Schlagwort: Indierock

THE WOMBATS mit neuer Single und Album

The Wombats haben eine neue Single am Start: ‚Black Flamingo‘ heißt ihre neuste Auskopplung aus dem vierten Album ‚Beautiful People Will Ruin Your Life‘, das brandaktuell erhältlich ist. Das Liverpooler Trio feierte mit Songs wie ‚Let’s Dance To Joy Division‘ und ‚Moving To New York‘ ihren Durchbruch. Bis heute wurden ihre Songs über 200 Millionen…

Vom Stochern in der Asche

Mit zwölf vielseitigen Songs und einer Spieldauer von einer guten halben Stunde stellt die 2012 gegründete Indie-Rock-Band Löwen am Nordpol ihr selbstproduziertes Debüt „Vom Stochern in der Asche“ vor. Musikalische Bezugspunkte sind zum einen die deutschsprachigen Bands der sogenannten „Hamburger Schule“ wie Tocotronic, Kettcar, Tomte und Konsorten – nicht nur im Bezug auf die deutschen Texte, sondern auch dem (sehr stimmigen) Gesamteindruck. Aber beim Trio aus Whiskey-Soda-Town Berlin klingen auch Einflüsse melodischer Indie-Rock-Gruppen wie Jimmy Eat World oder Buffalo Tom sowie ein gewisser Punkrock-Vibe durch. Mit ihrem Gefühl für ohrwurmige Melodien stehen die Hauptsstädter dabei ihren großen Vorbildern in keinster Weise nach. Die verzerrten Riffs und Beats sind treibend und die Hooklines (‚Glaub dir nicht‘, ‚Der Beweis‘) so groß wie die, die Olli Schulz vor einigen Jahren besang.

Das noch größere Kompliment an die Jungs dürfte allerdings sein, daß die „anspruchsvollen“ Texte nicht irgendwie gekünstelt rüberkommen. Das hier ist echt potenter, und kein prätentiöser Möchtegern-Indie-Rock. Egal ob klare, politische Kante in ‚Bringt Mir Den Kopf von Donald Trump‘, tongewordene Eskapismus-Phantasien bei ‚Beamt mich up‘ oder ‚New York‘, zerbrochenen Kindheitsträumen in ‚Astronaut‘, dem nostalgischen Gefühl beim Gedanken an die eigene Jugend bei ‚Cobain‘ oder dem wunderbar-wortmalerischen Liebeslied ‚Dich! Dich! Dich! Dich!‘ – das alles machen die drei Jungs wirklich sehr, sehr gut. Bleibt uns eigentlich nur, dem Dreigespann zu einem in diesen Tagen alles andere als selbstverständlichen, intelligenten Stück deutscher Rockmusik zu gratulieren und das Beste für die anstehenden Pläne zu wünschen. Die dürfen durchaus ambitioniert sein – die Löwen am Nordpol haben das Potential dazu auf jeden Fall!

LÖWEN AM NORDPOL fordern den Kopf von Donald Trump

Eigentlich wollten sie gern auch weiterhin in die USA reisen dürfen. Doch das könnte sich für die drei Berliner Indie-Rocker von Löwen am Nordpol demnächst sehr schwierig gestalten. Grund dafür: Die erste Single aus ihrem Debüt-Album trägt den Titel ‚Bringt mir den Kopf von Donald Trump‘! Die Band hatte überlegt, ob sie wirklich diesen Song…

Spooky Action

Mansun waren die wohl seltsamste Band, die mit dem Britpop-Trend hochgespült wurde. Mit den depressiven Texten und der oft weinerlichen Stimme von Frontmann Paul Draper ähnelten sie einerseits Radiohead, musikalisch aber bedienten sie sich einer weit größeren Palette. Von Beatles-lastigen Songs, wie sie für den Britpop charakteristisch waren, über cheesige Discosounds und Garagen-Punk bis zu spacigem Progrock erlaubten sie sich alles. Mit „Six“ sogar ein Konzeptalbum, dessen Songs im Schnitt zwischen sechs und neun Minuten dauerten und für das „The Voice“ Tom Baker (Doctor Who) Gedichte rezitierte. Dennoch schafften es ihre ersten drei Alben in die UK-Top 20, das Debüt „Attack Of The Grey Lantern“ sogar auf Platz 1.

