Schlagwort: Shoegaze

CULTDREAMS – Zweites Video aus kommendem Album

Das Lo-Fi Punk / Shoegaze-Duo Cultdreams (früher bekannt als Kamikaze Girls) veröffentlichte gerade mit „Not My Generation“ die zweite Single aus dem neuen Album „Things That Hurt“, das am 16. August erscheint. Im Text zu „Not My Generation“ geht es um die Zeit nach der Veröffentlichung ihrer Debüt-EP „SAD“. Sängerin und Songwriterin Lucinda Livingstons schreibt über…

Patience

Allein der Bandname lässt es vermuten: Hier mag jemand die Kombination von Gegensätzlichem. Oder dem, was auf den ersten Blick gegensätzlich erscheint. In der Kreation von Mannquin Pussy nämlich bilden Bilder und Melodien in ihrer Wechselhaftigkeit letztlich einen logischen Zusammenhang. So bietet auch ihr drittes Album ‚Patience‘ (Epitaph Records) die perfekte Mischung aus Wut und Melancholie, an deren Ende uns die Katharsis erwartet.

Mit den beiden Vorgängeralben hat die Band aus Philadelphia bereits bewiesen, dass sie beides kann – unprätentiösen, ballernden Punkrock und süßlich-atmosphärischen Shoegaze. So emotional getrieben das immer ist, quälen uns Mannequin Pussy doch nicht mit übertriebenem Pathos. Im Schmerz wie in Rage legt Sängerin Marisa Dabice ihr Inneres offen und alle Emotion in ihre Stimme, die so zerbrechlich wie entschieden-kraftvoll klingen kann.

Beides reizt sie aus, bis Einem der Kopf schwirrt. Für eine extrem angepisste Tirade reichen ihr im Falle von ‚Drunk‘ etwa ganze 50 Sekunden. Im Gegensatz dazu schwelgt Dabice zum Albumende ‚In Love Again‘ und bekennt entzückt: ‚I’m so high, I want this forever.‘

‚Patience‘ verbindet Wut und Verzweiflung, aber auch Aufbruch und Zuversicht. Es hat dadurch einen positiven Sound und hört sich hervorragend weg. In den zehn Songs sollte sich so ziemlich Jeder wiederfinden, egal ob musikalisch im Hardcore-Punk der Neunziger, den Postrock-Nullern oder im aktuellem Shoegaze-Boom sozialisiert. Obwohl im stetigen Wechsel von Punk und Indie, harten Gitarren und weichen Melodien, Kreischen und Schnurren gehalten, bildet das Album trotzdem ein großes Ganzes. Als Einheit aus Ying- und Yang kann es sehen, wer dem Esoterischen zuneigt. Für Pragmatiker hat ‚Patience‘ schlicht und einfach Hand und Fuß.

CULTDREAMS (ehemals KAMIKAZE GIRLS) kündigen neues Album an

Das Lo-Fi-Punk/Shoegaze-Duo Cultdreams (ehemals Kamikaze Girls) veröffentlicht am 16. August mit ‚Things That Hurt‘ sein zweites Album auf Big Scary Monsters Records in Deutschland. Die Lead-Single ‚We Never Rest‘ handelt von dem Druck, dem man ausgesetzt ist, wenn man versucht sich dieser ermüdende Gesellschaft anzupassen. Auf dem neuen Song bekommen Cultdreams Unterstützung von Katie Dvorak und David F. Bello…

THE DEAD SOUND (feat. members of LOVE A and FREIBURG) – Debütalbum im Juli

The Dead Sound entstand Ende 2018 aus dem Soloprojekt von Karl Brausch (Love A, Matches).Für die Live-Umsetzung des vorhandenen Songmaterials nahm er Dominik Mercier (ebenfalls Love A, Matches)und Lars Borrmann (Ex-Freiburg) mit ins Boot. Anfang 2019 verschickte Demos wecken das Interesse von Crazysane Records aus Berlin und am 19. Juli erscheint nun das Debüt-Album ‚Cuts‘.…

Heartbreak City

Die meisten guten Rocksongs sind im Schmerz geboren. Ein gebrochenes Herz und ein am Boden zerstörter Songschreiber sind die besten Voraussetzungen für ergreifende Texte, für Hymnen und für das Mit-Fühlen und Mit-Leiden der Hörerschaft. Jeder kann sich damit identifizieren; die Sympathien sind dem Betrogenen sicher. So ist es nur plausibel, dass Apex Manor diese Thematik zum Konzept für ihr neues Album erkoren haben.

