Schlagwort: Americana

HEATED LAND – Zweites Album kommt nächste Woche, Tour folgt

Aufmerksame Beobachter und Musikhörer mit gutem Geschmack sind sicher um das Jahr 2014 herum auf die Band Heated Land und ihr selbstbetiteltes Debütalbum gestoßen. Und haben bedauert, dass es seitdem sehr ruhig war um diese offene Bandformation aus Dresden. Wie jetzt verlautet, hat es Mastermind Andreas Mayrock in der Zwischenzeit aus dem Sächsischen in den…

Everything Is Fine

Wer die letzten „American“ Veröffentlichungen von Johnny Cash für die Highlights dieses Küstlers hält und düsteren, melancholischen Folkrock mit überwiegend minimalistischer Instrumentation mag, sollte sich unbedingt einmal näher mit Danny Kiranos beschäftigen. Der US-Amerikaner liefert unter seinem Künstlernamen Amigo The Devil morbide Folk-Songs über Massenmörder, Pyromanen oder Selbstmörder ab und hat damit quasi sein eigenes Genre „Monster Folk“ erschaffen.

„Everything Is Fine“ , und auch wenn es düstere und traurige Themen gibt, mag man dem 30-Jährigen aus Florida voll und ganz zustimmen, denn hier gibt es nichts zu meckern. Nach der ruhigen stimmungsvollen Eröffnung ‚Cocaine And Abel‘ legt Amigo The Devil mit ‚If I’M Crazy‘ gleich mal eine treibende, abwechslungsreiche Rocknummer hin, deren leise, fast filigrane Parts im Refrain einer beeindruckenden, verzweifelten Stimme weichen, mit der Kiranos gegen das Übel auf der Welt anschreit. Unterstützt wird er dabei vom Rage Against The Machine Drummer Brad Wilk. Auch richtig stark: Die spätere Rocknummer ‚Everyone Gets Left Behind‘. Doch auch – und vielleicht gerade – die ruhigeren Songs überzeugen auf ganzer Linie. Akustische Gitarren, ab und zu ein Banjo, ein paar diffuse Elektrosounds im Hintergrund, und über allem schwebend Amigo The Devil mit einer rauen, faszinierenden Stimme. Das Album findet Zeit und Platz für düsteren Alternative- und Outlaw-Countrysongs wie ‚Preacher Feature‘, singende Sägen und das bös-ironische ‚I Hope Your Husband Dies‘. Schwarzer Humor trifft in den Texten immer wieder auf Melancholie, Traurigkeit oder Wut.

Mit dunkler Poesie in den Texten erzählt Amigo The Devil kleine Geschichten, die durch ihre minimalistische Instrumentierung oft umso intensiver wirken. Es lohnt sich hier auf jeden Fall, auf die Texte zu achten. Wenn es zwischendurch lauter wird, finden sich Streicher, Slidegitarre und die schon erwähnten Synthies im Mix und tragen viel zur Stimmung dieses großartigen Albums bei. ‚This Life Is A Joke / And Death Is The Punchline!‘ heißt es in ‚Hungover in Jonestown‘, einem weiteren Highlight des Albums. Trotz aller Melancholie schimmert immer wieder viel Humor durch, was sich auch bei der streckenweise sehr interessanten Instrumentierung zeigt. „Everything Is Fine“ ist die spannende, düstere Untermalung für lange Novemberabende. Amigo The Devil darf sich nach dieser Platte als legitimer Nachfolger des späten Johnny Cash ansehen, legt er doch hier eines der besten Alben des fast vergangenen Jahres vor. Dark Folk, Americana, Singer/Songwriter-Momente und ein paar anklagend-rotzige Rockspitzen verschmelzen zu einem atmosphärischem Gesamtkunstwerk. Unbedingt reinhören, oder am besten gleich mitnehmen!

KINGSBOROUGH kommen im Herbst auf Tour

Letzten Herbst ist das Album „1544“ des kalifornischen Quintetts Kingsborough erschienen, das wir euch in unserer Rezension schon ans Herz gelegt haben. Auch wenn die Scheibe bei uns leider nur über Import oder als Download verfügbar ist, Kingsborough sind auf jeden Fall eine spannende Band für alle, die abwechslungsreichen und handgemachten Classic-Rock mit starken Vocals…

Small Town Talk

Per Gessle hat als musikalischer Kopf und Songschreiber von Roxette in den letzten dreißig Jahren die Radiolandschaft in Europa nicht nur dominiert, sondern regelrecht geprägt. Nachdem Roxette aufgrund des Gesundheitszustandes seiner musikalischen Partnerin Marie Fredriksson nun wohl endgültig Geschichte sind, forciert Gessle nun auch außerhalb von Schweden seine Solokarriere – und beginnt mit „Small Town Talk“, einer englischsprachigen Best Of seiner 2017 in Schweden veröffentlichten Alben „En Vacker Natt“ und „En Vacker Dag“.

