Schlagwort: Progressive Power Metal

Comebacks, große Entdeckungen und eine Reise an den Südpol: Daniels Jahresrückblick 2021

Was für ein Jahr. Das zweite Mal in Folge abgesagte Sommerfestivals und Clubkonzerte, die Politik weitgehend ratlos, die Gesellschaft scheint so verunsichert wie Jahrzehnte nicht. Wird es sich jemals wieder wie früher anfühlen, in einer dicht gedrängten Menge voller glücklicher Schreihälse seine Lieblingsband abzufeiern? Keine einfache Frage, und um der vielen Fragezeichen könnte man schon…

Embers of War

Vor gut fünf Jahren erschien mit „The Fire Within“ das exzellente Debüt-Album der Progressive-Speed-Power-Metaller Eternity’s End. Nach mehreren Solo-Alben hatte Gitarren-Maestro Christian Münzner (u.a. Alkaloid, Obscura, Paradox, ex-Necrophagist) sich endlich den Wunsch von seiner „eigenen Power-Metal-Band“ erfüllt. Nach Pech mit dem Label und diversen Besetzungswechseln besteht beim nun erscheinenden Drittwerk „Embers of War“ erstmals ein festes Lineup und mit Prosthetic Records hat man ein potentes Metal-Label für den Release gefunden. Daß Besetzung, Chemie und Rahmenbedinungen erstmals wirklich stimmen, merkt man dem neuen Werk nach dem etwas schwächeren Zweitwerk „Unyielding“ (2019) sehr an.

Stilistisch bleiben sich Eternity’s End treu, mehr noch: Der Power Metal progressiv-neoklassischer Ausprägung findet mit dem Zugang von Justin Hombach als festem Gitarrist seine Bestimmung. Den bereits zuvor gitarrenlastigen Stil kann Münzner jetzt mit seinem kongenialen Partner in Crime auf eine neue Stufe heben, auch wenn Keyboarder Jimmy Pitts nicht mehr an Bord ist. Es macht einfach Laune, Münzner und Hombach sich die Bälle in Form von Over-the-Top Hochgeschwindigkeits-Soli zuspielen zu hören. Damit erinnern die beiden Speed-Shredder an Bands wie Racer X oder Dragonforce, bei den Refrains und Melodien an Blind Guardian oder Iron Savior. Von letzteren hat man Piet Sielck und Jan-Sören Eckert für die Background-Vocals als Gastmusiker engagiert.

Das Album beginnt mit „Dreadnought (The Voyage of the Damned)“ zunächst im Midtempo-Bereich, aber bereits nach 30 Sekunden jagt Trommler Hannes Grossmann ohne Geschwindigkeitsbegrenzung auf und davon. Hombach und Münzner erreichen bereits nach drei Minuten atemberaubendes Niveau mit ihren Trade-Offs. Hier muss einfach jeder E-Gitarren-Fan mit einem letzten Funken Energie begeistert Luftgitarre spielen. „Bane of the Blacksword“ zeigt die hochpotente Klasse von Sänger Iuri Samson, der bereits beim Vorgänger „Unyielding“ an Bord gekommen war. Den Lovecraft’schen „Hounds of Tindalos“ wurden in einem futuristisch-düsterern Musikvideo ein Denkmal gesetzt, verziert mit Running-Wild-Riffs. Und gleichzeitig den komplexen und doch eingängigen sowie technisch brillianten Kompositionen von Eternity’s End. Es gibt so viel zu entdecken an Riffs, an Rhythmus, an charmanten, kleinen Verbeugungen an Genre-Vorbilder der Herren, daß es eine wahre Freude ist. Bei „Call of the Valkyries“ scheint allen Power-Metal-Pitches von Samson zum Trotz deutlich die große Verehrung gegenüber Klassik und Barock durch.

