Schlagwort: Crossover

Glow on

Wenn es in den letzten Jahren eine spannende Band im musikalischen Bereich aus Hardcore und Crossover gab, dann sind es Turnstile. Mit ihren EPs und den ersten beiden Alben erregten sie auch über die Szene hinaus Aufsehen. Der Mix war alt bekannt, aber frisch und aufregend verpackt. Irgendwo zwischen Suicidal Tendencies, Bad Brains, Madball und ein wenig At the Drive-In pendeln sich die US-Amerikaner ein. Doch schon auf ihrem Zweitwerk „Time & Space“ kamen deutliche Einflüsse des Alternative-Rocks hinzu.

Diesen Weg setzen sie nun auf „Glow on“ (Roadrunner) auf eine Art und Weise fort, die einen von Beginn an mitreißt. Bereits der Opener „Mystery“ ist kein klassischer Hardcore, sondern geht in die melodische Ausrichtung dieser Sparte á la Ignite und wird mit einer Menge Deftones gepaart. Er fährt direkt in Kopf und Beine. Genauso geht es mit knallenden Gitarren und groovendem Bass weiter, sodass die Platte an allen Ecken und Enden kracht. Man möchte zu Hause durch die Wohnung springen, im Club durchdrehen und auf Konzerten im Moshpit alles zerlegen. Die Songs funktionieren einfach von vorne bis hinten.

Das schöne daran ist, dass Turnstile nicht einfach eine Mischung aus Hardcore und Crossover komponieren, sondern immer wieder abwechslungsreiche Elemente einbauen. „News Heart Design“ besitzt deutliche Funk-Anleihen, „Dance-Off“ hat im Mittelteil bestes quietschendes Gitarrenspiele á la Tom Morello und „Wild World“ beginnt mit einem irritierenden Sound, der an die betörenden Priesterinnen im Film „Asterix erobert Rom“ erinnert, und letztlich im straighten Hardcore mündet.

Das war aber noch nicht alles, was „Glow on“ ausmacht. Mit „Alien Love Call“ wagen es Turnstile eine elektronische Ballade mit Spoken-Word-Anteilen darzubieten. Generell tauchen häufig Synthesizer-Effekte auf und sogar der Voicecoder kommt einmal zum Einsatz. Genregrenzen scheint es nicht zu geben. Trotz allem verliert sich das Quintett nicht in unnötigen Spielereien. Es findet immer den Weg zu seinen musikalischen Wurzeln zurück, rückt von seinem Ursprungssound nicht ab und haut ab und an ganz direkte Nummern wie „T.L.C. (Turnstile Love Connection)“ raus, bei denen gute Melodien nicht auf der Strecke bleiben.

„Glow on“ ist von Anfang bis Ende eine Wucht, die einen nicht loslässt. Fäuste in die Luft recken, sich von den Rhythmen und dem Groove mitreißen lassen und einfach Spaß haben ist das Motto. So sind Turnstile mit dieser Platte nicht nur im Hardcore-/Crossover-Bereich, sondern in der ganzen Rock-Szene derzeit einer der interessantesten Acts.

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TURNSTILE – Neues Album und weitere Single mit Blood Orange

Die aus den USA stammende Hardcore-/Crossover-Gruppe Turnstile hat für den 27. August 2021 ein neues Album mit Namen „Glow On“. angekündigt. Es wird der dritte Longplayer der 2010 gegründeten Band sein. Nach den ersten beiden rockigeren Singles „Mystery“ und „Holiday“ haben Turnstile mit „Alien Love Call“ nun einen Song präsentiert, der sie von ihrer experimentellen…

FEVER 333 – Video mit Travis Barker (Blink 182)

Die Crossover-Durchstarter von Fever 333 haben ein neues Video zu ihrem Song „Wrong Generation“ veröffentlicht. Mit dabei ist als Gaststar Travis Barker von Blink 182. Bei dem Song „Wrong Generation“ handelt es sich um den Titeltrack der gleichnamigen EP, welche im Oktober erschienen ist. Auf dieser Prügeln sich Fever 333 durch Musikgenres wird HipHop, Crossover…

FEAR NO EMPIRE – Zebrahead- und Death-By-Stereo-Mitglieder mit neuem Projekt

Fear No Empire ist ein neues Projekt von Ali Tabatabaee, Ben Ozz (beide Zebrahead), Dan Palmer (Zebrahead, Death By Stereo) und Mike Cambra (The Adolescents, Death by Stereo,  Common War). Musikalisch spielt das Quartett eine Mischung aus Rock, Punk und HipHop. So bietet die erste Single „Revolt“ der am 28.10.2020 erscheinenden Debüt-EP klassichen Crossover. Fear…

