Schlagwort: Singer/Songwriter

GEBHARDT – Geb Heart

Geb Heart (Apollon Records), das Soloalbum des ehemaligen Motorpsycho Drummers Håkon Gebhardt, hat durchaus ein paar Überraschungen auf Lager. Bei Motorpsycho denken wir natürlich an heavy psychedelic Rock, daher die erste Überraschung gleich beim instrumentalen Opener ‚March Of The Tortoise‘: Sofort sind die Bilder im Kopfkino aktiv. Da ist sie tatsächlich, die Schildkröte, die mit…

Kolossale Gegenwart

Es gibt wohl keinen zweiten Künstler in Deutschland, der – zumindest in der allgemeinen Wahrnehmung – soweit unter dem Radar läuft und gleichzeitig so eine große Anhängerschaft hat, wie Funny van Dannen. Seine Fans feiern ihn für seine oftmals satirischen Texte, die immer Anlass zum Lachen oder Nachdenken geben. Wenn er nicht für sich selbst…

Bittersweet

Das Nürnberger Indie-Folk-Quintett Me & Reas setzt mit dem Album „Bittersweet“ zum Höhenflug an. Die Combo hat bereits früh in ihrer Karriere erste Erfolgsluft geschnuppert, nur um recht bald festzustellen, dass sie sich im DIY-Kosmos doch bedeutend wohler fühlt. Back to the Roots, sozusagen. Nur selten hat man ein Album vor sich, welches die Seele…

MARCO SCHMEDTJE – Weitere Vorab-Single ist da (Update: Neue Single „Für Elise“)

Der Hamburger Singer/Songwriter Marco Schmedtje hat mit „Schmetterlinge“ eine weitere Vorab-Single aus seinem dritten Solo-Album „Marzipan“ veröffentlicht. Die Scheibe wird zehn neue Songs enthalten und ausschließlich in digitaler Form erscheinen. Schmedtje ist vor allen Dingen durch seine Zusammenarbeit mit Jan Plewka (Selig) bekannt. Diesen begleitet er als Gitarrist und Sänger bei Rio-Reiser-Abenden, außerdem sind die…

LISSIE – Zurück zu den Anfängen und noch weit davor

Die amerikanische Singer/Songwriterin und Gitarristin LISSIE hat innerhalb von drei Wochen zwei Alben rausgebracht. Bereits im August erschien die Geburtstags-Edition ihres Debüts „Catching A Tiger“ von 2010. Mit dieser Scheibe wurde sie damals bei den Q Awards als „Best Breakthrough Act“ nominiert und der Longplayer wurde in Großbritannien direkt mit Gold ausgezeichnet. Bevor die Musikerin…

2020 im Schlafanzug besiegt

Du kennst Sebel nicht? Doch – bestimmt! Zumindest dürfte seit dem Frühjahr 2020 ganz Deutschland seinen Song „Zusammenstehen“ kennen. Die Nummer war der Corona-Mutmach-Hit im ersten Lockdown. In verschiedenen – auch sprachlichen – Varianten, u.a. einer All-Star-Version mit 180 internationalen Künstler*innen, ging die Nummer auf allen Kanälen durch die Decke. Ansonsten teilt sich der 40-jährige die Bühne mit u.a. Stoppok und Alligatoah, ist aber eben auch seit über zehn Jahren Solomusiker. Als dieser bringt er nun mit „2020 im Schlafanzug besiegt“ sein mittlerweile viertes Werk unter eigenem Namen und Label auf den Markt. Die elf Songs hat er dabei weitestgehend im Alleingang eingespielt und produziert.

Mit dem Titelsong „2020“ geht es los. Die Gefühle, die die meisten Menschen im letzten Jahr erlebt – und oftmals mit viel Alkohol runtergespült haben – beschreibt der Multi-Instrumentalist hier sehr pointiert.

Kurz vor der Bundestagswahl ist ein Song wie „Dumme an die Macht“ gewagt. Beim genauen Zuhören wird dann aber klar, dass es sich um eine allgemeine Gesellschaftskritik handelt und keine Parteienempfehlung ist. Dass in dem Land der Dichter und Denker so viele „Deppen am Drücker sind“, ihre „Beautyblogs auf Instagram“ und „neuesten Facebook-Theorien“ verbreiten, lässt dem Musiker keine Ruhe.

Die Single „Mir reicht´s“ kommt mit einer radiotauglichen Melodie um die Ecke und groovt lässig vor sich hin. Auf „Stalingrad“ gibt sich Sebel der naiv-sympathischen Träumerei hin, dass es Hitler nie bis an die Macht geschafft hätte. Am Schluss wird es dann doch noch einmal politisch. Der Künstler kehrt in die Realität zurück und bezieht eindeutig Stellung: „Wo kommen all die Spinner her, es ist verrückt und es werden täglich mehr, als hätte es den Krieg nie gegeben.“

Mit reichlich Seemanns-Metaphern ist die Ballade „Halt Dich Fest“ versehen. Der Sänger wird dabei von seiner Lebensgefährtin Inga Strothmüller gesanglich unterstützt, genau wie beim Schluss-Song „Zusammenstehen“. Der virale Super-Hit beendet das Album nach knapp 40 Minuten in der schlichten Ursprungs-Version. Nur Klavier und zwei Stimmen.

Insgesamt gerät „2020 im Schlafanzug besiegt“ ziemlich ruhig und oft sehr nachdenklich. Den Grund hat Sebel Whiskey-Soda im ausführlichen Interview erzählt. Wer ein Corona-Konzept-Album erwartet, wird zu Recht enttäuscht. Das wäre dann doch zu langweilig und offensichtlich gewesen. Die Titel finden allesamt schnell den Weg in den Gehörgang. Bei den Texten lohnt es sich, mehrfach und genau hinzuhören. Wer auf Stoppok, die aktuellen BAP, Philipp Poisel oder Ingo Pohlmann steht, wird hier auf seine Kosten kommen.

