Johanna S.

The Names

Als Vampire-Weekend-Bassist steht er zwischen den Schatten seiner Kumpanen Ezra Koenig und Rostam Batmanglij, die beide bereits Solo-Luft schnupperten. Chris Baio ist auch dann, wenn er mit beiden eine Bühne teilt, eher eben der Mann da am Bass. Dass aber auch der schüchterne Typ aus der Rhythmusgruppe ernsthaft an einem eigenen Projekt arbeiten könnte – schwer vorstellbar. Nun ist bei Baio allerdings wesentlich mehr Substanz zu erkennen als bei seinen Vampire-Weekend-Kollegen. Das zeigt sein Debüt ‚The Names‘, auf dem der verkappte DJ Indie- und Elektroeinflüsse zu gleichen Maßen vermengt.

Dabei bindet Baio viel von dem ein, das ihn ihn den letzten Jahren begleitete. Spätestens bei ‚I Was Born A Marathon‘ springen einem die kühlen Elektrobeats und eingängigen Hooks entgegen, die zumindest in den kleineren Technoclubs für Anklang sorgen sollten. Auch auf Opener ‚Brainwash Yyrr Face‘ sind es eher Hot-Chip-Klänge als die Vampire-Weekend-Schule, die seinen elektronischen Sound bestimmen und einem die Beats um die Ohren hauen. Dass der Solokünstler vor allem Inspiration in der englischen Hauptstadt fand, verrät der lässige London-Vibe, den er mit ‚Sister of Pearl‘ versprüht. Unaufgeregte Melodien, einfache Hooks und säuselnder Gesang funktionieren.

So erfrischend das allerdings klingen mag: Die Songs drohen schnell in der Versenkung zu verschwinden. Zu oft plätschern die Tracks vor sich hin. Baios zaghafter Gesang und Auftritt räumen ihm nicht das Bleiberecht ein, das einige Tracks durchaus verdient hätten. Die getragenen Synthies verkommen schnell zu langweiligem seelenlosen Studentenparty-Techno, der versucht, möglichst viele Elemente miteinander flirten zu lassen, trotzdem aber belanglos bleibt. Die Intensität wummernder Bässe wird durch fiepsige Töne genommen, die Spannung durch die trabenden, öden Beat geraubt. ‚The Names‘, ‚Needs‘ oder eben schon genanntes ‚Sister of Pearl‘ bleiben die Highlights und haben deutlich höheren Wiedererkennungswert.

Baio findet als Sänger schwer eine eigene Nische, seine Techno-Elektroversuche bleiben austauschbar. Damit lahmt das Album beachtlich. Den lässigen Grooves und verspielten Melodien anderer Songs sei Dank, setzt ‚The Names‘ dennoch einen vernünftigen Eintritt in die Welt derer, die es auch mal solo probieren wollen.

Ball Park Music – Australien zu Gast in Leipzig

Hier in Deutschland kennt sie noch kaum jemand. Doch in Australien sind sie derzeit die angesagteste Indie-Pop-Band – Ball Park Music. Das Brisbaner Quintett wurde 2008 gegründet und hat seit dem schon drei Alben veröffentlicht. Mit ihrem Stil erinnern die fünf an Weezer und warten mit schrammelig-beschwingten Songs auf. Das aktuelle Album ‚Puddinghead‘ erschien im Februar. Ein halbes Jahr später gab es die neuen Songs am 27.09. in Leipzig zu hören und wir waren dort.

Every Open Eye

‚The Bones Of What You Believe‘ katapultierte Chvrches‘ lupenreinen Elektro-Pop in die große weite Welt. Dass sie als eine im Internet geborene Band damit im Fokus zahlreicher gieriger Augen stehen, bringt Segen und Fluch zu gleich. Es sind nicht nur die hochgesteckten Erwartungen – immerhin geht es um das Erbe der Ohrwurmansammlung rund um ‚Gun‘ oder ‚Recover‘- hier geht es auch um ihr Durchboxen im Kampf um eine ernstzunehmende Stellung unter den Pop-Politikern. Mit dem Ruhm kam auch die Hetze. Mit ihrer starken Präsenz in sozialen Netzwerken der Alltagssexismus und Online-Trolls, die mit Kommentaren unter der Gürtellinie gegen Lauren Mayberry vorgingen. Chrvches fahren dabei zusammen als Band eine klare Linie: Scheiß‘ auf die Leute, die dir vorschreiben wollen, wer du zu sein hast! Den aufgepressten Meinungen zeigen sie selbstbewusst den Mittelfinger. Während Mayberry sich in den Medien gegen Misogynie und für mehr Feminismus ausspricht, wächst das Trio als Band zusammen. Das hört man auch auf ‚Every Open Eye‘.