„Arcturus Prime“ hat die beeindruckendsten Gitarren-Duelle auf einem Album reich an Beeindruckendem zu bieten. Zu bestaunen im Guitar-Play-Through-Video zum Song, der als erste Single des Albums präsentiert wurde. „Shaded Heart“ sorgt mit tiefer gestimmteren Gitarren und entsprechend angepasster Tonlage beim Gesang für düstere Stimmung – Nomen est Omen. Beim vorletzten Track „Deathrider“ ist es allerdings schon wieder vorbei mit dem Durchatmen. Tonnenweise Gitarren, mehrstimmiger Gesang und eine ohrwurmige Hookline im Chorus – fertig ist der Instant-Power-Metal-Klassiker! Der Titeltrack „Embers of War“ mit gut neun Minuten sitzt am Ende und ist nicht nur in Bezug auf die Länge ein echter Brocken. In diese Komposition in mehreren „Akten“ packen Münzner und seine Mitstreiter komprimiert und gleichzeitig ausgedehnt nochmal alle Trademarks ihrer Band – das ist in bestem Sinne üppig, muss aber erst einmal „verdaut“ werden.

Die Songs auf „Embers Of War“ erzählen Fantasy-, Sword-and-Sorcery-, Horror- und Science-Fiction-Geschichten. Die Lyrics sind inspiriert von Autoren wie Michael Moorcock, Robert E. Howard („Conan der Barbar“) oder Dan Simmons („Die Hyperion Gesänge“), aber auch von tatsächlichen historischen Begebenheiten. Die Verknüpfung von Fantasy und Science-Fiction findet seinen Ausdruck auch im schrulligen 80er-Jahre-Cover-Artwork des bulgarischen Dimitar Nikolov. Metal-Nerds aller Länder, vereinigt Euch! Und besorgt euch „Embers of War“. Ihr werdet das Album lieben!

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Eternal Flame

Gut zwei Jahre nach dem potenten Debüt „Welcome to Paradise“ legt die internationale Power-Metal-Truppe Northtale um den brasilianisch-amerikanischen Gitarristen Bill Hudson (Ex-Dirkschneider) den Nachfolger „Eternal Flame“ (Nuclear Blast) vor. Sänger ist neu der Brasilaner Guilherme Hirose, der Christian Eriksson ersetzt. So viel sei voraus geschickt: Gesangstechnisch sind die beiden Vokalisten gleichwertig, bei Eriksson war die Stimmfarbe etwas dunkler. Außerdem brachte sich Hirose beim Songwriting mit Texten und traditioneller brasilianischer Folklore ein.

Stilistisch bleibt sich das internationale Quintett treu. Man spielt eingängigen, melodischen Power Metal mit orchestralen, progressiven und thrashigen Elementen. Der Stil ist deutlich geprägt von frühen Stratovarius und Helloween, Angra, aber auch dem Wirken Hudsons in dessen bisherigen Bands (u.a. Transsiberian Orchestra, Cellador und David Vincents I am Morbid).

Der Uptempo-Opener „Only Human“ hat gleich alles, was man von einem schicken Metal-Song erwartet: Flinke Gitarren und typischen Power-Metal-Gesang. „Wings of Salvation“ entwickelt sich nach einem ruhigen Start in eine Midtempo-Power-Ballade mit Streicher-Samples und Duett-Gesang. Bei „Future Calls“ sind Tempo und Riffs wieder eine Nummer heftiger, fast thrashig. Zumindest, wenn die Streicher nicht wären. Als Gastsänger sind Helloween-Sänger Kai Hansen und dessen Sohn Tim mit von der Partie. „Eternal Flame – The Land of Mystic Rites“ ist eine dicke Überraschung. Mit südamerikanischen Rhythmen und teils portugiesischen Lyrics – und einer tiefen Verbeugung in Richtung der sehr verehrten Angra, fällt der Sechseinhalb-Minuten-Song aus der Reihe.

Die Vorab-Single „Midnight Bells“ bietet einmal mehr richtig gute Gitarren-Soli. „Eternal Flame“ und „In the Name of God“, sind eher klassisch-geradlinig, dafür hat „Ride the Storm“ den 1-Million-Euro-Refrain. Zwei fette Ausrufezeichen folgen zum Album-Abschluss. Zunächst mit dem 11-Minuten-Kracher „Nature’s Revenge“, der zwischen Pathos und epischer Prog-Power-Metal-Nummer oszilliert. „Ivy“ ist ein instrumentales Orchester-Stück, klassische Film-Soundtrack-Mucke mit Bläsern und Streichern. Mr. Hudson kann und will seine Herkunft vom Transsiberian Orchestra nicht verstecken – und als bombastischer Abschluss nach jeder Menge Gitarren ist das Stück überraschend passend.

