Schlagwort: Blues Rock

TORA TORA – Let’s go to Memphis in the meantime…

Das Albumcomeback der Hardrocker Tora Tora war eine der willkommensten Überraschungen des noch jungen Jahres 2019. „Bastards Of Beale“ zeigt die Band zwar merklich gereift und vielleicht bodenständiger als je zuvor, aber auch absolut und ohne Zweifel mit hohem Wiedererkennungswert. Sänger Anthony Corder hat sich Zeit genommen, uns über das Comeback und die History der…

Blue Lightning

Ein Blues- und Classic-Rock-Tribute-Album von einem der besten Gitarrenspieler der Welt? Das Interesse vieler Gitarren-Fans dürfte dem Label Mascot sicher gewesen sein, als kürzlich bekannt wurde, dass Mr. Yngwie Malmsteen bald mit neuer Musik aufwarten wird.

„Ich habe schon immer an alten Songs herumgedoktert, sowohl live, als auch im Studio. 1996 entstand dadurch ein ähnliches Album namens „Inspiration“. Mascot kamen schliesslich zu mir und schlugen mir vor, ein Bluesalbum aufzunehmen. Die wenigsten Leute wissen, dass ich eine grosse Affinität für Blues habe. Als Mascot mir dann dieses Projekt vorschlug, war ich nicht überrascht. Im Gegenteil, es fühlte sich so natürlich an“, wird Malmsteen zur Entstehung des Albums zitiert.

Ausgesucht hat sich der 55-jährige Schwede absolute Klassiker von den bekanntesten Namen im Genre. Hendrix, Clapton, Beatles, Stones, Deep Purple. Die Creme de la Creme des Rock. Dazu kommen vier eigene, neue Songs. Der Titeltrack eröffnet das Album mit den insgesamt zwölf Stücken, auf LP und Special Editon CD kommen noch zwei Bonustitel dazu: Jimi Hendrix‘ Little Miss Lover‘ und ‚Jumpin‘ Jack Flash‘ von den Rolling Stones. Die drei weiteren Songs aus Malmsteens eigener Feder bieten das, was man erwartet. Blues-Songs mit ausgedehnten Soli – das kann der Mann zweifellos. Vor allem das vorab veröffentlichte ‚Sun’s Up Top’s Down‘ gefällt sehr.

Womit wir bei den Cover-Versionen wären. Die stehen natürlich immer im Spannungsfeld, nicht zu nah, aber auch nicht zu weit vom Original entfernt zu sein. Malmsteen hatte sich im Vorfeld auf die Fahnen geschrieben, die Songs nicht nur einfach nachzuspielen. Wenn man sich allerdings den heiligen Gral der Rockmusik wie ‚Smoke On The Water‘, ‚Paint It Black‘ oder ‚While My Guitar Gently Weeps‘ vornimmt, dann begibt man sich auf besonders dünnes Eis. Malmsteens Version vom vielleicht berühmtesten Gitarrenriff der Welt von Deep Purple deckt die Schwächen auf: Malmsteen mag ein Gitarrenvirtuose sein, er ist aber bestenfalls ein durchschnittlicher Sänger. Viel schlimmer noch ist allerdings etwas anderes: Die Produktion hat keinen Druck, klingt stellenweise gruselig amateurhaft und schwachbrüstig. Falls das so gewollt ist, macht es das noch schlimmer.

Es ist schade, das so deutlich sagen zu müssen. Aber dieses Album ist leider ein trauriges Beispiel dafür, dass epische Songs und ein Spitzenmusiker noch lange kein gutes Album garantieren. Neben dem amateurhaften Sound ohne Druck spürt man die Leidenschaft nur teilweise aufblitzen. Herr Malmsteen hätte gut daran getan, sich auf’s Gitarrenspielen zu konzentrieren und den Gesang und vor allem die Produktion jemand anderem zu überlassen. Bei seinem Namen ist die Mittelmässigkeit dieser Produktion nicht zu entschuldigen, das machen auch die soliden eigenen Songs und die ausgedehnten Gitarrensoli nicht wett.

Das hier ist nur für Fans. Und zwar von Yngwie und nicht von seinen Vorbildern. Deren Fans könnten teilweise nämlich richtig enttäuscht sein.

NAZARETH mit Vinyl-Reissues

Nachdem sie im letzten Jahr mit dem Mega-Box-Set „Loud And Proud“ (unser Review findet Ihr hier) und dem neuen Studioalbum „Tattoed On My Brain“ ihr fünfzigjähriges Jubiläum gefeiert haben, legen die unkaputtbaren Nazareth nun eine Auswahl ihrer Klassikeralben wieder als LPs auf – erstmals in farbigem Vinyl und mit remastertem Sound. Den Anfang machen der…

Heavy Hearted

Ryan McGarvey hat schon seit seit dreizehn Jahren den Status eines Geheimtipps für Bluesrock-Fans. Trotz durchweg hochwertiger Musik und der Unterstützung von Kollegen wie Eric Clapton (der ihn zum Crossroads-Festival einlud) oder Warren Haynes ist ihm der Durchbruch in den Mainstream bislang aber noch nicht so richtig gelungen. Mit „Heavy Hearted“ legt der 32jährige nun seit viertes Studiowerk vor, welches der Zielgruppe absolut ans Herz gelegt werden kann.

