Schlagwort: Singer/Songwriter

Breach

Fenne Lilly hat ganz besondere Fähigkeiten. Zum Beispiel kann sie mitten in Berlin Ruhe und Besonnenheit finden. Jawohl, die junge Frau hat sich aus dem beschaulichen Bristol in die quirlige deutsche Hauptstadt zurückgezogen (!), um für sich zu sein. Und kam hier über die Einsamkeit nach einer Trennung hinweg.

Dieser Zustand bringt bekanntlich die besten Popsongs hervor. Und damit sind wir bei den anderen Fähigkeiten, wegen denen wir uns aber überhaupt mit der Sängerin und Songwriterin beschäftigen. Selbige finden sich in dem sehr entspannten Song zu besagter Stadt und Katharsis. Und in allen anderen elf Stücken auf „Breach“ (Dead Oceans). Jedes einzelne ist Grund genug, warum Fenne Lily eine ganz besondere Vertreterin ihrer Zunft zu nennen ist.

I’m a ghost sometimes“ singt sie in dem Song mit dem Phantasietitel „Alapathy“. Durchaus hat ihre Musik etwas Schwebend-Durchlässiges. Lilys Stimme ist filigran, oft nur ein Hauchen. Und „Breach“ ist im Ganzen so introvertiert wie eine einsame Seele, die melancholisch, aber frei durch die Welt wandelt.

Es mag an einer gewissen Altklugheit liegen, oder an der neugierigen Erwartungshaltung, die Menschen mit Anfang Zwanzig zu eigen ist. Jedenfalls fühlt man sich unglaublich gut aufgehoben in der Musik von Fenne Lily. Sie geht mit großer Vorsicht mit ihren Songs um und erschafft so zerbrechliche Strukturen wie die von „Elliott“, „Birthday“ oder dem zarten „Someones Else’s Trees“. Obwohl hier viel geträumt werden darf und auch auf Streicher nicht verzichtet wird („Laundry and Jetlag“), geht es niemals kitschig zu.

Fenne Lily ist sehr stark, ohne jeglichen Druck auszuüben. Das Geheimnis liegt in ihrer Ehrlichkeit und Selbstreflexion. Im Video zu „Solipsism“ etwa hat sie den „erschreckenden Gedanken“ verarbeitet, „dass ich mein ganzes Leben mit mir selbst verbringen muss“. „Breach“ präsentiert herrliche zwölf Songs, von denen jeder einzelne die wunderbare Gabe hat, sich ein wenig besser zu fühlen.

 

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Cargo Records

The Life Of The Honey Bee And Other Moments Of Clarity

Die Geschichte der schottischen Progger Abel Ganz reicht zurück ins Jahr 1980 (an dieser Stelle Glückwunsch zum 40. Geburtstag), in ihrer Anfangszeit waren sie vor allem im Fahrwasser der frühen Genesis zu verorten. In der Folge entwickelte sich das Sextett zum Neo Prog der 80er hin. Noch später kamen Folk- und Celtic-Elemente hinzu, die auch heute noch den Sound massgeblich mit prägen. Teilweise wurde Abel Ganz Stil auch mit Big Big Train, Camel oder Pendragon verglichen. Nach sechsjähriger Produktionsdauer schließt das vorliegende Konzeptalbum „The Life of the Honey Bee and other Moments of Clarity“ (Abel Ganz Records / Just for Kicks Music) an das hochgelobte, selbstbetitelte sechste Album an.

„Honey Bee“ handelt dabei nicht wie der Titel vermuten ließe von Bienen, sondern wesentlich grundlegendere Fragen des Lebens. Die sechs zusammenhängenden Stücke drehen sich um die menschliche Beziehung zu Erinnerung und Verlust, die Texte handeln von lang vergangenen Sommern und verblassenden Gedanken an verlorene Liebe.

Der fast dreizehnminütige Titeltrack eröffnet das Album charmant und mit der bekannten, federleichten Verknüpfung von Neo-Prog und keltischer Folklore. Mehrstimmiger Gesang, längere Keyboard-Passagen und ein Saxophon-Solo sind nur einige spannende Dinge, die es zu entdecken gibt. „One Small Soul“ kommt mit seiner akustischen Gitarre, der dezenten Instrumentierung und dem Duett von Sänger Mick Macfarlane und der preisgekrönten Gastmusikerin Emily Smith wie sanfter Singer-Songwriter-Folk daher. „Arran Shores“ ist ein kurzes Instrumentalstück auf der akustischen Gitarre, verträumt und melancholisch.