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SEBEL – „Irgendwann ist meine Jogginghose einfach an meinem Körper angewachsen“

Sebastian -SEBEL- Niehoff, Musiker par Excellence, Multi-Instrumentalist (Gitarre, Schlagzeug, Keyboard/Hammond, Bass, Gesang), Bandmitglied bei u.a. Stoppok, lange Zeit Bandleader in einer Sportsendung im Fernsehen und insbesondere Musiker mit eigenen Songs, hat ein neues, sein mittlerweile viertes Album auf den Markt gebracht: „2020 im Schlafanzug besiegt“. Entstanden ist die Scheibe in der Pandemie-Zeit und nach seinem…

NOISEHAUSEN – Summer Stage Update

Mittlerweile hat sich das Line-Up der Noisehausen Summer Stage gefüllt. An zwei Wochenenden werden sich verschiedenste Künstler im Städtischen Freibad an der Schleifmühle versammeln. Es teilen sich Schwarzbauer & Maklar, Mono & Nikitaman, Haindling, PressYes, Zach Mathieu, Pawn Painters und LaBrassBanda die Bühne. 26.08.2021 – SCHWARZBAUER & MAKLAR 27.08.2021 – MONO & NIKITAMAN 28.08.2021 –…

TIM VANTOL – Ein Abend im tiefsten Niederbayern

Böse Zungen könnten behaupten, dass Pfarrkirchen irgendwo im niederbayerischen Nirgendwo liegt. „Pfarrkirchen? Dorf? Stadt? Loch?“, fragte der aus der Punkrockszene stammende Singer-/Songwriter Tim Vantol deswegen scherzhaft sein Publikum. Auf die leicht entrüsteten Reaktionen erwiderte der gebürtige Holländer, dass er ebenfalls in einem „Loch“ bei Berchtesgaden lebe. Das wiederum führte zu allgemeiner Zufriedenheit. So einfach kann…

Surrounded

Some people have a landscape written in their bones.

Er hätte gar nicht vorgehabt, ein weiteres Soloalbum aufzunehmen, erzählt Justin Sullivan im ausführlichen Interview für den Video-Podcast Couch Riffs. Zentral sei eigentlich die Arbeit mit seiner Band New Model Army, der derzeit seine ganze Loyalität gehört. Aber dann – kam der Lockdown, und Sullivan saß zu Hause, allein mit seiner Gitarre, aller Pläne beraubt. Damit bestätigt sich einmal mehr, dass in Sachen Kreativität und musikalischer Output diese eigenartigen Zeiten doch für etwas gut sind.

When you have to change your life is when you know you’re living.

Wer das erste Solowerk „Navigating By The Stars“ kennt, dessen Veröffentlichung ganze 18 Jahre zurückliegt, der dürfte ein seliges Lächeln auf den Lippen gehabt haben bei der Ankündigung von „Surrounded“ (earMUSIC). Und wird nicht enttäuscht. Der Zweitling löst ein, was das Debüt als Versprechen hinterlassen hat. Die Basslinie von „Amundsen“ zum Beispiel knüpft fast nahtlos an „Twilight Home“ an, dem Opener von „Navigating By The Stars“. Wieder gibt es auf „Surrounded“eine Stunde lang fesselnde Geschichten, starke Bilder, die fast greifbare Szenen heraufbeschwören und Naturgewalten, denen sich der Erzähler mit stoischer Ruhe ergibt.

Grey skies, dry stone walls, stretching all the way to the western islands
Where the rebels have the best songs and you know them line by line.

Aber eines ist auch ganz deutlich zu hören: der Altersunterschied. Sullivans Stimme ist jetzt gesetzter, tiefer, rauer – eben so, wie es die Natur bei einem inzwischen 65-Jährigen richtet. Was hingegen schon lange da ist und als Markenzeichen des Texters Justin Sullivan gelten kann, das sind die Menschlichkeit und Weisheiten, die er ganz nebenbei in seine Geschichten einstreut und die immer eine Erkenntnisgewinn garantieren.

The looked at me like they could not understand
That I’d die for a cause but not kill for it.

„Surrounded“ ist voller wunderbarer Melodien, in die sich ganz tief eintauchen lässt. Klare Höhepunkte sind „Stone and Heather“, „Unforgiven“ und „Sea Again“. Viele der Stücke bekommen eine ernste, bisweilen geheimnisvolle Note durch das großartige Bassspiel. Auch Violine, Harfe und Cello entfalten auf zurückhaltende Art eine faszinierende Wirkung. Erst dank dieser wohl dosierten Arrangements, die sich Sullivans von einer Reihe Musikerfreund*innen hat beisteuern lassen, wird das ganze Potential jedes einzelnen der 16 Songs freigelegt. Zum Glück hatten weder Sullivan noch Lee Smith, der Mann am Mischpult, Angst vor einer guten Prise Pathos, der im Zweifelsfall von den mitunter dramatischen Texten geerdet wird.

They took me to a commune farm where everyone smiled,
They were pure and kind and sure
I felt their goodness surrounding me and headed for the door.

Auch alle Mitglieder von New Model Army haben ihren musikalischen Beitrag auf „Surrounded“ geleistet. Dem Album folgt im Sommer zunächst eine Solotour von Justin Sullivan. Weil es aber irgendwie auch eine Angelegenheit der family ist, könnte sich der ein oder andere Song problemlos in die Playlist der kommenden New Model Army-Konzerte einfügen.

It only lasts a moment but what a moment it has been.

 

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