Schlagwort: Progressive Rock

KARNIVOOL – Erste Europatour seit 2015

Sehr lange mussten Fans von Karnivool warten, um die australischen Progband nach vielen Jahren endlich wieder auf der Bühne zu sehen. Nun wurden die ersten Termine für 2021 angekündigt. Karnivool wird im September nächsten Jahres auf Europatournee gehen. Die „Regeneration“-Tour sollte eigentlich im diesen Jahr stattfinden, musste aber aufgrund der aktuellen Situation auf 2021 verschoben…

If Everything Happens For A Reason…Then Nothing Really Matters At All

Herzlichen Glückwunsch an Gone Is Gone! Kurz vor Jahresende kann der Progressive-Supergroup wohl noch der Preis für den längsten Albumtitel des Jahres 2020 überreicht werden: „If Everything Happens For A Reason… Then Nothing Really Matters At All“ (Clouds Hill).

Nachdem diese formale Pflicht erfüllt ist, darf nun die Musik im Mittelpunkt stehen. Was soll eigentlich von einer Band erwartet werden, die ein Nebenprojekt von großen Musikern wie Troy Sanders (Mastodon), Troy Van Leeuwen (Queens Of The Stone Age) und Tony Hajjar (At The Drive-In) ist? Die Antwort lautet vermutlich: Absolute künstlerische Freiheit. Denn eines ist den Mitgliedern gemeinsam: Musikalisch wollen sie ihrem Projekt keine Grenzen setzen. War die erste selbstbetitele EP eine düstere Progressive-Rock-/Metal-Scheibe, enthielt der darauffolgende Longplayer „Echolocation“ bereits viele ruhigere und langsamere Töne. „If Everything Happens For A Reason…Then Nothing Really Matters At All“ greift diese Entwicklung von Beginn an auf und kombiniert sie mit elektronischen Elementen.

Es ist eine Evolution, die Gone Is Gone bewusst begonnen haben. Denn „Echolocation“ wurde noch für eine traditionelle Bandbesetzung komponiert. Nun lautete das Ziel, die Stücke so zu schreiben, dass sie als komplette Band, aber gleichzeitig auch in elektronischer Form solitär gespielt werden können.

Leider zündet diese Neuausrichtung nur in seltenen Fällen. Auf der einen Seite schaffen es die Amerikaner zwar wieder, eine faszinierende und drückende Atmosphäre zu kreieren. Auf der anderen Seite sind sich die einzelnen Songs jedoch viel zu ähnlich. Sie verharren in Gleichförmigkeit. In guten Momenten klingen Gone Is Gone wie ruhige Nine Inch Nails. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes, dies kann allerdings nicht der Anspruch dieser Supergroup sein. Ausbrüche mit Ecken und Kanten wie in älteren Songs der Marke „Starlight“, „One Divided“ oder „Gift“ werden schmerzlich vermisst. Zwar blitzt die Genialität der Band in der abschließenden Ballade „Dirge For Delusions“ noch einmal auf, aber dies ist leider viel zu selten der Fall.

Mit „If Everything Happens For A Reason…Then Nothing Really Matters At All“ haben Gone Is Gone ihre rockigen Wurzeln eindeutig verlassen und einen neuen Weg eingeschlagen. Obwohl dieser nicht vollends überzeugen kann, verspricht er dennoch Spannung für die Zukunft. Denn musikalisches Potenzial besitzt das Quartett ohne Ende. Grenzen sind ihnen nicht gesetzt. Da darf man ihnen auch einmal einen kleinen Ausrutscher zugestehen.

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Distant Memories – Live In London

Eine Reise zurück, als es noch Konzerte gab. Das sind „Distant Memories – Live in London“ (Inside Out Music / Sony Music), das ist der Titel des neuen CD/DVD-Packs der amerikanischen Könige des Prog-Metals Dream Theater. Die fünf Herren des Traumtheaters haben ein Livepaket geschnürt, das die letzte Tour dokumentiert. Das im Februar 2020 im Londoner Hammersmith Apollo mitgeschnittene Konzert wurde als Liveaufnahme auf drei CDs beziehungsweise als Konzertfilm auf zwei DVDs oder Blu-Rays gepresst.

