Schlagwort: Progressive Thrash Metal

ROCK HARD FESTIVAL – Neuer Versuch, dieselben Bands

Nach der erfolgreichen, sicheren „One Day“-Version des Rock Hard Festivals im September, ist die Planung des Restarts des Festivals Pfingsten nächsten Jahres (03. bis 05. Juni 2022) im vollen Gang. Außer den Absagen von Blue Öyster Cult und Harlott ist das Billing dasselbe geblieben, wie es für 2020 angekündigt war. Sprich Accept, Sacred Reich, Phil…

VOIVOD – Kündigen nach Tour-Absage neues Album an

Die kanadischen Progressive-Thrasher von Voivod sollten dieser Tage im Rahmen der inzwischen abgesagten Headbanger’s Ball Tour die heimischen Bühnen mit ihrem Cyberpunk-Metal erfreuen. Bei allem Frust gibt’s für die Fans der Herren aus dem französischen Teil Kanadas nun erfreulichere Nachrichten. Nach beinahe 40 Jahren Bandgeschichte wird das neue Album mit dem Titel „Synchro Anarchy“ das…

DETRITUS – UK-Thrasher nach 28 Jahren mit neuem Album

Ihre Geschichte begann 1989 in Bristol, inspiriert von Metallica, Megadeth und Slayer brachten die Progressive-Thrasher Detritus die beiden Underground-Klassiker „Perpetual Defiance“ (1990) und „If But for One“ (1993) heraus. Dann verschwand die Band. Bis jetzt. Angespornt vom Erfolg einer US-Wiederveröffentlichung der beiden Alben verschanzten sich die Jungs zunächst im Proberaum, bald darauf im Studio. Nun…

Tales of a Future Past

Metal-Bands gibt es viele, und die meisten bemühen sich, originell zu sein. Besonders im Bereich progressiver Rock- und Metalbands findet man viele Perlen abseits der üblichen Klänge, Songstrukturen, Instrumentierungen oder Melodien. Und dann gibt es eine Handvoll Bands, die etwas gänzlich Eigenes Schaffen. Etwas, das grell aus der Masse heraussticht, was man sofort wiedererkennt – und auch wenn man es nicht aus vollster Leidenschaft liebt, doch bewundert und verehrt.

Mekong Delta sind so eine Band. Seit 35 Jahren steht Ralf Hubert mit seinen wechselnden, hochkompetenten Begleitmusikern als Monument an den Schnittmengen von Thrash-Metal, Progressive Rock und Klassischer Musik. Mekong Delta waren und sind unverwechselbar Einzigartig. Sechs Jahre nach „In A Mirror Darkly“ ist nun mit „Tales of a Future Past“ (Butler Records) Album Nummer Zwölf erschienen. Und natürlich gibt es wieder Unmengen an vertonten kleinen Geschichten zu erforschen. Die haben durchaus Neues zu bieten, sind aber unverkennbar Mekong Delta.

Auch wenn Hubert wie gewohnt mit Metaphern arbeitet, sind die Texte politisch wie selten zuvor. Der Mann hinter Mekong Delta reflektiert einmal mehr über den Menschen, doch man musste bereits vor der Corona-Krise nur in die Medien schauen, um in den letzten Jahren eine drastische Zuspitzung der gesellschaftlichen Probleme zu beobachten. An denen arbeiten sich Hubert, Sänger Martin LeMar, Drummer Alex Landenburg und die Gitarristen Peter Lake und Erik Grösch auf hohem technischen und kompositorischen Niveau ab. Bei den Texten schlagen Mekong Delta dabei sehr kritische und beinahe fatalistische Töne an.

Das Kernstück des Albums ist der Vierakter „Landscape“. „Landscape 2 – Waste Land“ ist ein fantastisches Orchesterstück mit Streichern, Hörnern, Harfe, akustischer Gitarre (Flamenco!) und mehr das mit Landenburgs Drums und toller Gitarrenarbeit verwoben ist. „Landscape 3 – Inharent“ hat den wohl den deutlichsten Thrash-Metal-Einfluss auf dem neuen Album, ein echter Knüppler mit schön schrulligen Taktarten! Der Thrash-Anteil wirkt auf dem euen Album ein wenig reduziert, was dem Erlebnis jedoch keinen Abbruch tut. Zumal er nach wie vor da ist! Aber auch die stimmungsvollen, ruhigen Nummern funktionieren in ihrer Emotionalität auch ohne schwermetallische Härte um jeden Preis. Stücke wie „Mental Entropy“ oder „Mindeater“ haben einen drängenden, düsteren Unterton und die untypische Retro-(P)Rock-Nummer „When All Hope Is Gone“ ist vielleicht der heimliche Star des wundervollen Albums.

