Schlagwort: Folk Metal

BOISSON DIVINE – Von Legenden, Identität und sterbenden Traditionen

Ende Mai stellten wir euch Boisson Divine vor. Das Metal-Sextett aus dem Südwesten Frankreichs hatte mit „La Halha“ (sprich: La Haya) eine exzellente, eigenwillige und energiegeladene Folk-Metal-Perle herausgebracht. Gegründet als Musikprojekt zweier Schulfreunde in dem kleinen Örtchen Riscle in der Gascogne, hat es die Band mit nur drei Alben in wenigen Jahren zu einem der…

ENSIFERUM – Bildgewaltiges Video zum neuen Album

Ensiferum haben den Release-Date für ihr neues Album „Thalassic“ bekanntgegeben. Es soll am 10.07.20 erscheinen. Außerdem haben die finnischen Folk-Metaller zu „Rum, Women, Victory“ ein Lyrik-Video veröffentlicht. Es handelt sich dabei um den ersten Vorgeschmack auf den neuen Longplayer. Update 20.06.: Inzwischen haben die Finnen mit „Andromeda“ eine zweite Single zum kommenden Album veröffentlicht. Das…

La Halha

Exotische Folklore-Instrumente, ordentlich Power, ein gutes Gefühl für traditionelle Melodien und Gesänge – fertig ist die potente Folk-Metal-Band. Und weil es in jedem Erdteil, ja in jedem Land eine eigene Form von Folklore gibt, sind die Bands im Genre so vielseitig wie in kaum einem anderen. The Hu kommen aus der Mongolei und haben ihre Pferdekopflaute und den Kehlkopfgesang, Finntroll kombinieren ihre Troll-Ohren mit Black Metal und finnischer Humppa und Eluveitie aus der Schweiz keltische Texte und Gesang, Flöten, Sackpfeifen und Drehleier.

Letztere haben auch Boisson Divine in ihrem Ensemble, daneben noch die gascognische Sackpfeife (Boha) und Einhandflöte (Flabuta), das gute alte Akkordeon und nicht zuletzt den mehrstimmigen Gesang der pyrenäischen Prägung. Das Sextett aus Frankreich bringt mit „La Halha“ sein drittes Album seit 2013. In dieser kurzen Zeit ist die Gruppe zu lokaler Berühmtheit und einer der besten Folkmetal-Bands des Landes gereift. Musikalisch, textlich und kulturell fokussieren die fünf Herren und eine Dame auf ihre Heimat, die Gascogne. Die historische Landschaft im äußersten Südwesten Frankreichs besteht hauptsächlich aus großen Kiefernwäldern und Bergen. Die urtümliche Landschaft besingt die Gruppe dann auch in ihren Liedern, das jährliche Schlachten des Schweins, die Freiheit der Berge, Legenden und historische Persönlichkeiten der Region und natürlich die Liebe.

Der Opener „Lo pela porc“ („Das Schweinetöten“) ist ein heller, fröhlicher Uptempo-Song mit Flöte, Trommel und Sackpfeife – schließlich besingt er das Schlachtfest. „Novempopulania“ beginnt hymnisch wie ein klassischer Metalsong mit einem Gitarrenriff. Sehnsüchtig bittersüß ist der Gesang von Hauptsänger Baptiste Labenne über die neun Völker der Gascogne, das Lied ein konventionelles Folkmetalstück, das ins Ohr geht. „Suu camin estelat“ („The Starlit Path“) eröffnet ruhig mit einem Banjo, wechselt dann aber mit Powermetal-Scream und Uptempo-Beat kurzzeitig fast ins punkige. Einen ganz ähnlichen Vibe und Aufbau hat das vom Dudelsack beim Refrain und von Gitarren und Drums in den Strophen dominierte „Xivalier de Sentralha“.

„La Sicolana“ („The Lizard“) ist der vielseitigste und wegen seinem wunderbaren Chorus gleichzeitig eingängigste Titel. Der Song komprimiert alle Qualitäten von Boisson Divine in einem Stück: Den polyphonen Gesang, denzente Hurdy-Gurdy, trabende Punkrock-Drums, Gitarrenriffs und ein sehr gutes Melodiegefühl. Der ultra-ohrwurmige Refrain lässt Jeden Mitsummen und bleibt Stunden im Ohr. „Un Darrer Cop“ („One Last Time“) ist eine reine Folk-Ballade und beindruckt nicht zum einzigen Mal mit dem im Zentrum stehenden, mehrstimmigen Gesang und nur zurückhaltender (Rock)-Instrumentierung. „Libertat“ und der Schlusspunkt „Milharis“ sind melancholische Power-Metal-Songs mit Folklore-Melodik und -charme.