Neben ein paar Tracks des letzten Albums „Distance Over Time“ beinhaltet das Konzert eine komplette Performance des Meilensteins „Metropolis Part 2: Scenes From A Memory“ zu dessen 20jährigem Jubiläum. Natürlich gab es das legendäre Album schon damals als Live-DVD „Scenes From New York“, und die Interpretation ist trotz 20 vergangenen Jahren und einem neuen Schlagzeuger relativ dicht am Original. Sei’s drum, die Fans wollen ihre Band live sehen und hören, und wer kann ihnen das bei Dream Theater, die sich in freudiger Spiellaune präsentieren, auch verdenken? 

Für andere Songs bleibt bei diesem Gig keine Zeit.. Eine Auswahl an Material aus „Distance Over Time“ wird geboten, und eben besagtes Konzeptalbum in voller Länge. Wer ältere Songs sucht, muss auf eine der vielen anderen Live-Veröffentlichungen des Traumtheaters zurückgreifen. Dass die fünf Musiker allesamt Genies auf ihren Gebieten sind, ist keine Neuigkeit, und wer Dream Theater live gesehen hat, weiß entsprechend auch, dass die Performance der Band immer dicht am Studiooriginal ist. So natürlich auch hier. Manche Fans freut das, andere halten die Konzerte für seelenlos, weil eben alles fast zu perfekt klingt und man immer wieder den Eindruck hat, dass jede einzelne Bewegung bis ins kleinste Detail vorab geplant ist und wie ein präzises Uhrwerk abgespult wird.

Immerhin wechselt Sänger James LaBrie im „Joker“ T-Shirt dieses Mal ein paar Worte mit dem Londoner Publikum und Tastenzauberer Jordan Rudess darf immer wieder mal ein paar Improvisationen spielen. Gefilmt wurde das Konzert natürlich in hoher technischer Qualität, so dass es audiovisuell nichts zu bemängeln gibt, obwohl der Fan hier extreme Nahaufnahmen vermisst. Detailliertes Griffbrettgefrickel oder die Bedienung der Drumpedale in Großaufnahme fehlen hier leider fast vollkommen. Ein kurzes Behind The Scenes Special mit einer Laufzeit von allerdings nur vier Minuten schließt die zweite Disc ab.

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GOD IS AN ASTRONAUT – „Burial“ als Albumvorbote

God Is An Astronaut haben den ersten Song aus ihrem neuen Longplayer veröffentlicht. Wie bei dem Post-Rock-Kollektiv nicht anders zu erwarten ist, handelt es sich bei „Burial“ um einen komplexen und atmosphären Sechsminüter. In Szene gesetzt wird der Track durch ein düsteres Schwarz-Weiß-Video von Chariot Of Black Moth. Das dazugehörige Album „Ghost Tapes #10“ wird…

Delicate Sound Of Thunder

Pink Floyd waren Wegbereiter des Artrocks und sind zweifelsohne eine musikalische Legende. Im Rahmen der Neuveröffentlichungen alter Alben als Boxset erscheint jetzt „Delicate Sound Of Thunder (2019 Remix)“ (Warner Music) als spektakuläre Neuauflage, jener bekannte und berühmte Konzertmitschnitt aus New York.

Neben dem Livealbum mit dem gesamten Gig ist im Boxset auch der restaurierte Konzertfilm enthalten, der uns leider nur als Online-Stream zur Rezension vorlag, so dass über die Bild- und insbesondere Tonqualität nichts gesagt werden kann. Das original Filmmaterial auf 35 mm wurde mit hoher Auflösung gescannt, restauriert, neu geschnitten und mit Mehrkanalton remastert, daher ist davon auszugehen, dass dem Fan hier eine gelungene audiovisuelle Impression der Tour aus dem Jahre 1988 geboten wird. Verantwortlich für die 5.1-Kanal-Mischung war der langjährige Tontechniker der Band Andy Jackson, der hierbei von David Gilmour selbst unterstützt wurde.

