Schlagwort: Death Metal

Defeated Sanity – Seelenreisen, Todesmetall und Miles Davis

Wohin kann sich Metal noch weiterentwickeln? Eine spannende Frage, die der kanadische Journalist, Soziologe und Metalhead Sam Dunn in seiner sehenswerten, elfteiligen Dokumentationsreihe „Metal Evolution“ beschrieb und analysierte. Im Fokus von Dunn stand dabei auch immer die Frage nach der Innovationskraft neuer Stile und Bands. Die Episode 12 über „Extreme Metal“ reichte Dunn als „Anhängsel“ nach, der tiefste Untergrund hatte danach verlangt und die zusätzliche Episode auch via Crowdfunding finanziert. Die Extreme-Metal-Fangemeinde wollte ihr komplexe Subkultur auch thematisiert sehen. Sie stellt in einer Zeit, in der Metal Mainstream ist, offenbar eine neue Evolutionsstufe des Underground dar.

Decapitated – Die dicken Bretter heißen Bohlen

Wenn dicke Bretter dick genug sind, werden sie Dielen oder Bohlen genannt. Ein stabiles Holzprodukt, durch das so manches Mietshaus erst bewohnbar wird und das Material, mit dem Decapitated am vergangenen Dienstag das Berliner Musik und Frieden auslegten. Unterstützt wurden sie dabei von der UK-Metalcore-Band Heart Of A Coward – und wie das ganze aussah, siehst du in unserer Facebook-Galerie!

Cradle Of Filth – Aufstehen, weitermachen, überziehen

Am Tag nach den Schreckensmeldungen aus Paris, wo sich der Terror gegen ein Konzert der Eagles Of Death Metal richtete, nahmen sich Cradle Of Filth in Berlin der Aufgabe an, vor knapp 1.000 Konzertgästen eine künstlerische Konsequenz aus den Anschlägen zu ziehen. Und die lautete: Weitermachen. Jetzt erst recht, an diesem Abend aber vielleicht eine Spur zu standhaft.

Cradle Of Filth – Demokratie per Serviette

Dani Filth, Businessman: Während Festivalsommer und Promophase zum neuen Cradle-Of-Filth-Album ‚Hammer Of The Witches‘ überlappen, hangelt sich Cradle Of Filths Zeremonienmeister rastlos – und sicherlich mit einigen Knoten im Taschentuch – von Termin zu Termin. Mal ganz der ehrbare Laudator, mal das Mouthpiece of Hell itself. Als das letztere erwischten wir Dani Filth zwischen den blutroten Teppichen und sprachen mit ihm über Märchenbücher, Krebsgeschwüre und den respektvollen Umgang mit der Vergangenheit.

Death – Reise in die Vergangenheit einer Legende

Nur selten hat man die Möglichkeit, eine legendäre Band, die offiziell gar nicht mehr existiert, live zu erleben. Es gibt ab und an einzelne Reunion Shows aufgelöster Bands. Noch viel häufiger werden berühmten Bands horrende Beträge für solche Konzerte angeboten, die dann aber nie zustande kommen. Metalheads sind in tiefstem Herzen Nostalgiker und Romantiker, und wenn ein Klassiker wie Death auf Tour kommt, dann ist Begeisterung vorprogrammiert. Die Death-Metal-Legende um den 2001 an Krebs verstorbenen Chuck Schuldiner gehört zweifellos zu dieser Kategorie. Die in Abgrenzung zur tatsächlichen Band unter dem Namen Death to All -DTA tourende Band wechselnder musikalischer Wegbegleiter Schuldiners sieht sich als Tribute-Band und ist seit 2012 auf Tour. Begleitet von anderen Genre-Veteranen wie Gorguts, Obituary oder den deutschen Obscura waren die Touren ein großer Erfolg im Underground. 2015 steht der 20. Geburtstag des sechsten Albums „Symbolic“ auf der Agenda. Die Gelegenheit, in der Besetzung Steve DiGiorgio (Bass), Gene Hoglan (Schlagzeug), Bobby Koelbe (Gitarre) und Max Phelps (Gesang, Gitarre) bzw. Steffen Kummerer (Gesang, Gitarre) eine weitere Tour zu zelebrieren.

