Schlagwort: Country Rock

For Free

Es gibt wohl kaum einen Künstler, dessen Namen in so vielen verschiedenen Zusammensetzungen mit anderen Kollegen auf Alben erscheint, wie der von David Crosby. Die bekannteste Kombination ist vermutlich mit den Herren Stills, Nash und Young. Auf prominente Mitstreiter ist der Musiker aber nicht unbedingt angewiesen, wie er mit seinem neuesten Solo-Album „For Free“ (BMG/Warner) unter Beweis stellt. Allerdings hat Sohn Raymond wesentlichen Anteil: Als Produzent, Musiker und Komponist unterstützt er seinen Vater in allen Bereichen.

Der Opener „River Rise“ entführt die Hörer direkt mit den ersten Klängen gedanklich in die untergehende kalifornische Sonne, die ersten Zeilen „It’s Late In California, The Voices Are Speaking Low“ unterstützen den musikalischen Eindruck. Eine Pedal-Steel-Gitarre eröffnet „I Think I“ und zieht sich durch den gesamten Track. Die immer noch überraschend klare Stimme des mittlerweile 80jährigen Crosby macht im Chorus klar: „I Found My Way“.

Fast schon funky und mit reichlich Bläsern geht es in „Rodriguez For A Night“ zu. Beim Blick in die Credits wird schnell klar, warum: Donald Fagen von Steely Dan ist der Komponist und saß im Studio an den Tasten.

Der Titel-Song „For Free“ hat beinahe 50 Jahre hinter sich und stammt im Original von Joni Mitchell. Nur von Klavier und einem durchgehend zweistimmigen Gesang getragen, entwickelt sich eine wunderschöne Ballade. Die weibliche Stimme stammt allerdings nicht von der ursprünglichen Interpretin, stattdessen unterstützt Sarah Jarosz den Altmeister.

Mit „I Won´t Stay For Long“ und den Worten „I Could Breath“ endet die Scheibe ganz ruhig und entspannt.

Entspannt ist auch das Wort, das „For Free“ am treffendsten bezeichnet: zehn ruhige und unverkrampfte Lieder in knapp 40 Minuten. Crosby bleibt seiner musikalischen Linie auch nach fast 60 Jahren Karriere treu und versucht nicht, sich krampfhaft neu zu erfinden. Oder um es anders zu beschreiben: Jeder einzelne Song könnte – ohne als zu neu oder modern aufzufallen – im Soundtrack von „Forrest Gump“ untergebracht sein.

 

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DAVID CROSBY – Neues Solo-Album und erste Single

Altmeister David Crosby, ehemaliges Mitglied der Byrds und von Crosby, Stills, Nash and Young, veröffentlicht mit „For Free“ (BMG/ Warner) ein neues Solo-Album. Die mittlerweile 80-jährige Rock-Legende wurde bei den Aufnahmen u.a. von seinem Sohn James Raymond und Szene-Größen wie Donald Fagen (Steely Dan) oder Michael McDonald (Doobie Brothers) unterstützt. Wer beim Titel der Scheibe…

LAINEY WILSON – Exklusiver Showcase zur Albumveröffentlichung

Wenn eine Plattenfirma mit blumigen und vielversprechenden Worten den Promo-Gig einer – zumindest in Europa – weitgehend unbekannten Künstlerin bewirbt, hat eine solche Veranstaltung den Hauch einer musikalischen Wundertüte. Die amerikanische Country-Sängerin Lainey Wilson hat zu einem Online-Showcase anlässlich der Veröffentlichung ihres zweiten Longplayers „Sayin’ What I’m Thinkin’“ (BBR Music Group) eingeladen. Um Punkt 19.00…

LARKIN POE – Coveralbum im November

Unter dem Namen „Kindred Spirits“ veröffentlichen Larkin Poe am 20.11.2020 ein Coveralbum. Hintergrund dieser spontanen Veröffentlichung ist, dass die Band um die beiden Schwestern Rebecca und Megan Lovell während der Corona-Pandemie auf ihrem Youtube-Kanal immer wieder Coverversionen präsentiert haben, die gut bei den Fans ankamen. Auf „Kindred Spirits“ werden die US-Amerikanerinnen sowohl altbekannte Klassiker wie…

Last Light on the Highway

Das wunderbare, kalifornische Southern-Rock-Quintett Robert Jon and the Wreck besteht erst seit sieben Jahren, in denen wir bereits mehrmals über sie berichtet haben. In dieser kurzen Zeit haben die fünf Jungs geackert und geschuftet: Newcomer-Auszeichnungen, erfolgreiche nationale und internationale Touren mit Namen wie Keith Urban oder Billy Sheehan und sage und schreibe vier Studioalben. Die Jungs sind heiß!

