Schlagwort: Classic Rock

KEITH RICHARDS – Zweites Solo-Album feiert 30. Geburtstag (Update: Dämonische Single)

Vor genau 30 Jahren veröffentlichte Stones-Gitarrist Keith Richards sein zweites Solo-Album „Main Offender“. Im Gegensatz zum ersten Werk „Talk Is Cheap“ aber nicht aus Frust über Bandkollegen Mick Jagger, sondern einfach aus Lust am Musizieren und Freude an seiner mittlerweile gut eingespielten Truppe, den X-Pensive Winos. Zwischen den Tourneen seiner Stamm-Gruppe spielte Richards Klassiker wie…

URIAH HEEP – 50. Geburtstag – verspätete Jubiläums-Tournee

Die Hardrocker von Uriah Heep gehören zu den Ur-Gesteinen der lauten Gitarren-Musik. Seit Beginn der 70´er Jahre sind sie im Auftrag des Rock ´n´ Rolls unterwegs. Das runde Wiegenfest vor zwei Jahren konnten die Männer um Mastermind und Gründungsmitglied Mick Box aus denn allseits bekannten Gründen nicht gebührend feiern. Nun trauen sich die Herren aber,…

In The Aftermath

Aktuell ist es ja der Trend, dass Bands ihre alten Erfolgs-Platten mit allerhand Zusatzmaterial neu auflegen. Dass eine relativ junge Truppe sich ein sehr altes Album in Gänze vornimmt und neu aufnimmt, ist dagegen ungewöhnlich. Genau diese Volte wenden die Amerikaner von Hollis Brown an. Sie haben sich das fast 60 Jahre alte Werk „Aftermath“…

HOLLIS BROWN – Nehmen komplettes Stones-Album neu auf

Die US-Amerikaner von Hollis Brown sind nach einem alten Dylan-Titel von 1964 benannt. Nun hat sich die Truppe ein Kult-Album der Rolling Stones, das nur ein Jahr später erschienen ist, vorgenommen. In nur 24 Stunden wurde der Klassiker „Aftermath“ neu eingespielt. Alle elf Songs – darunter „Lady Jane“, „High And Dry“ und natürlich der Mega-Hit…

Destroyer

„Unsere Fans würden neue Songs überhaupt nicht annehmen“, sagte Kiss-Mastermind Paul Stanley sinngemäß gegenüber Fans vor wenigen Wochen. Die Masken-Männer, aktuell auf Abschiedstour, bauen aber auf die Liebe ihrer Anhänger zum alten Material. Daher legen sie nun 45 Jahre nach Erscheinen ihre erfolgreichste Scheibe „Destroyer“ in einer Neuauflage vor. Wenn die Band in ihrer Karriere eine Sache kultiviert hat, dann Kaufanreize für ihre Kunden zu schaffen, und so erscheint das Werk inklusive mehrerer Bonus-Tracks.

Leises, nur schwer verständliches Radio-Gebrabbel und ein startendes Auto klingen aus den Boxen, bevor das Riff zum Klassiker „Detroit Rock City“ die Platte – und bis heute die meisten Konzerte – eröffnet. Der Wagen hat am Ende einen Unfall und das Quietschen der Reifen geht nahtlos in die rückgekoppelte Gitarre von Ace Frehley über, aus der „King Of The Night Time World“ erwächst. Typische Gitarren-Riffs inklusive Mitsing-Refrain lassen einen wundern, dass diesem Titel kein allzu großer Erfolg beschieden war.

„God Of Thunder“, ebenfalls in fast jeder Setlist zu finden, ist eine düstere Rocknummer. Eigentlich aus der Feder von Stanley, überlässt dieser jedoch dem Kollegen Gene Simmons die Lead Vocals. Eine melodiöse Gitarren-Melodie eröffnet „Shout It Out Loud“. Eine der wenigen Gelegenheiten, bei der sich die beiden Frontmänner gleichberechtigt das Mikro teilen.

Nachdem damals die ersten Singles floppten, musste ein Hit her. Die völlig untypische Klavier-Ballade „Beth“, ausgerechnet auch noch vom Schlagzeuger Peter Criss intoniert, war 1976 der bis dahin größte Erfolg der Truppe. Der Drummer wird in den Lyrics sehnsüchtig von seiner Frau zu Hause erwartet. Er wird aber bei der Probe gebraucht, denn „me and the boys are playing, and we just can’t find the sound“, aber er verspricht ihr schwülstig „I’ll be right home to you“.

