Schlagwort: Psychedelic Rock

Speakin‘ Of The Devil

Acid Moon and the Pregnant Sun -ein ungewöhnlicher Bandname für eine ungewöhnliche Band. Dahinter stehen acht Musiker aus Israel, die mit „Speakin‘ Of The Devil“ (Soulfood / Noisolution) ihr Debütalbum vorlegen. Das Ehepaar Eden Leiberman und Aviran Haviv, das die Band gegründet hat, ist allerdings schon lange fester Bestandteil der Musikszene in Tel Aviv und in diversen Bands aktiv, so zum Beispiel bei den Stonerrockern von The Great Machine.

Auf „Speakin‘ Of The Devil“ geht es dem Bandnamen entsprechend ziemlich psychedelisch zu, aber es sind auch viele Anleihen beim Garagenrock, Folk und Classic Rock zu finden. Passend zur psychedelischen Grundausrichtung werden in sieben Tracks die klassischen Themen Freiheit, Liebe und Sex und Drugs und Rock’n’Roll heraufbeschworen. Dabei schwebt über allem stets greifbar der Geist von Woodstock. Ja, das ist moderne Hippie-Musik aber nicht nur darauf beschränkt. Im Song ‚Creatures Of The Abyss‘ sind nicht nur groovende Tribal-Percussions enthalten, sondern auch ein jazziger Mittelteil, der sich vor dem Standard ‚Take Five‘ verbeugt. Dezente elektronische Effekte setzen immer wieder Akzente, dazu kommen bis zur Unverständlichkeit durch die Effektprozessoren veränderte Vocals in einem Arrangement irgendwo zwischen Jazz, Gong und Frank Zappa. Viel psychedelischer kann es eigentlich gar nicht werden.

Darum wird auch der Classic Rock bedient in Nummern wie ‚Save Me‘, wo die Rolling Stones auf Jefferson Airplane treffen. In den langsameren Momenten wie bei ‚Bright Sky At Night‘ und ‚Sparrow‘ erinnert die Gesangsstimme in ihrer öligen, leicht nasalen Art oft an Bob Dylan. Mit dieser wunderbaren Mischung haben Acid Moon and the Pregnant Sun (wir müssen an dieser Stelle noch einmal betonen, wie cool der Bandname ist!) mit „Speakin‘ Of The Devil“ eins der spacigsten, psychedelischsten Alben des Jahres aufgenommen, das trotzt der „abgehobenen“ Parts auch Classic Rock Fans abholt und durch die Bank weg begeistern kann.

Acid Moon and the Pregnant Sun bei Bandcamp

Acid Moon and the Pregnant Sun bei Facebook

 

ICARUS BURNS veröffentlichen den neuen Song „Megalodon“

Die Berliner Stoner/Psych Rock-Band ICARUS BURNS hat ihren neuen Song „Megalodon“ veröffentlicht. Wer sich davon überzeugen möchte, dass gelungener, authentischer Stoner auch aus heimischen Gefilden kommen kann, sollte die 2019 gegründete Band unbedingt einmal anchecken:     Weitere Infos zur Band und zusätzliches Songmaterial findet ihr hier: Icarus Burns bei FacebookIcarus Burns bei Youtube Icarus…

ICARUS BURNS veröffentlichen neuen Song und Video

Die Berliner Stoner Rock-Band ICARUS BURNS veröffentlichen kommenden Samstag den neuen Track „Megalodon“ sowie das dazugehörige Video. Wer die Band noch nicht kennt – Gegründet haben sich Hauptstädter 2019 und sind in dieser Besetzung unterwegs: Eva (Vox) Tim (Guitar) Jens (Guitar) Axel (Bass) Martin (Drums) Als Vorgeschmack seht ihr hier den Clip zum Song „Roar“:…

THE DOORS – L.A. Woman zum 50. Geburtstag neu aufgelegt

50 Jahre nach der Erstveröffentlichung wird das legendäre Album „L.A. Woman“ von The Doors frisch gemastert in einer Deluxe-Version neu aufgelegt. Es waren die letzten Aufnahmen von Jim Morrison – wenige Monate vor seinem Tod. Neben dem Titel-Track sind neun weitere Klassiker enthalten. Ergänzt werden die Originalnummern durch zwei Stunden Outtakes und Aufnahmen aus den…

Apparatschik

Ein in schwarz und weiß gehaltenes Art-Noir-Albencover macht Lust auf „Apparatschik“ (Augeil Records / Noisolution) , einem musikalischen Gruß aus Zürich. Nach einigen EPs und dem 2019er Album „Gourrama“ legen The Shattered Mind Machine mit „Apparatschik“ ihren neuen Longplayer vor.

