Schlagwort: Thrash Metal

Epitome Of Torture

Was soll man noch über Sodom, die Ruhrpott-Motörhead-Thrash-Legende, sagen? Kennt sie doch wirklich jeder Metalhead. Dann eben nur ein paar Eckpunkte zum neuen Album „Epitome Of Torture“ (SPV/Steamhammer): Es ist das 14. Album des Trios, mit Markus „Makka“ Freiwald ist ein neuer Trommler dabei und produziert hat die zehn bzw. zwölf Songs Waldemar Sorychta (Enemy…

Ugly Noise

Bei der Flut an Veröffentlichungen gibt es kaum Zeit mal in Ruhe die guten alten Klassiker zu genießen, zum Beispiel „No Place for Disgrace“ von Flotsam And Jetsam. In Ermangelung von Zeit hört man notgedrungen die neue Scheibe der ehemals legendären Thrasher aus Phoenix im Büro in „echter“ Zimmerlautstärke, sodass im Flur nichts mehr ankommt, bei einem selber dementsprechend nicht viel mehr. So erwies sich der erste Durchlauf von „Ugly Noise“ (Metal Blade) nur wenig erbaulich. Nach „The Cold“, die aufhorchen ließ, also wieder ein Einbruch wie so oft, wenn man gedacht hat, der Fünfer hat sich endlich frei gemacht von seinem schweren Erbe.

Dank der Rückkehr der Originalmitglieder Michael Gilbert und Kelly David Smith und der zweiten Chance mit vier adäquaten Lautsprechern strafen Flotsam And Jetsam den ersten Eindruck Lügen. Mit „Ugly Noise“ streift die Band nun endgültig die schwere Last ihrer ersten beiden Alben ab. Völlig frei von allen Zwängen – die Produktion wurde durch Crowd-Funding realisiert – läuft man zu songwriterischer Höchstform auf und wirft von Speed Metal über Progressive bis hin zu Soul und Blues vieles, was in der Vergangenheit zum Scheitern verdammt war, in die Waagschale. Überraschend aggressiv und düster, ausgestattet mit einem passenden, sehr tiefen und weitreichendem Sound ist Flotsam And Jetsam auf ihrem elften Album zu vernehmen.

Alles auf eine Karte setzen und gewinnen

Bereits der Opener und Titeltrack zeugt von hoher Qualität. Nach einem Klavier-Intro baut sich ein schwerfälliger Metal-Songs auf, der durch seinen gekonnten Spannungsbogen von krachig bis ruhig und melodisch und seinen fetten Gitarrensound besticht. „Gitty Up“ ist ein flotter Rocker mit aggressiven Vocals und einem sehr melodischen Refrain, gefolgt vom schwermütigen und sehr emotionalen „Run and Hide“. Modernes Staccato hilft „Carry on“ mächtig in die Gänge, aufgelockert durch gelungen integrierte progressive Passagen. Headbang-Pflicht! Im wiederum melancholischen „Rabbits Foot“ wird einem klar, was für ein großartiger Sänger Eric A.K. ist, wie vielfältig er seine Stimme einsetzen kann und wie er sich in die Stimmung eines jeden Songs hinein versetzen kann.

Mit „Play Your Part“ ist Flotsam And Jetsam ein waschechter Heavy Metal Song im klassischen Stil gelungen, schwere Gitarren, stampfender Beat, melodische Harmonien und ein mächtigen Chorus. Das Album-Highlight! „Rage“ ist ebenso wütend geworden wie der Titel es verspricht. Ganz auf der Höhe der aktuellen Trends im Metal-Mainstream präsentiert sich „Cross the Sky“, zwar mit einem gesunden Schuss Blues gewürzt, aber nicht die stärkste Nummer auf „Ugly Noise“. Industrial-Klänge leiten die nächste Up-Tempo-Nummer ein, die vor Energie nur so strotzt. Voller Groove und treibenden Übergängen steckt „I Believe“, während „To Be Free“ einen halsbrecherischen und wütenden Abschluss einleitet, der mit „Machine Gun“ sein fulminantes Finale erreicht.

„Ugly Noise“ hat etwas Orchestrales, etwas Mächtiges an sich, das einen fesselt. Die gesamten 47 Minuten flimmern Reminiszenzen an Genre-Klassiker wie „Operation: Mindcrime“ oder „This Godless Endevour“ ob seines Abwechslungsreichtums und seiner Vielschichtigkeit vor dem geistigen Auge. Damit war nicht zu rechnen, sehnlich gewünscht hatten es sich viele, ein letztes geniales Flotsam And Jetsam-Album. Der Phoenix-Fünfer kommt diesem Traum verdammt nah.

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Phantom Antichrist

2012 werden 30 Jahre Thrash Metal zelebriert. Holy Moses, Tankard, Destruction, Sodom viele weitere Acts und natürlich Kreator haben diese drei Dekaden maßgeblich geprägt. Die Mannen um Mille und Ventor sind auch ohne große Pause seit Anbeginn dabei und präsentieren dieser Tage ihr 13. Studioalbum „Phantom Antichrist“ (Nuclear Blast). Die Erwartungen sind nichts besonders groß, da Kreator sich noch nie einen Ausrutscher – vielleicht bei „Endorama“ – geleistet hat. Also wird auch Opus Nummer 13 den typischen Thrash Metal offerieren, den die Jungs seit „Violent Revolution“ spielen: aggressiv, melodisch, im gewohnten Sound mit Milles so lieb gewonnenem Gekeife.