Zunächst nur mit Gesang und Schlagzeug beginnt die Hymne „Do You Love Me“, die noch einmal ordentliche Gitarren-Wände erzeugt und einen lauten Abschluss im typischen KISS-Gewand liefert. Als Abspann folgt noch etwa eine Minute eine Kakophonie aus zusammengewürfelten Klangfetzen und beendet „Destroyer“ nach 35 kurzweiligen Minuten.

Die Zugaben, bestehend aus Demos und Live-Aufzeichnungen, sind eher für Die-Hard-Fans ein Ansporn. Zum regelmäßigen Anhören taugen die Nummern eher wenig, der Sound entspricht weitestgehend nicht den Ansprüchen an reguläre Scheiben, als Zeitdokument sind sie aber allemal ein nettes und interessantes Beiwerk.

Wie immer stellt sich bei einem Re-Release die Frage, ob sich die Anschaffung lohnt. Wem diese CD noch fehlt oder wer noch gar keine des Quartetts im Schrank hat, sollte hier auf jeden Fall zugreifen. Wer „Destroyer“ schon sein Eigen nennt und an weitergehenden Liedern mit begrenzter Hörqualität kein Interesse hat, sollte sein Geld lieber für die anstehenden Abschiedskonzerte im kommenden Jahr ausgeben.

Bandhomepage

KISS bei Facebook

KISS bei Instagram

VI

Als wäre die Info über die Veröffentlichung eines neuen Albums der norwegischen Kult-Combo Spidergawd nicht schon eine gute Nachricht, legen wir noch einen drauf. Nein, eigentlich sogar zwei. „VI“ (Crispin Glover Records) ist das erste Album mit doppelter Gitarrenbesetzung. Brynjar Takle Ohr hatte die Norweger schon live unterstützt und ist jetzt fest mit im Sattel. Außerdem ist Rolf Martin Snustad an sein Saxophon zurückgekehrt, nachdem er die Band kurzfristig verlassen hatte. Also: Volldampf voraus für das 2013 ursprünglich als Motorpsycho-Nebenprojekt gegründete Ensemble.

Nach dem Vorgänger „V“ kommt natürlich „VI“. Das Prinzip der Namensgebung ist bei Spidergawd so simpel wie hinlänglich bekannt. Bekannt ist natürlich auch der Sound. 70er Stoner-Prog, Psychedelic, immer rotzig und laut, massiv, und dieses Mal darf es immer noch ein Gitarrenschäufelchen mehr sein. Die Vocals von Per Borten sind gewohnt kraftvoll, es darf auch mal geschrien werden, was vielleicht auch nötig ist, um gegen die dicken Wände der beiden Gitarren anzukommen. Am Schlagzeug treibt Kenneth Kapstad weiterhin sein Unwesen., und rein musikalisch kann man den Norwegern auch dieses Mal eine durch die Bank weg hohe Qualität attestieren. Allerdings driften viele der acht Songs auf „VI“ ganz gehörig ab in die Classic-Rock Ecke. Sie sind eingängig, treibend, groovig, schnell, aber es fehlt doch das berühmte und eigentlich erwartete Quantum Sperrigkeit, das Überraschende, eben das, was Spidergawd bisher in erster Linie ausgemacht hat.

Eingangs erwähntes Saxophon hält sich auf „VI“ überraschend zurück. Leider. Es spielt zwar oft mit, geht aber fast immer im Mix unter und kann mehr erahnt als erhört werden. Erst am Ende des Albums kommt es zu kleinen Solo-Ehren. Das ist sehr schade und der Schwachpunkt eines ansonsten gelugenen Albums, denn gerade dieses Instrument hat Spidergawd immer einen ganz besonderen Sound verliehen. Ob man „VI“ also richtig mag oder nicht, hängt wieder einmal vom persönlichen Geschmack hab. Wer modernen klassischen Rock mit ein paar Stoner- und Psychedelic-Einflüssen mag, wir auch hier wieder gut bedient. Wer es lieber etwas experimentell haben möchte, sollte vorher auf jeden Fall in Release Nummer sechs reinhören. Es ist ein gutes, handweklich sauber gemachtes Album geworden, aber der letzte Funke totaler Begeisterung mag leider nicht überspringen.

Bandhomepage

Spidergawd bei Facebook

The Truth

Rock’n’Roll und Religion. Eine Geschichte voller Missverständnisse. Hier wird gepredigt, was das Zeug hält. Themen wie Klimawandel, Zukunftsängste und Digitalisierung stehen auf dem Programm dieser Kirche. Kurz gesagt: die Wahrheit also.

