Schlagwort: Country

Oceans Of Slumber – Starlight And Ash

Dies wird eine schwierige Rezension. Man muss Musik immer auf verschiedene Arten hören – einfach als Fan, als Kritiker, das Große Ganze betrachtend und das Individuelle verstehend. Und damit stellen Oceans Of Slumber den Hörer vor ein riesiges Problem. Das neue Album „Starlight And Ash“ ist ebenso grandios wie es auf seine eigene Art eine…

JOHNNY CASH – 52 Jahre altes Live-Dokument veröffentlicht

Knapp 20 Jahre nach dem Tod der Country-Legende Johnny Cash und mehr als 50 Jahre nach dem Konzert ist nun eine Live-Aufnahme unter dem etwas sperrigen Titel „Bear’s Sonic Journals: Johnny Cash At The Carousel Ballroom, April 24 1968“ veröffentlicht worden. 28 Klassiker, natürlich inklusive eigener Hits wie „I Walk The Line“ und „Ring Of…

THE STATESBORO REVUE – Country-Rocker suchen Unterstützer für neues Album

Die wunderbaren, texanischen Country-Rocker Stewart Mann & The Statesboro Revue wenden sich mit einer Crowdfunding-Kampagne zur Produktion eines neuen Album an ihre Fangemeinde. Das letzte Album „The Jukehouse Revival“ ist sechs Jahre her. Im Indiegogo-Kampagnen-Video erklärt Stewart Mann den Grund für das lange Schweigen. Nach einem schweren Autounfall des Bandgründers folgte direkt die Pandemie –…

Coral Island

Die Corona-Pandemie hat den Musikern und Fans viel genommen. Fehlende Live-Konzerte und persönliche Begegnungen sind da nur die offensichtlichste Lücke, die – vorübergehend – gerissen wurde. Mit einem Jahr Lockdown hinter uns und einem langsam heller werdenden Licht am Ende des Tunnels wird aber immer deutlicher, dass uns auch etwas gegeben wurde: Zeit. Zeit für uns selbst und für das, was wir lieben und sonst vernachlässigen müssen. Typische Lockdown-Alben sind nicht nur kontemplativ und introvertiert. Sie sind häufig auch lang und mit einem gut durchdachten Konzept ausgestattet.

„Coral Island“ (Run On Records) von The Coral ist so ein Konzeptalbum, in dem viel Arbeit und Zeit steckt. Es ist eine Art Hör-Musical und versetzt uns in das fröhlich-unbeschwerte Leben auf besagter Insel. Ein Erzähler führt in altmodischem Englisch und malerischer Sprache durch eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten. Weniger als ein Doppelalbum hätte es nicht sein können, dieses zehnte Werk der Band aus Merseyside im Nordwesten Englands. Es scheint die Unsitten der Vor-Corona-Welt überwinden zu wollen, in der Rockalben in der Regel kaum noch länger als eine halbe Stunde sind.

Mit leichtfüßigen Surf-Melodien, einem behaglichen Retro-Sound und einer blunigen Sprache ist das Album nur auf den ersten Blick leicht verdaulich. Der Psychedelic-Pop der Briten ist bewusst altmodisch aber nicht altbacken. The Coral beschwören eine Welt, die es lange nicht mehr gibt. Bar, Jukebox, Petticoats, Amüsierbetriebe, alles analog und in entschleunigtem Tempo – „the golden age has yet begun“. In allem schwingt die Melancholie des nahegelegenen Meeres mit. „Coral Island“ ist schwerst nostalgisch, aber nicht weinerlich. Ein bisschen zu sorglos vielleicht, aber so ist gelungenes Entertainment oft.

