Schlagwort: Emo Punk

NATHAN GRAY – Fortsetzung der Friends-Reihe mit Blackout Problems (UPDATE)

Boysetsfire-Frontmann Nathan Gray fährt mit seiner „Nathan and Friends“-Singlereihe fort. Diesmal ist dabei ein ganz besonderer Song herausgekommen. „What You Mean“ war eigentlich für das dritte Album der Band Red Tape Parade geplant. Allerdings kam das Lied nie über den Demo-Status hinaus, da Sänger Wauz schwer erkrankte und schließlich im Jahr 2013 verstarb. Nun folgte…

Okay

Seine neue Platte in diesen Zeiten „Okay“ (Midsummer) zu betiteln, könnte als mutig bezeichnet werden. Denn absolut nichts ist derzeit okay, um es mit den Worten des großen Farin Urlaub zu sagen. Die Pandemie strapaziert die Nerven aller. Doch darum geht es Great Escapes nicht. Sie möchten auf etwas anderes hinweisen.

Das Trio aus Münster und Rheine thematisiert Aspekte unseres Alltags, die vor, während und nach der Pandemie unser Leben bestimmt haben und bestimmen werden: Selbstoptimierung, Leistungsdruck und andere Pseudo-Werte kommen nicht mehr nur im Beruf vor, sondern sind ebenfalls in der Freizeit und auf Social-Media-Kanälen Maßgabe für unser Handeln geworden. Es geht nur noch um höher, schneller und weiter. Das ist etwas, wogegen sich Great Escapes wehren. Denn es ist absolut okay, wenn Menschen nicht nur nach dem Maximum streben, nicht immer spektakuläre Dinge erleben oder die neuesten technischen Gadgets besitzen. Es ist okay, Schwächen zu zeigen und zuzugeben, dass es auch mal nicht läuft oder Vorhaben stecken bleiben.

Musikalisch setzen Great Escapes auf ihrem Zweitling auf eine Mischung aus Emo-Punk, Punkrock sowie ein wenig Post-Punk und Alternative. Bands wie Samian, The Get Up Kids, Spanish Love Songs sowie an der ein oder anderen Stelle Basement lassen grüßen. Dabei schaffen es die Westfalen, ein paar veritable kleine Hits zu erzeugen. Der eher ruhige Opener „Tyler“ sticht dabei genauso hervor wie die gelungenen Punkrock-Kracher „Spring Fake“, „Retry“ oder „Autumns and Atoms“. Absolutes Highlight ist jedoch die Mid-Tempo-Hymne „Ashes“ mit ihrem atmosphärischen Indie-Einschlag und dem wunderbaren Refrain. Zwar sind nicht alle Songs so auf den Punkt und vor allem mit „A Daily Death“ sowie dem abschließenden „Are You Okay“ zwei schwächere Tracks enthalten, allerdings kann über diese angesichts der schönen umgarnenden Wohlfühlstimme von Sänger Frederik Tebbe hinweggesehen werden.

Etwas irritierend und schwierig einzuordnen ist das auf Deutsch gesungene „Phobophobie“, was so viel wie die Angst vor der Angst bedeutet. Einerseits reißt es die Zuhörer*innen (leider) durch den Sprachwechsel aus dem aufgebauten Spannungsbogen. Andererseits ist es gleichzeitig ein starker Deutsch-Punk-Song, der zeigt, dass sich Great Escapes auch in diesem Genre wohlfühlen können. Auflösen lässt sich dieser Zwiespalt wohl nicht. Vielleicht sollte er einfach als Grüße an die ebenfalls aus Rheine stammenden und fast schon mit Legendenstatus versehenen Muff Potter oder als Widmung an Nicholas Müller von Jupiter Jones, der an eben jener Krankheit leidet, gesehen werden.

Great Escapes schaffen mit „Okay“ ein wunderbar melodisches Punkrock-Album, dem Freund*innen dieser Musik unbedingt Gehör schenken sollten und das einen aus dem aktuell tristen Alltag herausreißen kann. Denn „It’s okay to lose your mind from time to time“, wie es im Closer „Are You Okay“ heißt.