Bei „Summerlong“ treffen exzentrische Streicher auf typischen Neo-Prog-Keyboard-Sound – die Kombination ist ungewohnt und gefällig zugleich. Der Album-Abschluß „The Light Shines Out“ schöpft nochmals aus dem Vollen: Keltische Flöten, Congas und ein Waldhorn akzentuieren den von sanften Keyboard-Linien und einem minimalistischen Beat untermauerten Gesang, der hier von Drummer Denis Smith übernommen wurde. Eine wundervolle Ballade, melancholisch, behutsam und gemächlich-entrückt.

Abel Ganz neues Werk dürfte vor allem Liebhaber besonders ruhiger Prog-Klänge und sanftem Folk ansprechen, die hier ein stimmiges, in sich abgerundetes Meisterwerk vorfinden. Die Neo-Prog-Elemente stehen eindeutig im Hintergrund und wer metallische Gitarren und harte Beats sucht, wird eher im Back-Katalog der sechs Herren oder anderer Stelle fündig. Und das ist gut so. „The Life of the Honey Bee and other Moments of Clarity“ steht und spricht für sich selbst.

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DAVE HAUSE – Benefiz-Song „Your Ghost“ veröffentlicht

Der Singer-/Songwriter Dave Hause hat mit „Your Ghost“ einen neuen Song präsentiert. Unterstützt wird er dabei von Amythyst Kiah und Kam Franklin. Thematisch geht es in dem Lied um die Ermorderung des Afro-Amerikaners Floyd George. Vor diesem Hintergrund werden die Erlöse dem Philadelphia Community Bail Fund gespendet. BandhomepageDave Hause bei Facebook

MAX VON MILLAND – Präsentiert neues Video

Mit seiner Single „Über’n Berg“ schickt der Südtiroler Max von Milland nach „Wo es seids“ ein weiteres musikalisches Lebenszeichen. Da er aktuell an seinem vierten Album arbeitet, darf man gespannt sein was den geneigten Hörer darauf erwartet. Mit „Über’n Berg“ entführt er nämlich in seine Heimat, die Berge. Der Song ist zusammen mit Labrassbanda entstanden.…

The Night You Wrote That Song: The Songs of Mickey Newbury

„The Night You Wrote That Song: The Songs of Mickey Newbury“ (Proper Records): Gretchen Peters interpretiert Mickey Newbury. Wen? Dem deutschen Durchschnitts-Fan von Country, Folk und Americana dürften die Namen Gretchen Peters und Mickey Newbury vermutlich nicht so viel sagen, wie das bei ihren amerikanischen Fans der Fall ist. Aber sei es drum, das wollen wir hiermit ändern.

Gretchen Peters aus New York lebt inzwischen natürlich in der US-Countryhochburg Nashville und hat als Songwriter Material für Etta James, Trisha Yearwood, Shania Twain und Neil Diamond geschrieben und auch schon mit Bryan Adams zusammengearbeitet. Für ihre neues Album hat die vielbeschäftigte Musikerin jedoch auf die Neuinterpretation von Stücken des 2002 verstorbenen Singer / Songwriters Mickey Newybury konzentriert. Nach eigener Aussage war Newburys Musik eine Inspiration für Gretchen Peters, die sich immer von ihm und seinen oft traurigen Songs angesprochen gefühlt hat. Dementsprechend geht es hier auch eher getragen, leicht schwermütig und sehr emotional zu.

Die Musikerin covert auf ihrem Tribut zwölf Songs ihres Vorbilds, die sich stilistisch zwischen Country-Ballade, Americana, Blues und Folk bewegen, oft intim instrumentiert und überwiegend von Klavier oder Akustikgitarre begleitet. Unterstützt wird Gretchen Peters dabei von ihrem Ehemann Barry Walsh an Piano und Keyboard und Will Kimbrough an der Gitarre. Eine ganze Reihe von Gastmusikern sorgt mit Bass, Mandoline, Streichinstrumenten, Pedal Steel Gitarre, Harmonika für jede Menge Abwechslung und stimmungsvolle Gänsehaut-Momente in Songs, die oft kleine Geschichten erzählen.

