Schlagwort: Folkrock

On The Widow’s Walk

„On The Widow’s Walk“ (Snakefarm Records): Der Weiße Büffel trabt durch die Prärie, oder ist da doch eher ein Biker auf seiner Harley unterwegs? Unterwegs gibt’s Blues, Rock, Folk, Americana und Country.

The White Buffalo, das ist  der bärtige Barde Jake Smith, der mit „On The Widow’s Walk“ sein bereits sechstes / siebtes Studioalbum vorlegt, produziert von der Country- und  Americana-Legende Shooter Jennings, dem Sohn des großen Waylon Jennings, der auf dem Album auch in die Tasten greifen darf. Hierzulande dürfte Smith nicht so bekannt wie in den USA sein, aber allen Freunden der Biker-Serie „Sons Of Anarchy“ ist The White Buffalo vermutlich ein Begriff, hat Smith doch gemeinsam mit den Forest Rangers einige Songs dazu beigesteuert. Smith ist Multiinstrumentalist und hat das Album bis auf die oben schon erwähnte Hilfe überwiegend alleine aufgenommen.

„On Widow’s Walk“ zeichnet sich durch Abwechslung aus, wobei es oft eher zurückhaltend denn rockig wird. Folkige Americana-Songs mit Gospel-Attitüde, Klavier und Akustikgitarre: The White Buffalo beziehungsweise Jake Smith erfüllen hier alle Klischees. Markige Stimme, griffige Akkorde, ein wenig Bass und Schlagzeug im Hintergrund. Das sind Klänge, zu denen der Cowboy den Hut in die Stirn zieht und lange und nachdenklich in die Prärie hinausstarrt. Die wenigen etwas lauteren Nummern wie ‚No History‘ oder ‚Faster Than Fire‘ grooven. Manchmal wünscht man sich, der Rest des Albums wäre auch etwas schneller. Andererseits: Die langsamen Songs sorgen für schöne Atmosphäre und zeigen, dass Smith ein hervorragender Songwriter ist. Ab und zu werden in der Interpretation Assoziationen an die Americana-Alben des großen Johnny Cash geweckt, so zum Beispiel bei ‚River Of Love And Loss‘ . ‚Sycamore‘ hingegen erinnert an Bruce Springsteen.

Weniger ist hier oft mehr, und damit ist „On The Widow’s Walk‘  ein tolles Album für die ruhige, abendliche Stimmung. Der erwartete Rocker ist es nicht, und ab und zu vermisst man doch ein paar Überraschungen. Roots, Folk, Blues: Eben Americana, nicht zu laut, nicht zu sperrig, nicht zu überraschend. Gehört hat man Ähnliches schon oft, aber zu gefallen weiß es immer wieder, wenn man das Genre mag.

The White Buffalo Bandhomepage

The White Buffalo bei Facebook

TIM VANTOL – Neues Album und Single

Der aus der Punkrock-Szene stammende Singer-/Songwriter Tim Vantol hat für den 22.05.2020 sein neues Album „Better Days“ angekündigt. Thematisch soll es darum gehen, wie der Niederländer den Weg aus der Depression gefunden hat. Mit der Single „5 Inch Screen“ ist bereits ein erster Vorbote erschienen. Tim Vantol bei FacebookHomepage

OK Hotel


Raus aus dem Alltag, rein in ein Hotel? Rock’n’Roll pur im „OK Hotel“ (Spinefarm Records) der Broken Witt Rebels?

Das 2015 gegründete Quartett aus dem britischen Birmingham checkt im stylischen Hotel auf dem Coverbild ein und legt von dort seinen zweiten Longplayer vor, der ebenso stylisch aus den Boxen kommt. Aufgenommen haben die Briten ihr neues Album im US-Bundesstaat Texas zwar nicht in einem Hotel, aber doch eben weit genug von der britischen Insel entfernt, um in eine andere Welt einzutauchen.

Die Broken Witt Rebels wandeln auf durchaus bekannten, aber dennoch immer wieder spannenden Genrepfaden zwischen Retro, Blues- und Southern-Rock. Die Mischung stimmt. Musikalische Einflüsse wie The Gaslight Anthem oder Kings Of Leon sind unüberhörbar, was den Sound nicht wirklich originell oder neu macht. Aber wenn die Songs, durch die Bank weg gut geschrieben und richtig groovend, dennoch ein Lächeln in das Gesicht aller Rockfans zaubern, haben die Broken Witt Rebels viel richtig gemacht. Gitarrenlastige Arrangements, lässige, teils leicht melancholisch wirkende Indie-Attitüde, kleine Ausflüge in Pop-Gefilde – und doch wirkt alles homogen.

Der Hotel-Check-In wird besetzt vom Opener ‚Running With The Wolves‘, der wegweisend für die folgenden insgesamt 13 Songs ist. Die Stimme des Frontmannes Danny Core schwebt wohlig zwischen Lebensfreude, Wehmut und manchmal auch Verzweiflung.

