dieChris

Punk. Indie. Garage. Britpop. SingerSongwriter. Dancehall. Reggae. Weltmusik. First Love: Bon Jovi, Backstreet Boys. Everlasting Love: Beatsteaks, Brian Fallon. Guilty Pleasures: Katy Perry, Scooter, Avicii. Moshpit-Queen. Serienjunkie. Filmnerd. Crazy Cat Lady.

THE BABOON SHOW – Single & 12″ Vinyl-EP

Eigentlich war für 2020 ein neuer Longplayer geplant. Da dieser Dank eines gewissen fiesen Mikroorganismus aber nicht wie gewohnt live dargeboten werden kann, haben sich The Baboon Show etwas einfallen lassen: Sie hauen ein Video zur neuen Single „I Never Say Goodnight“ raus, das in Personalunion der Vorbote zur gleichnamigen 12″-EP ist. Diese erblickt am…

Perceptions

Bereits Charles Dickens beschrieb in „Große Erwartungen“, einem Klassiker der englischsprachigen Literatur, was alles schief gehen kann, wenn Menschen zu viel auf eine Karte setzen und unterschiedliche Interessen kollidieren. Ebenso machen es Cadet Carter auf ihrem Zweitling „Perceptions“ (Uncle M / Cargo Records): die Münchner Indie-Emo-Pop-Punks rechnen mit den Erwartungshaltungen ab, die ihnen bisweilen das Leben schwer machen – seien es die eigenen oder die Dritter.

Im Grunde hat sich Frontmann und Gitarrist Nick Sauter beim Texten für die Platte einmal seinen gesamten Frust von der Seele geschrieben. „A Bad Few Weeks“ ist ein Song, der während einer dunklen Phase im Leben des Sängers entstand und davon handelt, wie bescheiden das Leben manchmal laufen kann – und dass es sich lohnt, sich aufzuraffen und weiterzumachen. Hier wie auf fast dem gesamten Album stehen Lyrics und Musik im Kontrast zueinander: Während es textlich eher düster und nachdenklich zugeht, reißen die packenden, schwerelosen Sounds die HörerInnenschaft mit.

Überhaupt gönnen sich Cadet Carter auf „Perceptions“ eine hübsche musikalische Bandbreite. Es darf dengeln, es darf schrammeln, es darf rocken, es darf aber auch mal melancholisch-sphärisch („Hold Me Down“) oder mit dezenten Pianoklängen untermalt („End / Begin“) zugehen. Klar ist: Die Platte war kein Schnellschuss, sondern ist das Ergebnis eines Reifungsprozesses. Nicht die erstbesten Songs haben es aufs Album geschafft, sondern die, hinter denen die Band steht – und die für die Band sprechen. Beliebigkeit ist einfach nicht das Ding des Quartetts.

Fans der energiegeladeneren Gangart werden anmerken, dass die Scheibe ein bisschen mehr Punk und einen Ticken weniger Emo bieten dürfte. Die leiseren Tracks nehmen das zuvor gut aufgenommene Tempo raus – ein bisschen, als ob sie an der Reißleine ziehen wollten, bevor der Übermut zu groß wird. Denn wir alle wissen: Im Rausch der Euphorie sind dumme Entscheidungen schnell getroffen. Und zack! Sind die Erwartungshaltungen an sich selbst wieder enttäuscht.

Mit „Perceptions“ liefern Cadet Carter ein musikalisch vielschichtiges und ausgereiftes Album, das sich seinem Kernthema aus den unterschiedlichsten Perspektiven nähert. Eine Handvoll mehr positive Vibes hätten der Platte sicher nicht geschadet, würden aber vermutlich der Intention der Band querschießen. Halten wir es zum Abschluss mit Dickens: Es mag seitens der AnhängerInneschaft große Erwartungen an die zweite Platte gegeben haben. Diese wurden definitiv nicht enttäuscht, manch einer wird sie allerdings nur zu 90% erfüllt sehen. Eine Quote, mit der die Band sicher gut leben kann.

