Schlagwort: Post Rock

Wieviel Melancholie verträgt ein Jahr? Danielas Rückblick auf 2020

Acht Eimer Hühnerherzen haben es auf ihrem „album“ im März beinahe prophetisch ausgedrückt: „Melancholie ist das, was bleibt.“ Fast möchte man dem für einen Rückblick auf das Jahr 2020 nichts hinzufügen.Dann aber doch. Schließlich gab es noch viele andere Veröffentlichungen, die eine Krise zu überstehen helfen, die uns alle gehörig fordert. Die dem Kulturbetrieb einen…

Early Aught

Zurzeit gibt es viele Gründe, mindestens melancholisch, wenn nicht gar depressiv zu werden. Die Sonne ist nicht zu sehen, es ist kalt, das Jahr geht zu Ende. Na und Lockdown, sowieso. Da passt, was uns Blunt Razors mit ihrer Debüt-EP „Early Aught“ (Deathwish) vorlegen. Schwermut pur, aah.

Es scheint eine Art Katharsis zu sein, was Gared O’Donnell und Neil Keener gemeinsam in Quarantäne-Zeiten durchgemacht haben. Die Songs, die dabei entstanden, wollten mit ihrem elegischen Gewand nicht so richtig in das Repertoir von Planes Mistaken For Stars passen, in denen die beiden Musiker hauptamtlich aktiv sind. Also wurde kurzerhand ein neues Projekt namens Blunt Razors gegründet. Und dessen Timing könnte besser nicht sein. Wenn uns etwas durch den Winter helfen kann, dass ist es „Early Aught“.

Denn die Songs sind absolut entspannend, und trotzdem voller Spannung. Das geht bei der musikalischen Vorgeschichte des Duos wohl auch kaum anders. O’Donnells Gesang hat bekanntermaßen etwas von einer Rasierklinge, razor, ist jetzt aber zurückhaltend, leicht gepresst. Und das gilt auch für die Musik. Die sechs traurig-schönen Songs lassen innehalten und wühlen trotzdem auf. Sie können helfen, nach einem harten Tag runterzukommen; tragen aber die Gewissheit in sich, dass der Kampf am nächsten Tag weitergeht.

You were hungry, I was starving
we two puzzles needed solving
You were hungry, I was starving
we two storms begging calming

Ein Sturm, der darum bettelt, sich legen zu dürfen. Das Bild passt nicht nur zu den Blunt Razors, sondern auch zu Kate Bush. Deren „Under Ice“ hat sich das Duo aus Peoria / Illinois nämlich zum Abschluss seiner EP vorgenommen. Das hat seine Logik

Eine gleichmäßige Sounddecke, auf die sich ein leicht coriger Beat, minimalistische Riffs und der brüchige Gesang legen – tatsächlich erschöpft sich das Konzept mit den sechs Songs von „Early Aught“. Aber bis dahin hat es seinen Zweck voll erfüllt. Wie gesagt, Blunt Razors haben ein perfektes Timing.

 

Blunt Razors Homepage
Blunt Razors bei Bandcamp

Deathwish

GOD IS AN ASTRONAUT – „Burial“ als Albumvorbote

God Is An Astronaut haben den ersten Song aus ihrem neuen Longplayer veröffentlicht. Wie bei dem Post-Rock-Kollektiv nicht anders zu erwarten ist, handelt es sich bei „Burial“ um einen komplexen und atmosphären Sechsminüter. In Szene gesetzt wird der Track durch ein düsteres Schwarz-Weiß-Video von Chariot Of Black Moth. Das dazugehörige Album „Ghost Tapes #10“ wird…

Endless Twilight Of Codependent Love

Solstafir sind ein bißchen wie der intellektuelle Verwandte in der Familie, den jeder mag, den man mitunter zwar etwas stressig findet, aber der immer tolle Beiträge leistet. Mit dem neuesten Beitrag „Endless Twilight Of Codependent Love“, dem mittlerweile siebten Album der Isländer, macht es uns der nette Verwandte aber ziemlich schwierig, denn der scheint gerade eine Wandlung durchzumachen und dabei gehörig über die Stränge zu schlagen.

