Schlagwort: Psychedelic Rock

Cosmic Heart Attack

Wenn man so als junge Dame beim Plattenhören plötzlich von einem außerirdischen grünen Monster mit Scherenhänden attackiert wird, kann man schon mal einen Herzanfall bekommen. So zeigt es das herrlich nostalgische Coverbild von „Cosmic Heart Attack“ (Crispin Glover Records), dem dritten Longplayer der norwegischen Band The Pink Moon. Seit 2014 ist das skandinavisch Quartett aktiv und unterwegs, um seinen „Trondheimer Garagen-Rock“ in die Welt hinaus zu tragen.  

Eine bunte Reise zurück in die Vergangenheit ist angesagt, und die Jungs liefern das volle Programm und noch mehr: Fuzz, Psycho, Protopunk im The Stooges-Stil, psychedelische Gitarrenwände und 60er-Jahre-Spirit für alle Fans von The Who. Der Opener ‚Runnin‘ On Fumes‘ klingt, als hätten Pete Townshend und Roger Daltrey The Doors gecovert. Orgelnde Keyboard im Retro-Sound, tänzelnde und extrem relaxte Mellotrone dominieren den nächsten Song ‚T.L.G.‘.

Psychedelische Keys und knarzende Gitarren sind ebenso vorhanden wie extrem jazzige Parts mit Saxophon. Dieses Sax steuerte übrigens Rolf Martin Snustad der Trondheimer Kollegen von Spidergawd bei, und er darf im instrumentalen letzten Track ‚New Beginnings‘ zu Höchstform aufspielen. Nebenbei covern die Norweger noch ‚So YOu Say You Lost Your Baby‘ des amerikanischen Country-Rockers Gene Clark, und die akustischen Gitarren tanzen mit dem stylischen Mellotron einen Reigen, eine wahre Freude ist das. „Cosmic Heart Attack“ ist ein spannendes, abwechslungsreiches Album mit ein paar wirklich starken Highlights und jeder Menge guter Songs geworden. Vinylsammler dürfen sich übrigens besonders freuen, denn das Coverartwork versprüht nicht nur den Charme alter Monstermovies, sondern kommt tatsächlich als 3D-Druck mit beigefügter Brille daher.

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Uncanny Valley

„File under: don’t file under“ steht in der Promoinfo zu „Uncanny Valley“ (Noisolution) von Kaskadeur, und wo sollte man einen elektrisierenden Mix aus Stoner, Psychedelic, Prog, Post-, Math- und Heavyrock auch einordnen? Aber Schubladen existieren nicht in diesem Tal, und so haben Kaskadeur freie Fahrt für eine wilde Reise immer am Abgrund entlang.

Ein „Uncanny Valley“ ist im englischen Sprachgebrauch nicht nur ein unheimliches Tal, sondern auch eine Akzeptanzlücke, die beschreibt, dass bei künstlichen Figuren bei steigendem Realismus ein Punkt erreicht wird, an dem diese Figur eben als nicht mehr realistisch angesehen wird und weniger real wirkende Charaktere, wie zum Beispiel ein einfach animierter Roboter, überzeugender wirken können als exakt menschenähnliche Nachbauten, die eher Unbehagen auslösen.

Unbehagen löst dieses „Uncanny Valley“ nicht aus, sondern tatsächlich sehr schnell eine Akzeptanz für diese wilde musikalische Mischung. Kaskadeur kreuzen wild durch die Genres. So wild offenbar, dass eine Neufindung der Band damit verbunden war, denn es handelt sich zwar um das Debüt unter diesem neuen Namen, aber die Jungs waren zuvor bereits als „Stonehenge“ unterwegs. Das Quartett aus Potsdam hat sich mit diversen Alben und unzähligen Live-Gigs einen Namen in der Szene gemacht. Alles auf Anfang, Neustart als Kaskadeur. Mutig ist das, aber wer sich „Uncanny Valley“ anhört, dürfte schnell davon überzeugt werden, dass die Neuausrichtung genau richtig war. Kurvenreiche, immer wieder psychedelisch anmutende Melodien mit knarzenden Gitarren, progressiver Rhythmik und jeder Menge Überraschungen.

‚Flashback Fatkids‘ bleibt rein instrumental, und zwischen den sechs Hauptsongs gibt es immer wieder kleine experimentelle Zwischensegmente mit außergewöhnlichen Titeln wie ‚Snarc ’51‘ oder ‚#Nearest_Neighbor‘. Diese Tracks sollten keineswegs übersprungen werden, denn sie sind die Würze in dieser Suppe und erfreuen nicht nur die Techniker, die sich an diesem kantig-sperrigen Mathrock ergötzen dürften. In den Hauptsong trifft Kunst auf Eingängigkeit, Melodien begegnen in diesem Tal starken Beats und Rhythmen, und über allem schwebt eine absolute Ungewöhnlichkeit, welche das „Uncanny Valley“ zu unserem Geheimtipp für Spezialisten macht.

