Schlagwort: Singer/Songwriter

Bittersweet

Das Nürnberger Indie-Folk-Quintett Me & Reas setzt mit dem Album „Bittersweet“ zum Höhenflug an. Die Combo hat bereits früh in ihrer Karriere erste Erfolgsluft geschnuppert, nur um recht bald festzustellen, dass sie sich im DIY-Kosmos doch bedeutend wohler fühlt. Back to the Roots, sozusagen. Nur selten hat man ein Album vor sich, welches die Seele…

MARCO SCHMEDTJE – Weitere Vorab-Single ist da (Update: Neue Single „Für Elise“)

Der Hamburger Singer/Songwriter Marco Schmedtje hat mit „Schmetterlinge“ eine weitere Vorab-Single aus seinem dritten Solo-Album „Marzipan“ veröffentlicht. Die Scheibe wird zehn neue Songs enthalten und ausschließlich in digitaler Form erscheinen. Schmedtje ist vor allen Dingen durch seine Zusammenarbeit mit Jan Plewka (Selig) bekannt. Diesen begleitet er als Gitarrist und Sänger bei Rio-Reiser-Abenden, außerdem sind die…

LISSIE – Zurück zu den Anfängen und noch weit davor

Die amerikanische Singer/Songwriterin und Gitarristin LISSIE hat innerhalb von drei Wochen zwei Alben rausgebracht. Bereits im August erschien die Geburtstags-Edition ihres Debüts „Catching A Tiger“ von 2010. Mit dieser Scheibe wurde sie damals bei den Q Awards als „Best Breakthrough Act“ nominiert und der Longplayer wurde in Großbritannien direkt mit Gold ausgezeichnet. Bevor die Musikerin…

2020 im Schlafanzug besiegt

Du kennst Sebel nicht? Doch – bestimmt! Zumindest dürfte seit dem Frühjahr 2020 ganz Deutschland seinen Song „Zusammenstehen“ kennen. Die Nummer war der Corona-Mutmach-Hit im ersten Lockdown. In verschiedenen – auch sprachlichen – Varianten, u.a. einer All-Star-Version mit 180 internationalen Künstler*innen, ging die Nummer auf allen Kanälen durch die Decke. Ansonsten teilt sich der 40-jährige die Bühne mit u.a. Stoppok und Alligatoah, ist aber eben auch seit über zehn Jahren Solomusiker. Als dieser bringt er nun mit „2020 im Schlafanzug besiegt“ sein mittlerweile viertes Werk unter eigenem Namen und Label auf den Markt. Die elf Songs hat er dabei weitestgehend im Alleingang eingespielt und produziert.

Mit dem Titelsong „2020“ geht es los. Die Gefühle, die die meisten Menschen im letzten Jahr erlebt – und oftmals mit viel Alkohol runtergespült haben – beschreibt der Multi-Instrumentalist hier sehr pointiert.

Kurz vor der Bundestagswahl ist ein Song wie „Dumme an die Macht“ gewagt. Beim genauen Zuhören wird dann aber klar, dass es sich um eine allgemeine Gesellschaftskritik handelt und keine Parteienempfehlung ist. Dass in dem Land der Dichter und Denker so viele „Deppen am Drücker sind“, ihre „Beautyblogs auf Instagram“ und „neuesten Facebook-Theorien“ verbreiten, lässt dem Musiker keine Ruhe.

Die Single „Mir reicht´s“ kommt mit einer radiotauglichen Melodie um die Ecke und groovt lässig vor sich hin. Auf „Stalingrad“ gibt sich Sebel der naiv-sympathischen Träumerei hin, dass es Hitler nie bis an die Macht geschafft hätte. Am Schluss wird es dann doch noch einmal politisch. Der Künstler kehrt in die Realität zurück und bezieht eindeutig Stellung: „Wo kommen all die Spinner her, es ist verrückt und es werden täglich mehr, als hätte es den Krieg nie gegeben.“

Mit reichlich Seemanns-Metaphern ist die Ballade „Halt Dich Fest“ versehen. Der Sänger wird dabei von seiner Lebensgefährtin Inga Strothmüller gesanglich unterstützt, genau wie beim Schluss-Song „Zusammenstehen“. Der virale Super-Hit beendet das Album nach knapp 40 Minuten in der schlichten Ursprungs-Version. Nur Klavier und zwei Stimmen.

Insgesamt gerät „2020 im Schlafanzug besiegt“ ziemlich ruhig und oft sehr nachdenklich. Den Grund hat Sebel Whiskey-Soda im ausführlichen Interview erzählt. Wer ein Corona-Konzept-Album erwartet, wird zu Recht enttäuscht. Das wäre dann doch zu langweilig und offensichtlich gewesen. Die Titel finden allesamt schnell den Weg in den Gehörgang. Bei den Texten lohnt es sich, mehrfach und genau hinzuhören. Wer auf Stoppok, die aktuellen BAP, Philipp Poisel oder Ingo Pohlmann steht, wird hier auf seine Kosten kommen.