In der Hotelbar kann man ‚Love Drunk‘ werden, und zu ‚Save My Life‘ wird (mit stets gesenktem Kopf!) ‚Fearless‘ langsam durch die Lobby getanzt. Am Ende kehren die Broken Witt Rebels zurück nach Europa. Dort steht eine akustische Hommage an die Heimatstadt Birmingham mit Roots- und Folk-Elementen auf dem Programm und beschließt ein Album, dass wirklich retro ist, das viele Erinnerungen weckt, aber zu jeder Minute bestens unterhält. Der Reiseführer sagt: Dieses Hotel ist ok. Mehr sogar. Vier Sterne.

Bandhomepage

Broken Witt Rebels bei Facebook

LAZULI – Tour mit neuem Album

Die französische Band Lazuli ist in der Prog-Szene schon lange kein Geheimtipp mehr. Inzwischen vier umjubelte Auftritte auf dem weltweit bekannten Night Of The Prog Festival am Mittelrhein und unzählige Clubauftritte haben dem Quintett eine große, treue Fangemeinde auf der ganzen Welt beschert. Lazuli wurden bereits 1998 gegründet und bewegen sich stilistisch irgendwo zwischen Rock,…

THE HU – Mongolen-Rocker ab übermorgen auf Tour

Sie sind eine der großen Hoffnungen des Jahres für den weiteren Aufstieg: Die Mongolen-Rocker The Hu. 2019 war IHR Jahr. Virale Höhenflüge noch vor dem Debüt-Album, dessen Veröffentlichung, eine ausverkaufte, erste Clubtour durch Europa und die USA mit atemberaubender Live-Energie und eine Kooperation mit Papa Roach zum Ende des Jahres. Nun geht es in die…

DROPKICK MURPHYS – Bald wieder auf Tour

Wir haben euch schon letztes Jahr entsprechend informiert, aber jetzt wird es wirklich ernst. „The Boys are back“. die amerikanischen Irish-Folk-Punkrocker Dropkick Murphys kommen zu uns zurück auf Tour. Mit der typischen Instrumentierung aus Gitarre, Bass und Drums auf der einen, aber auch Dudelsack, Akkordeon, Mandoline und Tin Whistle auf der anderen Seite brettern die…

Love

Nicht verwechseln: Die Liebe ist zwar oftmals rot, und Waldemar ist ein deutscher Vorname, aber hier bekommt diese Liebe schon auf dem Cover mit den vielen Kreuzen einen irritierenden Beigeschmack. Waldemar ist der Nachname des norwegischen Künstlers, der mit „Love“ (Jansen Records  / Noisolution ) seinen dritten Longplayer veröffentlicht.

Torgeir Waldemar, groß und bärtig, sieht vielleicht aus wie der Frontmann einer norwegischen Black Metal-Kapelle, ist aber Singer / Songwriter und liefert entspannten Folkrock mit US-Westcoast-Einflüssen, Americana-Attitüden und einer Prise 70er-Rock ab. Fünf Songs sowie ein Intro und zwei „Interludes“ finden sich auf „Love“, das musikalisch eine Mischung aus dem melancholischen, ruhigen Erstling von 2014 und dem 2017er „No Offending Borders“ ist, auf dem es lauter und ziemlich fuzzy zuging. So lädt der Opener ‚Leaf In The Wind‘ den geneigten Folkrocker zum eleganten Schunkeln ein, während ‚Heart And Gold‘ musikalisch der Sprung aus den Fjorden über den großen Teich gelingt und mit countrylastigem Americana-Rock wohlig überzeugen kann. Wer The Band oder Neil Young mag, fühlt sich hier gut aufgehoben.

Ganz egal ob Folk, Rock oder Country: Allen Tracks gemein ist die hohe Qualität des Songwritings sowie das hörbare Herzblut, das in die Interpretation geflossen ist. Waldemar wird gegen Ende sogar experimentell, wenn er im viertelstündigen Longtrack ‚Black Ocean‘ fast schon psychedelisch-progressiv zu Werke geht. Wabernde, simple Rhythmusfiguren steigern sich hier zu einem letzten spektakulären Song, der einen passenden Schlusspunkt für ein großartiges Album setzt.

So klingt es also, wenn ein Norweger amerikanischen Southern-Folk spielt: ausgezeichnet. Für Genrefans liefert Torgeir Waldemar schon nach zwei Wochen des neuen Jahres ein kleines Highlight ab, das wir hiermit gerne weiterempfehlen.

Einen Song aus dem neuen Album gibt es leider derzeit nicht als Video, aber hier ist ein neuer Clip zu einem alten Song:

Torgeir Waldemar bei Facebook

Aurora

Die Wanderung durch das mystische Land „Inphantasia“ hat sich gelohnt. Die Bremer Progressive Rock Band Eyevory hat mit ihrem entsprechend betitelten letzten Longplayer viel erreicht: Plattenverkäufe, Live-Gigs nicht nur in Deutschland und 2017 ein Auftritt auf dem Night Of The Prog Festival, einem der weltweit größten und bekanntesten Events für progressive Musik. So gestärkt machte sich das Quartett, das progressiven Rock mit sphärischen Synthieparts und folkloristischen Elementen kombiniert und eine Querflöte dominant im Line-Up einsetzt, auf den Weg in die Produktion des neuen Albums „Aurora“ (Sireena Records), das ähnlich wie der Vorgänger über Crowdfunding finanziert wurde.