Nachdem die Band 2003 implodierte und nur noch durch Gerichtsverhandlungen von sich hören ließ, tauchte Paul Draper in den letzten Jahren mit zwei EPs („EP1“ mit Steven Wilson als Gast) und als Kollaborateur der großartigen Catherine Anne Davies aka The Anchoress wieder auf. Nun gibt es mit „Spooky Action“ sein seit Jahren in Arbeit befindliches erstes Soloalbum – und immer noch existiert Draper in einem Paralleluniversum, in dem es keine musikalischen Konventionen zu geben scheint. Einige Songs wie ‚Things People Want‘ und ‚Jealousy Is A Powerful Emotion‘ tragen deutlich die Handschrift von The Anchoress, die bei fast allen Songs als Co-Autorin, Keyboarderin und Background-Sängerin aufgelistet ist, aber damit hat sich’s schon mal mit leichten Vergleichen. Kraftvoller Indie-Pop mit Wave- und leichtem Progeinschlag, könnte man sagen. So hätten Radiohead vielleicht klingen können, wenn sie nach „OK Computer“ nicht in die Electronica eingetaucht wären, sondern ihre Liebe für Iggy Pop, „Scary Monsters“ und die ersten drei Simple Minds-Alben entdeckt hätten. Das bedeutet natürlich alles Andere als einfachen Stoff, aber ganz ehrlich: hat jemand von Paul Draper ein Easy Listening-Album erwartet? Immerhin hat er sich die überlangen experimentellen Epen diesmal „gespart“. Zwischen sperrigen Songs wie dem Opener ‚Don’t Poke The Bear‘ und ‚Friends Make The Worst Enemies‘ gibt es aber ausreichend Eingängiges wie die beiden oben Erwähnten, das an den Oasis-Nachfolger Beady Eye erinnernde Drei-Minuten-Popstück ‚Feel Like I Wanna Stay‘ oder auch die tanzbaren (!)’Feeling My Heart Run Slow‘ und ‚Can’t Get Fairer Than That‘, die den Einstieg in „Spooky Action“ erleichtern.

Zwar fehlen dem Solodebüt von Paul Draper noch die überragenden Highlights, die Mansun und das The Anchoress-Debüt hervorbrachten, aber es freut, einen der interessantesten Musiker der Neunziger endlich wieder in Aktion zu erleben. Vor allem, weil Paul sich auch auf eine kleine UK-Tour begeben hat, ist zu hoffen, daß es nicht wieder vierzehn Jahre dauert, bis man von Draper etwas hört.

Everything Now

Der Name ist Programm. ‚Everything now‘ hat tatsächlich alles. Und gerade das bekommt dem Album nicht bloß gut.

Arcade Fire haben schon echt wahnsinnig gute Alben rausgebracht. Denken wir an ‚Funeral‘ zurück. Eine Folk-Naturgewalt, welche selbst David Bowie zum Fan werden ließ – und das war erst der Anfang. Dann kamen ‚Neon Bible‘ und ‚The Suburbs‘: auf beiden kommt ihre unverwechselbare Art, Rocksongs losgelöst von Konventionen zu kreieren, und ‚der‘ typische Bandsound zum Vorschein. Der letzte Streich ‚Reflektor‘ war ein psychedelischer Ausflug zu bislang neuen, negativen, düsteren Sphären.

