Schlagwort: Alternative

METALDAYS 2022 – Fiebern auf Metal-Ferien in Slowenien?

Metal-Konzerte und insbesondere größere -festivals sind seit beinahe zwei Jahren Mangelware. Und die Versuche namhafter Festivalveranstalter, trotz der weiterhin bestehenden Corona-Pandemie dennoch ihre Musikfeste durchzuführen, kann man nur irgendwo zwischen bewundernswertem Zweckoptimismus, willkommener Innovation und purer Verzweiflung einordnen. Und so gehen wir in einigen Wochen ins dritte Jahr von Corona – und in einen Frühling,…

BIFFY CLYRO – Neue Platte im Oktober und zweite Single (Update)

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben Biffy Clyro mit „A Celebration of Endings“ ein neues Album herausgebracht. Dass es zeitnah einen Nachfolger geben würde, pfiffen die Spatzen bereits von den Dächern. Nun ist es offiziell. Mit „The Myth of the Happily Ever After“ wird ein neuer Longplayer bereits am 22. Oktober…

THE BEAT-HELLS – Eine WhatsApp später…

Es kann schon mal vorkommen, dass einen die kleinen aufpoppenden Textnachrichten völlig unverhofft herausreißen und zum Grinsen bringen. Im Falle von Sibbi Hafner aber auch zu einer neuen Band. Denn genau so wurde die Idee zu The Beat-Hells geboren. Was eineinhalb Jahre später dabei rauskommt, wenn man eine Band ohne Drummer gründet, Songs der Beatles…

NOISEHAUSEN – Summer Stage Update

Mittlerweile hat sich das Line-Up der Noisehausen Summer Stage gefüllt. An zwei Wochenenden werden sich verschiedenste Künstler im Städtischen Freibad an der Schleifmühle versammeln. Es teilen sich Schwarzbauer & Maklar, Mono & Nikitaman, Haindling, PressYes, Zach Mathieu, Pawn Painters und LaBrassBanda die Bühne. 26.08.2021 – SCHWARZBAUER & MAKLAR 27.08.2021 – MONO & NIKITAMAN 28.08.2021 –…

Typhoons

„Disco Disco good good“ ist ein Running Gag aus dem Film „Leg dich nicht mit Zohan an“ mit Adam Sandler. Was dies mit Royal Blood zu tun hat? Beim Hören ihrer neuen Scheibe „Typhoons“ (Black Mammoth) könnten glatt Gedanken aufkommen, dass die Band den Film zu oft gesehen und den Slogan zu ernst genommen hat.

Aber einmal von vorne: Wo soll es mit einer Band hingehen, die mit ihrem selbstbetitelten Debüt im Jahr 2014 gleich auf Platz 1 der britischen Charts schoss und über die der über alles erhabene Dave Grohl sagte, es sei seine neue Lieblingsband? Der 2017er Nachfolger „How Did We Get So Dark?“ knüpfte nahtlos daran an und auch in Deutschland kam spätestens jetzt ein kleiner Hype auf. Allerdings stellte sich gleichzeitig die Frage, wie der weitere musikalische Weg aussehen könnte. Denn das Duo besteht nur aus Schlagzeuger Ben Thatcher und Bassist Mike Kerr, der seinen Bass durch sämtliche Effektgeräte jagt, um eine Gitarre zu imitieren und gleichzeitig durch Loops verschiedene Soundspuren erzeugt. Eine musikalische Limitierung ist dadurch vorbestimmt.

Die Antwort auf diese Problematik bietet „Typhoons“, auf der der Slogan aus besagtem Film zum Tragen kommt. Denn Royal Blood haben ihren Alternative-Rock mal eben mit Daft Punk kombiniert und damit endgültig discotauglich gemacht. Elektroeinflüsse und Synthesizer werden zu einem gleichwertigen neuen Element. Ob das den Gitarren Freund*innnen gefällt oder nicht, ist den Engländern egal. Songs wie „Limbo“, „Typhoons“, „Trouble’s Coming“ oder der von Queens-of-the-Stone-Age-Mastermind Josh Homme produzierte Überhit „Boilermaker“ zerren jeden unweigerlich auf die Tanzfläche, sobald die Discos wieder öffnen dürfen. Allerdings, und das ist jetzt der Nachteil, trägt die Idee nicht über die kompletten elf Tracks. Vor allem hinten raus wirkt es so, als würde zwanghaft auf das neue Konzept gepocht werden, ohne auf die eigentliche Songidee zu achten.