Die Palette ist dabei höchst traditionell aufgestellt: ZZ-Top-lastiger Boogierock trift auf die Dringlichkeit von Stevie Ray Vaughan – McGarvey stammt stilecht aus New Mexico, der Sound des Süden liegt ihm hörbar im Blut. Die meisten Songs kommen mit einer Gitarrenspur aus – aufgrund des fetten, zwischen Vaughan und Gary Moore liegenden Gitarrensounds und der exzellenten Band kein Problem. Am Bass findet sich hier übrigens der langjährige David-Bowie-Tieftöner Carmine Rojas wieder, dessen Dienste sich auch ein gewisser Joe Bonamassa gerne sichert. Mit dessen massentauglicher Version des Bluesrock hat Ryan McGarvey allerdings, wie erwähnt, kaum zu tun. Moderne oder gar mainstreamige Töne gibt’s hier kaum zu hören, dafür darf auch mal ein klassischer Up-Tempo-Shuffle mit Rockabilly-Flair wie ‚Houston‘ oder ein Skiffle-Blues wie ‚Six Feet In The Ground‘ ran. Die Songs sind generell vielleicht nicht unbedingt neue Blues-Klassiker, aber durch die Bank launig bis emotional und kommen ohne Ausfälle daher. Lediglich stimmlich muss man ein paar Abstriche machen. Zwar verfügt McGarvey über eine durchaus „okaye“ Stimme, die aber für Bluesrock-Verhältnisse zu sauber, in den hohen Lagen ein wenig zu dünn und generell ein wenig ausdrucksarm klingt. Das macht er mit seinem oft aggressiven und jederzeit emotionalen Gitarrenspiel aber wieder wett – man fragt sich trotzdem unweigerlich, wie die Songs mit einem Sänger der Klasse Warren Haynes oder Chris Robinson geklungen hätten.

Das ist aber nur ein kleines Manko, „Heavy Hearted“ ist eine feine Bluesrock-Scheibe geworden, die sich hinter den Outputs der Großen kaum verstecken muss. Und gerade bei Joe Bonamassa hat es ja auch einige Zeit gebraucht, bis er seine stimmliche Komfortzone gefunden hatte. Kaufen könnt Ihr die Importscheibe hierzulande bei den Spezis von Just For Kicks – was Bluesrock-Fans hiermit ausdrücklich nahegelegt sei.

Bastards Of Beale

Tora Tora waren Ende der Achtziger knapp davor, den Durchbruch in den USA zu schaffen. Mit ihrem Debüt „Surprise Attack“ und der Single ‚Walkin‘ Shoes‘ knackten sie die Charts, und der boogie- und bluesbeeinflusste Hardrock der Band war auch live immer eine Bank. Wie fast alle traditionellen Hardrocker wurden sie vom Grunge-Hype aus dem Business gedrängt, was nicht dem neuen Mainstream entsprach, war für die „Suits“ nicht mehr existent. 1994 nahm die Band zwar noch ein drittes Album auf, da aber ihr Label ihne jegliche Unterstützung entzog und logischerweise noch kein Bandcamp oder ähnliche DIY-Vertriebswege existierten, fand es nie den Weg in die Plattenläden und die Band löste sich kurz danach frustriert auf.

2008 reformierten sich Tora Tora in Originalbesetzung als pures Hobby- und Spaßprojekt, und 2019 gibt es nun erstmals neues Material der Memphis-Truppe zu hören. Stilistisch hat sich, den Fan freut’s, rein gar nichts geändert. Zwischen den Eckpunkten Led Zeppelin, Grand Funk Railroad, Great White, Tesla und Blackfoot rockt das neue Album „Bastards Of Beale“ höchst sympathisch und vollkommen unprätenziös und basisch drauflos. Vielleicht sogar ein wenig zu basisch, denn die Produktion hätte durchaus mehr Schmackes vertragen können – statt im Hardrock positionieren sich Tora Tora heute soundtechnisch eher im knackigen Bluesrock. Aufgenommen wurde das Album im legendären Sam Phillips Studio, in dem seinerzeit Johnny Cash, Roy Orbison, Jerry Lee Lewis und andere den Rock And Roll miterfanden, und so klingt das Album: knochentrocken, basisch und definitiv analog. Auch wenn das den Hardrocker verstören könnte, sollte das keinen Fan der Band vom Erwerb der Scheibe abhalten. Denn man gewöhnt sich schnell an den neuen Sound, und die Songs stimmen allesamt. Mit ‚Silence The Sirens‘ ist sogar ein waschechter Ohrwurm enthalten, der auch auf den ersten beiden Scheiben fraglos ein Höhepunkt gewesen wäre. Auch das sumpfig groovende ‚Son Of A Prodigal Son‘, das wie eine Mischung aus CCR und Kingdom Come klingt, beeindruckt mit viel Atmosphäre und großartigen Gitarren. Die mit Country- und Soul-Elementen ausgestattete Ballade ‚Lights Up The River‘ dürfte allen Black Crowes-Fans der „Amorica“-Phase ebensoviel Freude bereiten wie den Tora Tora-Fans, ‚All Good Things‘ und ‚Rose Of Jericho‘ sind groovige Boogie-Monster und zum Abschluss gibt’s mit dem Titelsong noch ne launige Uptempo-Nummer, wieder mit leichtem CCR-/Fogerty-Einschlag. Sänger Anthony Corder klingt immer noch ziemlich genauso wie anno dunnemals, die ganz hohen Quietscher erspart er sich (und uns?) heutzutage aber, was Tora Tora durchaus gut zu Gesicht steht.

