Kategorie: concertrev

The Midnight Ghost Train – Bärte, Schweiß und Rhythmus

Ist auf Hochglanz polierter, makellos produzierter Rock das, was Bands und Fans ursprünglich fasziniert? Oder ist nicht doch in erster Linie die rohe, ungehemmte Energie, die fließt – aus Gitarren, aus Verstärkerboxen und aus dem Bauch? Von dort, wo sich Schmetterlinge breit machen, wenn man verliebt ist? Sicher möchte jeder Musiker und jeder Fan, daß seine Band anständig klingt – und trotzdem. In Punkto authentischer Ursprünglichkeit ist manchmal weniger mehr. Diese ungezähmte Energie, für die wir Rocker und Metalheads unsere Lieblingsmusik so lieben, braucht kein unbezahlbares Equipment, schicke Bühnenoutfits und eine perfekte Lightshow. Sie braucht eine Steckdose und passionierte Musiker, die ihre Musik aus dem Bauch spielen. Mit echten Gefühlen. Mit Schweiß und Leidenschaft.

The Subways mögen keinen prätentiösen Bullshit

Erst im September bespielten die britischen Garagen-Rocker das Berliner Lido, einen Club der grob geschätzt einen Viertel des Publikums aufnimmt, das sich am Freitag im ausverkauften Huxleys einfand. Doch ein großer Club bedeutet nicht einfach nur mehr Menschen, sondern auch mehr Platz der ausgefüllt sein will – und zwar nicht nur rein physisch. Doch obwohl die Subways sich dabei ein wenig schwer taten, kann man nicht sagen, dass es sich nicht gelohnt hätte mit dem Dreiergespann einen Abend zu verbringen…

In This Moment – Im Bann der schwarzen Witwe

Soziale Medien, dieses Internet, die Netzwerke der modernen Musikindustrie – sie alle sorgen dafür, dass ein nicht versiegender Strom musikalischer Veröffentlichungen die Menschheit umspült. Die Spreu vom Weizen zu trennen, die Gesamtheit zu erfassen und ausreichend zu evaluieren, ist dem Einzelnen unmöglich, und doch schaffen es hin und wieder einige Interpreten, sich aus dem Mainstream zu erheben und einen Teil der kostbaren Aufmerksamkeit zu erhaschen. Durch Eigenschaften, die sonst kein Interpert bietet. In This Moment sind einer dieser Interpreten und Maria Brink ist die schillernde Frontfrau, die tief aus dem Einheitsgrau der vorbeischwimmenden Musikwelt schimmert und vor Allem live Maßstäbe setzt, wie auch am vergangenen Samstag in Berlin…

Callejon verbreitet Angst in Berlin

Was ein Knallerabend! Aber fangen wir von vorne an. Callejon brachten Anfang des Jahres ihr neues Studioalbum “Wir sind Angst“ auf den Markt und landete damit prompt auf dem 5. Platz der Deutschen Charts. Was bietet sich da besser an, als die lieben Käufer mit einer Tour zu beglücken?

SweetKiss Momma – Liegt Texas mittten in Bremen?

Aus dem Nordwesten der USA stammt die Band, die an diesem kalten Februartag in Bremen zu Gast ist, das ja quasi auch im Nordwesten liegt. Grauer Himmel, Regen und Schneematsch sowie Temperaturen um den Gefrierpunkt sind vielleicht nicht die besten Voraussetzungen, um Southern Rock Fans unter der Woche in den Meisenfrei-Bluesclub zu locken, und so ist der kleine rustikale Club, dessen guter Ruf weit über die Grenzen der norddeutschen Hansestadt hinweg reicht, an diesem Abend auch leider nur spärlich gefüllt. Schade für den Club, schade für die Band, aber letztendlich auch schade für die Bremer, denn viele haben damit einen packenden Auftritt verpasst, dem man gerne ein größeres Publikum gewünscht hätte.

Pardon Ms. Arden – Sing zum Abschied leise ‚Servus!‘

Wenn die Lieblingsband nach langer Bühnenabstinenz endlich wieder ein Konzert spielt, ist die Vorfreude normalerweise riesig. Nicht so an diesem verschneiten Freitag Abend in der Münchner Kranhalle: Pardon Ms. Arden geben ihr Abschiedskonzert, die Combo löst sich aus diversen nachvollziehbaren Gründen auf – in aller Freundschaft, ohne Knatsch und einvernehmlich. Doch ein letztes Mal wollen sie sich selbst und ihre eingefleischten Fans noch gebührend feiern.

‚Wir sind Enter Shikari vom Planet Erde‘

Ein gutes Konzert zu spielen ist eine Sache. Dabei dem Publikum noch etwas zum Nachdenken auf den Weg zu geben eine andere. Moderne Punkbands können sich in diesem Zusammenhang mehr als eine Scheibe von Enter Shikari abschneiden, denn so vielseitig und auf den Punkt gebracht politisiert kaum jemand aktuell in der Musikszene. Vor allem noch mit einem so guten Bühnenprogramm. Als Ritter der Gerechtigkeit verbreiten die vier Briten in der Welt ihre aufrüttelnden Botschaften unter anderem für transnationale Solidarität sowie gegen politische und wirtschaftliche Intriganzen und Machtspielchen. Neben ihren erfolgreichen Platten gelingt ihnen das am besten mit ihren Shows, so auch in Berlin am 15.01.2015 im Kesselhaus in der Kulturbrauerei.

Dragonforce und Epica – Hamburger Fastfood

Manchmal muss es mit dem Essen schnell gehen, oder man hat einfach mal wieder Hunger auf Fastfood. Hamburger, Pommes mit Ketchup oder Mayo, vielleicht noch einen Salat dazu, und schon haben wir das fixe Essen für zwischendurch, garantiert ohne wirklichen Nährwert, nicht ganz gesund, aber lecker. Das musikalische Equivalent zur Fastfood gab es Mitte Januar im Norden der Republik. Simone Simons und ihre Mannen, besser bekannt unter dem Bandnamen Epica, hatten nach Hamburg zum Konzert geladen. Als Special Guest der niederländischen Symphonic-Metaller waren Dragonforce mit am Start, die besonders für ihre unglaublich schnellen Songs bekannt sind. Eröffnet werden sollte der Abend zunächst aber von den belgischen Metallern Diablo Boulevard. Ein leckeres Drei-Gänge-Fastfood-Menü wartete auf Abnehmer.

Audrey Horne, mal ganz intim

Es ist laut. Es ist heiß. Es ist stickig. Und es ist eng. Das Magnet ist nicht ausverkauft, aber alle drängen sich in der vorderen Hälfte des beschaulichen Clubs. Hinten an der Bar stehen nur vereinzelte Grüppchen herum und lassen sich ihre Erfrischungsgetränke schmecken. Noch weiter dahinter, auf der anderen Seite der verhangenen Fenster kann man auf der Straße nur ahnen, was sich keine zwanzig Meter weiter abspielt.

In der Disko mit Metronomy

Schon unzählige Male bewiesen Metronomy, dass sie bereits feste Größe am kontemporären Pop-Himmel sind. Zuletzt erschienene Platte ‚Love Letters‘ bescherte den Engländern ein neues Hoch auf der Indie-Skala. Ergebnisse aus den letzten Jahren erfolgreicher Fusion elektronischer Klänge, grooviger Rhythmen und Popsounds präsentierten Metronomy nun am 12.12. im Alten Schlachthof in Dresden. Und eines sei direkt vorweg genommen: An diesem Abend musste sicher kein Gast enttäuscht nach Hause gehen.