Schlagwort: Alternative Country

Live at Hamer Hall

Was macht eine Band, der Corona das Touren nicht ermöglicht, die es aber ohne Live-Auftritte kaum zu Hause aushält? Sie geht in eine Konzerthalle und zieht ihr Ding trotzdem durch. Und das nicht nur, um in Übung zu bleiben, sondern um es zu genießen. Cash Savage hat also ihre Last Drinks zusammengetrommelt, um in der Hamer Hall ihrer Heimatstadt Melbourne eben jene Chemie heraufzubeschwören, die nur in dieser Konstellation entstehen kann. Glücklicherweise hatte der Mensch am Mischpult auf Record geschaltet.

Denn die Magie der Aufnahmen liegt vermutlich eben gerade darin begründet, dass sie zunächst gar nicht zur Veröffentlichung gedacht waren. Die Band ist in die Hamer Hall gegangen, um gemeinsam zu spielen. Nicht um ein Konzert ohne Publikum zu veranstalten. Und genau das ist auch zu hören. Das Album (Glitterhouse Records) fängt eine intensive, fast introvertierte Performance ein. Deren Stärke liegt nicht wie üblich in der Euphorie, die in der Interaktion mit dem Publikum entsteht. Vielmehr kommen alle tiefen, schwerwiegenden Gefühle zum Vorschein, die den einzelnen Songs zu Grunde liegen.

Die sind bei Cash Savage oft heftig, scharfzüngig, sarkastisch (siehe „Good Citizens“), aber auch selbstbewusst und durchaus melancholisch. Auf „Live at Hamer Hall“ wird zum Beispiel so richtig deutlich, wie tieftraurig „Sunday“ etwa ist. Das ist vor allem der Geige zu verdanken, die sich hier einen dezenten Freestyle gönnt.

Womit wir bei der Band wären, die die starke Frontfrau und Sängerin Cash Savage hinter sich weiß. Im Falle der Last Drinks gilt, dass mehr Musiker einen dichteren Sound machen. Insgesamt stehen sieben Leute auf der Bühne der Hamer Hall, und alles sind sie hervorragende Künstler. Die Arrangements sitzen, die Einsätze auch und jeder trägt aktiv dazu bei, dass ein organisches, in sich geschlossenes Ganzes entsteht. Wer sich als Hörer bei Minute fünf des Openers „Falling, Landing“ noch nicht hat mitten hineinziehen lassen, in den Strudel aus Leidenschaft und höchster Konzentration, dem können schon bleibende Lockdown-Schäden attestiert werden.

Cash Savage and The Last Drinks machen es mit „Live at Hamer Hall“ den Fans nicht gerade leichter. Denn ihnen fehlen die Konzerte ebenso wie den Künstlern selbst. Andererseits wäre ein solches Album und Hörerlebnis wohl nie ohne den Lockdown zustande gekommen. Wenigen Künstlern gelingt es, bei einer so toughen Persönlichkeit, wie Cash Savage sie auszeichnet, sich gleichzeitig so verletzlich zu zeigen. Gemeinsam mit ihrer Band holte sie bei dieser Performance wirklich alles raus, was in ihren Songs steckt. Groß.

 

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Bless Your Heart


Bluesrock und Americana mit kräftigem Südstaaten-Einschlag liefert „Bless Your Heart“ (BMG) der Allman Betts Band. Devon Allman und Duane Betts sind die Söhne der berühmten Gründungsmitglieder der Allman Brothers Band, einer der Legenden des amerikanischen Southern Rocks, die nachhaltig das gesamte Genre beeinflusst haben. Nach dem hervorragenden Debüt „Down To The River“ geht es jetzt also mit der Allman Betts Band und „Bless Your Heart“ weiter.

Auf „Bless Your Heart“ gehen die Southern-Rocker auffallend experimentierfreudiger zu Werk als noch auf dem Vorgänger. Neben dem allgegegenwärtigen Southern-Rock sind Einflüsse von Soul und Blues, ja sogar Jazz unüberhörbar. Der Opener ‚Pale Horse Rider‘ besticht durch das Wechsel- und Zusammenspiel der beiden Gitarren, die schnell einen funkigen Groove entwickeln und den Hörer mitten in die staubige Wüste versetzen, wie übrigens das gesamte Album immer wieder Bilder vor dem inneren Auge erscheinen lässt. Stimmungen warden hier ganz groß geschrieben, die oft durch Gitarrenslides und erdige Blueslicks heraufbeschworen werden. Mal driften die Songs ab in den Countryrock wie  ‚Carolina Song‘ oder das großartige ‚Much Obliged‘, bei dem Devon Allmans Vocals ein wenig an Johnny Cash erinnern. Bassist und Sänger Berry Duane Oakleys gibt auf ‚The Doctor’s Daughter‘ sein Gesangsdebüt.