Fazit: hier gibt’s eigentlich nichts, aber auch gar nichts zu meckern. Freunde von bluesigem Rock’n’Roll/Hardrock werden sich über das Album-Comeback der Band eh einen Ast freuen, und auch Fans von Gov’t Mule oder den erwähnten Black Crowes sollten „Bastards Of Beale“ unbedingt einmal anchecken. Der sympathische Vierer hat mit dem Album so ziemlich alles richtig gemacht – wäre fein, wenn sich das auch in Verkäufen niederschlagen würde.

Dreaming In The House Of Blues

Einmal mehr bringen die Schatzgräber Just for Kicks einen Künstler nach Europa, dem hier noch keine breite Öffentlichkeit zuteil wurde, auch wenn er 2015 auf Europa-Tour hierzulande zu sehen war. Ironischerweise stammt Ulrich Ellison aus Europa, genauer aus Graz in Österreich, wo er als Ulrich Guggenberger geboren wurde. Der Musiker lebt aber seit zehn Jahren in Texas, wo der 36jährige sein in Wien begonnenes Musikstudium auf der Jazzgitarre vertieft, Nachwuchspreise abgeräumt und in Bands bekannter Musiker Live-Erfahrung gesammelt hat. Der Multiinstrumentalist legt nun mit dem 80 Minuten langen „Dreaming In The House Of Blues“ sein fünftes eigenes Album vor. Die 18 Songs zeigen Ellisons Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit auf eine Art und Weise, die Spass macht. Der Wahl-Amerikaner ist tief im Blues verwurzelt, lässt aber auch seine Begeistung für Jazz, Soul, Classic Rock und Funk in sein neues Werk einfliessen.

Der Opener ‚America‘ ist gleich mal eine Midtempo-Ode an Ellisons Wahlheimat, simpel-rockig. Genau wie ‚Ten Feet Tall‘ flirtet der Saitenmeister hier mit 70er-Rock, inklusive Orgel und den Background-Vocals seiner Frau. ‚River of Life‘ ist die erste „richtig bluesige Nummer“ mit der richtigen Ladung Groove. Die soulige Ballade ‚I Had A Dream‘ lässt dem Hörer eine wohlige Verschnaufpause und bleibt im Ohr hängen. ‚Rolling‘ And Tumblin“ hat einen irritierenden orientalischen Touch für einen Blues-Song mit Mundharmonika. Interessant! Bei ‚Feeling Like A Rich Man‘ und ‚Sitting On The Top Of The World‘ geht es launig-funky und auch ein bisschen countryesk zu, ‚I’m Down‘ ist purer Blues-Rock, wie der Songtitel beweist. ‚Messin‘ Around‘ klingt so, als hätte sich Ellison bei Gary Moores ‚Stop Messin‘ Around‘ inspirieren lassen. Das hervorragende, rein instrumentale ‚Just You‘ am Ende der Scheibe ist mit seinen ausladenden, melancholischen Gitarrensoli, den Hammond-Orgeln und dem gemächlichen Tempo ein strahlender Blues-Edelstein.

Die pure Menge und Vielseitigkeit der Songs macht es bei aller Hochklassigkeit bei Songwriting, musikalischer Fingerfertigkeit und ausladener Verspieltheit nicht ganz einfach, die Essenz des Albums auszumachen. Auch wenn das Jammern auf hohem Niveau ist, fehlt der Veröffentlichung ein wenig der rote Faden. Aber das ist schliesslich auch ein Stückweit Geschmackssache und wem es nicht genug sein kann, kommt hier natürlich voll auf seine Kosten. Hier kann man entdecken, Vorbilder heraushören, träumen und sich dem Blues hingeben.

WHITESNAKE mit Jubiläums-Edition von 1987

Als Whitesnake mit ihrem Album „1987“ die ganze Welt eroberten, hatten sie bereits als inoffizielles Nachfolgeprojekt von Deep Purples Mark III-Besetzung eine ganze Reihe von Top-10-Alben im UK, in Europa und in Japan veröffentlicht und genossen Kultstatus. Nachdem mit US-Doppelplatin ausgezeichneten „Slide It In“, das in die US-Top-40 ging, hieß es aber für Bandboss David…