Schlagwort: Rockabilly

THE SILVERETTES – Rockabilly aus dem Ruhrgebiet

Rock’n’Roll und Rockabilly aus dem Ruhrgebiet – geht das? Ira, Jane und Honey von den Silverettes aus Essen treten seit mehr zehn Jahren den Beleg dafür an. Im September erscheint mit „Risky Business“ das nächste Beweisstück. Vorab kann man sich bereits jetzt mit der Single „Undercover Lover“ einen Eindruck verschaffen. Erstmalig übernehmen die drei Damen…

TIGER ARMY – Erster Song aus neuem Album ‚Retrofuture‘

Tiger Army veröffentlichen am 13. September ihr sechstes Studioalbum. ‚Retrofuture‘ wurde von Ted Hutt (The Gaslight Anthem, Lucero etc.) produziert und der Song ‚Eyes Of The Night‘ gibt einen ersten musikalischen Vorgeschmack:   Die Daten der Europa-Tour im November stehen auch schon fest:   Foto: Casey Currysmall www.starkult.de

Soul Of My City

‚Let’s go back in time, man, let’s go back in time!‘ Rob Heron macht ein so charmantes Angebot, dass man es ihm nicht abschlagen kann. Zumal sofort klar ist, wohin die Reise geht. In die flotten Fünfziger nämlich, als das geschwungene Tanzbein allein schon Sünde und Pomade im Haar Pflicht waren.

Ganze vier Alben lang huldigen Rob Heron & The Tea Pad Orchestra schon den alten Zeiten und klingen doch wie frisch geschlüpft. Rock’n’Roll at its finest ist ihre Mission, Swing-, Country- und R&B-Einlagen fehlen dabei nicht. Jerry Lewis-mäßig stürzt sich Heron in die Songs, lässt seine Stimme sich lustvoll überschlagen. Dazu groovt der Kontrabass, zittert die Mundharmonika vor Erregung, surren munter die Gitarrenseiten.

In flinken und witzigen Texte spielt Rob Heron wohlwissend und wohlwollend mit jedem Klischee, dass es so über den Rock’n’Roll der Fünfziger Jahre gibt. Da ist der einfache Unterschichtenmann mit gutem Herzen, auf der Suche nach einem Tagesjob und einer abendlichen Liebelei; wir hören von romantisierenden Gefängnisgeschichten und Kneipenschlägereien, von Tüllkleidern und High Heels. In Letzteres sich versuchsweise mal einzukleiden, das empfehlen Ron Heron & The Tea Pad Orchestra in ‚Life Is A Drag‘ gewitztermaßen ihren männlichen Zuhörenden.

Nicht nur hier zeigt sich, dass Heron und seine Kapelle sich nicht allzu ernst nehmen. Der Schalk, der ihnen im Nacken sitzt, ist zweifelsohne förderlich für ihre Art von einnehmender Wipp-und Hüpfmusik. Textzeilen wie ‚This 21st century music, it surely won’t get far‘ oder der Jodel-Song ‚Lonely Boy In The Dole Queue‘ machen Spaß und lassen die Sympathie für das Album noch steigen.

Allein, selbst wenn Rob Heron & The Tea Pad Orchestra sehr liebenswürdig die Sehnsucht nach einem scheinbar einfachen und fast unbeschwerten Leben heraufbeschwören, machen ihr Stil und ihre Texte doch auch deutlich, warum wir nicht wirklich zurück in diese Zeit wollen. Nicht nur Rock’n’Roll war damals noch reine Männersache, denen die Frauen maximal als hübsches Beiwerk dienten. Ohne falsche Nostalgie sollten wir daher ‚Soul Of My City‘ als das nehmen, was es ist: Hervorragend gemachte, aber leichte Unterhaltung. Na dann: ‚Let’s flip flop and fly!‘

Firewater

Fast hätte es dieses Feuerwasser überhaupt nicht gegeben. Die Truppe Slam & Howie And The Reserve Men stand nach zehn Jahren im Rock’n’Roll-Geschäft kurz vor der Auflösung, festgefahren und ideenlos verfolgten die Bandmitglieder erst einmal andere Projekte.