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CADET CARTER – Zweitling im Gepäck

Die Münchener Indie-Punk-Emo-Formation Cadet Carter veröffentlicht am 8. Mai ihre zweite Platte „Perceptions“ via Uncle M. Die Songs des Tonträgers setzen sich hauptsächlich mit Erwartungshaltungen auseinander – den eigenen, und denen der anderen an einen selbst. Auch bei der Arbeit an „Perceptions“ spielten Erwartungen eine große Rolle, wie Sänger und Gitarrist Nick Sauter erklärt: Wir…

BAD COP / BAD COP – neue Platte im Juni

Am 19. Juni erscheint mit „The Ride“ das inzwischen dritte Album des rein weiblichen Punk-Quartetts Bad Cop / Bad Cop via Fat Wreck. Vorab gibt’s schon mal die Single „Simple Girl“, in der sich Frontfrau Stacey Dee den Frust über eine ziemlich dämliche Trennungs-Begründung eines ihrer Ex-Freunde von der Seele schreit: Ich habe „Simple Girl“…

The Bonny

This is the beginning of the rest of your life / you better start moving like you’re running out of time

Mit dieser aufmunternden Zeile aus den Opener „Canter“ begrüßt Gerry Cinnamon die geneigte HörerInnenschaft seines zweiten Albums „The Bonny“ (AWAL). Der Singer / Songwriter aus Glasgow ging im Vereinigten Königreich mit seinem in Eigenregie aufgenommen Debut „Erratic Cinematic“ (2017) bereits durch die Decke – nicht zuletzt wegen seiner eindringlichen Lyrics. Der Schotte versteht es wie nur wenige, eigene Erfahrungen, sozialkritische Themen, Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand und das immer leuchtende kleine Fünkchen Hoffnung in seinen Folk-Songs so zu verpacken, dass es einfach niemanden kalt lassen kann.

Bei seinen inzwischen legendären Auftritten vereint er Fans aller Generationen vor der Bühne, die wie eine große Familie aus voller Kehle seine Lieder mitsingen. Cinnamon hat für seine Musik eine Sprache gefunden, die ohne Schnörkel und abgehobene Metaphern auskommt und auch nicht vor Kraftausdrücken zurückschreckt, wenn‘s denn nötig ist. Gepaart mit sympathischem Glasgower Akzent und schottischem Slang bringt er seine Botschaft authentisch und greifbar unters Volk – Gerry Cinnamon ist einer von uns, er weiß, wie wir ticken und welchen Mist wir ab und an durchmachen müssen um die zu werden, die wir sein sollen.

Klanglich verpackt Cinnamon seine Botschaft mal nur von einer melancholischen Akustik-Gitarre begleitet („Head in the Clouds“), mal darf eine fröhliche Mundharmonika die Klampfe unterstützen wie im eindringlichen „Dark Days“, das lakonisch feststellt:

If life is just a game / And luck is for losers / Then I’m winning again

Aber, und das ist das schöne bei Herrn Cinnamon: Er weiß, es wird besser – egal, wie bescheiden gerade alles läuft. Denn irgendwo spitzelt immer ein Sonnenstrahl durch, irgendwo ist immer ein kleines Lichtlein, das Dir den Weg zeigt. „Sun Queen“, eine der zahlreichen vorab veröffentlichten Singles, ist einer dieser Tracks, die diese Überzeugung transportieren. Eine Prise musikalische und lyrische Nostalgie, ein wenig Selbstreflexion, und der wortwörtlich besungene Sonnenstrahl lassen die HörerInnenschaft wissen, dass nicht alles auf dieser Welt schlecht ist.

Ähnlich mitreißendes und tief gehendes Songwriting bekommt aktuell höchstens noch Brian Fallon zustande. Gerry Cinnamon ist mit „The Bonny“ erneut eine Platte gelungen, die eine Begleiterin fürs Leben ist und sowohl textlich als auch musikalisch nicht besser hätte gemacht werden können. Cinnamon muss niemals laut werden, um seine Message zu vermitteln. Seine ihm eigene eindringliche Beiläufigkeit lässt es schlichtweg nicht zu, dass überhört wird, was er zu sagen hat. Daher soll und muss er hier das letzte Wort haben:

Go on and build the bonny / Build the bonfire big and high / A fire so big / That the flames light up the sky – The Bonny

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THE GOVERNORS – Neue Single „Lucid Dreamer“

Die Indie-Combo The Governors aus München meldet sich pünktlich zum Wochenende mit dem Clip zur neuen Single „Lucid Dreamer“. Der Song handelt von Klarträumen, die sicher jeder schon einmal erlebt hat: Du schläfst zwar, das Bewusstsein ist dennoch hellwach und gaukelt Dir vor, dass Du die Handlung Deines Traumes aktiv beeinflussen kannst.  The Governors haben…