Damit wird ihr Zweitling zum vollen Erfolg. Es geht hier sicher nicht um direkte Überwältigung punktueller Probleme. Die Songs drehen sich allesamt um Verlust, Schmerz und die Verarbeitung des Negativen. Ob man nun einen Trennungssong, einen Befreiungsschlag oder eben Mayberrys feministische Agenda daraus machen möchte, sei einem freigestellt. Die klaren und eingängigen Melodien geben dabei das perfekte Fundament für bedeutungsschwangere Texte. Sie sind auf den Punkt gebracht, reduziert und müssen nicht in einer Überlagerung zahlreicher Synthie-Schichten untergehen.

Während Chvrches 2013 noch an den 80ern festhielten, geht ‚Every Open Eye‘ einen großen Schritt Richtung 90s. Die Bässe wiegen mehr, der Beat wird angezogen und Songs wie ‚Empty Threat‘ oder ‚Make Them Gold‘ damit zu fesselnden Uptempo-Nummern erkoren. Gerade im bahnbrechenden Song ‚Clearest Blue‘, der die Songschreiberraffinesse der Glasgower deutlich hervortut, verbinden sich ihre besten Fähigkeiten: mitreißender Beat, eingängige Melodie und ein finales Synthie-Tiff, das jede Disko zum Explodieren bringen könnte. Die stetigen Beats und die klingelnden Hooks umgeben sich von feinsten Synthieteppichen, die Lauren Mayberrys tauklare Stimme zum Glänzen bringen. Alleingelassen auf ‚Afterglow‘ stellt sich der Beat auch mal aus, und entschleunigt vom energiegeladenen Rest. Auch ‚Playing Dead‘ spielt mit ihrer nachdenklicheren Seite, auf ‚High Enough To Carry You Over‘ übernimmt Martin Doherty den Gesangspart und schaltet mit locker-lässigen Vibes einen Gang runter. ‚Downside of Me‘ entzieht den wabernden Bässen die Schnelligkeit und entfaltet sich auf himmlische Weise zu einem sanften Gebet.

Chvrches bestimmen mit ‚Every Open Eye‘ die Richtung und halten die Zügel sicher in ihren Händen. Ihre Popmusik entfaltet sich, wächst und bleibt dabei gehaltvoll. Martin Doherty, Iain Cook und Lauren Mayberry wissen was sie können, wo sie stehen und was sie erreichen wollen. Damit wachsen sie zu einem selbstbewussten und dem dynamischsten Poptrio der letzten Zeit heran. Den kritischen Blicken kann sich ‚Every Open Eye‘ damit stellen. Den Dreien ist durchaus Eindrucksvolles gelungen.

Didn’t He Ramble

Auf vielen Pfaden ist Glen Hansard schon gewandert. Zahlreiche Projekte hat er mit Leidenschaft, Herz und Tatendrang angepackt und über weite Straßen auf seinem Rücken getragen. Er machte mit seiner Band The Frames irischen Folkrock salonfähig, sang sich mit Kollegin Marketa Irglova zum Oscargewinn und zeigte, dass es mit Mitte 40 noch lang nicht zu spät für ein Debütalbum ist. ‚Didn’t He Ramble‘ ist nun drei Jahre nach ‚Rhythm and Repose‘ das zweite Werk Hansards. Das Album macht deutlich, dass der irische Sänger zwar schon längst bei sich angekommen ist, aber mit Sicherheit noch lange nicht genug vom Herumtreiben hat.

Wie eh und je greift Hansard zur Akustikgitarre und seiner warmen, kraftvollen Stimme. Seine irischen Wurzeln lässt die Fidel in einigen Songs durchschimmern, (‚McCormack’s Wall‘) in andere baut er ein starkes Gerüst aus Blechbläsern (‚Lowly Deserter‘). Es sind die typischen irischen Folkballaden, von denen Glen Hansard wohl nie die Finger lassen kann, die das große Ganze ummauern. ‚Paying My Way‘, ‚Stay The Road‘ oder ‚Wedding Ring‘ sind nicht unbedingt die Sternstunden des Singer-Songwriters, plätschern dennoch mit großem Sanftmut vor sich hin und hinterlassen ein angenehmes Gefühl.