Schade wäre so eine Auflösung gewesen, denn Slam & Howie gelten mit ihrer energetischen und wilden Mischung aus Rock, Country und feiner Rockabilly als eine der besten Live-Bands der Schweiz. Glücklicherweise hat sich die Band nach einer Auszeit aber jetzt wieder besonnen und gemeinsam mit Sandro Lampartner vom Schweizer Promoter Blackpike Favorites das Album ‚Firewater‘ produziert. Das Quartett um Frontmann Lt. Slam legt elf relaxte und ziemlich starke Rocknummern vor, die sich gekonnt zwischen den erwähnten Genres bewegen. Dabei zeichnen sich schon die ersten Songs durch hohen Mitwipp-Faktor aus und legen sich mit mächtig viel Groove ins Zeug. Spätestens bei der stampfig-treibenden Nummer ‚Witness Of Dawn‘ muss man sich fragen, warum Slam & Howie hier nicht bekannter sind, denn wir haben es hier mit ausgezeichnetem Songwriting zu tun, das nicht nur exzellent produziert ist, sondern man merkt diesen vier Jungs bei jeder einzelnen Note den Spaß an der Sache an.

Groovender Countryrock trifft bei ‚Anywhere The Wind Blows‘ auf eine markante Stimme und kernige Gitarrenarbeit, die zeigt, dass das neue Nashville im schweizerischen Bern liegt. Exemplarisch sei hier auch der hervorragende Aufbau des Songs genannt, der sich immer weiter steigert und die rauchgeschwängerte Atmosphäre der nächsten Poolhall und Biertheke aus den Lautsprecherboxen springen lässt. Genauso muss ein handgemachtes Rockalbum klingen, und wenn dann noch stampfende Rockabilly-Elemente wie bei ‚Pretender‘ in den Mix geworfen werden, kann man sich nur zurücklehnen und glücklich sein. Im letzten Drittel des Albums sind die Songs zwar immer noch sehr gut, können aber nicht ganz an den Rest anknüpfen, was Eingängigkeit und Groove angeht. Das trübt die Freude am Gesamtwerk aber so gut wie gar nicht. Am Ende verbreitet der letzte Song ‚Pass The Die‘ mit seinem hymnenhaften Intro dann wieder gekonnt Italo-Western-Stimmung im Breitwandformat.

Feuerwasser: Whiskey, Rock’n’Roll und ganz viel Stimmung. Dieser hochprozentige Schluck gefällt uns nicht nur aufgrund seines Namens, ob mit oder ohne Soda. Alle Genrefans, die Slam & Howie noch nciht auf dem Schirm hatten, dürfen sich hier auf ein ganz großes Schmankerl freuen. Und alle anderen sind ohnehin glücklich, dass sich die Schweizer besonnen haben und der Auflösung entgegangen sind. Wie gesagt, das wäre mehr als schade gewesen.

Hellbound Heart

Der große Horror-Punk-Hype ist schon lange Vergangenheit, doch es gibt noch viele Bands, die sich unermüdlich den klassischen Geschichten über Vampire, Monster, Mörder und immer wieder Liebe widmen. In diesem Genre sind die Grenzen zwischen Punk-Rock, Rockabilly und Psychobilly fließend, ebenso wie Realität und Fiktion. Was zählt ist die Romantik, textlich und musikalisch. Stellar Corpses haben 2007 als Psychobilly-Kapelle den Respekt für die Toten eingefordert, elf Jahre später spielen sie zuckersüßen Punk-Rock und lieben weiterhin den Tod.

Auf „Hellbound Heart“ kommen sie mit den fünf enthaltenen Pop-Punk-Songs dem Meister Nim Vind verdächtig nahe. Die Lieder gehen runter wie Bonbons, haben aber auch einen ähnlich langen Nachgeschmack. Spätestens beim Zähneputzen ist er verschwunden. Wenn einem nach etwas mit Biss steht, dann kann man ruhig „Hellbound Heart“ in der Player schieben. Schließlich stimmen die hymnischen Melodien, die Chöre, die schwärmerischen Lyrics und die Grusel-Atmosphäre der Filme aus den 50er Jahren. Beim überaus flotten Rausschmeißer ‚In Her Lover’s Arms‘ gibt es dann noch den slappenden Bass, so dass alle Merkmale für eine gute Horror-Punk-Veröffentlichung vorliegen. Das einfältige Artwork mit dem leuchtend grünen Skull will sich nicht so recht mit einem „Hellbound Heart“ in Einklang bringen lassen. Für den Vorgänger „Dead Stars Drive-In“ hatte man sich noch wesentlich mehr Bezug zum Titel gegönnt.

Die vierte Veröffentlichung der Psychos aus Santa Cruz ist wie der Kurzfilm vor dem Hauptfilm, man nimmt ihn mit, er verkürzt die Zeit und ist doch eigentlich gar nicht so schlecht, besser als Werbung oder Trailer, die das Beste am Film bereits zeigen.