Es braucht Ruhe und Zeit, sich einem solchen Album zu widmen. Damit kehrt aber ein bisschen mehr Kunst ins Geschäft zurück Hier wird von der Hörerschaft mal wieder etwas gefordert – eben nicht nur ganze 54 Minuten seiner Zeit, sondern auch Aufmerksamkeit und vor allem die Phantasie, sich auf dieses Kopfkino-Erlebnis einzulassen. Dafür wird den Hörer*innen freilich auch etwas gegeben: gut durchdachte Unterhaltung nämlich und ein sinnliches Erlebnis, das eine längere Halbwertzeit hat als so viele andere, auf die Schnelle produzierte Erzeugnisse der Musikindustrie.

 

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Wagmüller PR

LAINEY WILSON – Exklusiver Showcase zur Albumveröffentlichung

Wenn eine Plattenfirma mit blumigen und vielversprechenden Worten den Promo-Gig einer – zumindest in Europa – weitgehend unbekannten Künstlerin bewirbt, hat eine solche Veranstaltung den Hauch einer musikalischen Wundertüte. Die amerikanische Country-Sängerin Lainey Wilson hat zu einem Online-Showcase anlässlich der Veröffentlichung ihres zweiten Longplayers „Sayin’ What I’m Thinkin’“ (BBR Music Group) eingeladen. Um Punkt 19.00…

Topaz

Israel Nash ist ein Meister der psychedelischen Schwermut. Gut, daß dieses Album im Frühjahr erscheint, wo zumindest die Sonne und sprießende Pflanzen ein wenig Hoffnung verbreitet. Denn Melancholie ist nach wie vor eines der Markenzeichen von Nash, dessen neuestes Album „Topaz“ (Loose Music) jüngst erschienen ist. Dennoch beschreitet der Meister neue Wege:

„“Topaz“ ist technisch gesehen wirklich das erste Album, an dem ich so viel allein gearbeitet habe, und es war nicht nur eine einzige Session, bei der wir uns diverse Freunde und Gastmusiker dazu geholt haben“, sagt Nash. „Diese Platte entstand im Laufe eines Jahres, zwischen den Tourneen, als ich nur für mich allein sein wollte.“

Die zweite offensichtliche Innovation ist der deutliche Ausbau der Streicher und vor allem Bläser. Los geht’s aber mit einer klagenden Steel-Guitar und einem minimalistischen Schlagzeug-Beat in „Driving Lines“. Zärtlich säuselt der bärtige Pastorensohn Nash zur Mundharmonika in „Closer“ über die fehlende Nähe zu seiner Angebeteten. Und dann sind sie da, die Bläser. Eine ganze Sektion zum Auftakt zu „Down In the Country“, akzentuiert von einem Bass-Saxophon. In „Stay“ spielt letzteres nur eine Nebenrolle unter etlichen weiteren Blechbläsern, der Song hat Soul, einen wunderbaren Refrain und ein verträumtes Gitarren-Solo.

Auch in „Indiana“ und „Howling Wind“ verbindet der Singer-Songwriter seinen ohnehin eigenständigen Stil sehr prominent mit Blasinstrumenten. Die Gitarren sind für alle Saiten-Enthusiasten dennoch auch da, auch Orgeln und immer wieder der klagende Gesang. „Topaz“ ist pychedelisch anmutender Bläser-Soul-Folk. Da hat Mr. Nash sich tatsächlich ein wenig neu erfunden.

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Self Made Man

Die beiden Americana-Künstlerinnen Megan und Rebecca Lovell legen nach ihrem grammy-nominierten, weltweiten Erfolgsalbum „Venom & Faith“ (2018) ihr fünftes Album in sechs Jahren vor. Selbst produziert und auf dem eigenen Label (Tricki Woo) veröffentlicht dürfte „Self Made Man“ die gefühlvolle Reinkarnation der Allman Brothers weiter bekannt machen – und das völlig zu Recht. Man spürt das Adrenalin der Ladies bei jedem Ton.

