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Last Of Our Kind

Die Häme ist da. So richtig ernst genommen werden The Darkness von vielen immer noch nicht. Eine britische Zeitung ließ unlängst ihre Leser online darüber abstimmen, ob die Reunion von The Darkness wirklich notwendig gewesen sei. Und in ersten Reviews zum vierten Album der Glam-Hard-Rocker von der Insel schwankt der Tenor irgendwo zwischen der Kritik am (missverstandenen) angeblichen Pathos in Texten und Auftreten und mäßigem Wohlwollen. An alle The-Darkness-Basher da draußen einige Zeilen der Aufklärung: Diese Jungs haben Spaß. Das ist die Essenz des Rock’n’Roll! Die Jungs haben treffsichere Selbstironie. Ja, man muß etwas genauer hinsehen als bei Steel Panther, die das Prinzip zwischen Hommage und parodistischer Überzeichnung einer ganzen Musik-Ära weit über die Spitze hinaus treiben. Bei den Engländern ist es zumindest eine Spur subtiler, schließlich sind es Briten! Kommt schon! Wer kann denn bei dem pinkfarbenen Irokesen-Baby im Raumanzug, dem Titel „Last Of Our Kind“ oder dem Trickfilm-Video-Clip zu ‚Barbarian‘ schon darauf kommen, daß The Darkness sich selbst ernst nehmen und ihr gehabe pathetisch ist? Bleibt nur noch die Frage nach dem Geschmack. Beim Humor kann man darüber streiten. Bei der Musik nicht. Die Jungs verstehen ihr Handwerk und dafür spricht nicht nur ihr großer Erfolg sondern eine ganz (naja, ich geb mir Mühe) sachliche Analyse des Albums.

Den Humor haben wir ja eigentlich abgehandelt, aber beim Opener ‚Barbarian‘ drängt es sich noch einmal auf. Denn mit coolen Licks, jeder Menge Groove und grenzdebil-genialen Falsett-Höhenflügen verulken die Engländer die größte historische Niederlage, die Eroberung der Insel durch die Normannen vor 950 Jahren. ‚Open Fire‘, ebenfalls schon vorab mit einem Video der Fangemeinde präsentiert, hat ebenfalls alles, was diejenigen, die sie mögen an The Darkness so lieben. Einen Sound, der an ihre großen Idole aus den 70er und 80er Jahren erinnert. Vergleichsweise simpler Aufbau, aber das 100%ige Feeling für die Hookline, die den Song in den Gehörgängen hängen lässt. Auch die Balladen sind dabei, mit akustischen Gitarren und ja, hier gibt es tatsächlich etwas Pathos. Der Titelsong ‚The Last Of Our Kind‘, ‚Wheels Of The Machine‘ und ‚Sarah O Sarah‘ sind astreine Rock-Schnulzen. Aber abgesehen davon, daß man bei Justin Hawkins besonders bei diesen Songs nie so richtig weiß, wo die Grenze zwischen Hommage und Satire läuft: Die Jungs machen das perfekt! Wir haben doch alle unsere latent peinlichen Bon-Jovi-Singles im CD-Regal stehen. Ja, ‚November Rain‘ und ‚Don’t Cry‘ sind Schnulzen. ‚Winds Of Change‘ auch. Mit Schnulzen haben auch die Glam-Rocker in den 80ern ihre größten Erfolge erzielt! Und? The Darkness haben sich schlitzohrig eine Scheibe vom Kuchen abgeschnitten und dem Publikum gefällt es! Die Anspruchsvollen können sich an Hawkins fantastischer Falsett-Stimme freuen oder dem dreckigen Blues-Rock-Dreiminüter ‚Mudslide‘. Liebhaber von Party-Rock-Hymnen zum Mitgrölen und dabei Bier verschütten werden auf ‚Hammer and Tongs‘ fliegen und der Rausschmeißer ‚Conquerors‘ ist eine weitere Schmacht-Ballade die Stadion-Rock-Qualitäten hat. Und das kann doch keiner wirklich schlecht finden? Pathos und Schnulzen-Kommerz-Alarm hin oder her. Alle haben ihren Spaß! Das können längst nicht alle Bands von sich und ihrem Publikum sagen…

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