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SEBEL – „Irgendwann ist meine Jogginghose einfach an meinem Körper angewachsen“

Sebastian -SEBEL- Niehoff, Musiker par Excellence, Multi-Instrumentalist (Gitarre, Schlagzeug, Keyboard/Hammond, Bass, Gesang), Bandmitglied bei u.a. Stoppok, lange Zeit Bandleader in einer Sportsendung im Fernsehen und insbesondere Musiker mit eigenen Songs, hat ein neues, sein mittlerweile viertes Album auf den Markt gebracht: „2020 im Schlafanzug besiegt“. Entstanden ist die Scheibe in der Pandemie-Zeit und nach seinem…

NOISEHAUSEN – Summer Stage Update

Mittlerweile hat sich das Line-Up der Noisehausen Summer Stage gefüllt. An zwei Wochenenden werden sich verschiedenste Künstler im Städtischen Freibad an der Schleifmühle versammeln. Es teilen sich Schwarzbauer & Maklar, Mono & Nikitaman, Haindling, PressYes, Zach Mathieu, Pawn Painters und LaBrassBanda die Bühne. 26.08.2021 – SCHWARZBAUER & MAKLAR 27.08.2021 – MONO & NIKITAMAN 28.08.2021 –…

TIM VANTOL – Ein Abend im tiefsten Niederbayern

Böse Zungen könnten behaupten, dass Pfarrkirchen irgendwo im niederbayerischen Nirgendwo liegt. „Pfarrkirchen? Dorf? Stadt? Loch?“, fragte der aus der Punkrockszene stammende Singer-/Songwriter Tim Vantol deswegen scherzhaft sein Publikum. Auf die leicht entrüsteten Reaktionen erwiderte der gebürtige Holländer, dass er ebenfalls in einem „Loch“ bei Berchtesgaden lebe. Das wiederum führte zu allgemeiner Zufriedenheit. So einfach kann…

Surrounded

Some people have a landscape written in their bones.

Er hätte gar nicht vorgehabt, ein weiteres Soloalbum aufzunehmen, erzählt Justin Sullivan im ausführlichen Interview für den Video-Podcast Couch Riffs. Zentral sei eigentlich die Arbeit mit seiner Band New Model Army, der derzeit seine ganze Loyalität gehört. Aber dann – kam der Lockdown, und Sullivan saß zu Hause, allein mit seiner Gitarre, aller Pläne beraubt. Damit bestätigt sich einmal mehr, dass in Sachen Kreativität und musikalischer Output diese eigenartigen Zeiten doch für etwas gut sind.

When you have to change your life is when you know you’re living.

Wer das erste Solowerk „Navigating By The Stars“ kennt, dessen Veröffentlichung ganze 18 Jahre zurückliegt, der dürfte ein seliges Lächeln auf den Lippen gehabt haben bei der Ankündigung von „Surrounded“ (earMUSIC). Und wird nicht enttäuscht. Der Zweitling löst ein, was das Debüt als Versprechen hinterlassen hat. Die Basslinie von „Amundsen“ zum Beispiel knüpft fast nahtlos an „Twilight Home“ an, dem Opener von „Navigating By The Stars“. Wieder gibt es auf „Surrounded“eine Stunde lang fesselnde Geschichten, starke Bilder, die fast greifbare Szenen heraufbeschwören und Naturgewalten, denen sich der Erzähler mit stoischer Ruhe ergibt.

Grey skies, dry stone walls, stretching all the way to the western islands
Where the rebels have the best songs and you know them line by line.

Aber eines ist auch ganz deutlich zu hören: der Altersunterschied. Sullivans Stimme ist jetzt gesetzter, tiefer, rauer – eben so, wie es die Natur bei einem inzwischen 65-Jährigen richtet. Was hingegen schon lange da ist und als Markenzeichen des Texters Justin Sullivan gelten kann, das sind die Menschlichkeit und Weisheiten, die er ganz nebenbei in seine Geschichten einstreut und die immer eine Erkenntnisgewinn garantieren.

The looked at me like they could not understand
That I’d die for a cause but not kill for it.

„Surrounded“ ist voller wunderbarer Melodien, in die sich ganz tief eintauchen lässt. Klare Höhepunkte sind „Stone and Heather“, „Unforgiven“ und „Sea Again“. Viele der Stücke bekommen eine ernste, bisweilen geheimnisvolle Note durch das großartige Bassspiel. Auch Violine, Harfe und Cello entfalten auf zurückhaltende Art eine faszinierende Wirkung. Erst dank dieser wohl dosierten Arrangements, die sich Sullivans von einer Reihe Musikerfreund*innen hat beisteuern lassen, wird das ganze Potential jedes einzelnen der 16 Songs freigelegt. Zum Glück hatten weder Sullivan noch Lee Smith, der Mann am Mischpult, Angst vor einer guten Prise Pathos, der im Zweifelsfall von den mitunter dramatischen Texten geerdet wird.