Deserted Fear – Von Schnee, Met und dem Technik-Teufel

Da plaudert man mit dem äußerst sympathischen Gitarristen Fabian der Thüringer Deserted Fear vor ihrem Auftritt in Lenzburg/Schweiz über den durch das neue Album „Kingdom of Worms“ ausgelösten Popularitätsschub, kippt mit den Jungs – ganz Whiskey-Soda-Außenstelle Schweiz – einen Schweizer Single Malt und dann stellt man beim Sichten der Aufnahme fest, daß die Audiodatei kaputt ist. Dabei war der ganze Abend besonders gelungen.

Hideous Divinity – Death-Metal jenseits von Schablonen

Metal ist eine Aufreihung von Klischees. True Metal ist Manowar. Lederkostüme und behaarte männliche Oberkörper. Steel and Honor. Black Metal ist Behemoth. Satanische Symbolik und hinter Masken und Corpsepaint versteckte, mysteriöse Musiker. Power Metal ist Helloween. Epische Fantasy-Geschichten, simple, eingängige Gitarren und hoher Gesang. Death Metal ist Cannibal Corpse. Blut, Totenköpfe, Gedärme und Tod. Metal ist Klischee. Ist Metal tatsächlich Klischee? Ist Metal nicht auch die Freiheit, alles tun zu können, was man möchte? Widerstand durch Andersartigkeit? Es klingt wie eine abgedroschene Binsenweisheit, aber sollte nicht nur die Musik zählen? Solange verzerrte Gitarren, ein knackiger Bass und eine deftiges Schlagzeug dabei sind, sollte das nicht jedem Rockmusik-Fan Metal genug sein? Man könnte vermutlich stundenlang über dieses Thema streiten. Über den Identifikationsgehalt einer bestimmten Optik in einer Subkultur. Orientierung durch Klischees. Es gibt immer wieder Musiker, die auf Klischees pfeifen! Lange Haare, grimmige Mienen, Blut und Gedärme? Nicht bei Hideous Divinity aus Rom. Den fünf Jungs um Bandleader Enrico Schettino ist das schlicht zu langweilig.

Apex Predator – Easy Meat

Ein Album mit vierzehn Titeln, das im MP3-Format knappe fünfzig Megabyte umfasst, ist entweder nach allen Regeln der Kunst totkomprimiert, sodass das Hören statt Emotionen maximal Ohrenkrebs hervorruft oder von Napalm Death.

Jener Band, die mit ihrem 1,38 Sekunden langen Titel ‚You Suffer‘ bewies, wie effizient man dem Publikum tatsächlich die Gesichtszüge verbeulen kann. Auch wenn der durchschnittliche Napalm Death-Song durchaus länger währt, ist die Effizienz doch der geheime Steckenpferd der sonst eher anarchistischen britischen Oldschool-Grindcorer – keine Note ist nutzlos, jedes Riff sitzt und die Lieder sind genau so lang, wie sie sein müssen, um die Aussage zu transportieren. Nun könnte man meinen, dass die Aussage folgerichtig nicht besonders umfangreich sein kann, bei einer durchschnittlichen Songdauer von knappen zwei Minuten. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, Napalm Death zeigen lediglich, wie viel unnütze Ästhetik manch anderer Interpret in seiner Musik akkumuliert, ohne am Schluss irgendetwas von Belang gesagt zu haben. Und bekanntermaßen ist Ästhetik ja subjektiv.

So subjektiv, dass dem Kenner die besondere Ästhetik des neuen Napalm Death Albums schon von Anfang an auffallen wird.

‚Some of The Sounds that Napalm Death uses are deliberately designed to annoy people, no question!‘

, sagt Sänger Barney. Und genau diese Belästigung ist es, die Freunde des extremen Metals so mögen und die auch dieses Album dominiert. Auch wenn in Nuancen sicherlich die beabsichtigten Einflüsse von Public Image Ltd, Killing Joke oder Swans wahrnehmbar sind, ist es der effiziente Krach, der dem Napalm Death-Hörer die Endorphine um die Ohren schießen lässt.

Parallel dazu lässt schon der Titel ‚Apex Predator – Easy Meat‘ den Biologen oder aber wikipedia-affinen Metaller schmunzeln. Der Spitzenprädator zeichnet sich in der Nahrungskette dadurch aus, dass er ganz am Ende steht, also dort, wo er selber alles, aber nichts ihn fressen wird. Easy Meat halt.