„The Truth“ (Niffa Records) ist das dritte Studioalbum des Leipziger Quartetts Church Of Mental Enlightment. Geistige Erleuchtung predigen die Musiker, und finden werden diese vor allen Dingen Fans von Classic Rock, Punkrock und Blues sowie deren Schnittmenge. Und sie werden begeistert in diese Kirche strömen, denn was in den Berliner Big Snuff Studios des Kadavar Live-Mixers Richard Behrens entstanden ist, kann sich absolut hören lassen. Man geht gleich in die Vollen. Schon der Opener ‚Mark My Words‘ hat genug Groove und musikalische Finesse für ein ganzes Album, packt den Hörer textlich gleich an der Kehle und lässt ihn nicht wieder los. Das gilt für alle zehn Titel auf „The Truth“ gleichermaßen. Schwere, bluesige Hardrock-Riffs, verspielte Gitarren in treibenden Rhythmen. Diese Kirche predigt den wahren Rock’n’Roll. Die klassische Rockbesetzung wird immer wieder ergänzt, so gibt es zum Beispiel auf ‚Forces Of The Underground‘ wunderbar rotzige Bluesharp-Einlagen, und im Titel ‚Slaves To The Screen‘ setzt die ölende Hammondorgel spannende Akzente. MIt ‚Aufstieg‘ und ‚Abstieg‘ finden sich zwei kleine Zwischenspiele auf der Akustikgitarre zwischen den ansonsten schwergewichtigen Songgiganten, auflockernd, entspannend. Diese wunderbare Mischung gibt dem Album eine ganz eigene Note und setzt es wohlig von der Einheitskost stilistisch ähnlicher Bands ab. Wenn die Church Of Mental Enlightment auf ‚No Time To Muse‘ so richtig aufdreht, fühlt man sich an die legendären Vorbilder Led Zeppelin erinnert. Das ist die Wahrheit.

Mit „The Truth“ haben die Leipziger mal eben leicht und locker eines der besten Rockalben des Jahres aus dem Ärmel geschüttelt. Mehr geht eigentlich nicht. Nach diesem Klassiker darf man die Jungs gerne im Auge behalten. ‚Money Is Their Religion‘ heißt es anklagend. Mag sein. Unserer Religion ist ganz klar die Church Of Mental Enlightment.

Bandhomepage

Church Of Mental Enlightment bei Facebook

U2 – 30 Jahre Achtung Baby

Das für die Karriere von U2 wegweisende „Achtung Baby“ (Universal Music) feiert in diesen Tagen seinen 30. Geburtstag. Pünktlich zum Jubiläum veröffentlichen die Iren das Werk neu. Zunächst in einer Standard-Version, zwei Wochen später in einer um zahlreiche Bonus-Tracks erweiterten Fassung. Die Erfolge „Who’s Gonna Ride Your Wild Horses“, „Mysterious Ways“ und natürlich der Über-Hit…

Ambition Freedom

Heavy, stoned, angejazzt, überraschend, fast schon progressiv, all das und noch viel mehr ist „Ambition Freedom“ (Drabant Music), das neueste Werk von Thulsa Doom. Die 1999 gegründete Band (nach Auszeit und Rückkehr des Sängers immer noch in Originalbesetzung) ist schon lange eine große Nummer im heimischen Norwegen. Benannt nach dem Bösewicht in Robert E. Howards Conan bzw. Kull Geschichten haben die fünf Bandmitglieder lustige Namen wie Papa Doom, El Doom oder auch Doom Perignon.

Musikalisch wurde die Band aus Oslo beeinflusst durch die frühen Black Sabbath oder auch die Stoner-Rocker von Kyuss, man wird aber auch ein wenig Thin Lizzy oder frühe Deep Purple entdecken. Auf „Ambition Freedom“ kommen zusätzlich Einflüsse aus dem Jazz und Psychedelic Rock hinzu. Heavy Rock trifft Classic- und Stoner-Rock trifft nordisch-unterkühlten, aber ausgesprochen groovenden Alternative. Dabei schwingen oft 70er Jahre Attitüde mit, so im Opener ‚Endless, Unless‘. Zwischendurch wird es fast schon poppig mit dem energiegeladenen ‚Man With Ambition‘. Der Song ‚Die Like An Aviator‘, ein heimliches Highlight des Albums, das durch die Bank weg mit starken Songs aufwartet, hat einen ganz starken Refrain, der Erinnerungen an schwedischen Hard Rock weckt, aber auch mit jazzigen Parts aufwartet, die der Platte an dieser, aber auch an vielen anderen Stellen eine ganz besondere Note geben. Besonders spannend sind ohnehin die kleinen Details am Rande: Hier eine Slide Guitar, dort orgelnde Keys. Kleine Akzente lockern den schweren Rock auf und sind begeisternde Zeugen von großartigem Songwriting.