THE BABOON SHOW – Live aus dem Studio Gröndahl

Wie so ziemlich alle Bands derzeit müssen auch The Baboon Show in die Trickkiste greifen, um den Kontakt zu ihren Fans zu halten und gleichzeitig trotz Tourabsagen ihren Drang nach Live-Auftritten zu befriedigen. Daher haben die vier PunkerInnen aus Schweden beschlossen, am 8. April gegen kleines Geld einen Live-Stream aus dem Studio Gröndahl in Stockholm…

Local Honey

Mit „Painkillers“ (2016) legte Brian Fallon eine Soloplatte vor, die die Messlatte für alles, was da noch kommen möge, ziemlich hoch gehängt hat. Der Nachfolger „Sleepwalkers“ (2018) blieb dann auch ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Nun also „Local Honey“ (Lesser Known Records), das aktuelle Werk des Jersey-Boys. Tja, was soll man sagen? Brian Fallons dritter Solo-Wurf entzieht sich geschickt besagter Messlatte, indem er völlig neue Töne anschlägt.

Wer Fallons Karriere schon ein wenig länger verfolgt weiß, dass er seit langem plant, eine akustischere Richtung einzuschlagen. Mit Produzent Peter Katis (The National, Interpol) an seiner Seite hat er sich nun endlich getraut. „Local Honey“ wird von Akustik-Gitarren und einem Piano getragen. Um diese beiden Hauptdarsteller herum gruppieren sich sanfte, warme Drumbeats, hin und wieder eine Steel Guitar und dezente Percussions.

Im Zentrum steht Brian Fallons rauchige Stimme, die die Geschichten seiner Songs mit der gewohnten Intensität transportiert. „Local Honey“ ist das wohl intimste Album, das der The-Gaslight-Anthem-Frontmann bisher aufgenommen hat. Seine Lieder handeln von der tiefen Liebe zu seinen Kindern („When You’re Ready“), von Schmerz und Verlust („21 Days“) und davon wie unbeschreiblich schön es ist den Menschen gefunden zu haben, mit dem man sein ganzes Leben teilen will („You Have Stolen My Heart“).

Fallon gelingt es, große Emotionen in bewegende Worte zu fassen, ohne kitschig oder schmalzig zu werden. Diese Erkenntnis kommt allerdings erst nach mehrmaligem Hören von „Local Honey“. Denn: Das fallonphile Ohr, das den Künstler bislang für den Spagat zwischen positiven Mitwipp-Sounds und eher düsteren, tiefgründigen Texten geliebt hat, muss sich erst einmal an die neuen Klänge gewöhnen. Ziemlich viel Country, eine großzügige Prise Folk, vielleicht ein Hauch Pop und jede Menge Americana – das will erst einmal durchdacht und verdaut werden.

„Local Honey“ ist keine Platte, in die sich das geneigte Publikum mit einem Juchzen direkt beim ersten Akkord verliebt. Vielmehr ist es ein Album, das Track für Track erobert werden will. Wenn sich HörerIn und Platte schließlich ausreichend beschnuppert und kennengelernt haben, entsteht ein unzertrennliches Duo, das zwar nicht durch Dick und Dünn geht, sich aber in harten Zeiten ohne Wenn und Aber auf einander verlassen kann.

Brian Fallon hat sein Herzens-Album aufgenommen und alles reingesteckt, was er zu geben hat. Das, was sich auf „Sleepwalkers“ in einigen Songs bereits andeutete, vollendet „Local Honey“ nun – es ist reinste Fallon-Essenz, in jeder Hinsicht, und macht ihn als Künstler so nahbar wie keines seiner bisherigen Werke. Für jemanden wie Fallon, der ständig mit seinem Schaffen hadert, ein großer Schritt, der richtig gut gelungen ist.

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Put The Shine On

Seit 15 Jahren steht das Schwestern-Duo Sierra und Bianca Casady als CocoRosie auf der Bühne. Nun präsentieren die beiden mit „Put The Shine On“ (Marathon Artists) ihr inzwischen siebtes Album. Kaum einer Band gelingt es, sich mit jeder Platte neu zu erfinden und dennoch ihrem Stil treu zu bleiben. CocoRosie sind wahre Meisterinnen darin, ihr Publikum immer wieder mit spannenden und gewagten Sound-Kreationen zu begeistern und gleichzeitig stets selbstreferenziell zu arbeiten.