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ETHYL ETHER – Zweites Video der Psychedelic Rocker

Die Psychedelic-Rocker Ethyl Ether aus Kapstadt haben eine neue Single zur ihrem Album „Neon Jesus“ (wir berichteten) veröffentlicht, die wir euch deutschland-exklusiv präsentieren dürfen. Das virile Quartett hat ein Händchen für groovigen, rifflastigen Garagen-Rock mit bluesig-psychedelischem Touch. Falls ihr die Herren noch nicht kennt und den Sound der 60er mögt, solltet ihr unbedingt mal reinhören.…

Ordinary Madness

Drei Jahre nach seinem Kracher-Album „We’re All In This Together“ und nur ein Jahr nach seiner ebenfalls sehr erfolgreichen Cover-Scheibe „Survivor Blues“ ist Bluesrock-Maestro Walter Trout wieder da. Bekanntlich stets für Überraschungen gut, schlägt Trout diesmal einen vergleichsweise weiten musikalischen Bogen über das von ihm gewohnte Bluesrock-Terrain hinaus. Auf dem neuen Album sollten laut Pressemeldung Anklänge an Electro, Ambient, Psychedelic Rock und sogar Hardrock und Metal enthalten sein.

Ob der Hardcore-Metaller hier warm wird, sei mal dahingestellt. Eines ist aber Tatsache: „Ordinary Madness“ (Mascot Label Group) ist enorm vielseitig für das Album eines Musikers, der bisher als lupenreiner Blues-Gitarrist in Erscheinung getreten ist. Der Titeltrack ist gleichzeitig der Opener von Trouts inzwischen je nach Zählweise zwölftem Album. Ruhigen, bluesigen Rock bekommt der geneigte Hörer geboten, mit viel Verve und natürlich viel Gitarre.

„Wanna Dance“ und „Make It Right“ kommen als groovige Psychedelic-Rock-Nummern mit Hammond-Orgel daher, die gut auch von Pink Floyd oder den Doors sein könnten. „My Foolish Pride“ ist eine klassische Blues Ballade, in der Trout einmal mehr als Sänger reüssiert. „Heartland“ bietet neben reichlich gefühlvoller Akustik- und E-Gitarre auch ein dezent-charmantes Akkordeon, im unendlich traurigen „All Out Of Tears“ lässt der Meister seine Stratocaster weinen. „Final Curtain Call“ verbeugt sich freundschaftlich in Richtung Country-Sound, „Sun Is Going Down“ zum Gospel. „Up Above The Sky“ und „OK Boomer“ sind hammerharte Gitarren-Rocker für alle Freunde des exzessiven Saitengezaubers.

„Ordinary Madness“ ist wunderbar vielseitig, Trout geht weit über den klassischen Blues-Sound hinaus. Der ausgiebige Flirt mit seiner vermuteten Jugendliebe des Psychedelic-Rock hat wahnsinnig viel Charme und kommt sehr ehrlich und ungekünstelt rüber. Das alles macht das neue Album sehr abwechslungsreich und ambitioniert, aber auch etwas weniger fokussiert als das drei Jahre alte Meisterwerk „We’re All In This Together“. Dennoch: Jeder Fan gefühlvoller Gitarrenmusik wird hier viel Freude finden. Klasse hat Walter Trout ohnhin unbestritten.

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The All Is One

Motorpsycho setzen mit „The All Is One“ (Stickman Records) ihre lose zusammenhängende inoffizielle Gullvåg Trilogie fort, die 2017 mit „The Tower“ begonnen und letztes Jahr mit „The Crucible“ fortgesetzt wurde. Der namensgebende Künstler Håkon Gullvåg war auch jetzt wieder für das Covermotiv zuständig und steuerte zudem weiteres Artwork für die Discs des Doppelalbums und den Innendruck des Digipaks bei.

Die Norweger haben bei ihren Fans einen gewissen Kultstatus erworben, und nach „The All Is One“ kann man auch gut verstehen, warum das so ist, sollte es bisher da noch irgendwelche Unklarheiten gegeben haben.
Motorpsycho sind zurück und machen ihrem Namen wieder alle Ehre. Der eröffnende Titelsong ist wegweisend mit seinem psychedelischen Groove, und doch bereitet er die Hörer kaum vor auf das, was noch kommt.  Experimenteller Prog mit Jazzrockelementen trifft auf Psychedelic- und Stoner-Rock, Gitarrenwände werden von wabernden Elektrosounds durchbrochen, Saxophone gleiten irgendwo hoch über pulsierenden Mellotron-Sounds.