Eyevory bleiben auf dem dritten Longplayer ihrem Konzept treu und liefern melodischen Pop-Prog ab, wobei erwartungsgemäß die Flöte und die Stimmen der beiden Frontfrauen Jana Frank und Kaja Fischer im Vordergrund stehen. Doch Erwartungen werden im Prog gerne gebrochen – so auch hier. Schon beim zweiten Song ‚Limelight‘ drängt sich die Gitarre mit überraschend harten Riffs in den Vordergrund und sorgt nicht nur für Überraschungen, sondern auch im weiteren Verlauf für angenehme Akzente.

Die vier Nordlichter zaubern auf Aurora ihr Polarleuchten an den Himmel, das energetisch wabert und auch mal richtig zugreift, uns umschließt und durchstrahlt. Große Melodien, starke Vocals, immer wieder tolle Duette auch zwischen Keys und Flöte oder Gitarre. Stark! Der epische Longtrack ‚Carry On‘ beweist, dass die Mädels und Jungs (mit dem neuen Schlagzeuger Christian Schmutzer hoffentlich auch jetzt eine feste Position an den Drums) große Melodiebögen schreiben und anspruchsvoll arrangieren können. Das Zusammenspiel zwischen Gitarre, Bass, Keyboards und Flöte gefällt.

Die positive Entwicklung dieser Band geht auch mit dem neuen Output steil weiter nach oben, hier wird beim Songwriting und der Performance gegenüber dem schon sehr guten „Inphantasia“ noch einmal eine Schippe draufgelegt. Die saubere, druckvolle Produktion des Albums rundet das positive Gesamtergebnis noch ab. Eyevory haben mit „Aurora“ gezeigt, dass sie eine der spannendsten und facettenreichsten deutschen Progbands sind.

Offizielle Webseite

Offizielle Facebookseite

Sireena Records

Neuer Trailer zum FEUERTAL FESTIVAL 2019

Das Feuertal-Festival in Wuppertal haben wir euch bereits mehrfach vorgestellt und auch schon live von der Waldbühne Hardt berichtet. Dort findet einmal im Jahr das kultige Mittelalter-Fest statt, bei dem es neben vielen Szene-Bands auch immer einen spannenden Mittelalter-Markt gibt. Dieses Jahr geht es am 31.August wieder rund in Wuppertal. Das Festival findet diesmal nur…

Take Me Higher

Die Südkalifornier Robert Jon & The Wreck haben wir euch schon mehrfach live und im Studio vorgestellt. Da horchen wir natürlich auf bei einer neuen Veröffentlichung. Die Jungs, die 2013 in ihrer Heimat Orange County einen Award als beste Live-Band gewonnen haben, melden sich mit Nachschub in Sachen Folk’n’Roll, Southern Rock und Countryrock-geschwängerter Americana zurück. Das Rezept ist nicht neu, aber das Ergebnis schmeckt immer wieder hervorragend. Der vollbärtige Rober Jon Burrison und seine Truppe schaffen es auch auf ihrem vierten Studiolongplayer  wieder, eine perfekt abgestimmte Mischung abzuliefern, die nicht nur durch die groovenden Hooklines und hohen Wiedererkennungswert überzeugen kann. Bluesrock, Funk, eine kleine Prise Alternative Rock, alles ist mit an Bord.

„Take Me Higher“ enthält acht Tracks. Stellvertretend für das ganze Album: Gleich der eröffnende Titelsong. Erdig-kernige Gitarrenriffs, eine leicht ölende Orgel, treibender Bass. Daüber Robert Jon Burrisons markante Stimme, glücklich ist der Southern-Rocker. Das setzt sich so über die ganze Scheibe fort, sei es im groovenden ‚Going Down‘ oder dem Rock’n’Roller ‚Makes Me Wanna Yell‘ bis hin zur gelungenen Schmuseballade ‚Coming Home‘. Etwas aus der Reihe fällt schließlich die instrumentale Nummer ‚Cannonball‘, die durch klasse Gitarrenarbeit und fast schon progressiven Charakter überzeugt. Robert Jon & The Wreck schaffen es, verschiedene Stile und Genres zu einem stimmungsvollen Ganzen zu verschmelzen und dabei zu jeder Sekunde ihr eigenes Ding durchzuziehen. Respekt!

„We are a Southern Rock band out of Southern California. We travel the nation, drink whiskey, and play the music we love.“So beschreibt sich das Quintett selbst, und das können wir mal genauso unterschreiben. Robert Jon & The Wreck spielen die Musik, die wir mögen. Zumindest wir alle, die wir auf Country-Rock mit südkalifornischem Flair stehen.