Die beiden Schwestern beschränken sich nicht nur auf Musik als Ausdrucksform. Sie sind Performance-Künstlerinnen, die ihr Werk auf der Bühne in aufwändigen Kostümen präsentieren und so eine einzigartige Version des Musiktheaters kreieren. In ihren Sounds fusionieren sie Musikstile und Stimmungen, die auf den ersten Blick eigentlich nicht zusammenpassen: Pop, Folk, Hip-Hop, Opernhaftes, mal ein wenig Drama, mal Verspieltheit, Wut, Düsternis, Angst, Leichtigkeit – all das verschmilzt zu einer detailreichen, ausgefeilten Klangwelt, die durch verschiedenste ausgefallene Instrumentierungen zum Leben erweckt wird.

So gut durchdacht die Arrangements sind, so wenig kalkuliert wirken sie. Alles ist im Fluss, fügt sich ganz natürlich ineinander und ergibt ein sagenhaftes Ganzes, das schlichtweg fasziniert. Der Wechselgesang von Sierra und Bianca ergänzt den sorgfältig geknüpften Soundteppich wunderbar. Jede der Schwestern hat ihren unverkennbaren Stil und Klang. Zwei starke, unterschiedliche und sich doch so ähnliche Persönlichkeiten verschmelzen mit ihrer Musik zu einem Gesamtkunstwerk, das mit jedem Hören neu entdeckt werden will.

Als Anspieltipps empfehlen sich die groovig-urbane Hip-Hop-Nummer „Mercy“, das poppige „Hell’s Gate“, das melancholisch-atmopshärische „Slow Down Sun Down“ und das beklemmende „Smash My Head“. Letzteres baut durch seine ausgetüftelten Elektrosounds eine derartige Enge auf, dass der Refrain beinahe wie eine Erlösung wirkt.

CocoRosie ist mit „Put The Shine On“ erneut ein fantastisches Album gelungen. Die Schwestern sind facettenreich, ohne überladen zu wirken und schaffen es, jedem Song einen eigenen, individuellen Charakter zu verleihen. Nichts auf der Platte mutet gezwungen oder zu sehr gewollt an. Trotz aller Gegensätzlichkeit in den Arrangements wirkt alles wie aus einem Guss und fügt sich zu einem interessanten, sich ständig verändernden Ganzen. Der Terminus Meisterwerk ist also mehr als angemessen.

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Death in Venice Beach

Was hat Thomas Manns „Der Tod in Venedig“ mit Punkrock zu tun? Eine Menge – zumindest wenn es um „Death in Venice Beach“ (Fat Wreck Chords) geht, das Zweitwerk von The Bombpops. Sängerin und Songwriterin Jen Razavi las den deutschen Literaturklassiker just in dem Moment, als es um die Betitelung der Platte ging. In der Geschichte um die Härten und Risiken des Künstlerlebens fand sich die Band schließlich wieder, der Albumtitel war geboren.

Musikalisch geht es auf „Death in Venice Beach“ durchaus heiter zu. Dynamischer Skate Punk á la Sum 42 oder Bad Religion trifft lebenslustige California-Sounds, die Bilder von Sonne, Strand und schönen Menschen vor dem inneren Auge vorbeiziehen lassen. Leichtfüßige Riffs paaren sich mit treibenden, tanzbaren Drumbeats, eingängigen Melodien und Jen Razavis neckisch-süßem Gesang.

Widmet sich die geneigte Hörerschaft allerdings den Texten, ist es mit eitel Sonnenschein schnell vorbei. The Bombpops machen ihrem Namen alle Ehre, wenn sie düstere Seelenwelten und bedrohliche Emotionen in locker-flockig-bunte Sounds packen und damit eine explosive Mischung kreieren.

Jen Razavi seziert gemeinsam mit ihren BandkollegInnen gnadenlos ihr Innenleben. Zerstörerische Beziehungen kommen beispielweise im Opener „Dearly Departed“ oder in „In the Doghouse“ unters Messer. „Can’t Come Clean“ setzt sich schonungslos und offen mit Razavis Alkoholsucht auseinander, und „Southbound Stranger“ beweint eine Beziehung, von der nur die Sehnsucht nach der geliebten Person geblieben ist.

Hätten The Bombpops all das nicht in den eingangs beschriebenen Sound verpackt, wäre „Death in Venice Beach“ vermutlich kaum zu ertragen. So entsteht ein spannender Kontrast der zwingt, hinter die glitzernde Fassade zu schauen, was vermutlich nicht zuletzt der Homebase des Quartetts geschuldet ist: L.A., Hochburg des schönen Scheins und der finsteren Abgründe. Müßig zu erwähnen, dass Venice Beach der legendäre Strandabschnitt im Süden des Molochs ist. Wahrlich ein zum Sterben schöner Ort.

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