Ab Mitte Mai hätte die musikalische Verkörperung Amerikas erneut auf einer großen Europa-Tour mit einem neuen Album antreten sollen. Doch wie wir alle wissen, ein gewisses Virus machte ab dem Frühjahr alle Live-Musik-Veranstaltungen zunichte. Sehr schade, doch das neue Album „Last Light on the Highway“ ist ein gewisser Trost. Und das gerade Mal ein Jahr nach dem Vorgänger „Take Me Higher“!

Ein neues Rezept hat der Trupp um Frontmann Robert Jon Burrison nicht auf Lager. Aber das erwartet auch kein Mensch. Die Mischung macht’s. Und bei der ist wieder alles dabei, was der Americana-Fan liebt. Schon das Album-Cover nimmt einen mit an einen einsamen Highway irgendwo im Mittleren Westen der USA. Los geht’s der Roadtrip allerdings nicht in Kalifornien, sondern an der Ostküste. Die mehrstimmig vorgetragene Southern-Rock-Ballade „Oh Miss Carolina“ hat eine charmante Steel-Guitar und ein wunderbares Piano – und natürlich einen Refrain, den man in kürzester Zeit mitsingen kann. „Work It Out“ ist Country in Reinform, „Can’t Stand It“ eine launige Mischung aus Folk und Gospel. Und natürlich haben es die fünf Herren satt, „on the road“ ganz alleine im Hotelzimmer zu trinken, wie sie in „Tired of Drinking Alone“ sehr überzeugend aber kein bißchen melancholisch besingen.

In „This Time Around“ groovt eine Hammond-Orgel rauchig im Duett mit einer einsamen Country-Gitarre. Nach dem zweiteiligen Titeltrack verabschieden sich die fünf Southerner mit dem explosiven „Don’t Let Me Go“, das einfach alles hat, was ein toller Song braucht: Knarrig-verzerrte Gitarren, souligen Background-Gesang und eine Melodie, um sich auf direktem Weg nach Kalifornien zu träumen.

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THE DIXIE CHICKS – Durchstart als THE CHICKS

Die Dixie Chicks veröffentlichen am 17.07.2020 ihr neues Studioalbum „Gaslighter“ (wir berichteten) . Jetzt gibt es nicht nur einen neuen Videoclip, sondern auch die überraschende News, dass sich die Band in The Chicks umbenannt hat. Foto: : Philippa Price The Chicks Bandhomepage The Chicks bei Facebook

On The Widow’s Walk

„On The Widow’s Walk“ (Snakefarm Records): Der Weiße Büffel trabt durch die Prärie, oder ist da doch eher ein Biker auf seiner Harley unterwegs? Unterwegs gibt’s Blues, Rock, Folk, Americana und Country.

The White Buffalo, das ist  der bärtige Barde Jake Smith, der mit „On The Widow’s Walk“ sein bereits sechstes / siebtes Studioalbum vorlegt, produziert von der Country- und  Americana-Legende Shooter Jennings, dem Sohn des großen Waylon Jennings, der auf dem Album auch in die Tasten greifen darf. Hierzulande dürfte Smith nicht so bekannt wie in den USA sein, aber allen Freunden der Biker-Serie „Sons Of Anarchy“ ist The White Buffalo vermutlich ein Begriff, hat Smith doch gemeinsam mit den Forest Rangers einige Songs dazu beigesteuert. Smith ist Multiinstrumentalist und hat das Album bis auf die oben schon erwähnte Hilfe überwiegend alleine aufgenommen.

„On Widow’s Walk“ zeichnet sich durch Abwechslung aus, wobei es oft eher zurückhaltend denn rockig wird. Folkige Americana-Songs mit Gospel-Attitüde, Klavier und Akustikgitarre: The White Buffalo beziehungsweise Jake Smith erfüllen hier alle Klischees. Markige Stimme, griffige Akkorde, ein wenig Bass und Schlagzeug im Hintergrund. Das sind Klänge, zu denen der Cowboy den Hut in die Stirn zieht und lange und nachdenklich in die Prärie hinausstarrt. Die wenigen etwas lauteren Nummern wie ‚No History‘ oder ‚Faster Than Fire‘ grooven. Manchmal wünscht man sich, der Rest des Albums wäre auch etwas schneller. Andererseits: Die langsamen Songs sorgen für schöne Atmosphäre und zeigen, dass Smith ein hervorragender Songwriter ist. Ab und zu werden in der Interpretation Assoziationen an die Americana-Alben des großen Johnny Cash geweckt, so zum Beispiel bei ‚River Of Love And Loss‘ . ‚Sycamore‘ hingegen erinnert an Bruce Springsteen.