In den acht Jahren, in denen man von der Band aus Kalifornien seit ihrem Debütalbum ‚The Year Of Magical Drinking‘ nichts mehr gehört hat, hat sich offenbar so Einiges an Herzschmerz angesammelt. So viel, dass es für eine ganze Stadt reicht. Mastermind Ross Flournoy sieht sich selbst zwar nicht als Bewohner von ‚Heartbreak City‘; vielmehr wirft er im Titeltrack seinem Gegenüber (offenbar einer verflossenen Liebe) etwas verbittert vor, dort zu leben. Nach dem Durchhören des Albums schleicht sich dennoch der Verdacht ein, dass auch Flournoy sich an diesem Ort irgendwie Zuhause fühlt.

Die Songs von ‚Heartbreak City‘ erzählen uns nämlich nicht nur von missglückten amourösen Episoden und gescheiterten Beziehungen, sondern zelebrieren auch den Schmerz, der darauf folgt. Mit Wonne setzt Flournoy sein Herz immer wieder auf’s Spiel und durchlebt ergeben sowohl Höhen als auch Tiefen. Leidenschaft als Lebens- und Liebesprinzip, wer will ihm das vorwerfen? Allerdings wird zunehmend deutlich, dass die Tiefen in den Geschichten womöglich deswegen überwiegen, weil Flournoy als Ich-Erzähler eine passiv-leidende Rolle einnimmt. ‚Am I ever gonna be the kind of man you want from me?‘ drückt in ‚Asked & Answered‘ noch gesunde Zweifel aus. Mit ‚I was waiting for you to tell the truth, I was waiting for you to decide‘ überlässt in ‚The Long Goddbye‘ bereits Anderen das Handeln und mit ‚It’s all I’m asking for to pick me up‘ wird in ‚Sanctuary‘ die Kapitulation komplett.

Vielleicht käme die Erlösung der Leiden mit dem Einnehmen einer aktiveren Rolle in Sachen Liebe, Leben, Beziehungen? Allerdings würde uns das einige gute Songs vorenthalten. Tatsächlich beginnt das Album mit drei starken Tracks, in denen vor allem die klaren Reminiszenzen an Dinosaur Jr. erfreuen. Dynamischer Schrammelrock, der einer romantischen Tragik huldigt – das passt bestens zu den Texten. Im Albumverlauf gewinnt aber eher eine tragische Romantik an Gewicht, wird es mit ‚Diamond In The Dark‘ und ‚Sara Now‘ nicht nur poppig-verträumt, sondern auch leicht verkitscht. Selbst wenn mit ‚Nervous Wreck‘ noch einmal Ohrwurmpotential aufklingt, verliert das Album doch mit den letzten beiden Songs seinen Elan. Letztlich kann ‚Heartbreak City‘ die großen Erwartungen, die es mit seinem großartigen Anfang erweckt, leider nicht erfüllen.

Zorn

Der Bandname hört sich auf den ersten Blick nach rotzigem Punkrock oder so an, aber weit gefehlt: Die Tourette Boys aus Dresden stehen für bluesig-angehauchten psychedelischen Artrock mit leichten Alternative-Einflüssen irgendwo zwischen The Flying Eyes, Pink Floyd, den Black Crowes und Robert Plant. Sind die Jungs bisher relativ unter dem Radar geflogen, sollte sich das mit der neuen Veröffentlichung „Zorn“ hoffentlich ändern, denn was da im Player landet, überrascht von der ersten Sekunde an mit wohlig-groovenden Sounds, ein wenig psychedelisch, ein wenig mythisch, aber immer perfekt ins Ohr treffend.