Wer dabei Musik a la Roxette erwartet, dem dürfte eine leichte Enttäuschung bevorstehen. Denn über weite Strecken bevorzugt Gessle statt Gute-Laune-Singalongs hier country- und akustikgitarrenorientierten Erwachsenenpop mit Singer/Songwriterflair, Fiedel, Pedal Steel und Mundharmonika. Natürlich, die Stimme ist unverkennbar, und ein paar Songs (beispielsweise ‚Simple Sound‘ oder ‚Name You Beautiful‘) könnte man mit einem „flashigen“ Remix durchaus ins Roxette-Revier bugsieren. Auch dem traditionellen Roxette-Songaufbau bleibt er mit Verpflichtung diverser weiblicher Duettpartnerinnen treu, und das Gespür für sofort hängenbleibende Hooklines hat Gessle natürlich auch nicht verloren. Aber die echten Highlights sind die spartanischer arrangierten ruhigen Stücke, die den erfolgreichen Americana-Hipster-Combos kräftig Konkurrenz im eigenen Gehege macht. Wie erwähnt, Gessle kennt seine stimmlichen Limitierungen und hat sich deshalb diverse Gastsängerinnen eingeladen, die viel zum Gelingen des Albums beitragen. Die mir bislang vollkommen unbekannte Sängerin Savannah Church stiehlt beispielsweise mit ihrem authentischen Südstatten-Flair dem Boss in ‚Far Too Close‘ fast schon die Show. Noch überraschender ist der Titelsong, den Gessle im Duett mit dem „Jesus Of Cool“ himself, Pub-Rock-Kultfigur, Punk-Miterfinder und Songwriter-Legende Nick Lowe zum Besten gibt – die vollkommen unterschiedlichen Stimmen entlocken dem Song jede Menge unerwarteter Facetten. Im beschwingteren ‚Being With You‘ zollt Per einmal mehr seinen Faves The Byrds Tribut, abgeschmeckt mit je einem Schuß Lindsey Buckingham und Crowded House. An deren Neil Finn erinnert auch das schöne Storyteller-Stück ‚It Came Too Fast‘, einer der Songs, die beim ersten Hören eher unscheinbar wirken, sich aber beim dritten oder vierten Durchgang als emotionales Highlight entpuppen.

Wenn man an „Small Town Talk“ eines kritisieren kann, dann höchstens, dass die Uptempo-Stücke mit Ausnahme von ‚Being With You‘ mit ihrer deutlich glatteren Produktion ein wenig wie Fremdkörper zwischen den intimeren und spartanischeren Songs wirken – da hätte man sich etwas mehr Mut zum Risiko gewünscht. Aber das ist pure Geschmackssache, und unabhängig vom persönlichen Geschmack hat Per Gessle mit „Small Town Talk“ eine ziemlich feine Scheibe abgeliefert, die den Brückenschlag zwischen dem Radiopop-Genie und dem reifen Songwriter überzeugend und vor allem glaubwürdig schlägt.

The Clear Lake

Gut zwei Jahre nach ihrem Debütalbum „Big Medicine“ legen die vier Southern-Rocker von Brother Hawk mit ihrem neuen Album nach. Stilistisch hat sich auch auf „The Clear Lake“ nicht viel geändert, aber das ist auch vollkommen okay, da schon der Erstling voll und ganz überzeugen konnte. Auch hier treffen wieder leicht bluesige Southern-Rock-Attitüde auf Folk, es dominieren griffige Hooklines und markante Gitarrenriffs, Rootsrock und Americana verbreiten sommerlich- Intime Lagerfeuerstimmung, die zu jeder Zeit absolut authentisch und ehrlich zu uns herüberschwappt.

Das Quartett aus der US-Metropole Atlanta baut immer wieder wabernde Orgeln und exzellente, leicht jammige Gitarrensoli in die ausgezeichnet geschriebenen Songs ein, und gerade auch die langsameren Stücke oder die rein akustisch gehaltene Ballade ‚White Oak‘. Das Tempo ist bei vielen Stücken eher zurückhaltend, aber gerade das trägt viel zur relaxten Stimmung des Albums bei. Eben ein klarer, ungetrübter See, der im Sommerlicht funkelt. Später wird es etwas kantiger und bluesiger mit der groovenden und sehr starken Nummer ‚The Black Dog‘, gefolgt vom Highlight des Albums, dem unter die Haut gehenden Song ‚West Asheville Sea‘, unserem Anspieltipp für euch. Der Longtrack ‚Weight‘ ist mit seinen zehn Minuten Laufzeit ein wahrer Brocken, den man der Band so gar nicht zugetraut hätte. Sehr schön!