Für Abwechslung sorgen auch die musikalischen Gäste, sie steuern Saxophone und die genretypischen Orgeln bei. Die Riffs sind mal schwer und bluesgetränkt, galoppieren dann wieder unbeschwert wie ein Pferd über die Prärie, um bei den Stimmungen und Bildern zu bleiben. Der vorab schon veröffentlichte Song ‚Magnolia Road‘ mit seinen Slidegitarren ist ein weiteres Highlight des mit 13, teils ausufernden Songs ungewöhnlich langen Albums. Die zwölfminüte Instrumentalnummer ‚Savannah’s Dream‘ wird trotz ihrer Länge keine Sekunde langweilig. Blues und Jazz treffen hier aufeinander und werden mit hoher Spielfreude dargeboten, wie ingesamt das instrumentale Können der Band auf höchstem Level liegt.

Eigentlich braucht man in diesem Genre die Allman Betts Band niemandem mehr vorzustellen, denn alleine das Vermächtnis der legendären Allman Brothers reicht aus, um jeden Southern-Rocker aus der Reserve zu locken. Und dennoch stehen die Jungs keineswegs im Schatten ihrer berühmten Väter. Mit „Bless Your Heart“ zeigen sie erneut, dass Sie ihr eigenes Ding durchziehen und damit goldrichtig liegen. „Bless Your Heart“ ist eines der besten Bluesrock-Alben des Jahres.

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DIXIE CHICKS – Neues Studioalbum am 17.07.

Vierzehn (!) Jahre nach dem letzten Album „Taking The Long Way“ melden sich die Dixie Chicks endlich mit neuem Material zurück. Die  erste Single „Gaslighter“ ist bereits im März erschienen. Der gleichnamige Longplayer wird a 17. Juli das Licht der Musikwelt erblicken. Wie man es von den Dixie Chicks gewohnt ist, nimmt die Band auch…

On The Widow’s Walk

„On The Widow’s Walk“ (Snakefarm Records): Der Weiße Büffel trabt durch die Prärie, oder ist da doch eher ein Biker auf seiner Harley unterwegs? Unterwegs gibt’s Blues, Rock, Folk, Americana und Country.

The White Buffalo, das ist  der bärtige Barde Jake Smith, der mit „On The Widow’s Walk“ sein bereits sechstes / siebtes Studioalbum vorlegt, produziert von der Country- und  Americana-Legende Shooter Jennings, dem Sohn des großen Waylon Jennings, der auf dem Album auch in die Tasten greifen darf. Hierzulande dürfte Smith nicht so bekannt wie in den USA sein, aber allen Freunden der Biker-Serie „Sons Of Anarchy“ ist The White Buffalo vermutlich ein Begriff, hat Smith doch gemeinsam mit den Forest Rangers einige Songs dazu beigesteuert. Smith ist Multiinstrumentalist und hat das Album bis auf die oben schon erwähnte Hilfe überwiegend alleine aufgenommen.

„On Widow’s Walk“ zeichnet sich durch Abwechslung aus, wobei es oft eher zurückhaltend denn rockig wird. Folkige Americana-Songs mit Gospel-Attitüde, Klavier und Akustikgitarre: The White Buffalo beziehungsweise Jake Smith erfüllen hier alle Klischees. Markige Stimme, griffige Akkorde, ein wenig Bass und Schlagzeug im Hintergrund. Das sind Klänge, zu denen der Cowboy den Hut in die Stirn zieht und lange und nachdenklich in die Prärie hinausstarrt. Die wenigen etwas lauteren Nummern wie ‚No History‘ oder ‚Faster Than Fire‘ grooven. Manchmal wünscht man sich, der Rest des Albums wäre auch etwas schneller. Andererseits: Die langsamen Songs sorgen für schöne Atmosphäre und zeigen, dass Smith ein hervorragender Songwriter ist. Ab und zu werden in der Interpretation Assoziationen an die Americana-Alben des großen Johnny Cash geweckt, so zum Beispiel bei ‚River Of Love And Loss‘ . ‚Sycamore‘ hingegen erinnert an Bruce Springsteen.