Genauso kommt es auch. Was sofort ausfällt ist der bombastische, zeitgenössische, aber sehr glatte und polierte Sound, der in dieser Form von Kreator nicht erwartet werden konnte Das erste UPPS! Das zweite UPPS sind die übermelodischen Gitarrenharmonien, die ständig um einen herumfliegen, besonders bei den Refrains, die dadurch von Pathos nur so triefen. Jetzt stellt sich die Frage, wie geht man mit diesen beiden Neuerungen um. Finde man sie gut, oder ist das ein zu großes Zugeständnis an aktuelle Trends, besonders nach der von so viel Ballast befreiten „Hordes of Chaos“. Nach acht bis neun Durchgänge, vorwärts und rückwärts ist ein „Ist okay. Kann man mit leben.“ durchaus gerechtfertigt.

Zu viel Midtempo anstatt roter Drehzahlbereich

Im Detail heißt das: Ein esotherisches Intro geht in den Titel-Thrasher über, der wuchtig aus den Lautsprecher schmettert. Guter Auftakt. Typisch Kreator. Und weiter geht es im rasanten Tempo mit „Death to the World“ und einem gelungenen Midtempo-Riff. „King in Heaven …“ meets Accept-Chöre, das ist „From Flood into Fire“ und eher ein Tiefpunkt, auch wenn zwischendurch ordentlich getrasht wird. „Civilization Collapse“ ist wieder herrlich stürmisch. Da wünscht man sich doch glatt eine Headbanger-Matte. „United in Hate“ hisst die Flagge des Hasses ein weiteres Mal und versprüht eben solchen zu Hauf.

„The Proud, the Few, the Broken“ plätschert ein wenig mit einem extrem rockigen Soli im Midtempo-Bereich dahin. Irgendwie ist der Song zu theatralisch. „Your Heaven My Hell“ zieht den Karren zwar nicht aus dem Dreck, ist aber ganz originell mit dem Spoken Words-Intro-Part. „Victory Will Come“ rettet mit typischem Kreator Thrash zum Ende hin das Niveau, bevor das sehr pathetisch anmutende „Until Our Paths Cross Again“ eine gute, aber wirklich nur ein „gute“ KREATOR-Scheibe beendet.

Absteigende Tendenz oder Konsolidierung

„Phantom Antichrist“ kann sich nicht mit „Violent Revolution“ messen, sondern pendelt sich im KREATORischen Mittelmaß ein, von dem aber viele Thrash-Bands nur träumen können. Trotzdem sind mir die neun Songs zu melodisch und zu wenig thrashig, zu wenig bodenständig. Richtige Begeisterung kommt nur selten auf, obwohl man eingestehen muss, dass Kreator neue Sachen ausprobieren. Bleibt zu hoffen, dass diese Anzeichen, zusammen mit den extrem lauen Auftritten beim Thrashfest in Hamburg und Hannover, keine absteigende Tendenz beinhalten.

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Thrash Command

Was war das für eine glorreiche Zeit Mitte der 80er als sich die Thrash Metal-Welle auch in den heimischen Gefilden Bahnen brach. Alles war so einfach und unbekümmert. Wo ist dieses Gefühl geblieben in einer Zeit, in der die Industrie und Medien die Trends diktieren? Aber Thrash Metal war und ist nicht tot zu kriegen.…

When Death Comes

Zehn Jahre mussten mussten wir warten, bevor uns die dänische Artillerie mit einer ihrer seltenen, aber hochwertigen musikalischen Durchschlagskraft ein weiteres Mal durch die dunklen Straßen des Lebens prügeln. Hatte Artillery Mitte bis Ende der 80er Kultstatus erlangt, wurde es abrupt ruhig um die dänischen Thrasher. Halbherzige Reunions und ein uninspiriertes Album folgten, die zwar musikalisch die Hoffnung auf ein längeres Leben nährten, aber im Endeffekt nur ein kurzes Zucken war. Seit drei Jahren sind drei der Urmitglieder wieder dabei, Artillery eine Überlebenschance zu geben. „When Death Comes“ (Metal Mind Production) ist dabei so verdammt gut geworden, dass es einer Todsünde gleich kommen würde, jetzt wieder aufzugeben.