Zentralstück des Doppelalbums ist das insgesamt über 42 Minuten lange Stück ‚N.O.X.‘, das in fünf Parts und über zwei CD-Hälften aufgeteilt ist und gar sperrig daherkommt. Jazzige Saxophone, pochende Elektrobeats, düstere Streicher, lässige Bläsersätze. Es darf auch mal minutenlang repetitive Rhythmuskontrukte geben, sich langsam steigernde, pulsierende Synthiefiguren, die von diffus schwebenden Vocals zersetzt und schließlich von treibenden Beats überholt werden. Das ist Prog im feinsten Gewand mit langen instrumentalen Abschnitten, die Musik ist vollkommen unvorhersehbar, sperrig, jazzig, überraschend, ekstatisch, belebend, ja sogar tanzbar.

Rund um ‚N.O.X.‘ herum warten acht weitere Songs auf ihre Entdeckung, kürzer, handlicher, aber nicht weniger spannend, auch wenn sie nicht durchgängig das hohe Niveau des überragenden Longtracks halten können. „The All Is One“ ist ein spannendes Album für alle, die für experimentelle Musik aufgeschlossen sind, sich auf lange Tracks einlassen können (und welcher Progger kann das bitteschön nicht?) und für alle, die psychedelischen Stoner-Jazz der außergewöhnlichen Art abfeiern wollen.

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Noisolution (Vertrieb)

Oumuamua

Im Oktober 2017 wurde das erste als „interstellar“ klassifizierte Objekt „Oumuamua“ in unserem Sonnensystem entdeckt, das inzwischen als Komet eingestuft worden ist. Der zigarrenförmige Himmelskörper wurde anfangs hektisch sogar für ein außerirdisches Raumschiff gehalten.

Im August 2020 klassifizieren wir den vierten Longplayer „Oumuamua“ (Noisolution) des Dortmunder Trios Daily Thompson als beinahe außerirdisches Objekt, das mit psychedelischen Tönen und starken, genreübergreifenden Sounds nicht nur das Sonnensystem durchquert, sondern direkt bei uns landet. Alle Freunde des psychedelischen Space- und Noiserock, aber auch Fuzzer, Stoner, Desert Blueser und Hardrocker sollten sich wartend bereitstellen, wenn „Oumuamua“ mit einem Donnern niedergeht. Nach drei Alben sind Daily Thompson in der Stoner-Szene keine Unbekannten mehr und haben bereits viel Lob einstecken können. Warum das so ist, zeigen sie wieder eindrucksvoll mit der neuen Platte.

Dabei geht das nach dem britischen Zehnkämpfer Daily Thompson benannte Trio durchaus minimalistisch vor und überrascht gerade deswegen mit einem dichten Soundgewebe. Gitarrist Danny Zaremba und Bassistin Mercedes Lalakakis teilen sich die Vocals, was immer wieder für Abwechslung und Spannung sorgt. Dazu gibt es tighte Drums von Matthias Glass – fertig ist die elektrisierende, groovende Mischung, die manchmal an Kyuss oder Monster Magnet erinnert, aber unterm Strich doch einfach nur nach Daily Thompson klingt.  Fuzz, WahWah, Distortion ohne Ende, Soundwände, hin und wieder auch akustische Parts wie auf ‚Half Thompson‘ oder im letzten Track ‚River Of A Ghost‘ – großes Ohrenkino.

Die beiden Longtracks ‚She’s So Cold‘ und ‚Cosmic Cigar (Oumuamua)‘ bleiben trotz jeweils über zehn Minuten Spielzeit abwechslungsreich und nehmen den Hörer gefangen auf einer groovenden Reise ins tiefe Innere und in ferne Welten. Stampfende Beats bei ‚Sad Frank‘ und spacige Samples im Titeltrack und beim schon erwähnten ‚River Of A Ghost‘ setzen genau die richtigen Akzente in einem sehr starken Album, mit dem Daily Thompson weitere große Schritte nach vorne machen und sich etablieren als eine wichtige und nicht zu unterschätzende Band der Psychedelic- und Stoner-Szene.

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Holy Moly!