Das Schweizer Trio wurde vor sechs Jahren gegründet und besteht aus Simon Fehr (Gitarre und Gesang) sowie Kaya Guggenheim am Schlagzeug und Simon Hirzel am Bass. Diese Besetzung hört sich zunächst nach klassischem Rock an, doch wer die EPs schon kennt, der weiß, dass diese Maschine zwischen den Genres kreuzt. Alternative (Post)Rock trifft auf klassischen und Post Punk, trifft a Wave und Stoner Rock. Das wird mal psychedelisch, mal poppig, mal fühlt man sich an The Cure erinnert, mal an Szenebands wie Coogans Bluff (abzüglich der Bläser) oder Daily Thompson. Die Songs bleiben dabei bis auf zwei Ausnahmen im Vierminutenbereich überraschend kurz (aber hey, es ist ja auch Punk!) und schraddeln irgendwo zwischen zwei und drei Minuten. Schade eigentlich, denn das Songwriting ist überwiegend so gut, dass man gerne mehr beziehungsweise länger gehört hätte.

Viel mehr gibt es aber auch gar nicht zu meckern. The Shattered Mind Machine überzeugen mit griffigen Kompositionen, wabernden, ziemlich psychedelischen Gitarren und tadelloser Gesangsarbeit, welche die teils philosophischen Texte gut herüberbringt, sei es nun im treibenden Opener ‚Paper‘ oder im etwas leichteren, fast schon poppigen ‚Josaphat‘. Richtig gut, wenn auch sehr kurz: der Titelsong und das vorangehende ‚Anyway‘, die Höhepunkte der Platte, welche die Härteschraube etwas anziehen und leicht noisige Soundscapes aufbauen. ‚Mosquitos‘ groovt und bleibt auch nach dem Ende noch lange im Ohr. Und der geneigte Hörer wird nach dem Ende der Platte nicht lange zögern und sich das Ganze noch einmal von vorne anhören. So muss das sein.

Das Albumcover mag nur schwarz und weiß sein, aber die Musik der Shattered Mind Machine hat viele Farben, viele Formen.

The Shattered Mind Machine bei Bandcamp

The Shattered Mind Machine bei Facebook

Flat Earth Rider

Hier ist es, das Album für alle Schwurbler und Erdscheiben-Fans! Nein, zum Glück doch nicht, auch wenn der erste richtige Longplayer der norwegischen Band Suncraft „Flat Earth Rider“ (All Good Clean Records / Noisolution) heißt. Im Titelsong wird eher ein tragisches, komisches Bild eines imaginären Flat-Earthers gezeichnet, der auf der verzweifelten Suche nach Wahrheit und Bedeutung seiner Überzeugungen ist. Also nicht vom Rand der Scheibenwelt springen, sondern lieber Suncraft hören, denn das lohnt sich auf jeden Fall mehr.

Nach einigen EPs ist „Flat Earth Rider“ das Longplayerdebüt des skandinavischen Quartetts, das sich musikalisch zielsicher zwischen den Genres Classic Rock, Psychedelic Rock und Doom Metal bewegt. Klingt spannend – ist es auch. Vielseitig, ohne den roten Faden zu verlieren, technisch anspruchsvoll ohne übertriebene Frickelei, dazu gelungenes Songwriting und hohe musikalische Qualität, das sind die Vorzüge der sechs Songs, die es insgesamt auf rund 35 Minuten Spielzeit bringen. Es hätte gerne etwas mehr sein dürfen, aber dafür gibt es keine Aussetzer, keine Langeweile und ein paar echte Hinhörer wie den erwähnten Titelsong, den groovig-abgehobenen ‚Space Buddha‘ oder den zehnminütigen Longtrack ‚Bridges To Nowhere‘ der sich mit erstklassigen Gitarrensoli den Spagat zwischen Psychedelic und Doom perfekt durch die Gehörgänge spült. Hier gibt es sogar waschechte Blastbeats, die das Album auch für Metalheads interessant machen.  

„Flat Earth Rider“ entstand als quasi Liveaufnahme so gut wie ohne Overdubs im Studio der Norweger und wurde komplett im Pandemiejahr 2020 geschrieben und eingespielt. Da schwingen ein paar Gefühle von Isolation und Depression mit, da wird der Gesang teilweise zornig und düster-doomig, wie beispielsweise bei ‚Commie Cannibals‘, ohne dass die Musik ganz in den Metal abdriftet. Coole Riffs, kräftiger Hardrock, psychedelische Gitarren. Sicher ist das alles schon mal dagewesen, überzeugt aber dennoch auf ganzer Linie. Neben dem schon erwähnten ‚Space Buddha‘ wirken die Vocals auch auf  „Adaption‘ leicht abgehoben. Textlich geht es passend zur Musik leicht düster zu, die englischsprachigen Vocals beschäftigen sich mit Themen wie Gier, Entfremdung, Eisamkeit oder Spiritualität. Und eben mit dem besagten Flachkopf.

Wir alle hoffen, dass die Pandemie bald vorüber ist, aber sie hat definitiv auch ihre guten Seiten, wie man an der Entstehung dieses Albums sehen und vor allen Dingen hören kann.