Schon die ersten Riffs nach dem Intro zum eröffnenden Titelsong, der auch zugleich eines der Highlight der Scheibe ist, reißen einen von der ersten Sekunde an aus den Stiefeln. Sie sind zwar nicht die Erneuerung des Genres, dafür aber messerscharf wie eine Kreissäge mit Skalpellklingen. Mit Søren Adamsen haben sich die Brüder Stützter einen versierten Shouter geangelt, der Akzente zu setzen vermag. Teilweise ist er extreme melodisch, ein wenig Aggressivität wie bei ,Upon My Cross I Crawl‘ wäre wünschenswert. Trotzdem harmonieren die Gesangslinien nahezu perfekt mit dem Riffing und die knallharte Schlagzeugarbeit sorgt für das notwendige Tempo, während der fette Bassound die zehn Songs zusammenhält. Viele Gitarren-Harmonien und Tempowechsel kombiniert mit schneidenden Riffs lassen die 5-Minuten-Songs zu wahren Kraftpaketen werden, selbst wenn sich Artillery in den Midtempo-Bereich wagt, wie bei ,10.000‘ zum Beispiel.

Kult-Thrasher aus den 80er souverän im neuen Millenium angekommen

Die engagierten Texte haben die Dänen beibehalten, was sie von den bösen Neo-Thrash Metal Bands wohltuend abhebt, die nur Tod und Zerstörung verbreiten. Nach 20 Minuten folgt der wütende, textlich intelligente, technisch rasende Höhepunkt von „When Death Comes“: ,Sandbox Philosophy‘, ein energetischer Ohrwurm. ,Delusions Of Grandeur‘ lässt einen kurz durchatmen, was bei den neun weiteren Klasse-Songs eigentlich gar nicht notwendig ist. Daher ist an dieser Stelle auch eine kleine Delle in der Spannungskurve zu verzeichnen, die schnell mit dem treibenden ,Not a Nightmare‘ ausgeglichen wird. Mit schleppenden ,Damned Religion‘ wird ein weiterer musikalischer und inhaltlicher Höhepunkt erreicht, welcher nahtlos in den nächsten Ohrwurm ,Uniform‘ über geht. Mit ,The End‘ und seinem einprägsamen Chorus ist dann Schluss, jedenfalls auf der CD-Version für Normalsterbliche, der Digi-pack enthält noch zwei Bonus-Tracks, das das Niveau locker halten.

So weit, so großartig das neue Machwerk Artillerys ist. Das Cover-Artwork mit dem Sensenmann, der durch Nebelschwaden reitet geht hingegen überhaupt nicht. Solche Cover waren in der Achtzigern in und damals hat sich die Band an weitaus besseren Gestaltungen orientiert. Für dieses grausame Klischee gibt’s glatt einen kleinen Abzug. Trotzdem bleibt „When Death Comes“ ein großartiges Thrash Metal Album der alten Schule im zeitgemäßen Gewand, das mit großer Sicherheit auch seine Freunde unter den jungen Headbangern finden wird.

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Once in a Deathtime

Seit 1983 und neuen Studio-Alben gehen Flotsam And Jetsam unbeirrt ihren Weg. Sie spielen Thrash Metal mal lupenrein, mal mit progressiven Elementen, mal mit einer Industrial-Kante. Hauptsache sie sind mit sich selber im Reinen. Darüber hinaus hauen die Jungs aus Phoenix eigentlich auf jeder Scheibe ein oder zwei wirklich gute Songs raus und auf der Bühne lohnt sich die Zeitreise meistens auch. So auch im Fall der Live-DVD „Once in a Deathtime“ (Metal Mind Productions) – welch blöder Titel.

Die zwölf Songs sind auf einem Festival in Katowicz in Polen 2008 aufgenommen und präsentieren sich in einem druckvollen Live-Sound, der keine Fragen aufkommen lässt, ob er wirklich live ist. Die Bildqualität ist real, keine Fakes, keine technisch unsinnigen Spielereien sind auszumachen. Die Performance um die beiden verbliebenen Originalmitgliedern Eric A.K. und Edward Carlson ist manchmal ein wenig hüftsteif, kommt mit Ausnahme von Schlagwerker Craig Nielsen ohne übermäßig viel Action aus. Dafür ist der spielerische Moment umso präziser. Man merkt, warum sich Flotsam And Jetsam mit ihren ersten beiden Alben einen Namen im Thrash Metal gemacht haben. Die Antwort, warum sie nicht so durchgestartet sind, wie viele ihrer Kollegen und inzwischen als Kult-Band gehandelt werden, bleiben sie schuldig.

Ein Kult namens Flotsam And Jetsam

Neben den alten Klassikern wie „No Place for Disgrace“ und „Doomsday for the Deceiver“ fallen die neueren Kompositionen klar ab, aber nicht ins Bodenlose. So bleibt das musikalische Niveau gleichmäßig hoch. „Me“ kommt ebenso energiegeladen rüber, wie das Lard-Cover „Fork Boy“ oder „I Live, You Die“.  Vor der Bühne recken doch eine Menge Metalheads die Fäuste in Richtung Band und bei „Hammerhead“ gibt es sogar so etwas ähnliches wie einen Circle Pit.

Im Großen und Ganzen ist „Once in a Deathtime“ ein gelungener und vor allem authentischer Live-Mitschnitt einer Band, die nie aufgeben hat, an sich zu glauben und dabei nicht einen einzigen Trend mit gemacht hat. Dafür ein großes Lob an Flotsam And Jetsam. Eine lohnende DVD, die es auch in der Kombi mit CD gibt.

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