Mit zwei überaus erfolgreichen Studioalben haben es die Blues Pills ganz an die Spitze geschafft und unzählige Club- und Festivalgigs gespielt. Die Erwartungen an „Holy Moly“ (Nuclear Blast), den dritten Longplayer der international besetzten Band um die schwedische Frontfrau Elin Larsson, waren also entsprechend hoch. Auch jetzt gibt es wieder psychedelischen Devil-Blues mit einer immer noch unglaublich starken stimmlichen Performance einer Sängerin, die schon vor sechs Jahren immer wieder mit Janis Joplin verglichen wurde. Rock und Soul schwingen in Elin Larssons Stimmbändern, und wenn sie einmal loslegt, gibt es kein Halten mehr.

Dabei sprechen die Blues Pills in ihren neuen Songs viele wichtige Themen an. So ist der schon vorab veröffentlichte Opener ‚Proud Woman‘ als Hymne für alle starken Frauen gedacht und entwickelt schnell Ohrwurmqualitäten, bleibt aber musikalisch doch irgendwie etwas hinter den folgenden Tracks zurück. Spätestens mit dem zweiten Song ‚Low Road‘ läuft das Quartett dann wieder zu Höchstleistungen auf. Die Musik ist wie gewohnt rau, ein wenig kantig, psychedelisch mit fuzzigen Gitarren und vibrierender Heavy-Blues-Attitüde, die den frühen Black Sabbath oder Led Zeppelin Alben zur Ehre gereicht hätte. Die ruhigere Nummer ‚California‘  hat jede Menge Soul. Elin Larsson singt, als ginge es um ihr Leben. Außerdem ist man nicht vor schönen kleinen Überraschungen gefeilt, wie etwa dem dezenten Hintergrundchor bei ‚Whish I’d Known‘.

Von der ursprünglichen Besetzung ist neben Frontfrau Larsson noch der Gitarrist Zack Anderson übrig geblieben, der bis 2018 noch den Bass bediente, aber auch am Sechssaiter abliefert, was man von ihm erwarten darf. Fette Riffs, bluesgetränkte Soli und genau die richtige Extraportion Crunch und Vibe, welche die Blues Pills so einzigartig macht. Andre Kvarnstrom am Schlagzeug und der Bassist Kristoffer Schander überzeugen als groovende Rhythmus-Fraktion, setzen immer wieder schöne Akzente und zeigen, dass sie bei der Band nicht zum „Personal in der zweiten Reihe“ gehören.

Wer erinnert sich nicht an die wunderbare Zusammenarbeit von Joe Bonamassa und Beth Hart? Wer hier einen (ersatzweisen) Nachschlag benötigt, legt solange „Holy Moly!“ auf und hört sich ‚Dust‘ an, Gänsehaut vorprogrammiert. Die Blues Pills sind auch nach „Holy Moly!“ immer noch eine der besten aktuellen 70er-Jahre-Revival-Bands, die es versteht, Gefühle und Stimmungen in Musik zu wandeln. Holy Moly!

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EXIST – Prog-Metaller der extremen Art mit neuem Album

Mit ihrem exzentrisch-genialen, ganz eigenen Ansatz des Progressive Metal gehören Exist um Frontmann und Gitarrist Max Phelps (Ex-Cynic, Defeated Sanity) zu den aufregendesten progressiven Bands der letzten Jahre. Leicht zu beschreiben (und auch zu „verdauen“) ist die Musik vom kommenden Album „Egoiista“ allerdings nicht. Gesangs-Elemente von klassischem Progressive Rock treffen auf Growls, Jazz-Elemente auf atmosphärische…

HUGH DAVISON – Exklusive Single-Premiere des südafrikanischen Psychedelic-Rockers

In Kooperation mit unserem Medienpartner Plug Music Agency in Südafrika haben wir die Freude, euch einmal mehr eine deutschland-exklusive Single zu präsentieren. Hugh Davison ist in der Punkszene von Johannesburg aufgewachsen, interessiert sich aber auch für klassischen Soul, experimentellen Jazz, Noise Rock und Psychedlia. Seine neue Single „Southern Cross“ verweist auf das „Kreuz des Südens“,…

ETHYL ETHER – Videopremiere der Psychedelic-Rocker aus Südadfrika

Die Psychedelic-Rocker Ethyl Ether aus Kapstad veröffentlichen am 15. Mai ihr neues Album „Chrome Neon Jesus“. Die Jungs sind seit mehreren Jahren aktiv, das neue Album ist ihr drittes Werk. Den Song „Therapy?“, der in ein stimmig-gruseliges Horror-Video eingebettet wurde, dürfen wir euch deutschland-exklusiv präsentieren. Checkt die Jungs aus, wenn ihr es düster-psychedlisch mögt. Ethyl…