Bei manchen Titeln denkt man sich beispielsweise am Anfang, dass man genau weiß, was als nächstes kommt. Doch weit gefehlt! Das norwegische Quintett überrascht immer wieder mit dem Bruch sämtlicher Konventionen, mit unerwarteten Effekten auf den Vocals und einer dichten, modernen Produktion. Das Ergebnis: Acht faszinierende Songs, ein starkes Album für alle Heavy-Rock-Freunde.


Thulsa Doom bei Facebook

 

Tattoo You (40th Anniversary)

 

Wir schreiben das Jahr 1981. Die schon damals gefühlt uralten Stones (sie waren Ende 30!) sind auf Welttournee. Die Plattenfirma macht Druck – ein neues Album muss her. Aber wie? Ein Glück, dass in den Archiven noch unendlich viel Material schlummert, das nur gesichtet und gehoben werden muss. Dieser Schnüffelei verdanken wir „Tattoo You“ (Universal Music Group), das in diesen Tagen seinen 40. Geburtstag feiert und nun in einer frisch gemasterten Version veröffentlicht wird – in der Deluxe-Version angereichert mit weiteren Outtakes und einem Konzert-Mitschnitt der dazugehörigen Tour.

Das ikonische „Start Me Up“ eröffnet die Scheibe. Ein typisches Keith-Riff startet den Song und seither viele Konzerte. Klassischer kann eine Stones-Nummer kaum sein. „Hang Fire“ mit seinen DooDoo-Gesängen und einem minimalistischen Solo, für das die meisten Gitarristen in den meisten Bands ausgelacht worden wären, kommt in wenig mehr als zwei Minuten auf den Punkt.

Da die Worte „Tits“ und „Ass“ mindestens auf dem prüden amerikanischen Markt schwierig zu verkaufen gewesen wären und es mit Sicherheit zu schwarzen Balken auf dem Cover geführt hätte, nennt Keith Richards den knarzigen Rocker zur Sicherheit „Little T&A“, krächzt aber trotzdem auf seine unnachahmliche Art „The Bitch Keeps Bitching“.

Im Falsett singt Jagger das ruhige „Worried About You“, während er sich am Elektro-Piano begleitet. Einen klassischen 12-Takter inklusive Blues-Harp und schleppendem Gesang zeigt die Band auf „Black Limousine“ in ihrer Parade-Disziplin. Das Lied hätte auch auf das 2015´er „Blue & Lonesome“ gepasst.

Mit der herzzerreißenden Ballade „Waiting On A Friend“ endet „Tattoo You“. Hier zeigen sich Mick´n´Keef noch einmal von ihrer freundschaftlichen Seite, bevor die Band wenige Jahre später beinahe am Ego von Jagger und seiner Solo-Karriere zerschellt wäre. Fun Fact: Ex-Gitarrist Mick Taylor musste sich, sieben Jahre nach seinem Ausstieg, seine Credits (und die Zahlungen) mühsam nachträglich einholen.

Andere Truppen wären froh, wenn sie solche Werke überhaupt zu Stande bringen, die bei den Stones eigentlich Ausschussware waren.

Für langjährige Fans dürfte insbesondere die Bonus-CD „Lost & Found: Rarities“ der entscheidende Kaufanreiz sein. Neun verschollene Aufnahmen, z.T. erst im letzten Jahr fertiggestellt, lassen das Sammlerherz höherschlagen. Nicht alle Titel braucht es, teilweise erinnern die Tracks an Studio-Jams zum Warmspielen. Hervorzuheben sind aber „Living In The Heart Of Love“ und „Trouble´s A Comin“. Kurios ist eine Frühfassung von „Start Me Up“, die in dieser Version sicherlich kein Hit geworden wäre. Der Konzertmitschnitt ist auch eher für Jäger und Sammler geeignet, zwei andere Mitschnitte dieser Tour sind erst in den letzten Jahren veröffentlicht worden.

Wer „Tattoo You“ schon im Schrank hat und sich nicht für Absurditäten und Besonderheiten interessiert, kann sein Geld für das schon lange angekündigte neue Album sparen. Für alle anderen Fans gilt: dringende Kaufempfehlung!

Bandhomepage

Rolling Stones bei Facebook

Rolling Stones bei Instagram