Weniger ist hier oft mehr, und damit ist „On The Widow’s Walk‘  ein tolles Album für die ruhige, abendliche Stimmung. Der erwartete Rocker ist es nicht, und ab und zu vermisst man doch ein paar Überraschungen. Roots, Folk, Blues: Eben Americana, nicht zu laut, nicht zu sperrig, nicht zu überraschend. Gehört hat man Ähnliches schon oft, aber zu gefallen weiß es immer wieder, wenn man das Genre mag.

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Local Honey

Mit „Painkillers“ (2016) legte Brian Fallon eine Soloplatte vor, die die Messlatte für alles, was da noch kommen möge, ziemlich hoch gehängt hat. Der Nachfolger „Sleepwalkers“ (2018) blieb dann auch ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Nun also „Local Honey“ (Lesser Known Records), das aktuelle Werk des Jersey-Boys. Tja, was soll man sagen? Brian Fallons dritter Solo-Wurf entzieht sich geschickt besagter Messlatte, indem er völlig neue Töne anschlägt.

Wer Fallons Karriere schon ein wenig länger verfolgt weiß, dass er seit langem plant, eine akustischere Richtung einzuschlagen. Mit Produzent Peter Katis (The National, Interpol) an seiner Seite hat er sich nun endlich getraut. „Local Honey“ wird von Akustik-Gitarren und einem Piano getragen. Um diese beiden Hauptdarsteller herum gruppieren sich sanfte, warme Drumbeats, hin und wieder eine Steel Guitar und dezente Percussions.

Im Zentrum steht Brian Fallons rauchige Stimme, die die Geschichten seiner Songs mit der gewohnten Intensität transportiert. „Local Honey“ ist das wohl intimste Album, das der The-Gaslight-Anthem-Frontmann bisher aufgenommen hat. Seine Lieder handeln von der tiefen Liebe zu seinen Kindern („When You’re Ready“), von Schmerz und Verlust („21 Days“) und davon wie unbeschreiblich schön es ist den Menschen gefunden zu haben, mit dem man sein ganzes Leben teilen will („You Have Stolen My Heart“).

Fallon gelingt es, große Emotionen in bewegende Worte zu fassen, ohne kitschig oder schmalzig zu werden. Diese Erkenntnis kommt allerdings erst nach mehrmaligem Hören von „Local Honey“. Denn: Das fallonphile Ohr, das den Künstler bislang für den Spagat zwischen positiven Mitwipp-Sounds und eher düsteren, tiefgründigen Texten geliebt hat, muss sich erst einmal an die neuen Klänge gewöhnen. Ziemlich viel Country, eine großzügige Prise Folk, vielleicht ein Hauch Pop und jede Menge Americana – das will erst einmal durchdacht und verdaut werden.

„Local Honey“ ist keine Platte, in die sich das geneigte Publikum mit einem Juchzen direkt beim ersten Akkord verliebt. Vielmehr ist es ein Album, das Track für Track erobert werden will. Wenn sich HörerIn und Platte schließlich ausreichend beschnuppert und kennengelernt haben, entsteht ein unzertrennliches Duo, das zwar nicht durch Dick und Dünn geht, sich aber in harten Zeiten ohne Wenn und Aber auf einander verlassen kann.

Brian Fallon hat sein Herzens-Album aufgenommen und alles reingesteckt, was er zu geben hat. Das, was sich auf „Sleepwalkers“ in einigen Songs bereits andeutete, vollendet „Local Honey“ nun – es ist reinste Fallon-Essenz, in jeder Hinsicht, und macht ihn als Künstler so nahbar wie keines seiner bisherigen Werke. Für jemanden wie Fallon, der ständig mit seinem Schaffen hadert, ein großer Schritt, der richtig gut gelungen ist.

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Skeleton At The Banquet

Nach den letzten Alben waren die Erwartungen an eine neue Veröffentlichung des amerikanischen Singer-Songwriters Gill Landry sehr hoch. Das aus Louisiana stammende ehemalige Mitglied der Truppe Old Crow Medicine Show überzeugte uns zuletzt 2017 mit „Love Rides A Dark Horse“, einem der besten Dark-Country-Alben des Jahres.

