Schlagwort: Post Punk

PUBLIC DISPLAY OF AFFECTION – I Still Care

Wenn vier besonders kreative Menschen aufeinander treffen und gemeinsam musizieren, eine erfolgreiche EP veröffentlichen und unzählige Festivals bespielt haben, darf man auf da Longplay-Debüt gespannt sein. Public Display Of Affection (P.D.O.A.) nennt sich das Quartett aus Berlin, und „I Still Care“ (Eigenvertrieb) heißt das erste Album, das Ende September 2022 das Licht der Händlerregale erblickt.…

BLOOD COMMAND – Tief fliegende Sängerin auf Hamburgs Fischmarkt

Die Zeichen stehen auf Sturm. Überall. Krieg in der Ukraine. Corona-Herbst in Sichtweite. Energie-Krise. Friedrich Merz. Ein Grüner macht Deals mit Dubai. Ein Kanzler mit akuter Demenz. Alles Gründe, keine gute Laune zu haben. Dafür alles Gründe, schlechte Laune zu haben. Der beste Grund, sich mal so richtig anbrüllen zu lassen. Nicht wie der blöde…

Bei Aller Liebe

Was sich zuerst noch als zaghaftes Raunen durch sämtliche Fan-, Musik- und Pressekreise zog wurde im Jahr 2022 nun zur Tatsache: Muff Potter sind zurück. Wenn es jetzt mit „Bei Aller Liebe“ (Hucks Plattenksite) das erste musikalische Lebenszeichen seit 2009 von Muff Potter gibt, ist das in etwa so, als ob das Quartett die Zeilen…

HOT WATER MUSIC – Neue Musik in den Startlöchern

Hot Water Music sind zurück! „Feel The Void“ beinhaltet alles, was Fans der ikonischen Punkrock/Post-HC Band aus Gainsville/Florida erwarten dürfen und vereint das Beste aus unglaublichen 27 Jahren Bandgeschichte! Neben den bereits veröffentlichten Singles „Killing Time“ und der mit einem wundervollen Skate-Video bebilderten „Collect Your Things And Run“ sticht vor allem der Song „Habitual“ heraus. Der vielleicht…

TOMBS – Happy Halloween mit Samhain-Cover

Heute ist Halloween! Das bedeutet Horrorfilme, Süßigkeiten en masse und Party. Den Soundtrack dazu steuern dieses Jahr die New Yorker Todesmetaller Tombs zum einen mit einem Video zu ,The Shift‘ bei – einem Cover der legendären Post Punker Samhain um Glenn Danzig. In Verbindung mit dem stimmungsvollen Video zu ,The Hunger‘ von ihrem aktuellen Album…

Apparatschik

Ein in schwarz und weiß gehaltenes Art-Noir-Albencover macht Lust auf „Apparatschik“ (Augeil Records / Noisolution) , einem musikalischen Gruß aus Zürich. Nach einigen EPs und dem 2019er Album „Gourrama“ legen The Shattered Mind Machine mit „Apparatschik“ ihren neuen Longplayer vor.

Das Schweizer Trio wurde vor sechs Jahren gegründet und besteht aus Simon Fehr (Gitarre und Gesang) sowie Kaya Guggenheim am Schlagzeug und Simon Hirzel am Bass. Diese Besetzung hört sich zunächst nach klassischem Rock an, doch wer die EPs schon kennt, der weiß, dass diese Maschine zwischen den Genres kreuzt. Alternative (Post)Rock trifft auf klassischen und Post Punk, trifft a Wave und Stoner Rock. Das wird mal psychedelisch, mal poppig, mal fühlt man sich an The Cure erinnert, mal an Szenebands wie Coogans Bluff (abzüglich der Bläser) oder Daily Thompson. Die Songs bleiben dabei bis auf zwei Ausnahmen im Vierminutenbereich überraschend kurz (aber hey, es ist ja auch Punk!) und schraddeln irgendwo zwischen zwei und drei Minuten. Schade eigentlich, denn das Songwriting ist überwiegend so gut, dass man gerne mehr beziehungsweise länger gehört hätte.

Viel mehr gibt es aber auch gar nicht zu meckern. The Shattered Mind Machine überzeugen mit griffigen Kompositionen, wabernden, ziemlich psychedelischen Gitarren und tadelloser Gesangsarbeit, welche die teils philosophischen Texte gut herüberbringt, sei es nun im treibenden Opener ‚Paper‘ oder im etwas leichteren, fast schon poppigen ‚Josaphat‘. Richtig gut, wenn auch sehr kurz: der Titelsong und das vorangehende ‚Anyway‘, die Höhepunkte der Platte, welche die Härteschraube etwas anziehen und leicht noisige Soundscapes aufbauen. ‚Mosquitos‘ groovt und bleibt auch nach dem Ende noch lange im Ohr. Und der geneigte Hörer wird nach dem Ende der Platte nicht lange zögern und sich das Ganze noch einmal von vorne anhören. So muss das sein.