Nach Psychotic Waltz liefern Mekong Delta das zweite, anspruchsvolle Prog-Metal-Album des Jahres ab, das Ende des Jahres sicher noch in Erinnerung sein wird.

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Butler Records (Label)

RUNESCARRED – Von Wikingern, Horrorfilmen und pazifistischen Texanern

Man kennt das. Man steckt alle Energie in seine Band, schuftet sich den Arsch ab in unzähligen, unbezahlten Stunden im Proberaum, am Computer, am Telefon. Einfach, weil man von seiner Sache überzeugt ist. Aber irgendwie reicht es trotzdem nicht. Man steckt fest, hat unterschiedliche Vorstellungen davon, wie es weitergehen soll. Unzufriedenheit macht sich breit. Weitermachen…

The Distant Infinite

Als neue Metalband aus der schier endlosen Flut herauszustechen, ist ein schwieriges Unterfangen. Ein gutes Gesamtkonzept, Live- und Onlinepräsenz sind zwingend, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Dennoch wird sich gute, authentische Musik immer durchsetzen und ihr Publikum finden. Und als Musikjournalist ist es besonders aufregend, solchen Bands genau dabei zu helfen.

Runescarred aus Texas sind eine solche Band, die vor allen in den großen Musikmagazinen ihrer amerikanischen Heimat schon viele Wellen geschlagen hat. Völlig zu Recht. Entstanden aus einer Fusion von ehemaligen Mitgliedern von Dead End Politics und Southern Front, haben die fünf erfahrenen Musiker 2017 die vielbeachtete EP „We Are“ veröffentlicht. „The Distant Infinite“ ist das Debüt-Studioalbum und es ist ein außergewöhnliches Stück Musik, das klassischen Heavy Metal, Thrash Metal und Progressive Metal sehr gelungen verbindet.

Für den würdigen Kickoff bei der texanischen Tour de Force sorgt das thrashig-angepisste „Hexit“, das sich aber nicht mit Thrash-Klischees zufrieden stellt. Mit ausgedehnten Gitarrensoli wird dem Metal, mit Takt-und Rhythmuswechseln dem Prog die gebührende Ehre erwiesen. So gibt bereits der Opener den deutlichen Fingerzeig, mit was man es hier zu tun bekommt: Mit dem, was die Band selbst in unserem Interview stimmig als „Progressive Power Thrash“ bezeichnet. Das folgende „Inviting Rivers“, mit einem eigenen Musikvideo geadelt, kommt relativ geradlinig, wenn auch mit unbändiger Energie daher; „Minor Progressions“ wird geprägt von reizvoll-vertrackten Taktwechseln.

Die knapp sechsminütige Midtempo-Nummer „Swallow Your Tail“ widmet sich dagegen ganz dem Groove. Es folgen melancholische Gesangs-Intros („Twisting Flesh“), eine zweiminütige, instrumentale Melodic-Metal-Nummer („The Distant Infinite“) und die wehmütige Akustik-Nummer „Sorrow Is“. Der Stimmungsbogen des Albums entwickelt sich von wütend hin zu schwermütig, von extrovertiert zu introspektiv. Der Endpunkt „Mammoth“ schließlich besticht mit bombastischer Opulenz, getragen von schweren Riffs und der besonders beeindruckenden Präsenz von Ven Scotts Stimme.

Wow. Was für ein Album. Innovation. Vielschichtigkeit. Abwechslungsreichtum. Jede Menge Power, echte Begeisterung und Gefühle und ein einzigartiger Decrescendo-Spannungsbogen im Album als Gesamtwerk. Ihr habt den immer gleichen Standard-Metal satt, auch wenn er noch so gut gemacht ist? Ihr wollt etwas Neues? Dann haltet euch unbedingt an Runescarreds „The Distant Infinite“! Die Jungs haben es drauf!