THE SEWER RATS – Neues Album im März

Am 31. März erscheint das dritte Studio-Album von The Sewer Rats namens ‚Heartbreaks and Milkshakes‘ auf Rookie Records. Nachdem die Band aus Köln die letzten Jahre fast unablässig getourt ist, blieb 2016 endlich Zeit für die Arbeit an neuen Stücken. Entstanden sind zwölf old-schoolige Pop-Punk-Songs, die größtenteils Archi Alert, Kopf der Terrorgruppe, in seinem Kreuzberger…

Magic 8 Ball

Wie sieht es im Gehirn und der Gedankenwelt eines Menschen wohl so aus? Bei einer Frau wohl wesentlich komplexer als beim Mann. Die schlichte Art des Spiegelbild-Adonis scheint sowohl Segen als auch Fluch zu sein. Genau diesen Gedankengängen gehen Rollin‘ Racketeers auf den Grund – mit dem fetzigsten Rockabilly des ganzen Landes.

Die Frankfurter treffen mit ‚Magic 8 Ball‘ ziemlich gut den Nerv der männlichen Seele, die nicht sonderlich tiefgründig ist. So auch die Texte des Quintetts. Vom Herzenswunsch eines Bieres, eines Hotdogs und einer ärztlich verordneten Whiskey-Therapie über eine Affenparty mit skandierten ‚Shake The Banana‘-Rufen und Fäkalien-Albereien bis hin zu philosophischen Vorstellungen über eine Beziehung zur eingliedrigen Frau.

Die kurzweiligen Gedankenschweife werden perfekt vom flotten, schnörkellosen, straighten Rock’n’Roll in 50er-Manier ergänzt. Mit Highspeed legen sie eine fröhliche Tanznummer nach der anderen hin und landen in der Mitte des Albums bei ihren beiden Höhepunkten. Da haben wir den ‚Magic 8 Ball‘-Track, der mit dampfenden Toms, verspieltem Slap-Kontrabass und einem tollen Saxophon-Thema à la LaBrassBanda den Kessel zum Heizen bringt. Und wenn man denkt, das Tempo kann nicht mehr gesteigert werden, schalten sie im bereits erwähnten ‚Whiskey Therapy‘ in Gang 7 und lassen The Fast And The Furious alt aussehen. Als dann plötzlich in ‚Low Low Slide‘ ein abschweifendes, fast schon harmloses Gitarrenintro erklingt, kehrt für einen Moment Ruhe ein. Scheinbar nur eine Pinkel-Pause der restlichen Band, um danach sofort mit Vollgas ihren ‚Devils Hellride‘ wieder fortzusetzen.

Einzig ein klirrendes, hämmerndes Klavier wird hier vermisst. Das gerät aber durch die ausgeflippte, lebendige Stimme von Sänger T.J. Baked Beans, der zahlreichen instrumentalen Soli und dem besonders erfreulichen Einsatz des Saxophons fast in Vergessenheit. Dadurch wirkt die Musik sogar noch dreckiger und rotziger als mit eventuellem Piano. Wer also verständlicherweise genug von den Boss Hoss-Cowboys hat, die im Vergleich wie Obstfarmer wirken, ist mit den Rollin‘ Racketeers perfekt aufgehoben. Also: in die eine Hand ein Hotdog, in die andere die Banana und abfeiern!

Kitty, Daisy & Lewis – Eine richtige Familienangelegenheit

Als Kitty, Daisy & Lewis vor sieben Jahren das erste Mal auf der Bildfläche erschienen, überraschten sie mit ihrer Liebe zum Rock’n’Roll. Als wären die Geschwister in den 40ern und 50ern groß geworden, belebten sie ein Genre wieder, das heutzutage kaum noch kommerziellen Erfolg verspricht. Mittlerweile haben die Geschwister ihr drittes Album veröffentlicht, das kaum als bloße Ansammlung eingestaubter Retro-Hits beschrieben werden kann. Viel eher verbinden die Drei ihr früh erlerntes Rockabilly-Handwerk mit schmissigem Pop, Soul und Ska. Bei ihrer Jahresabschlusstour hatten die Geschwister wie immer auch die Eltern mit im Gepäck. So auch am 10.11. im Täubchenthal – ihrem ersten Konzert in Leipzig.

