Schlagwort: Meloprog

II

Lords Of Black sind aktuell noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt, doch machte Sänger Ronnie Romero unlängst mit seinem Einsatz bei Rainbow Furore, womit wohl klar sein sollte, auf welchem Level der gute Mann singt.

Das zweite Album der Spanier und wohl auch Herr der Ringe-Fans, so lässt das Coverartwork vermuten, bietet traditionellen Heavy Metal, der schon beim ersten Song „Merciless“ wohlige Querverweise zu den Großen der Szene wie Masterplan, At Vance oder Astral Doors etc zieht. Es geht also hymnisch, melodiös, mit facettenreichem rauem Gesang und trotzdem modern zu, ohne sich zu sehr von der Tradition zu entfernen.

Traditionell gestaltet sich aber im Verlauf auch der Songaufbau, der auf „II“ meist gleich bleibt und somit die durchweg starken Songs recht eindimensional erscheinen lässt. So sticht dann eine balladesk beginnende Nummer wie „Everything You’re Not“ mit den Pianolinien besonders hervor. Schade, mit etwas mehr Abwechslung wäre dieses gute Album ein richtiger Knaller.

The Unforgiving Road

Withem stammen aus Norwegen und wurden dort vor fünf Jahren von dem Gitarristen Øyvind Voldmo Larsen, dem Keyboarder Ketil Ronold und dem Schlagzeuger Frank Nordeng Røe gegründet. Gemeinsam mit dem Frontmann Ole Aleksander Wagenius veröffentlichte die Melodic Progressive Metal-Band vor drei Jahren ihr erstes Album „The Point Of You“. Es folgten Auftritte auf den ProgPower Festivals in Norwegen und den USA, wo die Band mit Genre-Größen wie Symphony X und Dream Theater oder auch den norwegischen Kollegen von Circus Maximus verglichen wurde.

Jetzt haben die Skandinavier nachgelegt und mit „The Unforgiving Road“ den Nachfolger produziert, der gleich mal mit einem elegischen Keyboard-Intro beginnt, das zusammen mit dem Outro Assoziationen an eine Trauerfeier aufkommen lässt. Aber weit gefehlt, hier geht es alles andere als traurig zu. Schon kurz darauf legen die Jungs mit ‚Exit‘ los, das tatsächlich mit seinen melodischen Piano-Kapriolen und Wagenius‘ markanter Stimme an die frühen Alben von Symphony X erinnert. Der Trend geht hier eindeutig zu eingängigen Melodien und starken Riffs, weniger zu endlosem Gefrickel. Dazu kommen sofort ins Ohr gehende Hooklines, schöne Chöre wie zum Beispiel im Songhighlight ‚The Eye In The Sky‘ und eine saubere und druckvolle Produktion. Damit zweigen Withem eindrucksvoll, wie moderner melodischer Metal klingen muss. Zwischendurch wird es auch gerne einmal ruhiger mit der vom Piano getragenen Ballade ‚Riven‘. Gegen Ende der Spielzeug vermögen die Titel nicht mehr ganz so zu zünden, aber unterm Strich liefern die Norweger eine höchst solide Leistung ab und machen den Landsleuten von Circus Maximus große Konkurrenz.

Oben haben wir schon die Prog-Giganten Dream Theater erwähnt, und man muss Withem tatsächlich mit den New Yorker Königen des Prog-Metal vergleichen, denn streckenweise erinnert „The Unforgiving Road“ an deren Erstling „When Dream And Day Unite“. also an die Zeiten, als Dream Theater technisch noch nicht ganz so ausgereift wie heute, dafür mit spürbar mehr Herzblut zur Sache gegangen sind. Wer weiß also, wo Withem in zehn oder zwanzig Jahren stehen? Sicher ist, dass diese Band ihre Weg im Genre des melodischen Prog-Metal gehen wird, unbeirrbar und zielstrebig.

When We Were Beautiful

Wenn man progressiven Metal und Prog- oder Artrock aus unserem schönen Land entdecken will, kommt man am Label Gentle Art of Music nicht vorbei. Die Plattenfirma aus dem Umfeld der bayrischen Artrocker RPWL hat bei vielem, was an anspruchsvoller Musik aus dieser Richtung in Deutschland entsteht, ihre Finger am Puls der Szene. Von daher kann man durchaus sagen, daß es sich bei ihren Veröffentlichungen lohnen kann, etwas genauer hinzusehen und zu hören. Das Prog-Metal-Quartett Dante stammt aus Augsburg und legt mit „When We Were Beautiful“ sein viertes Studioalbum in acht Jahren vor. Der Release des Vorgängeralbums „November Red“ 2013 war vom Tod von Gitarrist und Gründungsmitglied Markus Berger überschattet. „Der Tod wurde auf „When We Were Beautiful“ also unweigerlich zum Thema und letztendlich auch zu jenem Antrieb, der seinen Ausdruck etwas im Stück ‚Finally‘ findet, in dem die Band musikalisch Abschied nimmt“, lässt sich die Band in der offiziellen Pressemeldung zitieren.