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Intersections

Was wurde das Debüt-Album von Mekong Delta damals 1987 von den Medien abgefeiert. Das 70er-Jahre-Trash-Cover, die Pseudonyme und diese explosive, hochtechnische Instrumentierung ließen vielen die Kinnlade herunter fallen. Wer steckte hinter dieser Band? Basser und Produzent Ralph Huber (Björn Eklund), Rainer Kelch (Vincent St. Johns) und Frank Fricke (Rolf Stein) von den genialen Living Death, Wolfgang Borgmann (Keil) am Mikro und die Drum-Machine Jörg Michael (Gordon Perkins) von Rage waren die erste Besetzung Mekong Deltas. Es folgten ein geniales Album nach dem nächsten, besonders zu erwähnen sind „The Music of Erich Zahn“, ein Konzept Album nach der Geschichte von H.P. Lovecraft sowie das vielschichtige „The Principle of Doubt“-Meisterwerk. Wenn Soli auf Soli folgt und das Songwriting nicht mehr nachvollziehbar ist, nehmen viele lieber ihren Hut. Mekong Delta war und ist da eine Ausnahme, denn sie schafften es, immer dann die Kurve zu kriegen, wenn ihre Songs in eine andere Dimension abzudriften drohten. Aber auch weil die Songs anders waren, sie hatten andere, progressive Strukturen, an der Klassik angelehnt. Aber fast immer mit Lichtgeschwindigkeit vorgetragen. 1997 kam dann ja auch die Trennung.

Das Comeback zehn Jahre nach der Trennung raubte einem wieder den Atem, so wie 20 Jahre zuvor. „Lurking Fear“ und „Wanderer on the Edge of Time“ konnten sich mit den Klassikern der Bandgeschichte messen lassen. Und nun gibt es die Version 2.3, wenn man so will, wobei es sich bei „Intersections“ (Steamhammer/SPV) nicht um neue Songs handelt, sondern um Neuinterpretationen alter Thrash/Speed Metal Kracher, die einmal mehr aufzeigen, wie großartig Mekong Delta schon in ihren Teenager-Tagen waren und wie genial sie im reiferen Alter sind.

Aus alt, mach neu, mach besser!

Den Auftakt macht „Prophecy“ vom Album „The Music of Erich Zahn“, gefolgt von einer entfesselten Version von „The Cure“ vom Debüt und schon ist man hin und weg von den neuen Versionen, die einen dank ihrer neuen oder wieder auch gewonnenen Ausdrucksstärke – die remasterten Alben waren ja grässlich, ein Verbrechen – sofort für sich einnehmen. Schon jetzt fällt die starke Gesangsleistung von Martin LeMar auf, der an vielen Stellen angenehm an Bruce Dickinson erinnert. Mit „Shades of Doom“ folgt der nächste, vielleicht sogar der Höhepunkt von „Intersections“, der zugleich den Abschluss der ersten Hälfte der Bandgeschichte bildet.

„Dances of Death“ markierte 1990 so etwas wie eine Entwicklung im Songwriting. Immer mehr Strukturen aus der Klassik fanden Einzug in die Songs, siehe/höre „Transgressor“. Auch begann sich das Besetzungskarussell regelmäßig zu drehen. Es folgen vertraute Werke wie „Sphere Eclipse“, „Heartbeat“ und „Innocent?“ von „Kaleidoscope“ und eine bombastische Interpretation von „The Healer“ von „Visions Fugitives“. Allesamt kein Deut schlechter als die erste handvoll Songs.

Was insgesamt auffällt ist, dass die Neuinterpretationen zwar noch jenseits der Fähigkeiten vieler Kollegen sind, trotzdem aber eingängig, mitreißend und modern geworden sind. Viele kleine neue Ideen haben ihren Weg in die Songs gefunden und sorgen so für das Gefühl, dass sich Ralph Hubert und seine Mannen viele Gedanken darüber gemacht haben, was sie aus den „alten“ Stücken machen. Auch der Sound fällt nicht so technisch aus wie bei den beiden Vorgängern, sondern harmoniert bestens mit den „neuen“ Songs und verleiht „Intersections“ ein äußerst homogenes Klangbild auf extrem hohem Niveau. Jedem Thrasher und Power Metal-Fan, ob alt oder jung, dürfte bei den zehn Songs das Herz aufgehen.

1. Prophecy
2. The Cure
3. Memories Of Tomorrow
4. Heroes Grief
5. Shades Of Doom
6. The Healer
7. Transgressor
8. Sphere Eclipse
9. Heartbeat
10. Innocent

http://www.spv.de/

http://www.mekongdelta.eu/