Das Albumcover mag nur schwarz und weiß sein, aber die Musik der Shattered Mind Machine hat viele Farben, viele Formen.

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ILLEGALE FARBEN – Das Beste aus dem Lockdown machen

Ist das noch Post-Punk? Mit dieser Frage schickten Illegale Farben ihr drittes Album in die Welt hinaus. Die Band aus Köln war mutig genug, die Veröffentlichung nicht nur mitten in den Lockdown zu legen. „unbedeutend ungenau“ präsentiert zudem einen deutlich anderen Sound, als man es bisher von dem Fünfer gewohnt war. Sänger und Texter Thomas…

Uppers

Wer in den letzten paar Jahren nicht ganz ignorant gegenüber Post-Punk made in UK war, wird sich beim Anlaufen von „Uppers“ (Sub Pop) sehr bald denken, das doch irgendwie schonmal gehört zu haben. Ja, TV Priest hauen in die gleiche Kerbe wie Idles. Damit ist ihnen der Weg geebnet und das Publikum angefixt genug, um es nicht lange bitten zu müssen.

Was nicht heißt, dass TV Priest es sich bequem machen würden. Sie haben ihren eigenen Kopf, sind unmittelbar und noch nicht so berechnend – das ist oft das Schöne an Debütalben. Die vier Londoner kennen sich seit Schulzeiten, sind aber erst Ende 2019 als Band zusammengekommen. Viel Zeit, sich live auszuprobieren, hatten sie noch nicht. Die Pandemie verhinderte das Warmspielen auf der Bühne. Im Studio allerdings gab es keine Zurückhaltung.

„Uppers“ heißt nun das Ergebnis. Auch wenn es auf einer gerade angesagten Welle reitet, ist es wenig gefällig. TV Priest präsentieren sich experimentierfreudig in Sachen Arrangements. Da muss nicht immer die ganze Band zusammenspielen. Oft begleiten den Gesang nur ein oder zwei Instrumente, die minimalistisch vor sich hin frickeln oder schrammeln – wie es die aktuelle Laune gerade hergibt. Dabei bleibt man mitunter bewusst disharmonisch. Es gibt bei TV Priest offenbar mehrere Egos, die ihren exklusiven Platz im Song selbstbewusst einnehmen.

Das gilt auch und vor allem für die Vocals von Charlie Drinkwater, die sich irgendwo zwischen Gesang und Rezitation bewegen und gern theatralisch geben. Für „Slideshow“ etwa standen gut hörbar Iggy Pop und dessen extrovertierte Attitüde Pate. Die Songs von „Uppers“ sind insgesamt rau; mal fordernd und mal abweisend. In jedem Falle aber einnehmend. Wie so einigen neueren britischen Bands gelingt es auch TV Priest, den und die Hörer*in gleich beim ersten Durchgang aus der Komfortzone herauszulocken. Allerspätestens mit „This Island“ sollte dann jedem/r klar sein, dass wir es hier mit einem Album zum Oft-Hören, zum Aufregen und zum Abreagieren zu tun haben.

Zum Ende hin kommt sogar immer mehr Melodie und Struktur in die Stücke. Ganz so, als wollten TV Priest die Hörenden zunächst testen, was sie abkönnen, um sie dann mit wirklichen stimmigen, fast hymnischen Songs zu belohnen. Auch wenn sich der Sound der britischen Inseln in Sachen härterem Post-Punk mit stark politischer Ausprägung langsam etwas zu nivellieren beginnt, macht es doch echt Spaß, „Uppers“ zuzuhören. Denn da steckt großer Elan drin, der hoffentlich noch für einige weitere Alben ausreicht.

 

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Cargo Records

ILLEGALE FARBEN – Video kündigt drittes Album an

„Alles Explodiert“ ist die neue Single von Illegale Farben und kündigt das neue und dritte Album der Band aus Köln an. Gestartet als Postpunk-Band mit vitalen Wurzeln in der DIY-Szene, ist die Band nun angekommen in einer neuen Zwischenwelt aus Postpunk, Postrock und experimentellem Pop. Das Album ist düster und kompakt und berichtet von existentiellen…