Wucan

Reap The Storm

Na, Wucan wollen es aber wissen. Wo sich die meisten Revivalisten-Rocker eher in kommerzielle Gefilde begeben, wird mehr als die Hälfte der Spielzeit des Albums von den beiden Abschlußtracks ‚Aging Ten Years In Two Seconds‘ und ‚Cosmic Guilt‘ in Beschlag genommen. Und im Vergleich zum Vorgänger geht’s diesmal deutlich weniger heavy zugange, der Black Sabbath-/Stoner Rock-Einfluss ist diesmal fast komplett ausgemerzt.

Ob man mit Wucan etwas anfangen kann, hat allerdings auch viel damit zu tun, ob man die konsequente Retro-Schiene der Band nun als liebevolles, detailgetreues Tribut an die alten Zeiten ansieht oder der Band vorwirft, ihren kompletten Stil aus Versatzstückchen zusammengemopst zu haben. Beide Seiten haben wohl Recht, denn hier wird natürlich erneut der rockige Teil des Krautrock-Movements ausgiebig zitiert: Lucifer’s Friend, Birth Control, Frumpy, Jane – all das schwingt hier irgendwo mit. In den ausladenderen Songs diesmal zusätzlich noch Hawkwind, Pink Floyd, Hawkwind, Bo Hansson, Hawkwind und, zum Abschmecken ein wenig frühe Hawkwind. Trotz der Querflöte (die hier aber eh seltener zum Einsatz kommt als auf dem Vorgänger) und gelegentlicher Folkelemente schafft man es, auch zu keiner Sekunde nach Jethro Tull zu klingen, vor allem, weil eben sämtliche (durchaus verhandenen) Prog-Anleihen von trippiger Psychedelia überschattet werden. Das Ende von ‚Cosmic Guilt‘ erinnert in seinem Abhebe-Faktor gar an Grobschnitts Meisterwerk ‚Solar Music‘. Gerade die beiden spacigen Zwanzig-Minuten-Stücke machen auch mit Abstand am meisten Spaß – hier hört man, daß die Band eben nicht nur mit Versatzstücken spielen kann, sondern tatsächlich eine höchst eigene Chemie besitzt, die auch auf die zukünftige Entwicklung der Band gespannt macht.

Wucan setzen sich mit ihrem Zweitwerk qualitativ definitiv an die Spitze des Retro-Trends. Alles wirkt weit natürlicher und weniger aufgesetzt als auf dem Debüt, und Wucan beweisen sich als eine eigenständigere, durchaus mit Wiedererkennungswert gesegnete Band, die tatsächlich auch nach Abebben des Hypes weiterleben könnte. Feine Scheibe, das!

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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