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Sanctitude – Live at Union Chapel

Katatonia gehören neben ihren schwedischen Landsmännern von Opeth und Anathema aus England zu den populärsten Bands, die sich in den letzten Jahren von ehemals hartem, düsterem Metal zu stimmungsvoll-melancholischem Rock mit progressiver Note entwickelt haben. Man mag von dieser Entwicklung halten, was man möchte – fraglos ist die emotionale Reichhaltigkeit und das hohe technische Niveau der neueren Werke der drei erwähnten Bands. Nach dem 2012er Album „Dead End Kings“, bereits ein deutlicher Schritt in diese Richtung, interpretierten die Herren um Frontmann Jonas Renske das Album unter dem Titel „Dethroned & Uncrowned“ nochmals neu. Dieses Unplugged-Remake brachten die Skandinavier vor einem Jahr im Rahmen einiger ausgewählter Konzerte auch als Live-Erfahrung zu ihren Bands. Das nun vorliegende Live-Album „Sanctitude“ ist der Mitschnitt einer dieser Shows in der Londoner Union Chapel. Die Kirche im gotisch-viktorianischen Stil bietet nicht nur eine einzigartige Akkustik, sondern auch ein perfektes Ambiente für das Unplugged-Konzert. Nachdem einige Bandmitglieder in den Monaten vor der Tour die Band verlassen hatten, konnte in Bruce Soord (The Pineapple Thief) an Gitarre und Background-Gesang sowie JP Asplund als Percussionist gefunden werden. Soord zeichnet sich daneben auch für Mix & Mastering von „Sanctitude“ verantwortlich.

Wenn man die Band auf der vor zahllosen Kerzen beleuchteten Bühne vor angestrahlten gotischen Rundbögen mit Ornamenten sitzen sieht, wird ein Teil des besonderen Konzertabends sichtbar – zweifellos ist es unmöglich, die das komplette Erlebnis auf CD und Film einzufangen. Nichts desto trotz „Sanctitude“ ein Erlebnis, alleine wegen der tollen Akkustik und dem außergewöhnlichen Veranstaltungsort. Nicht zuletzt hatten Renske und Band einige alte Songs, die sie nie zuvor Live präsentiert hatten, für diese Tour neu arrangiert, ‚Unfurl‘ von der EP „July“ beispielsweise, das die Band unter begeisterten Rufen am Ende des offiziellen Sets vorträgt. Ein weiteres perfektes Beispiel dafür, wie auch ältere Songs schon Katatonia 2014 widerspiegeln, ist das ursprünglich 1996 auf „Brave Murder Day“ veröffentlichte ‚Day‘. Weitere, wunderbar zum Konzert passende, ältere Songs sind das beliebte ‚Teargas‘ (2001), ‚Gone‘ (1998) sowie ‚Evidence‘ und ‚Omerta‘ von „Viva Emptiness“ von 2003. Schluß- und Höhepunkt ist das von Special Guest Silje Wergeland (The Gathering) mit Renske im Duo spektakulär in Szene gesetzte ‚The One You Are Looking For Is Not Here‘. Als sehr hübschen Zusatzinhalt umfasst die DVD ein 65-minütiges Interview mit Anders Nyström und Jonas Renkse rund um Konzeption und Durchführung der Akkustikshow in der Londoner Union Chapel. Die Band selbst bezeichnet die aufgezeichnete Show in London als einen der Höhepunkte ihrer Karriere. Das stimmungsvolle, sehr besondere Ambiente spiegelt das wider – vorausgesetzt, man kann mit der Grundidee bzw. den viel ruhiger gewordenen Katatonia von heute (noch) etwas anfangen.

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