Die in Georgia aufgewachsenen Mädels um die Dreißig haben es einfach drauf und das Momentum der Grammy-Nominierung genutzt. Egal ob mit röhrender Stratocaster oder jaulender Lap Guitar, mit den tiefen Lead-Vocals von Rebecca oder dem harmonierenden Gesang von Megan: die Lovell Schwestern haben den Blues. Und der liegt im Blut und hat rein gar nichts mit der wegen Corona verschobenen Tour zum neuen Album zu tun.

Der Titel der Scheibe fußt offensichtlich auf dem hohen Mass an Unabhängigkeit und Emanzipation der jungen Musikerinnen, der Titeltrack heißt schließlich „She’s a Self Made Man“:

„Auf ihrer selbstbestimmten evolutionären Reise, die zu „Self Made Man“ führte, betreten Larkin Poe als kreative Künstlerinnen, Geschäftsfrauen und Menschen neue Wege. Obwohl sie die Aufrechterhaltung der Tradition schätzen, sind die Lovell-Schwestern entschlossen, die Musik und Kultur voranzutreiben. „

„Für uns als Schwestern und Künstlerinnen war es eine prägende Erfahrung, die kreativen Zügel in der Hand zu behalten. Es war entscheidend für unsere Entwicklung.“, sagt Rebecca. „Es hat uns als Team noch näher zusammengebracht und die Vision, die Megan und ich teilen, herauskristallisiert und destilliert.“ „Es ist sehr wichtig für uns, authentisch zu sein.“, fügt Megan hinzu. „Rebecca und ich sind stark in jede getroffene Entscheidung involviert. Wir sind unabhängige Künstlerinnen und das passt zu alldem, was wir tun.“

Das bemerkenswerte an dem Album ist, daß genau das auch in der Bandweite der Songs spürbar ist. Larkin Poe machen nicht „einfach nur“ Blues oder Blues Rock, sondern ihr ganz eigenes Ding aus Folk (Klasse: „Ex-Con“), Bluesrock („Holy Ghost Fire“), Bluegrass („God Moves On The Water“), Gospel, Country und allem was sonst noch in die vollständige Aufzählung amerikanischer Musikkultur gehört. Und das ist rundum gelungen.

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The Night You Wrote That Song: The Songs of Mickey Newbury

„The Night You Wrote That Song: The Songs of Mickey Newbury“ (Proper Records): Gretchen Peters interpretiert Mickey Newbury. Wen? Dem deutschen Durchschnitts-Fan von Country, Folk und Americana dürften die Namen Gretchen Peters und Mickey Newbury vermutlich nicht so viel sagen, wie das bei ihren amerikanischen Fans der Fall ist. Aber sei es drum, das wollen wir hiermit ändern.

Gretchen Peters aus New York lebt inzwischen natürlich in der US-Countryhochburg Nashville und hat als Songwriter Material für Etta James, Trisha Yearwood, Shania Twain und Neil Diamond geschrieben und auch schon mit Bryan Adams zusammengearbeitet. Für ihre neues Album hat die vielbeschäftigte Musikerin jedoch auf die Neuinterpretation von Stücken des 2002 verstorbenen Singer / Songwriters Mickey Newybury konzentriert. Nach eigener Aussage war Newburys Musik eine Inspiration für Gretchen Peters, die sich immer von ihm und seinen oft traurigen Songs angesprochen gefühlt hat. Dementsprechend geht es hier auch eher getragen, leicht schwermütig und sehr emotional zu.

Die Musikerin covert auf ihrem Tribut zwölf Songs ihres Vorbilds, die sich stilistisch zwischen Country-Ballade, Americana, Blues und Folk bewegen, oft intim instrumentiert und überwiegend von Klavier oder Akustikgitarre begleitet. Unterstützt wird Gretchen Peters dabei von ihrem Ehemann Barry Walsh an Piano und Keyboard und Will Kimbrough an der Gitarre. Eine ganze Reihe von Gastmusikern sorgt mit Bass, Mandoline, Streichinstrumenten, Pedal Steel Gitarre, Harmonika für jede Menge Abwechslung und stimmungsvolle Gänsehaut-Momente in Songs, die oft kleine Geschichten erzählen.