Nach dem Ausstieg der Gründungsmitglieder Roger Waters und Richard Wright feierten Pink Floyd auf der über zweijährigen Tour zum „A Momentary Lapse Of Reason“-Album triumphale Erfolge. Im August 1988 entstand bei dem Konzert im Nassau Coliseum auf Long Island der Grammy-nominierte Konzertfilm. Richard Wright war wieder dabei, ansonsten haben die drei Herren tatkräftige Unterstützung durch Musiker wie Jon Carin an den Tasten, den Percussionisten Gary Wallis und den phänomenalen Saxofonisten Scott Page, der einige atemberaubende Soli beisteuert.

Pink Floyd Fans kennen den Konzertfilm vermutlich in- und auswendig, und doch gibt es aufgrund des neuen Schnitts und einiger wieder eingefügter Tracks viel Neues zu entdecken. Vergleicht man den Film mit der ebenfalls veröffentlichten neuen Doppel-CD, ist jedoch festzustellen, dass trotz allem immer noch einige Titel fehlen, die auf der CD enthalten sind, aber eben beim mitgeschnittenen Gig nicht gespielt wurden. Diese Tracks wie ‚Round And Round‘ oder ‚Terminal Frost‘ sind aber, wenn auch in schlechterer Qualität, im Bonusmaterial der Blu-Ray enthalten. Einzig und allein die Performance des Klassikers ‚Another Brick In The Wall Part 2‘ fehlt immer noch als Video und ist lediglich auf der CD enthalten.

Das Remastern und neue Scannen des Filmmaterials in 4K Auflösung hat sich gelohnt und sieht schon im Presse-Stream sehr gut aus. Da ist es fast schade, dass bei der hohen Auflösung des Quellmaterials keine 4K Disc in den Verkauf kommt, gerade mit HDR und erweitertem Farbraum wäre die tolle Lightshow sicher ein Augenschmaus geworden. Aber auch so lohnt sich die Anschaffung auch für alle, die den alten Konzertmitschnitt noch auf VHS im Schrank stehen haben. Die qualitativen Unterschiede und die Wirkung der neu gesetzten Schnitte sind erstaunlich. Also auf in’s Konzert!

GONE IS GONE – Progressive-Supergroup mit neuem Longplayer

Nach einer EP und einem Album in den Jahren 2016 und 2017 meldet sich nun die Progressive-Supergroup Gone Is Gone zurück. Ihr neues Album mit dem nicht gerade kurzen Titel „If Everything Happens For A Reason…Then Nothing Really Matters At All“ wird am 04.12.2020 erscheinen. Bei der Band handelt es sich um ein Nebenprojekt von…

NIGHT OF THE PROG FESTIVAL – Jetzt exklusives Merch sichern

Diesen Sommer mussten Musikfans auf fast alle liebgewonnenen Veranstaltungen und Festivals verzichten, so auch auf das weltberühmte Night Of The Prog Festival an der Loreley, von dem Whiskey Soda regelmäßig berichtet hat. Der Veranstalter WIV Entertainment hat sich nicht nur zum Festival 2021 geäußert, sondern auch diverse andere Termine und eine Sonderaktion angekündigt. Die aktuellen…

HOKUM – Exklusive Videopremiere von Prog-Band aus Johannesburg

Die südafrikanischen Progressive Rocker Hokum haben als Marlowe in ihrer Heimat große Erfolge gefeiert. Seit ihrer Umbenennung und stilistischen Neuausrichtung hat das Trio unzählige Stunden im Proberaum verbracht. Das Ergebnis ist ein neues Album „Human Sex Equation“, das zur Zeit produziert wird. Der Song ist bei allen bekannten digitalen Plattformen erhältlich. In Zusammenarbeit mit Plug…