„Zorn“ ist der zweite eigene Longplayer des 2012 in Dresden gegründeten Trios, dazu kommen eine EP und drei Split-Releases mit Gaffa Ghandi und Tim Holehouse. Das neue Album überzeugt durch die Bank weg durch cleveres Songwriting und spannende Arrangements, die sich geschickt zwischen Psychedelic, Heavy Fuzz, Stoner- und Artrock bewegen. ‚Psychedelic Summoning‘ oder ‚Fuzz‘ sind dann auch absolut passende Songtitel, deren Name hier definitiv Programm ist. Das Ergebnis erinnert an die frühen Alben von Pink Floyd, ergänzt deren Sound jedoch noch um spannende Blues-Elemente und ein paar düster-dümpelnde Post-Rock-Momente. Dieser Genre-Spagat gelingt ganz hervorragend.

Manchmal liegt vielleicht ein wenig zu viel Hall auf den Vocals des Frontmannes Benjamin Butter, dann konzentriert sich der Mix zu sehr auf die instrumentalen Parts, aber im Prinzip trägt auch das zur leicht mythischen Grundstimmung des Albums bei und wird von uns mal als „künstlerisch so gewollt“ verbucht. Nach „Zorn“ wird man die Tourette Boys auf jeden Fall in näherer Beobachtung halten müssen, denn sie liefern hier ein erstklassiges Album ab, das es schafft, sowohl Artrock- als auch Stoner- und Psychedelic-Fans zu begeistern.

Nest

‚Fire! Burn them all! I’m breaking your rules.‘

Wer sich schon vom Debütalbum ‚Burst‘ überwältigen ließ, den wird es nicht wundern, wie resolut Brutus auch an ihren Zweitling herangehen. In konsequenter Fortführung dessen, was die Belgier vor zwei Jahren begonnen haben, liefert ‚Nest‘ elf weitere Songs, die den Hörer mit voller Wucht an die Wand drücken und seinen ganzen Wahrnehmungsraum ausfüllen. So muss Rockmusik sein.

Seine Wirksamkeit verdankt der Sound von Brutus dem klugen Zusammenspiel von Progressive-, Metal- und Hardcore-Elementen. Für ihr neues Album ließ sich die Band zudem vom Shoegaze-Revival dieser Zeit inspirieren. Das nimmt zum Beispiel in den siebendreiviertel Minuten von ‚Sugar Dragon‘ episch-schöne Ausmaße an. Von den flirrenden Gitarren-Wänden abgesehen gibt es auf ‚Nest‘ außerdem mehr sanfte Gesangseinlagen – Mut zu mehr Melodie also. Mit der Sangesleistung, die Sängerin und Drummerin Stefanie Mannaerts schon auf dem Debüt abgeliefert hat, ist es nicht überraschend, dass auch behutsamere Intonierungen bei ihr bestens funktionieren.

Dennoch: Charakteristisch und schlicht beeindruckender ist nach wie vor ihr kontrolliertes Gebrüll, wunderbar losgelassen etwa in ‚Cemetry‘. (‚We never will be best friends!‘) Nicht nur die Interpunktion der Texte, auch ihre akustische Umsetzung sind voller Ausrufezeichen. Das Talent von Mannaerts sorgt dafür, dass das nie impertinent oder belehrend wirkt. Egal ob euphorisch, wütend oder traurig – die Dame schreibt und singt dringlich, aber ohne falsche Emotionalität.

Wenn zudem noch der rituelle, exotische Rhythmus von ‚Space‘ dazukommt, muss auch dem Letzten klar werden, dass Brutus ein brillantes Gespür für die Kombination von Sounds und Stimmungen haben. ‚Nest‘ bestätigt nach ‚Burst‘ ihr Erfolgsrezept, das erneut auf ganzer Linie überzeugt: perfekte Kompositionen, voller Sound und professionelle Produktion. All das hat sein Anfang und Ende, sein Alpha und Omega in einem Gefühl:

‚I’m so restless!‘