Der Sänger und Gitarrist legt jetzt mit „Skeleton At The Banquet“ (Loose Music ) seinen nunmehr fünften Longplayer vor. Das leicht morbide Cover verrät direkt, was den Hörer erwartet: düster-melancholische Stimmung auf künstlerisch hohem Niveau. Neun eher zurückhaltend instrumentalisierte Songs, bei denen Landrys Stimme und Gitarre klar im Vordergrund stehen, sorgen in gewohnt hoher Qualität für relaxte, melancholische Stimmung. Country, Blues und folkige Americana verschmelzen zu einem eleganten Mix. Egal, ob die Violine in ‚A Different Tune‘ starke Akzente setzt oder ‚Nobody’s Coming‘ mit seinem dezenten Rhythmus und den eingestreuten Bläsern im Hintergrund für leicht morbide Western-Atmosphäre sorgt, Gill Landry schafft es immer wieder, Gänsehaut zu erzeugen.

‚Wicked winds are blowing‘, singt Landry im jazzigen ‚The Refuge Of Your Arms‘, einer starken Dark-Country-Ballade. Man hört ihn förmlich, diesen Wind, der über die einsame Prärie streift und dem Hörer durch die Ohren direkt in die Seele fährt. Gute Musik schafft so etwas, und dieser Musiker versteht etwas davon. Teilweise kann man seine möglichen Vorbilder gut heraushören: Die in ‚Angeline‘ prägnant eingesetzte Mundharmonika erinnert immer wieder an Bruce Springsteen.

Wer den späten Johnny Cash, Leonard Cohen und Tom Waits mag, wird Gill Landry lieben. Wer im Januar 2020 auch nur ein Genrealbum kaufen möchte, sollte hier zuschlagen. Das Bankett ist eröffnet.

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Dog In A Manger

American Roots, kerniger Rock’n’Roll, eine Prise Blues und etwas Alternative Country: Diese üblichen Zutaten und die Mischung sind nicht neu, und doch frisch serviert immer wieder lecker. So auch in diesem Fall.

Smooth Hound Smith, das ist das Duo Zack Smith (Gitarre, Gesang, Schlagwerk, Harmonica, Banjo) und dessen Ehefrau Caitlin Doyle-Smith (Gesang, Percussion) aus der US-Musikmetropole Nashville. Die beiden machen seit 2012 Musik und haben mit Foot Percussion, fuzzigen Finger-Pick-Gitarren, Harmonicas und ein paar groovigen Percussions ihren ganz eigenen unverkennbaren Sound erschaffen, in dem Rock, Folk und klassischer Blues stimmungsvoll verwoben werden. Mit „Dog In A Manger“ legen SHS ihr drittes Album vor. das durch die geschickt spärliche Instrumentierung sehr persönlich und beinahe intim wirkt. Obwohl beide Eheleute Gesangsparts übernehmen, steht doch eindeutig die Männerstimme im Vordergrund. Smith lässt seine bessere Hälfte meistens nur als Begleitung auftreten – dass sie es auch alleine kann, zeigt der beschwingte Country-Song ‚Waiting For A Spark‘. Vielleicht hätte noch mehr weiblicher Leadgesang dem Album mehr Abwechslung verschafft.

Dennoch ist „Dog In A Manger“ ein wunderbar relaxtes Americana-Kleinod geworden, das sich besonders gut bei langen Autofahrten durch das offene Land machen wird. Interessant ist neben dem excellenten Songwriting auch die Tatsache, dass Zack Smith eben nahezu alle Instrumente im Alleingang eingespielt hat. Wabernd, groovig, fragil: So präsentiert sich nicht nur der Titelsong. Zehn musikalische Entdeckungen gilt es hier zu machen, und mit dem guten Gesamtergebnis sticht Smooth Hound Smith klar aus der Masse der gegenwärtigen Americana-Welle heraus. Smith und seine Ehefrau beweisen hier, dass man auch als Duo packende und vor allen Dingen sehr stylische Musik machen kann.

Down To The River

Auf einem seiner berühmtesten Alben sang Bruce „The Boss“ Springsteen ‚We’d go down to the river…‘. Ähnlich wie Springsteen haben auch die Väter der auf „Down To The River“ vertretenen Musiker ebenfalls Rockgeschichte geschrieben. Ist die Allman Betts Band darum eine Supergroup? Die Truppe sieht sich selbst als klassische Band mit sieben Migliedern, aber aufgrund der berühmten Abstammung ihrer beiden Gründer könnte man sie fast als Supergroup bezeichnen. 