Trotzdem vermag es der Ire einen auf eine völlig neue Weise zu verzaubern. Es sind kleine Gebete die er gen Himmel stößt, zaghafte Ratschläge, Wegweiser für den von der Straße Abgekommenen. Die tiefen Emotionen und die rohen Melodien packen einen mit voller Wucht. In einer zaghaften, warmen Umarmung wiegt einen das Album von Song zu Song. Die besonders anrührenden Momente wie Opener ‚Grace Beneath The Pines‘ oder ‚My Little Ruin‘, das mit einer unausgesprochenen Andacht die Elegie des Lebens predigt, betten einen sanft in zarte Melodien und spenden Hoffnung.

Blickt Hansard auf die vielen eingeschlagenen Pfade zurück, so wird klar, dass er aus jedem steinigen Weg das beste herausholt. Die Songs auf ‚Didn’t He Ramble‘ sind mit Weisheit und blutiger Ehrlichkeit gesegnet, die keinen Zweifel an Glen Hansards Songwriter-Qualitäten lassen. Dieser Siegeszug ist hier noch lange nicht zu Ende. Bleibt eigentlich schlussendlich nur eines zu sagen:

‚May your winning streak / May it never end‘!

Wishes

Viele Jahre bastelt David Rhodes nun schon an seinem One-Man-Projekt. Während sich andere Herren wie James Bay, Hozier oder Tom Odell bereits einen Festivalslot nach dem nächsten schnappten und ihre Songs einen Dauerpakt mit dem Radio eingegingen, brütete Rhodes lieber heimlich über seinen im stillen Kämmerlein. Das Debüt des Briten, ‚Wishes‘, hat es nach langer Prüfung auf Herz und Nieren nun doch endlich geschafft. Rhodes ist ein zartes Pflänzchen mit großer Stimme. Er schwebt zwischen endlosem Pathos und simpler Direktheit. Eher ein Einsiedler als eine Rampensau, mehr Balladenschreiber als Uptempo-Hitproduzent. Lieber schaut der Brite sich im Wind wiegenden Bäumen zu, als dass er fette Parties stürmt.

‚I don’t wanna fade away / Am I gonna make you happy?‘

, singt er. Tiefe Zweifel, die Frage nach Selbstzufriedenheit und die Suche nach der alles erfüllenden Liebe quälen seine melancholische Seele. Dabei experimentiert er mit atmosphärischen Klängen und Drum-Machines. Vor allem lässt Rhodes durchschimmern, dass er nun auch gut und gern für den kommerziellen Popmarkt zu haben ist.

Darauf kommt man nicht nur, wenn man das Cover von Taylor Swifts ‚Blank Space‘ oder die Kollaboration mit dem britischen Pop-Küken Birdy entdeckt. Es sind vor allem die eingängigen Kompositionen, die fast jeden Song zu einem infektiösen Ohrwurm machen und die sehr puristisch gehaltenen Klavier- und Gitarrenakkorde. Ganz ohne Schürfwunden geht das allerdings nicht. Zum Teil rutscht Rhodes auf dem dünnen Eis aus und fällt auf seine Knie. Die gewollt fröhlich klingenden Uptempo-Nummern, allen voran ‚Better‘, fühlen sich zunächst unbequem an, bevor ihre Stadionpop-Qualitäten erkannt werden. Die Balladen schaffen es nicht nur zu verzaubern, sie klingen auch gern mal nach seelenlosem Schlager. Die Keyboardbegleitung zu ‚Breathe‘ gibt dem kitschigen Text eher den Beigeschmack Lionel Richie als Ben Howard.

‚Breathe / Release it all / Come on now / I keep you warm‘

.

Die Knie schnell mit einem Pflaster bedacht, mausert sich gerade der zweite Teil von ‚Wishes‘ zu einem echten Popjuwel. Denn eben gerade die Klasse eines Ben Howard (Schnell wird klar, wen Rhodes zu seinem großen Idol zählt) kommt in Songs wie ‚Turning Back Around‘ oder ‚Losing It‘ durch. Seine gefühlvolle Stimme, die zuweilen fast allein gelassen wird auf weit hallender Flur, konserviert die Traurigkeit und Nachdenklichkeit bevor Rhodes die schwere Last herausschreit. Gerade seinem starken Organ, das selbst die langweiligste Stelle zu Gold macht, hört man gern zu. Damit haucht der Brite seinen Songs Leben ein und lässt die kleinen Schnitzer vergessen.