Weniger ist hier oft mehr, und damit ist „On The Widow’s Walk‘  ein tolles Album für die ruhige, abendliche Stimmung. Der erwartete Rocker ist es nicht, und ab und zu vermisst man doch ein paar Überraschungen. Roots, Folk, Blues: Eben Americana, nicht zu laut, nicht zu sperrig, nicht zu überraschend. Gehört hat man Ähnliches schon oft, aber zu gefallen weiß es immer wieder, wenn man das Genre mag.

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KINGSBOROUGH – Road Trip durch Deutschland

Die amerikanischen Southern-Rocker Kingsborough veröffentlichen am 07. Februar ihre neue EP „Take That Ride“, die wir euch in unserer Rezension wärmstens ans Herz gelegt haben. Wir hierbei auf den Geschmack gekommen ist oder die Band – so wie wir –  schon länger mag, dem seien hiermit die folgenden Live-Termine empfohlen: 05.03.2020      D         Hagen, Gaststätte Stock…

LYNYRD SKYNYRD – Im Sommer auf Abschiedstournee

Kaum eine Band hat eine so prägende Geschichte wie Lynyrd Skynyrd. Ihr Hit „Sweet Home Alabama“ begleitet jeden Motorradfahrer auf der Route 66 und auch darüber hinaus kennt fast jeder dieses Lied. Nach einem gravierenden Flugzeugabsturz 1977 kämpften sich die überlebenden Bandmitglieder zurück ins Leben und auf die Bühne. Im 56. Jahr ihrer Gründung 1964…

The Traveler

In den USA ist Bluesrocker Kenny Wayne Shepherd ein Mainstream-Superstar, der Millionen preisgekrönte Platten verkauft hat. Der 41-jährige Autodidakt, der in seiner Jugend von Stevie Ray Vaughan gefördert wurde, ist bescheiden, auch wenn er durchaus in eine Kategorie mit dem viel bekannteren Joe Bonamassa gehört. Erst in den letzten Jahren hat er auch im deutschsprachigen Raum eine gewisse Bekanntheit erlangt, nun legt der Gitarrenmeister sein neuntes Album „The Traveler“ vor.

Natürlich geht es um die Liebe, die Heimat und den Blues. Trotzdem zeigt sich der Musiker, der seit seinem letzten Werk die 40 überschritten hat, gereift:

„‚The Traveler‘ hält sich auf gewisse Weise etwas zurück.“, erklärt er. „Als ich älter wurde, wurde mir klar, dass weniger manchmal mehr ist. Ich spiele jetzt um des Songs Willen. ‚I Want You‘ oder auch ‚Turn To Stone‘ bauen sich immer weiter auf und drehen sich letztendlich um das Gitarrensolo. Bei ‚Woman Like You‘ steht hingegen der Rhythmus im Vordergrund. Ein geradliniger Les Paul Sound, dessen Riff sich wie von selbst dem Gesang unterordnet.“

‚Long Time Running‘ dagegen ist eine deutliche rockigere Nummer mit straightem Gitarrengeklimper. ‚Tailwind‘ kratzt als schmachtige Ballade ordentlich am akustischen Pathos, der ohrwurmige Chorus versöhnt den Skeptiker jedoch. ‚Gravity‘ ist eine weitere gemächliche Nummer, die aber eher nachdenklich als melancholisch daher kommt. ‚We All Right‘ und ‚Take it on Home‘ sprechen den countryaffinen, amerikanischen Fan an und ‚Mr. Soul‘ flirtet mit den Riff von ‚Satisfaction‘ der Stones – in Wirklichkeit ist der Song aber ein Cover von Buffalo Springfield:

„Stephen (Stills) wollte mich und Neil Young gemeinsam bei einer Autismus-Benefizshow auf die Bühne bringen. Ich hatte ‚Mr. Soul‘ im Hinterkopf und es wurde ein spektakulärer Moment. Auf dem Album möchte ich diesem besonderen Moment und dieser Erfahrung Tribut zollen.“

Kenny Wayne Shepherd deckt mit seinem Album „The Traveler“ eine grosse Bandbreite innerhalb des Genres ab. Von klassischem Blues, über rockige Nummern bis zu countryesk-balladeskem US-Pop-Rock ist alles dabei. Das dürfte wohl auch das bewährte Rezept sein, mit dem der Musiker in seiner Heimat so erfolgreich punktet . Für den Blues-Puristen ist das eventuell etwas zu halbherzig – wobei die Potenz des Albums sowie die Fähigkeiten Shepherds unbestritten sind.