‚Everything Now‘ hat den Manus, dass es keine klare Linie fährt. Und den Bonus, dass die Kanadier beweisen, wie viele Genres sie beherrschen, wenn sie wollen, ohne dabei gänzlich ihren Sound zu verlassen. Abwechslung ist garantiert. Jeder findet wenigstens einen Song, dem ihm den Erwerb der Scheibe wert sein wird. Es gibt aber auch immer wieder Kleinigkeiten, die penetrant anfangen können, die auditiven Nerven zu strapazieren. Die gleichnamige Single ‚Everything Now‘ hat fetzige Disco-Elemente mit funky Bass und beinahe anpreisendem Background-Ruf. Und das Experiment mit der Panflöte im Chorus kann man noch akzeptieren. Aber wenn dann die Klaviermelodie gleich zu Beginn sich so extrem an ABBA bedient und immer wieder auftaucht, kann man die Hälfte des Songs kaum noch ernst nehmen, weil man sich unfreiwillig die Bandmitglieder im schwedischen Seventees-Look vorstellt.

Ähnlich ergeht es da dem eigentlich starken ‚Creature Of Comfort‘, wo ein durchweg surrender Synthie kombiniert mit einer durchschwingenden E-Gitarre für durchdröhnende Energie en masse sorgen. Schade nur, dass in den letzten anderthalb Minuten der Band scheinbar die Akkorde ausgehen und sie auf einem verharrt, wodurch es nur noch langatmig wird. Hinzu kommt ein so hoher, aufdringlicher Gesang von Régine Chassagne, dass sie fast schon als Zweitbesetzung bei Die Antwoord gecastet werden könnte. Bei ‚Infinite Content‘ wird es schief und punkrockig, ehe der Song bei – man beachte den Unterschied –
‚Infinte_Content‘ gemächlich mit einem Prärie-Country zu Ende geht. Eine Portion Weltall-Synthie mit jaulendem Glissando gibt es dann noch bei ‚We Don’t Deserve Love‘.

Es gibt aber auch Songs, die experimentell besser geglückt sind. ‚Peter Pan‘ ist ein entspannter Synthie-Reggae, der an eine softe ‚Humanz‘-Version von Gorillaz erinnert. Hier zeigt Win Butler im Refrain sogar seine unmelodische Seite und nähert sich mit Sprechgesang dem Rap-Genre an. Darauf folgt ‚Chemistry‘, der vielleicht tollste Song des Albums. Vor dem geistigen Auge marschieren hier Arcade Fire gemeinsam mit den Beatles und einer kleinen Blaskapelle durch die Straßen und verbreiten gute Laune, welche jeden Hörer auf die Beine holt und mitziehen lässt – nur, um im Refrain dem lässigen Schritttempo mit 80er Classic Rock mehr Wucht zu verleihen.

Ein Schmankerl liefert das Album, indem man die Anlage auf Repeat eingestellt hat. Dann schließt nämlich der letzte Song ‚Everything Now (continued)‘ fließend an das Intro der Platte, welche zufälligerweise genauso heißt. Und man ist trotz ungewöhnlicher Genre-Kombinationen und teilweise nerviger musikalischer Ideen und Sounds dennoch gewollt, dieses fünfte Album von Arcade Fire nochmal durchzuhören. Dass der ‚Wir machen alles mögliche‘-Gedanke für das Gefühl eines einheitlichen Albums im Vergleich zu ‚Funeral‘ oder ‚Reflektor‘ nicht nur positiv ist, heißt im Endeffekt nicht, dass die Songs für sich schlecht sind. Jeder hat Charakter, jeder wird einen Fan ansprechen. Und je öfter man diese wilde Ausstellung an Höreindrücken über sich ergehen lässt, desto mehr Gefallen findet man an ihr.

ARCADE FIRE – Neues Album kommt morgen raus

Nur noch ein paar Stunden müssen sich die Fans gedulden, dann können sie es sich auch holen: das neue Arcade Fire Album ‚Everything Now‘. Nach dem Grammy-gekrönten ‚The Suburbs‘ und dem von Kritikern gelobten ‚Reflektor‘ kommt nun die mit Spannung erwartete fünfte Platte der Kanadier auf den Markt. Zu den Produzenten Thomas Bangalter und Steve…

Trippin‘ With Dr. Faustus

Amplifier sind der typische Fall von Kritikerlieblingen, die sich für die Lorbeeren von der schreibenden Zunft aber bislang noch keine Ferraris kaufen konnten. Immerhin haben die Jungs aus Manchester sich eine kleine, aber treue Fangemeinde aufgebaut, die ihre Mischung aus Alternative, Prog, Britpop, einem Schuss Metal und viel Sixties-Psychedelia zu schätzen weiß und die Band fast kultisch verehrt.