Devon Allmann ist der Sohn des berühmten Gregg Allman, Duane Betts der Sohn von Dickey Betts, und Bassist Berry Duane Oakley schließlich der Sohn von Berry Oakley. Allmann, Betts und Oakley waren natürlich Gründungsmitglieder der berühmten Allman Brothers Band, einer der Legenden des amerikanischen Southern Rocks, die nachhaltig ein ganzes Genre beeinflusst hat.

Nach Gregg Allmanns Tod im jahrer 2017 (Betts und Oakley sind bereits Anfang der 70er gestorben) brauchte sein Sohn Devon einige Zeit, um sich von dem Verlust zu erholen, aber jetzt startet er mit der Allman Betts Band richtig durch. Bei diesem großen Erbe muss man natürlich zunächst einmal den Vergleich mit der Allman Brothers Band heranziehen, aber schon schnell wird klar, dass hier nicht einfach gecovert wird, sondern dass die Jungs ihr ganz eigenes Ding durchziehen, sicher vom Spirit ihrer Väter inspiriert, aber dennoch unverwechselbar eigenständig: Bluesrock und Americana mit feinen Nuancen, einer jederzeit frischen Note, ehrliche, bodenständige Musik, die immer wieder in fast improvisiert wirkende Jampassagen rutscht, so zum Beispiel im neunminütigen Longtrack ‚Autumn Breeze‘, das ist etwas, auf das sich die Fans bei diesem Album freuen dürfen. Die Musik ist die logische Weiterentwicklung des Erbes ihrer Väter. Allman und Betts bringen die Allman Brothers in das neue Jahrtausend und fügen nebenbei ihren eigenen Spirit und neue Träume der alten Rezeptur hinzu.

Der Titelsong ‚Down To The River‘ ist eine sehr soulige Bluesnummer mit klassischem Flair. Wunderbar auch die intime Piano-Ballade ‚Southern Accent‘. Aber auch die anderen Nummern überzeugen, wie zum Beispiel das groovende ‚Try‘ mit den kernigen Hammond-Parts, die beste Bluesrock-Stimmung verbreitet. Johnny Stachela ergänzt Allman und Betts an den Gitarrren, der Keyboarder John Ginty sorgt unter anderem für die erwähnten Orgelparts und coutryeske Pianolicks. Das Album wurde in den berühmten Muscle Shoals Sound Studios in Alabama aufgenommen, wobei viel Wert auf Vintage-Sounds und analoge, klassische Aufnahmetechnik gelegt wurde. Herausgekommen ist mehr als nur eine Visitenkarte, mit der The Allman Betts Band auf sich aufmerksam macht. „Down To The River“ ist zweifelsohne eins der besten Bluesrock-Alben des Jahres.

Live The Love Beautiful

Der einsame Astronaut treibt irgendwo im Weltraum, aber er sieht die roten Rosen in irgendeiner Form von musikalischer Poesie. So verspricht es das Cover der neuen Scheibe der amerikanischen Southern-Rocker Drivin N Cryin. Poetisch geht es auf dem Album dann auch zu, außerdem wird’s politisch, groovig und definitiv hörenswert. Aber der Reihe nach.

Drivin N Cryin gibt es schon fast 35 Jahre, spielte die Band doch 1985 ihren ersten Gig im heimischen Atlanta / Georgia. Die Gründungsmitglieder Kevn (ohne i) Kinney und Tim Nielsen sind auch heute nach dabei, wenn das Quartett seinen ersten neuen Longplayer seit zehn Jahren präsentiert. Musikalisch ist dabei eine Mischung aus Southern Rock, Americana, Country und einer Prise Garage- und Psychedelic-Rock herausgekommen. Inhaltlich drehen sich die elf überwiegend direkt live im Studio und ohne Overdubs aufgenommenen Songs um schwierige Zeiten sowohl in persönlichen Krisen als auch in der aktuellen amerikanischen Politik. Da passen die teils eingeworfenen Folkrock-Attitüde genauso gut wie die Retro-Passagen, die im 60er-Jahre-Psych-Rock verwurzelt sind und ein wenig old school punk’n’roll. Der Opener ‚Free Ain’t Free‘ gibt die Marschrichtung vor und ist eine zornige Abrechnung mit den eigenen Landsleuten und dem Kapitalismus, der immer breiter werdenden Kluft zwischen Arm und Reich. Wer Drivn N Cryin noch nicht kennt, wird zunächst etwas überrascht sein, den Kevn Kinneys Stimme ist wahrlich sehr markant in ihrer Mischung aus Sprechgesang und zornigem Alternative-Rock-Timbre. Aber man hat sich schnell an die Vocals gewöhnt und muss feststellen: Es passt. Natürlich passt es.

