein oder andere Ecke mehr wäre schön gewesen. Trotzdem wissen die Schotten ganz genau was sie tun. Gerade deswegen wird es spannend zu sehen sein, wie weit sie ihr Weg führen wird.

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Foto: Cameron Brisbane

Dominik

Groß geworden mit Punkrock und Power-Metal, weiterentwickelt mit Alternative und Thrash-Metal, erwachsen geworden mit ein bisschen Progressive-Metal. Und dennoch bleiben die All-Time-Favorites klassisch: Bad Religion, Die Toten Hosen, Machine Head, Iron Maiden, Blind Guardian, Faith No More.... und aus unerfindlichen Gründen mit einer heimlichen Zuneigung zu J.B.O. 

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