Northtale legen mit ihrer Nummer Zwei ein richtig gutes, melodisches Metal-Album vor. Im direkten Vergleich zum Vorgänger fällt es eine Spur zurück, verdient sich aber immer noch für jedem Powermetal-Fan eine dicke Empfehlung!

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ETERNITY’S END – Drittes Album der Progressive-Power-Metaller (UPDATE)

Die Progressive-Power-Metaller Eternity’s End um den Gitarristen Christian Münzner haben nach Label-Pech in der Vergangenheit endlich den lange verdienten Plattenvertrag eines etablierten Labels an Land gezogen. Das dritte Album der potenten Truppe wird am 26. November beim US-Label Prosthetic Records erscheinen und den Titel „Embers of War“ tragen. Seit dem Vorgänger „Unyielding“ sind keine drei…

SECRET SPHERE – Italienische Power-Metaller mit neuem Album

Die italienischen Progessive-Power-Metaller von Secret Sphere kündigen mit dem Video zu „Lifeblood“ (Frontiers Records) ihr neuestes Album an. Mit dem inzwischen zehnten Album in gut 20 Jahren kehrt auch Original-Sänger Roberto Messina wieder zur Band zurück. Sowohl Messina als auch Bandgründer und Gitarrist Aldo Lonobile betonen, daß die Band mit dem neuesten Werk zu ihren…

WITHERFALL – 2021 als Special Guest mit Evergrey on Tour

Witherfall wird als Special Guest Evergrey auf ihrer „Recharging Europe Tour 2021“ begleiten. Die US-amerikanische Progressive-Metal-Band wird auf der Europa-Tournee Ihr dritte Album „Curse Of Autumn“ promoten. Das neue Werk  Die Band kommentiert: „Nach einem langen und angespannten Jahr freuen wir uns sehr, die ersten Tourdaten bekannt zu geben, um unser bald erscheinendes Album „Curse…

PROJECT AEGIS – Wohltätigkeits-Single mit NEAL MORSE, LEAH & THEOCRACY

Theocracy-Frontmann Matt Smith hat nach 2016 erneut eine Charity-Single mit seinem Project Aegis veröffentlicht. Gastsänger sind dieses Mal neben Smith selbst Neal Morse, Leah McHenry und Daniel Heiman. Die neunminütige Progressive-Powermetal-Nummer „And the Rest is Mystery“ kann unter anderem über die Bandcamp-Seite des Labels Ulterium Records für 1 US-Dollar per Download erworben werden. Alle Erlöse…

CELLAR DARLING, ATLANTEAN KODEX & THE HU – Daniels Highlights 2019

Nummer 5Song des JahresFlying Colors Love Letter Die AOR-Prog-Supergroup Flying Colors um Mike Portnoy und Neal Morse hat bereits zwei Alben auf ihrem Konto. Trotz voller Terminkalender aller Beteiligten ohne Ermüdungserscheinungen. Im Gegenteil, mit „Love Letter“ hauten die fünf Herren locker-flockig den wohl imposantesten Pop-Rock-Song der letzten zehn Jahre raus. Hier trifft die Leichtigkeit und…

LANCE KING – Neues Solo-Album vom Ex-PYRAMAZE-Sänger

Bei dem Namen Lance King klingelt’s bestimmt bei einigen von Euch im Hinterkopf. Der Vier-Oktaven-Metal-Tenor ist unter anderem bekannt als Original-Sänger von Pyramaze, Balance Of Power, Avian, Gemini und zahlreichen anderen Bands und Projekten. Nun kehrt der Maestro mit seinem neuen Solo-Album „ReProgram“ zurück. „Das Konzeptalbum deckt diverse Härtegrade und stilistische Feinheiten souverän ab und…

Oriental-Metaller MYRATH – Fantasy-Video zu neuem Album

Die erfolgreichste Metalband aus dem Orient, Myrath aus Tunesien, präsentierten bereits Mitte Dezember mit ‚Dance‘ den ersten Vorboten ihres im Frühjahr erscheinenden neuen Albums. Bereits fast 600.000 Fans haben den atemberaubenden Clip angeklickt, der an das 1001-Nacht-Märchen des Videos von ‚Believer‘ anknüpft. Mit ihrer unverwechselbaren Mischung aus melodischem Power Metal und traditionellen orientalischen Elementen haben…