Mickey Newbury ist auch in den USA lange unter dem Radar der Musikindustrie geflogen. Macht es also Sinn, wenn eine (hierzulande) eher unbekannte Künstlerin ein Album mit Covern eines ebenfalls nicht wirklich bekannten Songwriters aufnimmt? Die Antwort kann nur ganz klar „ja“ lauten, denn „The Night You Wrote That Song“ ist mehr als nur ein Tribut. Es ist kein „Best Of“ Mickey Newbury geworden, denn Gretchen Peters hat auch viele unbekanntere Songs ihres Idols aufgenommen und präsentiert damit eine sehr persönliche Auswahl, die auch äußerst emotional und persönlich vorgetragen wird. Wie es sich für ein gutes Tribut / Coveralbum gehört, interpretiert die Künstlerin die  Songs auf ihre ganz eigene Art und Weise und mach sie zu ihrem eigenen Material.  Wer Peters und Newbury noch nicht kennt, dürfte nach diesem Album Lust haben, sich mit beiden Künstlern näher zu beschäftigen.

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Kennt ihr schon… TIM TIEBEL & DIE TIERE DER EINSAMKEIT?

Man könnte es fast prophetisch nennen, dass Tim Tiebel & Die Tiere der Einsakeit ihr Album „Die Party ist so ziemlich vorüber“ genannt und mitten in die weltweite Quarantäne-Zeit veröffentlicht haben. Keine Parties vorerst, keine Konzerte, mit denen dieses schöne Album gefeiert werden könnte. Aber eins bleibt unerschütterlich, und das ist die Liebe. Die, von…

TIM VANTOL – Tour im Oktober

Der Singer-/Songwriter Tim Vantol hat pünktlich zur Veröffentlichung seines neuen Albums „Better Days“ eine Tour für kommenden Oktober angekündigt. Diese führt ihn durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Tim Vantol bei Facebook Bandhomepage Quelle: https://de-de.facebook.com/timvantol/

Better Days

„Better Days“ (Eminor Seven) lautet der für die aktuelle Zeit vielsagende Titel des vierten Tim-Vantol-Albums. Mittlerweile sind seit „Burning Desires“ drei Jahre vergangen und es kann in Zeiten der Corona-Pandemie nicht verleugnet werden, dass der Wunsch nach besseren Tagen in den meisten brennt.

Doch die Corona-Krise ist nicht der Hintergrund für „Better Days“, obwohl es bei dem Titel vermutet werden könnte. Zwar gibt Tim Vantol selbst zu, dass es möglich ist, die Lieder in diese Richtung zu deuten. Die Aufnahmen fanden allerdings bereits im Januar statt, also zu einem Zeitpunkt, an dem Corona in Europa noch kein großes Thema war.

Stattdessen geht es auf dem Album um den Kampf des Singer-/Songwriters gegen seine Depression und die inneren Dämonen. Nachdem er diese jahrelang geheim gehalten hatte, stellte er fest, dass er etwas gegen die Krankheit tun muss, um glücklich zu sein. Dass das Vorhaben nicht leicht war, schildert er in „Not Today”:

„I’m going to make it, but not today”.

Doch selbst nachdem die Depression in Angriff genommen worden ist, war es nicht immer einfach. Tim Vantol merkte, dass häufig Kopf und Herz unterschiedliche Auffassungen haben und man auch einfach mal aufs Herz hören sollte:

„You can’t steal a heart when it’s already been stolen // so fix the one you’ve got and make sure // when you’ve got the heart, just listen and follow // fight or swallow and leave the one you’re not”,

heißt es in „You Will Never”.

Natürlich geht es in den Lyrics nicht nur um die Depression. Die erste Single „5 Inch Screen“ widmet sich beispielsweise dem Umgang mit sozialen Medien. Die Texte sind jedoch so offen gestaltet, dass häufig auch andere Interpretationen möglich sind.