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GREAT ESCAPES – Emo-Punkrocker mit neuem Song

Die aus Westfalen stammende Emo-Punkrock-Band Great Escapes hat mit „Ashes“ einen neuen Track präsentiert. Mit seinem Sound erinnert das Lied ein wenig an melodischen amerikanischen Punkrock von Bands wie Samiam oder Hot Water Music samt einem leichten Wave-Touch. „Ashes“ ist gleichzeitig die erste Single des am 21. März 2021 erscheinenden Albums „Okay“. Es ist der…

BE WELL – Single und Debütalbum

Be Well haben mit „Confessional“ iher erste Single veröffentlicht. Sie ist Vorbote für das am 21.08.20 erscheinende Debüt „The Weight And The Cost“ der Emo-Punkrocker. Hinter Be Well steckt kein geringerer als der ehemalige Battery-Frontmann Brian McTernan, der in den vergangenen Jahren auch als Produzent von Bands wie Thrice oder Hot Water Music in Erscheinung…

Perceptions

Bereits Charles Dickens beschrieb in „Große Erwartungen“, einem Klassiker der englischsprachigen Literatur, was alles schief gehen kann, wenn Menschen zu viel auf eine Karte setzen und unterschiedliche Interessen kollidieren. Ebenso machen es Cadet Carter auf ihrem Zweitling „Perceptions“ (Uncle M / Cargo Records): die Münchner Indie-Emo-Pop-Punks rechnen mit den Erwartungshaltungen ab, die ihnen bisweilen das Leben schwer machen – seien es die eigenen oder die Dritter.

Im Grunde hat sich Frontmann und Gitarrist Nick Sauter beim Texten für die Platte einmal seinen gesamten Frust von der Seele geschrieben. „A Bad Few Weeks“ ist ein Song, der während einer dunklen Phase im Leben des Sängers entstand und davon handelt, wie bescheiden das Leben manchmal laufen kann – und dass es sich lohnt, sich aufzuraffen und weiterzumachen. Hier wie auf fast dem gesamten Album stehen Lyrics und Musik im Kontrast zueinander: Während es textlich eher düster und nachdenklich zugeht, reißen die packenden, schwerelosen Sounds die HörerInnenschaft mit.

Überhaupt gönnen sich Cadet Carter auf „Perceptions“ eine hübsche musikalische Bandbreite. Es darf dengeln, es darf schrammeln, es darf rocken, es darf aber auch mal melancholisch-sphärisch („Hold Me Down“) oder mit dezenten Pianoklängen untermalt („End / Begin“) zugehen. Klar ist: Die Platte war kein Schnellschuss, sondern ist das Ergebnis eines Reifungsprozesses. Nicht die erstbesten Songs haben es aufs Album geschafft, sondern die, hinter denen die Band steht – und die für die Band sprechen. Beliebigkeit ist einfach nicht das Ding des Quartetts.

Fans der energiegeladeneren Gangart werden anmerken, dass die Scheibe ein bisschen mehr Punk und einen Ticken weniger Emo bieten dürfte. Die leiseren Tracks nehmen das zuvor gut aufgenommene Tempo raus – ein bisschen, als ob sie an der Reißleine ziehen wollten, bevor der Übermut zu groß wird. Denn wir alle wissen: Im Rausch der Euphorie sind dumme Entscheidungen schnell getroffen. Und zack! Sind die Erwartungshaltungen an sich selbst wieder enttäuscht.

Mit „Perceptions“ liefern Cadet Carter ein musikalisch vielschichtiges und ausgereiftes Album, das sich seinem Kernthema aus den unterschiedlichsten Perspektiven nähert. Eine Handvoll mehr positive Vibes hätten der Platte sicher nicht geschadet, würden aber vermutlich der Intention der Band querschießen. Halten wir es zum Abschluss mit Dickens: Es mag seitens der AnhängerInneschaft große Erwartungen an die zweite Platte gegeben haben. Diese wurden definitiv nicht enttäuscht, manch einer wird sie allerdings nur zu 90% erfüllt sehen. Eine Quote, mit der die Band sicher gut leben kann.

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CADET CARTER – Zweitling im Gepäck

Die Münchener Indie-Punk-Emo-Formation Cadet Carter veröffentlicht am 8. Mai ihre zweite Platte „Perceptions“ via Uncle M. Die Songs des Tonträgers setzen sich hauptsächlich mit Erwartungshaltungen auseinander – den eigenen, und denen der anderen an einen selbst. Auch bei der Arbeit an „Perceptions“ spielten Erwartungen eine große Rolle, wie Sänger und Gitarrist Nick Sauter erklärt: Wir…

Rat City Dog Boy

Schwedischen Bands scheint es unmöglich zu sein, schlechte Musik abzuliefern. Rotten Mind aus Uppsala machen da keine Ausnahme: Mit seinem inzwischen vierten Album „Rat City Dog Boy“ (Lövely Records) feiert das Quartett den Post-Punk, die Melancholie und die Wut. Auf zu einer Tour de Force durch elf Songs, die wie ein Tornado alles mitreißen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Wo die Reise hingeht, macht bereits der Opener „City Rats“ klar: Die Jungs haben sich zum Rudel zusammengerottet und sind aus ihren Löchern gekrochen, um lauthals und mit ordentlich Druck auf dem Kessel klarzustellen, wer in den Straßen das Sagen hat. Rotten Mind gelingt es mühelos, sich verschiedenster Genres zu bedienen und sie zu einem packenden, maximal elektrisch aufgeladenen Mix aus ungeschliffenem Retro-Feeling und kantigen aktuellen Sounds zu kombinieren.