Mit dem Song ‚Spies‘ wird es später noch einmal politisch,
Neben dem charakteristischen Gesang bleiben vor allen Dingen auch die Gitarrenparts im Ohr hängen, die Laur Joamets gekonnt aus diversen Sechssaitern herausholt. Kernige Riffs, melodische Soli und ein paar hübsche Slides wechseln sich immer wieder ab und entzücken den Southern-Folkrock-Fan. Die Gastmusiker Aaron Lee Tasjan und Matt Rowlands sorgen mit ihren eingestreuten Piano-, Hammond-Orgel- und Synthie-Parts für die richtige Stimmung. Im Song ‚If I’m Not There I’ll Be Here‘ (schöne Logik!) wird es richtig retro mit den erwähnten 60er-Vintage-Sounds und einigen sehr psychedelischen Parts, die sich dennoch harmonisch ins Gesamtbild fügen.

Leider gibt es auch zwei oder drei Ausrutscher, wenn man sie denn dann so nennen mag, denn insgesamt liefern die Amerikaner ein sehr gutes Album ab. Im Gegensatz zum Rest bleibt aber gerade der Titelsong etwas zurück und ist der erste des Albums, der nicht länger im Ohr hängenbleibt. Und ganz am Ende wird’s dann etwas arg poppig mit ‚Over And Over‘ und ‚Sometimes I Wish I Didn’t Care‘, die beide ein wenig die hohe Energie des restlichesn Albums vermissen lassen und ein wenig in der Durchschnittlichkeit versinken. Schade drum, aber unterm Strich bleibt dennoch ein sehr gutes Album, das Spaß und überwiegend auch richtig Laune macht. „Live The Love Beautiful“ ist wirklich beautiful.

Take Me Higher

Die Südkalifornier Robert Jon & The Wreck haben wir euch schon mehrfach live und im Studio vorgestellt. Da horchen wir natürlich auf bei einer neuen Veröffentlichung. Die Jungs, die 2013 in ihrer Heimat Orange County einen Award als beste Live-Band gewonnen haben, melden sich mit Nachschub in Sachen Folk’n’Roll, Southern Rock und Countryrock-geschwängerter Americana zurück. Das Rezept ist nicht neu, aber das Ergebnis schmeckt immer wieder hervorragend. Der vollbärtige Rober Jon Burrison und seine Truppe schaffen es auch auf ihrem vierten Studiolongplayer  wieder, eine perfekt abgestimmte Mischung abzuliefern, die nicht nur durch die groovenden Hooklines und hohen Wiedererkennungswert überzeugen kann. Bluesrock, Funk, eine kleine Prise Alternative Rock, alles ist mit an Bord.

„Take Me Higher“ enthält acht Tracks. Stellvertretend für das ganze Album: Gleich der eröffnende Titelsong. Erdig-kernige Gitarrenriffs, eine leicht ölende Orgel, treibender Bass. Daüber Robert Jon Burrisons markante Stimme, glücklich ist der Southern-Rocker. Das setzt sich so über die ganze Scheibe fort, sei es im groovenden ‚Going Down‘ oder dem Rock’n’Roller ‚Makes Me Wanna Yell‘ bis hin zur gelungenen Schmuseballade ‚Coming Home‘. Etwas aus der Reihe fällt schließlich die instrumentale Nummer ‚Cannonball‘, die durch klasse Gitarrenarbeit und fast schon progressiven Charakter überzeugt. Robert Jon & The Wreck schaffen es, verschiedene Stile und Genres zu einem stimmungsvollen Ganzen zu verschmelzen und dabei zu jeder Sekunde ihr eigenes Ding durchzuziehen. Respekt!

„We are a Southern Rock band out of Southern California. We travel the nation, drink whiskey, and play the music we love.“So beschreibt sich das Quintett selbst, und das können wir mal genauso unterschreiben. Robert Jon & The Wreck spielen die Musik, die wir mögen. Zumindest wir alle, die wir auf Country-Rock mit südkalifornischem Flair stehen.