Trotz der ernsten Thematik ist es überraschend, wie fröhlich die Songs wirken. Vor allem der Titeltrack sowie „You Will Never“ verbreiten als UpTempo-Nummer mit Folk-Einschlag gute Laune. Es werden aber auch andere musikalische Stilrichtungen bemüht. Während „Tell Them“ und „Not Today“ poppig daherkommen, sind „No More“ und „5 Inch Screen“ eher rockig gehalten und besitzen schon für zukünftige Auftritte geplante Mitsingteile. Für die ruhigeren Momente sind schließlich mit „Haven’t You Learned“ und „It’s Gonna Hurt“ auch zwei Balladen vorhanden.

Tim Vantol ist vor der Veröffentlichung von „Better Days“ gewarnt worden, dass das Herausbringen eines neuen Longplayers während Corona möglicherweise schlecht für die Vermarktung und die Verkaufszahlen ist. Er entschied sich gegen die Warnungen. Er vermutete, dass die Menschen nun eigentlich Zeit zum Musik hören haben und er Ihnen mit einer neuen Platte einfach etwas Freude und Ablenkung geben könnte. Dies Vorhaben gelingt ihm wunderbar. Ihm ist anzumerken, dass er seine schweren Tage überwunden und seine eigene Mitte gefunden hat. So wirkt das Album abwechslungsreich, aber auch in sich geschlossen. Es bringt den Musiker Tim Vantol so sehr auf den Punkt, wie bisher keines seiner anderen Releases.

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TIM VANTOL – Von der Depression zu den „Better Days“

Tim Vantol gilt eigentlich als fröhlicher Mensch, der seine Musik liebt. Doch im Interview wird deutlich, dass das, was man von einem Menschen öffentlich sieht, nicht immer dem inneren Gemütszustand entspricht. Denn der Weg zu seinem vierten Album „Better Days“ war für den Singer-/Songwriter aufgrund einer Depression steinig, wie er im Interview zugibt. Außerdem spricht…

Die Party ist so ziemlich vorüber

Vielleicht hast du noch niemals geliebt
und du weißt nicht, dass es so etwas gibt,
dass man sich tief in die Augen sieht
und dann so etwas wie Liebe geschieht,
eh man sich versieht.

Die Liebe. Ein so großes, schier unerschöpfliches und für jede/n Musikschaffende/n ein gänzlich unvermeidliches Thema. Tim Tiebel & Die Tiere der Einsamkeit sind fürwahr nicht die Ersten, die ihm einen Großteil ihres Albums widmen. Aber sie tun es auf die kluge und entwaffnende aller Arten.

Auf „Die Party ist so ziemlich vorüber“ (Lonely Rabbit) singt der Berliner Liedermacher mit Maß, Muße und Inbrunst. Von Freundschaft, Leidenschaft und menschlichem Versagen. Er beglückt uns mit einer berührenden und lebendigen Sprache mit starken Bildern, die zunächst verblüffen und dann doch so vertraut zu sein scheinen. So ins Schwarze treffend, dass man sie glattweg auswendig kennen und inständig mitsingen will.

Zum Verücktwerden unprätentiös sind die Texte des Albums, voller Erkenntnis und wahrer Geschichten. Tim Tiebel & Die Tiere der Einsamkeit leben die großen Gefühle aus – und bleiben dabei doch gelassen. Weil sie wissen, dass man an einem gebrochenen Herzen eben nicht stirbt und es voller Lust immer wieder verlieren kann. Nein, sollte. Sie können ein so unendlich trauriges Lied von einer vergangenen Liebe wie „Der 13. Juli“ singen, die „Schatten von Schatten“ beschwören und trotzdem mit unerhörter Lässigkeit auf das Leben anstoßen.

Eins und Eins gibt halt nicht immer Zwei,
manchmal kommt die Liebe zu uns als große Offenbarung.
Ganz offenbar geht sie auch vorbei,
na und, dann war es halt Erfahrung.

Beim Hören von „Die Party ist so ziemlich vorüber“ kann man unglaublich melancholisch werden . Und froh. Und schwach. Und stark. Die Platte ist wie ein neuer Freund, der Eine/n sofort versteht.

Und eben weil der uns jederzeit über den Lebensweg laufen kann, gilt es, nicht zu verzagen und immer weiter voraus zu gehen. Denn:

Irgendwo brennt noch immer ein Licht.