Vom aktuellen Album gibt es leider (noch) kein Video, darum hier ein Track der letzten EP:

Suncraft bei Facebook

Suncraft bei Instagram

Soundless Voice

„Soundless Voice“ (Triptonus Records / Noisolution)  der österreichischen Formation Triptonus segelt unter falscher Flagge – wäre für die rein instrumentale Mischung aus Pychedelic Rock, Metal, Jazz und Weltmusik doch eigentlich eher die Bezeichnung „Voiceless Sound“ angebracht. Aber sei’s drum, der Bandname ist durchaus passend. Einen Tritonus wird hoffentlich niemand nach dem Genuß der Musik bekommen, aber auf einen Trip nehmen uns die sechs Musiker/innen auf jeden Fall mit.

Das Werk wurde bereits im Jahre 2019 aufgenommen, aber ein paar Probleme und die fehlende Aussicht auf Livegigs haben die Veröffentlichung bis heute verzögern. Jetzt ist es zum Glück endlich soweit, denn schon der erste Track ‚Ikaros‘ entführt in wohlige Gefilde, wo groovende Rockgitarren, ausgefeilte Rhythmen und verschachtelte Songstrukturen aufeinander treffen und den Hörer zu einer faszinierenden, fast schon progressiven Reise einladen. Dabei überraschen die Arrangements und beweisen den Mut zu Außergewöhnlichem und die oben erwähnte Nähe zu Weltmusik und Folk. Mal sind es das Hackbrett, dann die Djembe Trommel, dezente, experimentelle Streicher oder ein Didgeridoo, die stets interessante Akzente setzen und der Musik trotz fehlendem Gesang zu spannenden Aussagen verhelfen. Oft geht es ziemlich progressiv zu, und mehr als einmal fühlt man sich an die Post-Rock-Frickeleien von Bands wie Long Distance Calling erinnert. Orientaler Flair wie im Track ‚B’har‘ verschmilzt mit präzisen Gitarrenwänden, treibend, massiv und doch brüchig. Erst ganz am Ende geht dem Album ein klein wenig die Puste aus, aber das spielt nach acht episch-vertrakten Meisterwerken eigentlich kaum noch eine Rolle.

Triptonus begeben sich mit „Soundless Voice“ wahrlich auf einen Trip, der absolut wiederholt werden muss. Also den Repeatknopf gedrückt und ab dafür! Nach diesem Album muss man die Österreicher definitiv auf dem Schirm haben.

Triptonus bei Bandcamp

Triptonus bei Facebook

Triskele And Cascades

Alle, die wieder Nachschub in Sachen Psychedelic, Groove, Post Rock und Progtenzenden brauchen, legen ab dem 12. März „Triskele And Cascades“ (EMG)  der Twangmen auf.

Die Twangmen stammen aus Vorarlberg in Österreich, aber mit Alpenrock hat das Ganze dennoch absolut nichts zu tun, auch wenn es gar nicht so einfach ist, die Band musikalisch einzuordnen. Das Quintett macht seit über zehn Jahren als Trio in klassischer Besetzung Bass, Gitarre und Schlagzeug  Musik, bei der Produktion des Albums Triskelle And Cascades wurde das Line-Up um Keyboard und Cello erweitert.

Die Musik ist rein instrumental, und es liegt in der Vorstellungskraft des Hörers, sich etwas unter Songtiteln wie ‚Bluetopia‘, ‚Autowahn‘ oder ‚Twanglove‘ vorzustellen. Bei dieser Vorstellung hilft lediglich die Musik, und das macht sie hervorragend, irgendwo pendelnd zwischen Prog, Psychedelic, Post und Classic Rock. Retro 70s Prog trifft auf Flower Power, wabernde Keyboards, und niemand vermisst wirklich den Gesang. Das Grundgerüst von Bass und Schlagzeug wird durch treibende Gitarrenriffs verstärkt, und Keyboard und Cello setzen immer wieder teils überraschende Akzente. Das Cello wird hier oft verfremdet und hat nichts von Klassik, sondern entführt in teils experimentelle Klangwelten mit hin und wieder komplexen Rhythmus- und Songstrukturen, die auch den Progfans gefallen dürften. Dabei überraschen die Musiker mit experimentellen Ideen wie auf dem futuristischem ‚Bridgeland‘.

Wer schon immer mal wissen wollte, wie es klingt, wenn Black Sabbath und Pink Floyd klingen würden, hätte sie Long Distance Calling gecovert und das Ergebnis mit abgespacten Cellosounds unterlegt, der legt wirklich mal die Twangmen auf.

Bandhomepage

Twangmen bei Facebook

Twangmen bei Bandcamp

2020 hatte den Blues – Michaels Jahresrückblick

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, wieder einmal wird es Zeit für die obligatorischen (musikalischen) Rückblick. Wenn mir jemand Anfang 2020 gesagt hätte, dass ich nur eine handvoll Konzerte besuchen würde, hätte ich das wohl kaum geglaubt. Ich vermisse Live-Gigs, vermisse das Fotografieren der Bands, vermisse die Energie im Publikum, die man nur bei…