Die Melancholie in ihren komplexen Songs war schon immer definierender Bestandteil der Musik der Schwaben – nun um so mehr. Genau so beginnt auch das Album mit dem elfminütigen ‚Rearrangements of the Gods‘ mit einer traurigen Grundstimmung und ansonsten allem, was man so erwartet von einem Prog-Album – neben der Länge der Songs. Episch-ausufernde Gitarren- und Keyboard-Soli, Takt- und Rhythmuswechsel und sichere Beherrschung von komplexem Songwriting und Instrumentarium. Die wird auf jedem Song selbstsicher geliefert, so daß es rein objektiv wenig zu kritisieren gibt für Freunde von Bands wie Dream Theater, Fates Warning und Konsorten. Trotzdem: So richtig zünden tut „When We Were Beautiful“ nicht, auch wenn das Kritik auf hohem Niveau ist. Über weite Strecken geht es doch balladesk-rockig und weniger metallisch-knackig zu. Auch über den Klang von Sänger Alexander Göhs kann man sicherlich unterschiedlicher Meinung sein. Nichtsdestotrotz wird das gelungene Prog-Rock-Album sicherlich seine zufriedenen Abnehmer finden. Wenn auch nur im Genre. Für einen Eindruck darüber hinaus fehlt dem Album das gewisse Etwas, das sich so schwer beschreiben läßt.

InnerWish

1995 gegründet gehören die Griechen Innerwish seit ihrem Debüt 1998 zu den Mitgestaltern der zweiten Metalwelle, die durch das legendäre „Glory to the Brave“-Album von Hammerfall ausgelöst wurde. Allerdings dauerte es ein paar Jahre, bis man durch die beiden Nachfolgeralben „Silent Faces“ (2004) und „Inner Strength“ (2006) doch noch auf diese eher im Underground agierende Band aufmerksam wurde. Aber spätestens seit ihrem letzten Album „No Turning Back“ (2010) ist Innerwish ein Begriff für Freunde von Bands der Marke Hammerfall, Primal Fear, Brainstorm oder Iced Earth geworden. Seither sind nahezu sechs Jahre vergangen, in denen die Band vor allem auch die Trennung von Sänger Babis Alexandropoulos, der sich ganz auf seine Karriere als klassischer Tenor ausrichten wollte, verarbeiten musste.

Was nach der ersten, umgehend die Haare nach hinten pustende Gitarrensalve sofort auffällt, ist der neue Mann am Mikro: Bedeutete Babis Alexandropoulos ein schmerzhafter Verlust, so stellt George Eikosipentakis mit seiner noch versierteren Stimme klar, dass er ein absoluter Glücksgriff ist. Dieser Mann, der vor allem in den tieferen und raueren Tonlagen desöfteren an den unvergleichlichen Russell Allen von Symphony X erinnert, verleiht dem ohnehin schon gewohnt herausragenden Sound von Innerwish den ultimativen Qualitätsschliff. Doch damit noch lange nicht genug. Denn was die sechs Hellenen hier mit ihrem Album vorlegen, ist im wahrsten Sinn des Wortes monumental! 13 Songs bei einer Spielzeit von 67 Minuten sind zwar alles andere als Fastfood-Kost, doch wenn man qualitativ dermassen königlich verpflegt wird, geniesst man jeden Augenblick davon in vollen Zügen, um dann nach einer gehörigen Verdauungspause wieder von vorne zu beginnen.

So werden die Nackenmuskeln mit dem Opener ‚Roll the Dice‘ schon mal gehörig aufgewärmt, um sie dann bei ‚Broken‘, zusätzlich mit Luftgitarre ausgerüstet, ausgiebig zu verwöhnen. Nun könnte man diese Formel über die gesamte Albumlänge durchziehen und es würde nicht langweilig, denn das Songwriting ist selbst bei diesen einfachen Songs bis ins letzte Breakdetail durchdacht. Aber Innerwish drosseln das Tempo und stampfen mit ‚Modern Babylon‘ und ‚Machines of Fear‘ zwei Hymnen aus dem Boden, bei dem die Faust unweigerlich in die Luft gereckt wird, um dann mit dem nachfolgenden ‚Needles in my Mind‘ gekonnt sogar bis ins Hardrock-Gefilde auszuwandern. Spätestens hier wird klar, welche Vielfalt an Pfeilen sich im Köcher befinden. Und jeder dieser Pfeile trifft ins Schwarze! Seien es simple, von Innerwish ohnehin bereits gewohnten Power Metal-Kracher mit hohem Melodiefaktor wie ‚My World on Fire‘, ‚Rain of a Thousand Years‘ oder ‚Sins of the Past‘, der schleppend-melancholische Reisser ‚Through my Eyes‘, das progressiv angehauchte ‚Serenity‘, die akustische Perle ‚Cross the Line‘ oder der bombastisch-symphonische Abschlusstrack ‚Tame the Seven Seas‘ – geboten wird durchweg hochkarätiges, ja referenzwürdiges Material. Im Bereich des Melodic Metal dürfte das neue Material seinesgleichen suchen und in dieser Vielfalt und dem gebotenen Niveau neue Massstäbe setzen. Das Geheimrezept liegt einer dezent mediterran-folkloristischen Note zugrunde, welche in Songs wie ‚Broken‘, ‚Through my Eyes‘, ‚Needles in my Mind‘, ‚Zero Ground‘ oder ‚Cross the Line‘ etwas ausgeprägter zur Geltung kommt und Innerwish damit einen eigenwilligen Soundcharakter verleiht.

Um es kurz auf den Punkt zu bringen: exzellent, umwerfend, schlicht meisterhaft! Statt auf Nummer Sicher zu gehen und folglich ein eher formloses Standardwerk mit den bewährten, qualifizierten und beliebten Attributen rauszuhauen, nehmen die Herren ihr Werkzeug selbstbewusst in die Hand und schaffen damit voller Leidenschaft ein regelrechtes, in Stein gemeisseltes Denkmal, welches jeden griechischen Metaller mit Stolz erfüllen und jeden Anhänger von traditionell ausgerichtetem Metal begeistern wird. Das Jahr ist zwar noch jung, doch jede Scheibe im Bereich des Melodic Metal wird sich im 2016 an diesem Referenzwerk von Innerwish messen müssen. Standing Ovation!

(geschrieben von Rosario Fazio)

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