Mickey Newbury ist auch in den USA lange unter dem Radar der Musikindustrie geflogen. Macht es also Sinn, wenn eine (hierzulande) eher unbekannte Künstlerin ein Album mit Covern eines ebenfalls nicht wirklich bekannten Songwriters aufnimmt? Die Antwort kann nur ganz klar „ja“ lauten, denn „The Night You Wrote That Song“ ist mehr als nur ein Tribut. Es ist kein „Best Of“ Mickey Newbury geworden, denn Gretchen Peters hat auch viele unbekanntere Songs ihres Idols aufgenommen und präsentiert damit eine sehr persönliche Auswahl, die auch äußerst emotional und persönlich vorgetragen wird. Wie es sich für ein gutes Tribut / Coveralbum gehört, interpretiert die Künstlerin die  Songs auf ihre ganz eigene Art und Weise und mach sie zu ihrem eigenen Material.  Wer Peters und Newbury noch nicht kennt, dürfte nach diesem Album Lust haben, sich mit beiden Künstlern näher zu beschäftigen.

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On The Widow’s Walk

„On The Widow’s Walk“ (Snakefarm Records): Der Weiße Büffel trabt durch die Prärie, oder ist da doch eher ein Biker auf seiner Harley unterwegs? Unterwegs gibt’s Blues, Rock, Folk, Americana und Country.

The White Buffalo, das ist  der bärtige Barde Jake Smith, der mit „On The Widow’s Walk“ sein bereits sechstes / siebtes Studioalbum vorlegt, produziert von der Country- und  Americana-Legende Shooter Jennings, dem Sohn des großen Waylon Jennings, der auf dem Album auch in die Tasten greifen darf. Hierzulande dürfte Smith nicht so bekannt wie in den USA sein, aber allen Freunden der Biker-Serie „Sons Of Anarchy“ ist The White Buffalo vermutlich ein Begriff, hat Smith doch gemeinsam mit den Forest Rangers einige Songs dazu beigesteuert. Smith ist Multiinstrumentalist und hat das Album bis auf die oben schon erwähnte Hilfe überwiegend alleine aufgenommen.

„On Widow’s Walk“ zeichnet sich durch Abwechslung aus, wobei es oft eher zurückhaltend denn rockig wird. Folkige Americana-Songs mit Gospel-Attitüde, Klavier und Akustikgitarre: The White Buffalo beziehungsweise Jake Smith erfüllen hier alle Klischees. Markige Stimme, griffige Akkorde, ein wenig Bass und Schlagzeug im Hintergrund. Das sind Klänge, zu denen der Cowboy den Hut in die Stirn zieht und lange und nachdenklich in die Prärie hinausstarrt. Die wenigen etwas lauteren Nummern wie ‚No History‘ oder ‚Faster Than Fire‘ grooven. Manchmal wünscht man sich, der Rest des Albums wäre auch etwas schneller. Andererseits: Die langsamen Songs sorgen für schöne Atmosphäre und zeigen, dass Smith ein hervorragender Songwriter ist. Ab und zu werden in der Interpretation Assoziationen an die Americana-Alben des großen Johnny Cash geweckt, so zum Beispiel bei ‚River Of Love And Loss‘ . ‚Sycamore‘ hingegen erinnert an Bruce Springsteen.

Weniger ist hier oft mehr, und damit ist „On The Widow’s Walk‘  ein tolles Album für die ruhige, abendliche Stimmung. Der erwartete Rocker ist es nicht, und ab und zu vermisst man doch ein paar Überraschungen. Roots, Folk, Blues: Eben Americana, nicht zu laut, nicht zu sperrig, nicht zu überraschend. Gehört hat man Ähnliches schon oft, aber zu gefallen weiß es immer wieder, wenn man das Genre mag.

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