LATEX GRENADE – Video

The notion no longer exists, that we’ll be okay in the end of this.If we don’t stand up and fight for us, then we’ll all be destroyed.Not today.(The Cage) Latex Grenade aus San Diego / Kalifornien haben sich dem Crossover-Punk verschrieben. Vier Alben lang bekannten sie sich eher zur Party-Fraktion des Genres, aber jetzt wird…

Carnivore

When it comes down to the poor – No lives matter! Der Rapper mit der verdammt großen Klappe ist zurück. Ice-Ts neues Opus unter der Flagge Body Count heißt „Carnivore“ (Century Media) und ist der Nachfolger von „Bloodlust“ und „Manslaughter“. Die Welt des wortgewaltigen Rappers schwimmt anscheinend im Blut und besitzt viele Themen, an den sich Ice-fucking-T abarbeitet. Mit seiner Sichtweise muss man nicht übereinstimmen, doch er nutzt seine Popularität um ein ätzender Stachel im Fleisch des Amerikanischen Traums zu sein.

Mit „Carnivore“ gehen Body Count den mit den beiden Alben zuvor eingeschlagenen Weg kompromisslos weiter: Sie paaren Hip Hop mit zeitgenössischen Metal. Und das verdammt gut! Schließlich hat sich der Meister und sein Bruder-im-Verbrechen Ernie C. mit Juan of the Dead (aka Juan Garcia – ex-Abatoir, ex-Agent Steel, ex-Evil Dead) einen der arriviertesten Songwriter im Metal in die Gang geholt. So offerieren Body Count nicht nur Ice-Ts unnachahmliche Reime, sondern sie packen diese in alles, was Metal heutzutage zu bieten hat: Thrash, Nu, Modern, Groove, Hardcore, Metalcore. Der daraus resultierende Crossover ist in Verbindung mit den Lyrics dermaßen explosiv, dass vom ersten Ton an das Adrenalin nicht aufhört aufhört, zu pumpen. Abgerundet wird das Repertoire durch Gäste wie Amy Lee von Evanescence, Jamey Jasta von Hatebreed, Riley Gale von Power Trip und einer tiefen Verbeugung vor Motörhead in Form von ,Ace Of Spades‘.

Social commentary by Ice-fucking-T

Der Opener und Titelsong ist ein gewaltiges Groovemonster, ,Point the Finger‘ ist ein treibender Modern Metal-Track, ,Bum-Rush‘ ist Nu Metal der besseren Sorte, ,Another Level‘ ist hart und emotional, ,Colors‘ groovt und hat einen bitterbösen Nachgeschmack, ,No Remorse‘ ist wütend und hardhitting, ,When I’m Gone‘ ist Symphonic Metal (!), ,Thee Critical Beatdown‘ ist eine fiese Up-Tempo-Nummer und ,The Hate Is Real‘ ist ein aggressiver Hardcore-Thrasher. Für jeden Geschmackstyp hat der Meister eins seiner berüchtigten „Motherfucka“ parat – you fucking asshole! Zusammen mit den drei Bonustracks – ein unveröffentlichte Demo-Version von ,6 In Tha Morning‘ und die beiden Titeltracks der letzten Alben als Live-Version – bieten Body Count knapp 50 Minuten feinsten Crossover, der von vorne bis zur letzten Sekunde zu begeistern und mitreißen weiß. Die Songs sind kompakt wie eine Kugel aus einem M-16 und geschmiedet aus Hochleistungsstahl. Der fette, hart an der Grenze zur Überproduktion pendelnde Sound sorgt für den endgültigen Knockout.

Ice-T macht keinen Hehl daraus, dass er auch im Alter keinen Gedanken daran verschwendet, ruhig zu sein oder gar die Klappe zu halten. Ganz im Gegenteil, er ist wütend, mächtig sauer und hat die Zielscheiben seiner Agitation fest im Blick. Body Count ist sein Ventil, „Carnivore“ seine aktuelle Hasstirade. Motherfucka!

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NOISEHAUSEN NEW YEAR’S BASH – Mit Vollgas in 2020

Während manch eineR aktuell noch plätzchenschwanger auf dem Sofa herumkugelt, ist die Crew des Noisehausen Festivals schon wieder im Arbeitsbienchen-Modus: Zum Jahresauftakt gab es gleich zwei Mini-Festivalabende mit je drei Bands – nicht ohne Grund, denn das Noisehausen darf in diesem Sommer seinen fünften Geburtstag feiern. Keine Selbstverständlichkeit für ein regionales Event, dessen Veranstalter sich…

Sickness Divine

Ist mit Roter Tod die uramerikanische Angst vor dem Kommunismus gemeint? Oder der scharlachfarbene Rächer, den Edgar Allen Poe seine machtgeilen Protagonisten niedermetzeln lässt? So klischeebeladen der Bandname Red Death auch sein mag, so sehr schaffen es die Jungs aus Washington, D.C., auf „Sickness Divine“ (Century Media/Universal Music) typisch amerikanischen Thrash Metal der ungeliebten dritten Generation zu spielen.