Boisson Divine begeistern auch mit ihrem dritten Album! Kein einziger Lückenfüller befindet sich unter den zehn Songs (die digitale Bandcamp-Edition beinhaltet darüber hinaus ganze fünf Bonustracks!). Das Sextett ist eigenständig und trotz der fremd klingenden Sprache erstaunlich nah am Zuhörer. Die Musiker haben ein sehr gutes Gefühl dafür, die jeweilige Thematik und Stimmung der Lieder rein musikalisch zu transportieren. „La Halha“ ist ausgewogen und abwechslungsreich, herzwerwärmend fröhlich und melancholisch zugleich und versprüht neben viel Charme auch jede Menge Metal-Feeling.

(Vom zweiten Album „“Volentat“)

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Brennus Music (Label)

WILDERUN – Raffinierter Metal für das neue Jahrzehnt

Mit ihrem dritten Album „Veil of Imagination“ hat die Schwermetall-Truppe Wilderun aus Boston Ende letzten Jahres vor allem in der amerikanischen Musikpresse ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und hervorragende Kritiken eingeheimst. Wir wollten euch die sehr vielseitige Band etwas näher vorstellen und haben Bandleader Evan Anderson Barry (Gesang, Gitarre, Klavier) kontaktiert. Im Interview kommt vor allem…

LACUNA COIL, ELUVEITIE & INFECTED RAIN – Fotoreport aus Berlin

Die italienischen Gothic-Metaller Lacuna Coil sind Ende November 2019 gemeinsam mit den Schweizer Folk-Metallern Eluveitie und den Modern Metallern Infected Rain aus Moldawien im Berliner Club Huxley’s Neue Welt zu Gast. Wir haben den schweißtreibenden Abend mit einer Fotoreportage dokumentiert. Lacuna Coil Webseite Lacuna Coil bei Instagram Lacuna Coil bei Facebook Empty Spiral – Die…

CEMICAN – Die Rituale auf der Bühne gehören dazu

Cemican spielen Metal kombiniert mit mexikanischer Folklore. Azteken-Metal mit Schamanen-Ritualen, martialischem Auftreten und Instrumenten aus der Zeit vor dem Eintreffen der spanischen Eroberer prägen das Bild der bunten Truppe aus Mexiko. Im Frühsommer erregten die Herren mit einem optisch opulenten Video zum neuen Album virale Aufmerksamkeit, bei den Sommerfestivals waren die Jungs auf europäischen Bühnen…

THE HU – In jedem steckt ein Krieger!

Die Mongolei – weite Wüsten und Steppen. Das Land in Zentralasien hat die niedrigste Bevölkerungsdichte weltweit. Dafür ist es bekannt, und für Dschingis Khan und seine Reiterhorden, die im MIttelalter Eroberungszüge bis nach Europa durchführten. 2018 startete eine vierköpfe „Mongolenhorde“ eine ganz andere Eroberung. The Hu sind die Erfinder des „Hunnu-Rock“, der Verbindung von mongolischer…

MEH SUFF 2019 – Schweizer Extreme-Metal-Festival grandioser Erfolg

Bereits vor vier Jahren berichteten wir erstmals begeistert vom Schweizerischen Meh Suff Festival. Obwohl in Zürich das ganze Jahr über Extreme-Metal-Clubshows und auch eine zweitägige Winter-Ausgabe veranstaltet werden, ist das Sommerfestival für die Macher und die zahlreichen Helfer der Kern und Höhepunkt des Jahres. Obwohl bereits erfolgreich im Metal-Festival-Underground etabliert, war das Outdoor-Festival im Grünen…

Renegades

Das neue Album „Renegades“ (Nuclear Blast) von Equilibrium polarisiert. Neues Logo, neues Design, neue musikalische Ausrichtung. Viele Fans haben sich bereits öffentlich dazu geäußert, dass die Platte ja nicht schlecht sei, sich die Band aber wieder auf ihre Folk/Pagan-Wurzeln konzentrieren solle. Dabei ist die (enorme) Entwicklung nicht überraschend, auf „Armageddon“ war schon nicht mehr viel vom Debüt „Turis Fratyr“ zu spüren, dagegen aber viel ökologisches Bewusstsein ohne den belehrenden, erhobenen Zeigefinger. 

„Renegades“ wird wohl als das zwiespältigste Album des Jahres 2019 in die Metalgeschichte eingehen. Grund ist der konsequent durchgezogene Melodic Death Metal-Stil der neuen Songs, die sogar teilweise in die Metalcore/Industrial-Richtung driften. Kommentare wie „böse Erwartungen unterboten“ oder „Ach Du Sch…, was ist das denn?“ stehen wohlwollenden Meinungen wie „Gelungener Stilwechsel“ und „Modern, melodisch“ gegenüber. Wo sich der Großteil der Fans einordnen wird, zeigt die Zukunft. 