‚Wishes‘ ist mehr als ein kommerzieller Erguss aus soften Balladen. Auch wenn es gelegentlich zu schwülstigen und schnulzigen Momenten kommen kann, ist Rhodes Popmusik blutehrlich. Macht er einen damit nun doch schlussendlich glücklich? Man kann ihn beruhigen. So einen Solokünstler hat es in der Tat noch gebraucht. Der Singer-Songwriter darf sich mit gutem Gewissen in die Riege einreihen – und kann dem ein oder anderen mehr als nur die Stirn bieten.

The Making Of

Vor einem Jahr noch sorgten The Bohicas mit ihren Songs ‚XXX‘ und ‚Swarm‘ für ordentlich Wirbel. Die schrammeln noch derbe auf den Gitarren, die hauen einem schmissige Basslines um die Ohren, die strotzen so richtig vor Energie. Geblieben sind ein paar gute Songs, und eine zähe Masse, die sich nicht aussuchen kann, ob sie eher wie die Arctic Monkeys, Kasabian, die Rolling Stones oder eben doch Royal Blood klingen mag. ‚The Making Of‘ ist somit tatsächlich ein wahres Making of. Als wollten sie die neue englische Superband gründen, vermengen sie 50 Jahre erfolgreiche Insel-Musikgeschichte. Leider verlieren The Bohicas auch so das große Eigene. Denn was das ist, lässt sich kaum herausfinden.

The Bohicas, das sind vier Londoner, alle aus dem Ei gepellt, als wären sie gerade dem ‚This Is England‘-Cast entrollt. Durchgestyled bis zum kleinen Zeh ertönt auch ihr Sound. 60s, 70s,80s, 90s – das Quartett kann alles! Eigene Ideen fehlen hingegen. Tiefe und knatschende Gitarren auf ‚To Die For‘ paaren sich mit lässigen Rhythmen, die – sorry, Jungs! – sofort an eine leidenschaftslosere Version der Arctic Monkeys erinnern. Die tiefen und brodelnden Bassläufe, die sich im Laufe des Hörens als ihre Handschrift mausern, stehen denen von Royal Blood in nichts nach. Selbst die Grenze vom Rock zum Pop können sie bedienen und zeigen mit ‚Only You‘ und ‚Girlfriend‘, dass sie erprobt im Harmoniegesang sind. Aber so wie ihre vier Lederjacken perfekt zu den fetten Boots passen, stellt sich auch zu den geschniegelten Songs die Frage nach dem, was an diesem Album schlussendlich faszinieren soll. Erschwerend kommen die weichgespühlten Lyrics hinzu, die höchstens noch die 16-jährigen Lads auf dem Schulhof begeistert.

‚So where are you going girlfriend? / And you still won’t pick up the phone / Location unknown / Where do you go?‘

(‚Girlfriend‘)

Am Superband-Sound müssen die Jungs noch feilen, sonst ziehen sie weiterhin den kürzeren gegenüber den großen Brüdern. ‚The Making Of‘ ist zu leidenschaftslos, um richtig was zu reißen. Einigen Songs hört man das Potenzial an. Gerade zum Schluss, wenn die galoppierenden Drums auf die dunklen, verspielten Gitarren treffen (‚Upside Down And Inside Out‘), springt der Funke fast über. Allerdings nur fast, den netten Rest kann man darüber einfach nicht vergessen. Jetzt ist es an der Zeit an den tiefbrodelnden Bässen zu arbeiten, dann haben sie zumindest ein solides Markenzeichen für das nächste Album gefunden.

GIRLPOOL – Ab nächste Woche auf Tour

Mit ihrem Debüt ‚Before The World Was Big‘ schlugen sich Girlpool als zwei der heißtesten Anwärterinnen für die Riot-Grrrl-Nachfolge vor. Ihre DIY-Musik klingt roh und bissig, ihre Texte sind direkt und kess. Musik über Gender, Teenager-Angst und Rebellion findet mit Cleo Tucker und Harmony Tividad zwei würdige Vertreter. Ab dem 18.9. bringen die jungen Amerikanerinnen…

‚A Take Away Show‘ mit BAIO

Als Vampire-Weekend-Bassist stellte sich Chris Baio selten ins Rampenlicht. Für sein neues Projekt sieht die Angelegenheit ganz anders aus. So tauschte der New Yorker nicht nur Bass gegen Gitarre und Turntables, auch den Gesang übernimmt der Wahl-Londoner bei seinem One-Man-Projekt selbst. Am 18.9. erscheint seine Soloplatte ‚The Names‘. Zeit für Live-Sessions bleibt Baio trotzdem noch.…