Was auf den ersten Blick ironisch erscheinen mag, ist genauer betrachtet wohl doch eher von Zynismus geprägt. Der Apex Predator an der Spitze der Nahrungskette symbolisiert die entwickelten westlichen Länder, die für ihr ‚Easy Meat‘, sprich billige Importwaren, Kleidung aus Bangladesch oder ähnliches, prekäre Arbeitsverhältnisse in den untergeordneten Entwicklungsländern in Kauf nehmen, gleichzeitig aber auf heuchlerische Weise den gesellschaftlichen Konsens vertreten, dass die Sklaverei, die zum Beispiel in Textilfabriken in Bangladesch vorherrscht, schon lange der Vergangenheit angehöre. So jedenfalls sieht Barney die Situation, weshalb sich der lyrische rote Faden durch diese Thematik zieht und rund um das Thema Sklaverei im modernen Kapitalismus diverse soziale Mißstände anprangert.

‚Apex Predator – Easy Meat‘ ist ein wunderbar gelungenes Album, dass nicht nur mit dem für Napalm Death so elementaren Krach aufwarten, sondern mit ‚Hierarchies‘ tatsächlich auch einen fast hymnischen Eindruck vermittelt – und wenn Barney sich darüber Gedanken macht, dass man ihn nebst seiner Band irgendwann als alte Säcke abstempeln könnte, so sei ihm versichert, dass es bis zu diesem Zeitpunkt wohl noch einiger Napalm Death-Alben bedarf.

NAPALM DEATH – Infos und Stream vom neuen Album

Die Grindcore-Legenden von Napalm Death veröffentlichen in zwei Wochen ihr neues, sechzehntes Studioalbum „Apex Predator – Easy Meat“ via Century Media Records. Neben dem derben Album-Cover des Dänen Frode Sylthe (wer findet den Finger?) haben wir natürlich auch die Trackliste für Euch. Außerdem streamen die Kollegen vom Metal Hammer einen der Songs vom neuen Album…

Surgical Remission/Surplus Steel

Was soll man hierzu sagen? Es scheint tatsächlich eher wie ein Spaßprojekt der Herren Steer, Walker, Ash und Wilding. Nicht, dass es qualitativ schlechter wäre – aber dafür, dass Album und EP fast auf den selben Namen hören, ist die Stildifferenz schon sehr ausgeprägt. Wie meinen?

Nun ja, ‚Surgical Steel‘ hieß das letzte Album der Südwest-Britischen mittlerweile Death/Thrash-Kombo – und wie sich das für eine ‚mittlerweile Death-Thrash-Kombo‘ gehört, klang das erste Album nach einigen Jahren sehr death/thrashig. Vastehste?

Problem – oder, weniger Problem als vielmehr verwirrend ist, dass die kurz darauf folgende EP ‚Surgical Remission/Surplus Steel‘ schon wieder eine neue Richtung einschlägt. Wie gesagt, keineswegs minderwertiger, viel mehr überraschend, wandern die fünf Lieder der EP eher in die melodische, teilweise Hard-Rock-Ecke, als dort zu verweilen, wo der kommode Fan seine Lieblings-Band Carcass nach Überbrückung der langen Schaffenspause letztendlich einzuordnen wusste.

Allerdings, dem open-minded Hau-Druff-Musik-Fan wird diese EP so oder so imponieren und selbst die hartgesottenen Trve-Polizisten werden spätestens beim vorletzten Track ‚Lifestock Marketplace‘ das Fuß-Zuck-Syndrom bekommen, welches sich schon im Laufe der ersten paar Takte zu einer Art Stockholm-Syndrom entwickelt, sodass selbst die trvesten der Trven in ihrem Inneren gar nicht anders können werden, als diesen Track, mit seinen synkopischen Riffs, dem geilen Solo und dem halb gescreamten, halb geshouteten Refrain zu verehren;

‚Baby, you know that you were born to lose…‘

Carcass jedenfalls haben mit dieser EP lediglich gewonnen. Saugeile Sache, von Anfang bis Ende. Und das ist nicht übertrieben!

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