I Wonder

Australien ist in Europa nicht unbedingt für seine Progressive-Bands bekannt. Die einzige Ausnahme mit größerer Anhängerschaft dürften King Gizzard & The Lizard Wizard bilden. Ansonsten wird doch alles durch Hard-Rock-Bands wie AC/DC und Airbourne oder die äußerst spannende junge aufstrebende Punkszene mit Bands wie Clowns überlagert. Doch innerhalb der Progressive-Szene wird auch immer mal wieder ein Blick auf den kleinsten Kontinent geworfen. Denn es gibt einiges zu entdecken, wie beispielsweise Teramaze. Diese haben sich bereits 1993 formiert und mit „I Wonder“ (Wells Music) nun ihr siebtes Album veröffentlicht.

Auffällig ist, dass Teramaze mal wieder einen Wechsel am Gesang hatten. Es ist der dritte Longplayer in Folge, bei dem ein neuer Frontmann der Gruppe seine Stimme leiht. Diesmal ist es der Bandgründer und Gitarrist Dean Wells höchstpersönlich, der den vakanten Posten eingenommen hat. Es stellt sich die Frage, warum er die Aufgabe nicht schon eher übernahm. Seine wunderbare, leicht poppige Stimme erinnert etwas an Myles Kennedy. Düstere Töne oder gar Growls können von ihm nur bedingt erwartet werden.

Abgesehen davon existieren auf den ersten Blick keine größeren Neuerungen. Dafür dürften Teramaze mittlerweile einfach zu gefestigt sein. Musikalisch bewegen sie sich auf bekanntem Terrain. Die Lieder schwanken zwischen Progressive-Rock mit AOR-Einflüssen sowie sanften metallischen Phasen. Überbaut wird dies mit eingängigen und äußerst melodischen Refrains, in denen Dean Wells‘ Organ wie die Faust aufs Auge passt.

Es sind vor allem die kleinen Nuancen, die den Longplayer interessant machen, wie das metallastige Gitarrenriff im abschließenden Instrumentalteil von „Only Daylight“. Der Kopf beginnt hier automatisch im Takt zu nicken. Besondere Spannung versprechen auf „I Wonder“ vor allem die längeren und somit abwechslungsreicheren Tracks. Teramaze schaffen es in „A Deep State Of Awake“ mit seichten Growls zu überraschen, die der Band eine gut zu Gesicht stehende Kanten verleihen. Auch in „Idle Hands/The Devil’s Workshop“ oder „This Is Not A Drill“ zeigen die Australier in Sachen Komposition und Instrumentenbeherrschung ihr ganzes Können. Länge gehört eindeutig zu ihren Stärken!

Dennoch – und das macht die Platte ein bisschen ausrechenbar – bewegen sich Teramaze in den zehn Songs mit insgesamt 70 Minuten Spielzeit sehr stark in ihrer Komfortzone. Die ganz großen Überraschungen bleiben aus. Das ist etwas schade, da viele gute Ideen vorhanden sind, jedoch nicht bis in ihrer Absolutheit ausgereizt werden. So bleibt „I Wonder“ unterm Strich als ein gutes, aber eben nicht als ein sehr gutes Progressive-Rock-Album stehen.

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LONG DISTANCE CALLING – Atmosphäre im Münchener Kältezelt

München. 6 Grad. Regen. Die Frisur sitzt! Nicht mehr! Sie befindet sich unter einer Mütze. Um in diesen Zeiten überhaupt Konzerte stattfinden lassen zu können, gibt es verschiedene Ideen und Möglichkeiten. Das Backstage in München hat sich für ein an den Seiten offenes Zelt entschieden. Dies schützt zwar vor der Nässe, aber die Kälte eines…