Royal Blood haben es auf „Typhoons“ erfolgreich geschafft ihre Musik in eine Richtung weiterzuentwickeln, mit der vorher nicht zu rechnen war. Ob der Ausflug in die Discowelt nur ein „Disco Break“ wie in „Leg dich nicht mit Zohan an“ ist oder in die Zukunft weißt, wird spannend zu beobachten sein. Die Auflösung von Daft Punk hat jedenfalls eine noch zu besetzende Lücke hinterlassen….

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Prinzessin Teddymett

Ist Teddymett eigentlich vegan? Die titelgebende Prinzessin heißt gar nicht Teddymett, sondern Ausbau, und sie hat eine argwöhnische Ornithologie. Wer jetzt nur „Bahnhof“ versteht, den klärt das Hören der zweiten Platte „Prinzessin Teddymett“ (Noisolution) der Berliner Formation Tschaika 21/16 vermutlich auch nur bedingt weiter, Licht ins Dunkel zu bringen.

Mit Songs wie ‚Mutti ist vom Klettergerüst gefallen‘, ‚GoTTdzillas Allzweckwaffe‘ oder besagtem ‚Prinzessin Ausbau’s argwöhnische Ornithologie‘ gewinnt die Band auf jeden Fall schon einmal den Preis für die innovativsten (oder bescheuertsten?) Songtitel des Jahres 2021. Diese Titel werden allerdings in ein überraschend komplexes musikalisches Korsett gezwängt, dass weitab vom spaßigen Punkrock liegt, den man beim Albumtitel und -cover vielleicht hier erwarten möchte. Komplexe Rhythmen aus dem Underground, Jazz, Rock, Stoner, Alternative, brachiale Gitarren direkt vom Black Metal geschickt, schepperndes Schlagzeug und dazu immer wieder Trompeten und ein Quietscheentchen. Das klingt abgedreht – ist es auch, aber trotz allem überraschend anspruchsvoll. Progressive Parts treffen auf krachende Grooves, und das alles fügt sich zu einer spannenden Mischung, die Stoner, Jazzer, Metaller und Progheads begeistern dürfte – wenn sie denn Sinn für absurden Humor besitzen.

Zwischen den Songs gibt es kurze Ausschnitte aus dem Studio zu hören, mehr oder weniger sinnfreies Gelaber vom Hofe der mettigen Prinzessin, das nicht unbedingt nötig gewesen wäre, aber auch nicht allzu sehr stört. Verantwortlich für diese musikalische Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn ist zu einem Drittel der Gitarrist Tim Mentzel, bekannt durch die Berliner Stoner-Band Rotor. Gemeinsam mit Schlagzeuger „Onkel“ und dem Trompeter Sören, der ansonsten im Orchester des Berliner Konzerthauses tätig ist, erschafft der Musiker ein Album, das nun wirklich mal von vorne bis hinten außergewöhnlich ist. Wird es jedem gefallen? Ganz sicher nicht. Aber eine Chance geben sollte man der Prinzessin auf alle Fälle.

Offizielle Homepage des Drummers „Onkel“
Tschaika 21/16 bei Facebook

BROILERS – Das wird schon alles irgendwie

Die Broilers haben mit „Puro Amor“ ihr jüngstes Baby in die Welt entlassen. Wieso sich die Platte nach der u.a. poppigen „Santa Muerte“, der düsteren „Noir“ oder der deutlich politischeren (sic!)“ zum musikalischen Freischwimmer eignet, oder was es überhaupt mit dem Broilers-Sound auf sich hat – darüber haben wir mit Gitarrist Ron Hübner gesprochen. Außerdem…