In einem Track wie „Nothing Left To Give“ paaren sie gekonnt einen winzigen Hauch Emo mit zornigen Gitarren, stakkatohaften Drumbeats, eingängiger Melodie und reichlich „Leckt mich doch alle!“-Attitüde, ohne zu nerven oder gar pathetisch und selbstmitleidig zu wirken. Die Schweden sind angepisst. Sie schreien alles was sie ankotzt raus, während sie metaphorisch durch Uppsalas düstere Gassen ziehen.

Dem Finsteren lässt die Band ohnehin gerne wohldosiert freien Lauf. „I’ve Got No Time“ baut mit seinen walzenden Akkorden eine so dichte Atmosphäre auf dass man meint, beim Zuhören durch eine undurchdringliche Nebelsuppe zu irren. Am Ende des Songs bläst ein fulminantes Drum-Finale den weißen Schleier weg, und das sachte ausklingende Becken weist den weiteren Weg: mit Vollgas in die zweite Hälfte der Platte.

Das durchgehend hohe Tempo hindert Rotten Mind allerdings nicht daran, „Rat City Dog Boy“ mit einem Akustik-Stück ausklingen zu lassen. „And Now It’s All Gone“ nimmt kein bisschen Geschwindigkeit raus, lebt vom gut platzierten Hall in Jakob Arvidssons Gesang und gibt der Hörerschaft mit, dass am Ende doch irgendwie alles gut wird – trotz der Verluste, die man unterwegs vielleicht erleidet.

Rotten Mind hätten ihr Album getrost „Atemlos durch Uppsala“ taufen können. Die Band treibt ihre ZuhörerInnen unbarmherzig vor sich her, fordert ihnen alles an Energie und Emotionen ab und dreht sie gnadenlos durch die Mangel, um sie am Ende mit einem kathartischen Knalleffekt wieder ins Hier und Jetzt zu schleudern. Eine Platte mit Zentrifugaleffekt – blanker Wahnsinn im positivsten Sinne.

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Brave Faces Everyone

Im Jahr 2018 konnte im Rauschen des Blätterwaldes zumindest leise das Wort „Hype“ vernommen werden, als Spanish Love Songs „Schmaltz“ (GSR) veröffentlichten. Denn mit ihrem zweiten Longplayer erspielten sich die aus Los Angeles stammenden Punkrocker eine Menge neuer Fans, auch wenn der ganz große Bekanntheitsschub ausblieb. Dies wollen sie nun mit „Brave Faces Everyone“ (!K7) ändern. Ihrem eingängigen Emo Punk, der sich stark am melodiösen und introvertierten Punkrock von Vorreitern wie Embrace oder Fugazi orientiert, bleiben sie dabei treu. Damit gehört die fünfköpfige Gruppe um Sänger Dylan Slocum gemeinsam mit The Smith Street Band, Pkew Pkew Pkew oder Red City Radio zu einer neuen Generation an Emo-Bands, die die Szene seit einigen Jahren stark prägen.

So ist „Brave Faces Everyone“ genregemäß geprägt von großen Gefühlen mit klaren Melodien und Songstrukturen. Liedern wie ‚Beach Front Property‘ oder ‚Losers‘ ist darüber hinaus ein deutlicher Indie-Rock-Einfluss anzumerken. Dabei bewegt sich das Tempo eher im gehobenen als im schnellen Bereich, was die Aussage der melancholischen Lyrics unterstützt. Wie im Emo Punk üblich stehen nicht die großen politischen Zeitfragen im Vordergrund, sondern die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Ein negativer Blickwinkel ist bei dieser Analyse programmiert und gepaart mit einem großen Unverständnis über die Gesellschaft.

Während es im Titeltrack fast noch relativierend

„But this world has no empathy // We’ll never have our own place // And if nothing’s getting better // It’s as bad as it seems // Why can’t we say fuck it? // We know it’s not what we need“

heißt, wird es in ‚Losers‘ deutlicher:

„We’re mediocre. We’re losers. // Forever.“

Angesichts derartiger Zeilen muss ein Song wie „Routine Pain“ trotz seiner eigentlich bitter-melancholischen Verse fast schon als Optimismus angesehen werden:

„On any given day I’m a 6/10. // Guess I’m alright.“

Auch wenn es im Vergleich zum Vorgänger musikalisch wenig Neues zu vermelden gibt, zelebrieren Spanish Love Songs auch auf ihrem dritten Werk den Weltschmerz auf seine schönste Art und Weise. Sie schaffen es, den Zuhörer in Watte zu hüllen, sodass er sich in seiner eigenen Frustration gut aufgenommen fühlt und die Welt nach dem Hören vielleicht ein kleines bisschen besser ist. (Dominik Feldmann)

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