Ihre Spielweise nährt sich aus den Zeiten, als es unpopulär geworden war, simplen und brutalen Metal zu spielen und viele Bands ihre Gitarren hinschmissen, ihren Stil änderten oder trotzig eine Jetzt-erst-recht-Attitüde an den Tag legten. Red Death gehören nicht zu den Brutalo-Bands des Genres, sie lassen es zwar gehörig bollern wie ein mächtiger Lastenzug, aber gnadenlos das Gaspedal durchtreten tun sie nicht. Meist im donnernden Midtempo kämpfen sie sich durch die zehn Songs ihres dritten Longplayers, und wenn sie mal an der 120 km/h-Grenze kratzen, dann mit gehöriger Wucht.

Während der 33 Minuten bekommt man das Gefühl, dass Red Death mit Axt und Hammer ganze Wälder niedermachen. Der Sound ist staubtrocken, das Schlagzeug rumpelt hölzern durch die Songs, die Gitarre sägt unermüdlich und die Vocals kommen wütend und rotzig rüber. Für ein paar kleine Verzierungen und Spielereien mit ihren Werkzeugen in Form von ruhigen Intros und kurzen Solos ist aber immer wieder Zeit, wie auch für ein ziemlich entrücktes Solo mittendrin. Trotzdem ist die Kiste sehr bodenständig und simpel gestrickt, was aber nicht heißt, dass der Output der Amis einfältig ist. Red Death sind halt gewollt unmodern, uncool, untrendig und unschön.

Wer auf den Underground Thrash Metal der 1990er Jahre mit einem Schuss schlichten, polternden Hardcore – damals als Crossover bezeichnet – wie zum Beispiel Sacrilege B.C., Soothsayer, Beyond Possession oder Indestroy steht, wird mit „Sickness Divine“ gut bedient. Gourmets moderner Klänge sollten auf jeden Fall die Finger von Red Death lassen, denn die könnten ganz schnell mal abgehackt werden.

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Don’t Do It Donnie/The Scream

23 Jahre mussten wir auf knapp 2 Minuten neue Musik von Sacred Reich warten. Dank der regelmäßigen Festival-Auftritte der Thrash-Metal-Legende in den letzten Jahren ist der Hunger nach neuen Songs kaum noch auszuhalten. Und dann gibt es satte 2 Minuten.

Hin und her gerissen zwischen überschwänglicher Euphorie und maßloser Enttäuschung, läuft ’Don’t Do It Donnie‘ bestimmt schon zum zehnten Mal. Der Songs ist gut, aber zu kurz. Viel zu kurz. Wir wollen mehr Sacred Reich! Sehr Hardcore-lastig, also gradlinig und geradeaus, mit einem kurzen Midtempo-Part kommt der Comeback-Song aus den Boxen gepfeffert. Vom Sound und der Struktur her könnte ’Don’t Do It Donnie‘ vom 1993er-Album ”Independence“ stammen, was mit Sicherheit am alten und wieder neuen Schlagwerker Dave McClain (ex-Machine Head) liegt. Dieser trommelte schon auf ”Independence“ und auch dem letzten Album der Jungs aus Phoenix. Von Thrash Metal kann man aber nicht sprechen, dafür bringt der Song eine gehörige Portion angepisste Energie rüber. Was immer man von einem neuen Sacred-Reich-Song erwartet, er ist nicht überragend, aber typisch, eingängig und steigert die Vorfreude auf das komplette Album bis zur Schmerzgrenze.

Und dann ist da noch ein Song der Crossover-Amis von Iron Reagan, der mehr oder weniger im Ohr hängen bleibt. Eher weniger. ’The Scream‘ ist einfach zu schablonenhaft, um die notwendige Power, die ein Hardcore-Song braucht, abzuliefern. Just another hardcore-song. That’s all.

Wegen des erhobenen Zeigefingers in Richtung Donnie und dem klassischen Crass-Artwork, nur andersherum, schwarz auf weiß, lohnt sich der Sieben-Zoller. Im August gibt es dann die Vollbedienung.

P.O.D. zum Nu-Metal-Standing im Jahr 2019

Ab Anfang der Neunziger Jahre befand sich der klassische Heavy Metal in einer tiefen Krise. Grunge und Nu-Metal kamen dagegen ganz groß heraus. Bands wie Nirvana, Alice in Chains, Korn oder Limp Bizkit feierten riesige Erfolge mit ihren Neuinterpretationen moderner Rockmusik. Und auch wenn die meisten dieser Bands heute bei weitem nicht mehr so groß…