DONOTS – „Du musst nicht unbedingt ein Assi sein“

Bandjahre im Rockstarleben haben ihre ganz eigene Definition: Manchmal nicht weiter als bis zur magischen Grenze von 27, dann wieder mindestens die Wertigkeit einer Umrechnung in Hundejahre. In die zweite Kategorie fallen die Donots. Die ganz großen Katastrophen haben sie elegant umschifft, sich meistens an die Ratschläge ihrer großen musikalischen Helden gehalten und schauen nun…

DINOSAUR JR. – Video zu „Garden“, Live-Stream angekündigt

Dinosaur Jr. werden ihr neues, nun schon 12. Studioalbum am 23. April bei Jagjaguwar veröffentlichen. Nach bester Bandtradition hat für zwei der zwölf neuen Songs nicht J Mascis, sondern Bassist Lou Barlow den Gesang beigesteuert. Einer davon ist „Garden“, der als zweite Vorabsingle dient. Das dazugehörige Video entstand in Massachusetts. Regie führte Barlow in Zusammenarbeit…

The Seed, The Vessel, The Roots And All

Es ist die Ironie dieser Zeit: New Pagans haben im vergangenen Jahr den Northern Ireland Music Prize als bester Live-Act entgegengenommen. Und können nun, da sie ihr Debütalbum veröffentlichen, nicht live spielen. Man darf aber zuversichtlich sein, dass eine Tour angesetzt wird, sobald dies möglich sein wird. Denn Frontfrau Lyndsey McDougall hat einen langen Atem. Schon als Kunststudentin wollte sie Anfang des Jahrtausends in einer Band singen. Damals hat sie nicht die richtigen Mitstreiter*innen gefunden. Und so hat es gut ein Jahrzehnt gedauert, bis sie die New Pagans zusammenbrachte.

Deren Erstling also, „The Seed, The Vessel, The Roots And All“ (Big Scary Monsters), gibt zunächst einmal eine gute musikalische Kulisse ab. Von dem Album geht ein angenehm positiver Kick aus. Die weiblichen Vocals sind expressiv, die Riffs mitunter hypnotisch. McDougall benennt ihre Einflüsse mit 90er-Jahre-Held*innen wie den Pixies oder The Smashing Pumpkins. Die Songs der Band erinnern aber vor allem an den Britrock besagter Dekade. Bands wie Sleeper krauchen da aus längst archivierten Erinnerungsschichten hervor.

In dieser Hinsicht holt „The Seed, The Vessel, The Roots And All“ also durchaus eine mittelalte Hörerschaft ab. New Pagans legen aber auch großen Wert auf ihre Botschaften. Und da wird es speziell. Die elf Songs bestehen aus einer eher heiklen Kombination von netten Melodien, aufbäumender Dynamik, skeptischer Zurückweisung und unbedingtem Empowerment. Das, worüber gesungen wird, erinnert stark an Teenagerleiden. Aber diesem Alter sind die fünf Musiker*innen schon längst entwachsen. Ihr Einstehen für feministische Themen in allen Ehren, in den Lyrics jedoch beschäftigen sie sich vor allem mit sich selbst. Im Ergebnis haben wir es mit verkopften, leicht paranoiden, oft entrückten und manchmal einfach unverständlichen Texten zu tun. Als Hörer*in muss man sich dem schon sehr nahe fühlen, um sich da wirklich reinzuknien.

Im Endeffekt wendet sich „The Seed, The Vessel, The Roots And All“ an eine ziemlich eng gefasste Zielgruppe. McDougall arbeitet viel mit Abgrenzung – bis zu einem Grad, den man eigentlich nur Teenagern verzeihen würde. Zeilen wir „Christian boys are the worst I know“ mögen im archaisch geprägten, katholischen Nordirland ihre Berechtigung haben. Einer Frau Mitte Dreißig mit derart emanzipatorischen und inklusiven Ansprüchen sollte man heutzutage aber schon zutrauen können, ein paar Schritte weiter zu sein.

Wer sich auf diese Rhetorik einlassen kann, wird sich sehr wahrscheinlich als Teil eines ausgewählten Kreises fühlen. Menschen, die anhaltend damit kämpfen, ihren Platz im Leben zu finden, sich meist unverstanden und eigentlich nur im engsten Kreis ihrer Peergroup aufgehoben fühlen, finden in New Pagans sicher ein paar gute Freunde mehr.

 

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