Brother Hawk leugnen mit ihrer Musik keineswegs Einflüsse wie vom Klassenprimus Neil Young, den Black Crowes oder neueren Acts wie The Vegabonds. Auch beim neuen Album erfinden die vier Amerikaner das Southern-Roots-Rad nicht neu, aber das, was sie hier abliefern, ist grundsolide und macht auch beim wiederholten Hören viel Spaß. Eingetütet werden kann die Scheibe zum Beispiel beim Importspezialisten Just For Kicks Music

Divisions

Wie haben es Kollegen so schön beschrieben? Stevie Nicks und Ryan Adams gehen zusammen mit den Allman Brothers auf Sauftour. So ähnlich klingt tatsächlich die Band Vaudeville Etiquette, die Americana, Roots, Country und Classic Rock zu einem höchst stimmungsvollen Cocktail mixen.

Vaudeville Etiquette stammen aus Seattle im Nordwesten der USA und legen mit „Divisions“ eine neue EP vor, die da anknüpft, wo das letzte Album „Aura Vista Motel“ aufgehört hat. Die Leadvocals werden dabei auch jetzt wieder sowohl von Frontfrau Bradley Laina als auch von Tayler Lynn übernommen, was für viel Atmosphäre und Abwechslung sort. Das sorgt auf der leider mit nur vier Songs sehr kurz geratenen EP nicht nur für Gänsehaut-Momente, sondern hebt die Band auch weit aus der Masse ähnlicher Folk- und Country-Acts heraus.

Eine kurze EP mit leider nur vier Songs. Aber die Qualität stimmt auf jeden Fall. Die zweite Nummer, das stylische ‚Ontario‘, klingt, als hätte sich Alanis Morissette mit einer groovenden Countryband zusammengetan. ‚White Horse‘ besinnt sich auf die Rootsrock-Wurzeln der außergewöhnlichen Band, und das abschließende ‚Swamp Witch‘ überzeugt durch bluesige Rockriffs und knisternde Atmosphäre. Vaudeville Etiquette schreiben, wie immer bei dieser außergewöhnlichen Band, die Abwechslung ganz groß. Und so macht diese EP nicht nur gehörig Lust auf die nächste Tour oder das nächste vollständige Album, sondern kann auch so gefallen.

Brave New World

Die Mischung ist nicht neu, wohl aber die Band. Relativ zumindest. Gegründet wurden The Dirty Soul Revival im Jahre 2015 im heimischen US-Bundesstaat North Carolina. Von dort gibt’s energiegeladenen Southern Rock, wie er im Buche steht. Das Quartett um Frontmann Abraham Anderson verschmilzt klassische Hardrock-Riffs mit eingängigen Hooklines, Harmoniegesang im besten Beatles-Stil, ein paar psychedelischen Elementen und jeder Menge Rock’n’Roll-Groove. Auf dem jetzt veröffentlichen Debütalbum der Band treffen quasi Lynyrd Skynyrd auf die Black Crowes, und Led Zeppelin jammen mit Creedence Clearwater Revival. Und das geht mächtig nach vorne, lädt ein zum Biertrinken an der Saloonkneipe und zum Mitstampfen im Takt.

Eine „Brave New World“ wird wie gesagt hier nicht betreten, denn irgendwie hat man alles schon einmal ähnlich gehört, aber was soll’s, wenn’s doch so viel Spaß macht? Manchmal müssen solche Stereotype einfach erfüllt werden, und wenn eine Band schon The Dirty Soul Revival heißt, weiß man eh, wo es lang geht. Und das ist in diesem Fall ziemlich gut so. Groovende Songs wie ‚Watch Me Bleed‘ oder der stampfende Opener ‚Welcome To The Black‘ überzeugen durch tolle Riffs, schöne Harmonien und lassen viel Spielfreude hören. Wer auf eingängigen Classic Rock mit bluesiger Country-Attitüde steht, dürfte hier viel Spaß haben.

Am Ende gesellt sich überraschend noch ein epischer Longtrack zu den kurzweiligen Nummern. Der Titelsong des Albums bringt es auf rund 9 Minuten Länge und erfindet quasi das Genre Progressive Southern Americana Rock. Hier trifft Abwechslung auf ein paar unerwartete Momente und zeigt, dass das Songwriting der Band auch abseits der ausgetrampelten Pfade bestens funktioniert. Erhältlich ist das feine Ding beim Importspezialisten Just For Kicks