JESSICA HERNANDEZ & THE DELTAS – Auf Europatour mit Social Distortion

Die Newcomer-Band Jessica Hernandez & The Deltas erfährt jenseits des Atlantiks derzeit überschwängliches Lob für ihren abwechslungsreichen Mix aus Rockabilly, Ska, Funk, Latin und anderen Stilrichtungen. Nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums ‚Secret Evil‘ im Vergangenen Jahr, gelangte die Band in kürzester Zeit zu einiger Bekanntheit und schaffte es sogar in die Late-Night-Show von David Letterman.…

The Third

R’n’B trifft Ska. Country schüttelt Blues die Hand. Kontrabass steht neben Klavier, Mundharmonika wechselt sich mit Gesang ab. ‚Darling‘ und ‚Baby‘ fallen dem Liebsten um die Arme und verlassen ihn kurz danach wieder, Herzschmerz inklusive. Mit feinem Zwirn und adretten Anzügen posiert man stets für die Kamera. Eine so nahezu perfekte Zeitreise bietet heut fast nur der Plattenspieler oder der Fernsehbericht über die 50er Jahre. Und dann noch Kitty, Daisy & Lewis. Die drei Durham-Geschwister, denen ihr Hang zum Rockabilly schon in die Wiege gelegt wurde. Mit Album eins und zwei schlugen sie bombenartig ein und sensibilisierten junge Ohren für den Ursprung aller Musikrichtungen. Böse Nachrufe, hierbei handele es sich um schlechtes Imitat einer eingestaubten Periode, können getrost ausbleiben.

Für ‚The Third‘ ließen sich die Geschwister auf Hilfe eines Produzenten ein und machten gemeinsame Sache im eigenen Analog-Studio in Camden Town. Vermutet man zunächst eine komplette Fehlbesetzung in The Clash-Urgestein Mick Jones, der eher durch Zusammenarbeit mit Indie-Rüpeln wie The Libertines bekannt ist, soll dieser Entscheidung hier mit Blumen gedankt sein. Auch wenn die multi-instrumentalen Durham-Geschwister schon viel von der Ohrwurm-Produktion verstehen, zog Papa Jones als adoptiertes viertes Bandmitglied wahrscheinlich ein, zwei Melodien noch einmal durch den ‚Macht-mehr-knackige-Songs‘-Checkup. Stilsicher bleibt der Leitfaden zwar auch hier Rockabilly, der sich aber zu einem neuen Abenteuer mit Ska, Funk und Reggae begibt.

Insgesamt sind die Songs auf ‚The Third‘ kürzer, ausschweifende Soli wie auf ‚Smoking In Heaven‘ oder dem selbstbetitelten Debüt sind seltener geworden. Und gerade diese Entwicklung tut diesem Album unsagbar gut. Trotzdem wären auch Kitty, Daisy & Lewis nicht sie selbst ,wenn sie dabei nicht zur Genüge tief in die Trickkiste greifen dürften. Es gibt genug Raum zwischen den bündigen Liebesbekundungen oder Trennungsschmerz-Szenarien für ihr unglaubliches Talent und klassische Gitarrenriffs sowie virtuoses Klaviergeklimper. Eine Stufe höher steigen sie mit neuen orchestralen Einschüben, die auch gern inbrünstige ‚Ohs‘ und ‚Ahs‘ wie auf ‚Never Get Back‘ untermalen.

Jeder der drei Geschwister hat auf ‚The Third‘ Raum zur Entfaltung: Der eher klassisch veranlagte Lewis säuselt auf ‚Baby Bye Bye‘ verschmitzt seinen lieben Verflossenen eine Trennungsbotschaft oder verfällt der Schönheit einer Frau (‚Good Looking Woman‘). Alles im altbewährten Blues-Stil mit prägnanten Gitarrenriffs und jazzigen Trompeten. Rebellin Daisy regelt die Dinge eher direkt und frech:

‚She’s raising up her hand / And She’s about to swing / So move it!‘

heißt es auf dem mit Aggression geladenen ‚Bitchin in the Kitchen‘, das genau wie das unverblümte ‚No Action‘ funky und poppiger daherkommt. Klein-Kitty macht ihrem Nesthäkchen-Status alle Ehre, rockt mit Mick Jones auf ‚Feeling of Wonder‘ oder wiegt sich im harmonischen Orchester-Reggae-Mix in einer Blüte aus Schwärmerei und Liebestaumel:

‚My Sweetheart give me a smile / Stay for a while / You make me feel so fine / Yes Baby all the time‘

(‚Turkish Delight‘).

Weiter, größer, schneller, poppiger – so könnte das Motto des Entstehungsprozesses eines großartigen Albums gelautet haben. Man möchte daher noch ein ‚besser‘ hinzufügen. Kitty, Daisy & Lewis haben längst verstanden welche Magie ihr über die Jahre erlerntes Handwerk in sich trägt. Mit ‚The Third‘ gehen sie nun einen Schritt weiter: es ist die perfekte Konzeption eines Weltklassealbums, welches sagenhaft abwechslungsreich ist und trotzdem so prägnant im eigenen Dunstkreis bleibt. Mit zwölf Songs, bei denen keiner eine Niete ist. Wo das wohl noch hinführen mag?