Ich lehne mich jetzt einmal ein wenig aus dem Fenster und behaupte, daß Amplifier auch mit „Trippin‘ With Dr. Faustus“ nicht den Sprung in den Mainstream schaffen werden. An der Qualität des Gebotenen liegt es freilich nicht. Sel Balamir verfügt über eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert und ist mit Steve Durose (Oceansize) auch für die zwischen Syd Barrett, John Squire und Tony Iommi balancierende Gitarrenarbeit zuständig, die Gesangslinien sind auch in den schrägsten Momenten immer wunderbar ohrenfreundlich und nichts, aber auch gar nichts wirkt hier gekünstelt oder aufgesetzt. Alles fließt wunderbar organisch und verbreitet darüber hinaus trotz der immer präsenten, leichten Melancholie schlicht und einfach gute Laune, auch, weil die Band sich nicht allzu ernst nimmt. Selbst, wenn in ‚Silvio‘ Goethes Faust als Inspiration zitiert wird, was eigentlich ja die ultimate Prätention darstellt, wird das klassische Werk als Basis für eine ätzende Satire auf den italienischen Proto-Trump Silvio Berlusconi genutzt.

Also, warum wird der moderne Rockhörer einmal mehr Amplifier ignorieren? Nun, Indie-Hipstern geht genau dieses Sich-selbst-nicht-ernst-nehmen auf den Keks, denn, was ironisch ist und was nicht, entscheidet die Szene, nicht der Künstler. Den modernen Proggern ist das alles zu launig und positiv, und außerdem ist kein Zehnminuten-Song drauf (‚Freakzone‘ schafft es aber immerhin auf Achteinhalb). Bleibt also der Normalo-Hörer, und dem wird die Mischung zu wenig stromlinienförmig sein. Somit wird der Fanclub einmal mehr zurecht vor Begeisterung steilgehen, der Rest der Welt hingegen wird’s einmal mehr nicht mitbekommen oder nicht verstehen. „Trippin‘ With Dr. Faustus“ klingt, als ob Amplifier damit aber wunderbar leben können – das hier ist der Sound einer Band, die mit sich selbst im Reinen ist. Nicht nur, aber auch deshalb: einfach wunderbar.

BLONDIE – Video zu ‚Fun‘

Vor zwei Wochen haben wir berichten dürfen, dass Blondie am 5. Mai ihr neues Album ‚Pollinator‘ veröffentlichen. Nun ist ganz frisch das Video zur ersten Single ‚Fun‘ fertig: Foto: Alexander Thompson

JAPANDROIDS – Song, Album, Tour

Ein neuer Song kommt zu Ohren von den Japandroids. ‚No Known Drink Or Drug‘ stammt aus dem Album ‚Near To The Wild Heart Of Life‘, das am 27. Januar per ANTI-Records veröffentlicht wird. Bereits im vergangenen Jahr schickt das Duo aus Vancouver den Titeltrack als erste Hörprobe in die Welt. Im April werden Japandroids auf…

Eine neue Hoffnung – BartekJCs Indie-Jahresrückblick.

Selten hat man sich ein Jahr so sehr weggewünscht wie dieses. Zu viele musikalisch tiefe Einschnitte hat es hinterlassen. Der einzige Trost, der einem bleibt, ist der starke Nachwuchs, den dieses verhexte 2016 liefert. Eine neue Hoffnung keimt auf, und auch etablierte Künstler entwickeln sich positiv weiter. Hier kommen die besten Scheiben, die BartekJC über den Weg liefen und mittels Ohr in sein Herz gelangten. Und als „Geheimtipp“ gibt’s eine alles andere als geheime Band.