RHODES – Debüt erscheint im September

David Rhodes ist einer der nachdenklichen Sorte. Nicht nur seine Texte sind durchzogen von Melancholie, auch seine Inspiration fand er beim stummen Beobachten eines großen Baumes vor seinem Zimmerfenster. Klingt das noch so schräg, seinem Sound tut das herzlich wenig Abbruch. Seit Beginn seiner Karriere kann der 25-jährige RHODES bereits auf 4 EPs zurückblicken, die…

Dogs and Men

Wer ist eigentlich Sophie Auster? Eine junge Sängerin, Mitte Zwanzig mit ziemlich berühmten Eltern. Oder eine amerikanische Jazzsängerin mit Fabel für französischen Chanson. Egal, wie man Sophie beschreiben möchte, es lässt sich doch kaum sagen, was sie wirklich ausmacht. Das liegt ganz einfach daran, dass der Sprössling von Paul Auster und Siri Hustvedt mit ihrer Musik mindestens genauso viel Farbe zeigt wie ein Chamäleon. Irgendwie bleibt ihre Musik ein Mysterium und sie dahinter die Frau mit der eisernen Maske. Mit zarten 18 brachte Sie ihr Debüt-Album raus, und abgesehen von ihrer markanten Stimme ist herzlich wenig übrig geblieben, was ihren Stil definieren würde. Fast zehn Jahre späte nun also das nächste Lebenszeichen, sieht man einmal von einer vor zwei Jahren erschienenen EP ab. ‚Dogs and Men‘ überrascht nicht lediglich, es lässt einen fast sprachlos zurück, so unergründlich scheint die Sängerin.

Aber mal langsam. Da sind die Standardthemen, der Herzschmerz, die Liebe, das Leiden. Sophie Auster hat doch die gleichen Probleme wie jeder andere und fragt sich, wie das männliche Geschlecht so tickt. Die Lyrics enthalten eine Menge blumige Sprache. Das Schriftsteller-Gen ihrer Eltern spricht gerade aus den Texten, die in der dritten Person verfasst sind und Geschichten erzählen, die in den Bann ziehen (‚Find That Girl‘). Sie ist besessen, sie ist verliebt, sie ist am Boden zerstört und alles erzählt sie in einer angenehm persönlichen Art und Weise, die einen sofort verstehen lässt. Woraus man hingegen eher weniger schlau wird, ist die eigentliche Musik.

Madame Auster kann Jazz, sie kann Pop, Country, Blues und Rock. Ihre Stimme brilliert zwischen den verschiedenen Stilen. Perfekt und ohne Makel. Doch so nachvollziehbar ihre Texte auch sein mögen: Die Singer-Songwriterin distanziert sich dadurch ein gutes Stück vom Hörer. Es fehlt das Gefühl, es fehlt das Rohe und Raue, die Leichtigkeit. Sie ist so nah und doch so fern. Wenn die dritte Zäsur im dritten Song kommt und mit ausgeklügelten musikalischen Konzepten erneut überraschen soll, ist man es langsam leid, dass sie nicht einfach bei einem Stil bleibt. Country-Gitarren in ‚AKA‘, bluesiger Stil in ‚Our Mistake‘, dann die Pop-Prinzessinnen-Attitüde in ‚Bad Manners‘ – alles keine schlechten Songs, nur wirkt ihr großer Stilmix, als hätte sie ein Album voller All-Time-Favourites aufgenommen. Eines soll aber doch deutlich gemacht werden: Sophie Auster ist eine gnadenlose Jazzerin. Wenn sie zart ihre Stimme in ‚Little Bird‘ über den stetigen Basslauf ertönen lässt, geht das Herz auf und das zum Teil unbequeme Gefühl, das man zunächst bei den ersten Popsongs des Albums hat, verpufft im Nichts. So auch bei ‚Bow Tie Man‘ und ‚With You‘. Hier lässt Sophie Auster genau das richtige Gefühl walten und zeigt, dass ihre Songs eine unglaubliche Stärke und Magie besitzen, die man anfangs so nicht erwartet hätte.

‚Dogs and Men‘ ist ein wahrer Stilmix. Die musikalische Reise ist spannend, doch wirkt das viele Ausprobieren zahlreicher Stile nicht unbedingt immer glaubwürdig. Die Platte zeigt Sophie Austers große Singer-Songwriter-Qualitäten und setzt ihre kontrollierte und ausgebildete Stimme voll in Szene. Würde die junge Amerikanerin doch nur öfter etwas von sich preisgeben. Doch sie bleibt unergründlich und fern. Sie ist unnahbar. Sophie Auster, wer bist du nur? Das wird man wohl noch herausfinden müssen.