Das neue Album von Solstafir hat mit dem gern als Referenzwerk angesehenen Postrock-Meisterwerk „Otta“ von der Gesamtatmosphäre her nur wenig zu tun. Wer hier auf 70 Minuten geradlinigen, melancholischen Postrock hofft, wird diesen nicht bekommen. Das Album ist sperrig, schlägt in vielerlei Hinsicht recht brutal in musikalische Kerben, die es bei Solstafir zwar schon gab, um sie in dieser extremen Form zu finden muß man aber stellenweise an die Anfangstage zurückgehen.

Das hier ist klipp und klar zu großen Teilen…. All Time Solstafir. Nichts dominiert, außer die hohe Kunst der harten, aber anspruchsvollen Musik. Jazz, Postrock, Rock, Metal, Black Metal… Das ist bandbedingt sehr atmosphärisch, melodisch, stilsicher und technisch natürlich perfekt, aber stellenweise ganz schön experimentell, die Stücke brechen mit sich selbst und dem Gesamteindruck – so dass eben dieser nicht so einheitlich wirkt wie sonst.

Die einzelnen Tracks sind natürlich durchweg herausragend. Vom jazzigem Sound in „Or“ über doch ziemlich derb produziertes Gedresche in „Dionysus“ gibt es ein Panoptikum an mit Leichtigkeit zu grandiosen Tracks verschachtelten Stilen. Die Produktion ist erdig, kernig, sehr präsent und dicht am Hörer, nicht verschwurbelt atmosphärisch, sondern derb und direkt. Der Gesang steht in all seinen Facetten sehr im Vordergrund. Das Album ist natürlich einerseits melancholisch und düster, andererseits fegt die Musik wie ein Orkan über den Hörer hinweg, dass man sich an den Kopfhörern festhalten muß. Der Anfang von „Til Mortar“ wirkt wie hochfiligranes, zerbrechliches Stück Glasbläserkunst, „Rökkur“ wie ein verzogenes Stück Fulgurit, das die Blitze des „Dionysus“ – Sturms hinterlassen hat. Ein durch und durch grandioses, überraschendes Werk, das beim Nebenbeihören überraschend unverdaulich wirkt, sich beim konzentrierten Zuhören über Kopfhörer aber als – mal wieder – Meisterwerk offenbart.

LONG DISTANCE CALLING – Live-Termine im September

Long Distance Calling starten durch. Das neue Album „How Do We Want To Live?“ der Münsteraner hat nicht nur in unsere Rezension überzeugt, sondern der Band einen Charts-Platz in den deutschen Album-Top-10 verschafft. Wegen Corona war außer einer kleinen Release-Party an keine Live-Auftritte zu denken, doch nun hat das Quartett drei Konzerte in Bremen, München…

BRUTUS – Live in Ghent via Hassle Records im Oktober

Das Londoner Label Hassle Records wird im Oktober mit einer ausgesuchten Reihe limitierter Vinyl-Neuauflagen sein 15-jähriges Jubiläum feiern. Passenderweise werden 15 Platten wiederveröffentlicht, unter anderem Juliette & The Licks, Casey oder frnkiero and the cellabration. Dazu gesellen sich außerdem die Belgier Brutus, die am 23. Oktober mit „Live In Ghent“ ein eindruckvolles Dokument ihrer Live-Qualitäten…

THE PINEAPPLE THIEF – Album und Tour verschoben (Update)

Die englischen Post-Rocker The Pineapple Thief hatten bereits vor einigen Monaten für den Herbst eine umfangreiche Europa-Tour angekündigt. Nach ihrem gefeierten, zwölften Studioalbum „Dissolution“ von 2018 und dem Live-Album „Hold our Fire“ im November 2019 soll vor der Tour auch ein neues Album erscheinen. Die Veröffentlichung des Nachfolgers „Versions of the Truth“ wurde jetzt im…