Langweilig ist „Renegades“ jedenfalls nicht, es gibt ab und an die typischen Gesangslinien von Frontmann Robse, die kraftvoll an den Soundtrack von heroischen, verträumten Waldausflügen aus vergangenen Zeiten erinnern, dazu aber sehr moderne, melodische Gitarren, Klargesänge, bunte Keyboards und auch Rap-Parts. 

„A Lost Generation“ überzeugt noch mit wuchtigem Gesang, überrascht aber mit konsequenten Melo-Death-Gitarren, „Path Of Destiny“ ist wohl der kontroversteste Song mit seinen Rap-Parts und Cleanpassagen, die an Soilwork erinnern, die von Nu Metal der Marke Limp Bizkit zur Seite gedrängt werden. Viel Stoff für einen Track. „Final Tear“ wütet amtlich und geht textlich wie schon auf „Armageddon“ in die ökologische Richtung, „Tornado“ ist wieder einer der der moderner Melodic Death Metal-Titel, unterstützt durch verzerrten Gesang und cleanen Passagen. Eingängig und knackig, aber der Klang vom Brechen der Herzen vieler alter Fans ist auch hier permanent zu vernehmen. 

„Himmel und Feuer“ besitzt als einziger Song einen deutschen Text, der mit fröhlicher, treibender Melodie ausgestattet ist. „Moonlight“ klingt vom Titel her romantischer als der Track schlussendlich ist, und „Johnny B.“ wirkt sehr schräg im Kontext zur restlichen Platte. Etwas versöhnlich stimmt der Schluss „Rise Of The Phoenix“, der es getragen-episch (sogar mit „Stranger Things“-Soundspielerei) angehen lässt und dezent Erinnerungen durch gelegentliche Raserei erweckt. 

Was geht, was bleibt? Insgesamt steht hier ein großes „Jooaaah, grundsätzlich ein gutes Album, wenn es eine andere Band wäre“ gegenüber einem erwartungsbehafteten Bandnamen, der andere Ansprüche erfüllt haben möchte. Alles in allem ist „Renegades“ ein sehr gut produziertes, ambitioniertes, forderndes und abwechslungsreiche Platte, welches aber im direkten Kontrast zu den vergangenen, stilistischen Großtaten steht. 

Equilibrium – offizielle Homepage

Equilibrium – offizielle Facebook-Seite

In Ohtli Teoyohtica In Miquiztli

Stammesklänge, Trommeln, hypnotische Flöten, Kampfgeschrei, eine beschwörende Stimme – und dann ein Thrashmetal-Riff- und -Schlagzeuggewitter. Der Auftakt des dritten Albums der mexikanischen Azteken-Folk-Metaller Cemican ist eine verwirrende Angelegenheit. Zunächst fühlt man sich stirnrunzelnd auf ein mystisches Schlachtfeld versetzt, dann treffen einen die Drums und Riffs wie ein unerwarteter Schlag in die Magengrube.

Das mehr als exotische Sextett aus Mexiko (der Name „Cemican“ bedeutet „die Dualität von Leben und Tod“) widmet sich in seiner Musik sowohl lyrisch als auch musikalisch der sogenannten prähispanischen Epoche, in der die vor den spanischen Eroberern die aztekische Sprache, Kulur und Religion in Mexiko vorherrschend war. Demensprechend auch der Titel „In Ohtli Teoyohtica In Miquiztli“ (M-Theory) in der aztekischen Sprache Nahuatl, der sich in etwa mit „Der mystische Pfad des Todes“ übersetzen lässt. Zwei Alben haben die sechs Herren bereits in Eigenregie produziert, das vorliegende Werk ist das Debüt beim US-Label M-Theory aus Las Vegas

Musikalisch könnte man den in teilweise ungewohnten Rhythmen gespielten und mit Flöten und Trommeln präzisierten Stil der Band als „progressiven Aztec-Folk-Thrash“ bezeichnen. Sehr rhythymuslastig, sehr exotisch und sehr grossartig ist das, wenn man sich auf die teilweise sehr dominanten Rhythmen und Flötenklänge einlässt. Denn die aztekischen Metal-Priester verstehen sich duraus auch der Bedienung moderner Instrumente. Grooviger Thrash ist das dann, an der einen oder anderen Stelle sehr melodisch und hymnenhaft zum Mitsingen. „Guererros de Cemican“ ode „Luna Desmembrada“ sind diesbezüglich absolut heisse Anspieltipps. Die Texte sind überwiegend in Spanisch verfasst und haben martialische Themen über Kriegerehre, Legenden und Mythen. Kurz und gut: Für Metalheads mit Folk-Fetisch und auf der Suche nach der neuesten Perle sind Cemican das perfekte, audiovisuelle Feinschmecker-Menü.