They took me to a commune farm where everyone smiled,
They were pure and kind and sure
I felt their goodness surrounding me and headed for the door.

Auch alle Mitglieder von New Model Army haben ihren musikalischen Beitrag auf „Surrounded“ geleistet. Dem Album folgt im Sommer zunächst eine Solotour von Justin Sullivan. Weil es aber irgendwie auch eine Angelegenheit der family ist, könnte sich der ein oder andere Song problemlos in die Playlist der kommenden New Model Army-Konzerte einfügen.

It only lasts a moment but what a moment it has been.

 

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Oktober Promotion

FRANK TURNER – Neuer Song „The Gathering“ will Positivität vermitteln

Fleißbienchen Frank Turner hat mit „The Gathering“ einen neuen Track herausgebracht. Dieser entstand gemeinsam mit Dom Howard von Muse sowie Jason Isbell. Nachdem der Singer-/Songwriter als Live-Musiker selbst unter der Pandemie gelitten und trotzdem durch Live-Streams über 250.000 GBP für Clubs in Großbritannien gesammelt hat, möchte er nun den Blick wieder auf etwas Positives wenden.…

Saturday Moon

Das Video zum Song „Saturday Moon“ ist zwei lebenserfahrenen Frauen gewidmet, die – wie es im Abspann heißt – Chantal Acda durch ihre anmutige Art beeinflusst haben. Deren Würdigung ist visuell auf eine Art und Weise umgesetzt, die auch musikalisch das gesamte neue Album der Belgierin prägt: Spartanisch arrangiert und auf das Wichtigste reduziert, kommt eine starke weibliche Persönlichkeit zum Tragen.

Das passiert aber nicht extrovertiert, sondern fast wie durch die Hintertür. Mit ihrer sanften, aber bestimmten Art gewinnt Chantal Acda schnell das Vertrauen der Hörenden. Choreografisch perfekt platziert, wirkt der Opener hymnisch und schafft eine einlullende Stimmung. Die meisten Songs von „Saturday Moon“ (Glitterhouse Records) sind voll schöner Melodien. Gleichzeitig haben sie aber auch einen beunruhigenden Unterton. Acda erzählt starke Geschichten, die nicht immer gut ausgehen und oft von einer gewissen Besorgnis geprägt sind. Das kann dann schon mal in ein fast verzweifeltes Lamento von nur zwei Zeilen münden: „I can’t stay here, he said. He couldn’t recall the conversation anymore.“

Die folkig-jazzigen Arrangements auf „Saturday Moon“ sind von hervorragender Qualität. Das Album ist mit Hilfe von 18 Musiker*innen entstanden, unter anderem mit Mitgliedern der Band Low. Trotzdem folgt es Acbas Motto „weniger ist mehr“, das sie besonders dem Stück „Disappeare“ zuschreibt. Dessen Text hätte sie mit zwei gegensätzlichen Gefühlen geschrieben, fährt die Musikerin fort: auf der einen Seite Unglaube und Protest, auf der anderen Seite Hoffnung und Freude. Das gesamte Album vermittelt eine Ahnung davon, dass Acba genauso ihr Leben meistert.

Vor allem aber ist sie tief romantisch. „The Letter“ etwa erzählt die Geschichte zweier Liebenden, die Jahre lang auf sich warten – und das vergeblich. Das Bild dieser Beziehung wirkt wie aus einem anderen Jahrhundert und enthüllt eine eher konservative Sicht auf die Liebe, die von Treue, Zurückhaltung und viel Unausgesprochenem begleitet wird. Hinzu kommen spirituelle und naturreligiöse Motive, so wie in „Back Against The Wall“: „Another year has passed, still looking at the tree, and I think that it is looking back at me. This is what we forgot, touch the wooden skin, feel the warmth within.“ Der archaische Rückgriff auf „the ground th we held dear“ lässt Einen, eine gewisse historische Sensibilität vorausgesetzt, dann fast schon innerlich erstarren.

So berechtigt Acbas Sorge über den Zustand der Welt ist – ihre Fluchtszenarien müssen nicht für alle Hörer*innen als Lösungsansätze oder gar Lebensphilosophie taugen. „Saturday Moon“ bietet durchaus ein intensives Hörerlebnis, das die reale Welt außen vorlässt und hilft, sich auf sein Inneres zu konzentrieren. Ein solcher Rückzug kann für den Augenblick heilsam sein. Man scheint aber gut beraten zu sein, sich nicht ganz darin zu verlieren.


Chantal Acda Homepage
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Starkult