Schlagwort: Indie Punk

HI! SPENCER – Fotoreport aus Nürnberg

Hi! Spencer haben im Rahmen ihrer Memori-Herbsttour einen Stopp im Club Stereo in Nürnberg eingelegt. Die Tour, auf der alle Clubs und/oder Orte bespielt werden, welche bisher noch als weißer Fleck auf der bandinternen Tourlandkarte klaffen. Als Support haben sie sich die Band Das Blühende Leben eingeladen. Unser Fotograf Andre war für euch vor Ort. …

HI! SPENCER – Selbstfindungstrip

Die Osnabrücker Band Hi! Spencer feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum. Genau der richtige Zeitpunkt also für uns mit Sänger Sven Bensmann über Diversität, Schubladen im Allgemeinen und die Freundschaft zu sprechen, ohne die ihre Band nicht funktionieren würde. All das sind natürlich auch die großen Anker auf der jüngst veröffentlichten EP„Memori“. Warum es keine…

Go! Go! Go!

I want chaos want noise / I want danger want noise

Diese Zeilen aus dem Refrain von „I Want Noise“, des Openers von LOBSTERBOMBs Debut-EP „Go! Go! Go!“ (kein Label) fasst zusammen, was wohl alle gerade wollen: Endlich mal wieder ausbrechen, sich frei fühlen und für einen kurzen Moment auf alles pfeifen. Mit dem Track im Ohr klappt das auf jeden Fall hervorragend. Auch die restlichen Kompositionen des Berliner Indie-Garage-Trios gehen mit Druck in den Gehörgang – und in die Beine.

Bock auf erdige, noisy Gitarren, treibende Drum-Beats und die ein oder andere aaaaaah- und uuuuuuuuh-Singalong-Line? Na, dann herzlich Willkommen im Universum von LOBSTERBOMB. Direkt aus Berlins Underground machen sich die drei Musiker:innen mit fünf Tracks im Gepäck auf den Weg an die Oberfläche, um ihren frischen Garage-Rock unter die Leute zu bringen.

Underground ist in diesem Fall übrigens wörtlich zu nehmen: „Go! Go! Go!“ wurde DIY im Keller-Proberaum der Band aufgenommen. Peter Thoms (Akne Kid Joe) hat das Ganze im Anschluss gemischt. Herausgekommen ist eine rohe, kantige Platte, die keinen Wert darauf legt, schön zu tun. Oder etwas zu sein, was sie gar nicht ist. All das ist höchst angenehm in einer Ära, die von glattgebügelten Instagram-Beautys und Photoshop-optimierten Bildern dominiert wird.

Authentizität bildet auch die Basis fürs Songwriting der Band. Ob innere Dämonen, die bezwungen werden wollen („Monster“) oder der Ausbruch aus dem erdrückenden Alltag („Wake Up“) – LOBSTERBOMB finden klare Worte für alles, was endlich mal gesagt werden muss. Sängerin und Gitarristin Nico Rosch präsentiert Ihre Vocals zudem so, dass Weghören unmöglich wird: Halb geschrien, halb im Befehlston, aber immer melodisch holt sie aus ihren Stimmbändern raus, was die Lunge hergibt.

„Go! Go! Go!“ ist das gelungene Debut einer kreativen, unverbrauchten Band, die hoffentlich in ihrem Probenkeller noch die eine oder andere laute Überraschung zusammentackert. Es wäre wirklich jammerschade, wenn es von LOBSTERBOMB nicht noch mehr auf die Ohren gäbe …

 

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MANNEQUIN PUSSY – Neues Video, EP im Mai

Die aus Philadelphia stammende Indie-Punk-Band Mannequin Pussy kündigt für den 21. Mai mit „Perfect“ eine neue EP auf Epitaph an. Die von Will Yip produzierte 5-Track-Veröffentlichung folgt auf das 2019 erschienene hochgelobte Album „Patience“, das in diversen Jahreshitlisten – auch bei Whiskey Soda – landete. Mit „Control“ präsentiert das Trio die erste Single. Regie für…

Merchcowboy Mixtape Vol. 1

Unter anderem bekommt derzeit besonders die Kulturbranche die Folgen der Corona-Krise hart zu spüren: Seit Monaten dürfen Konzerte oder Veranstaltungen bestenfalls unter sehr strengen Auflagen stattfinden. Aktuell geht gar nichts, denn das Virus tobt sich gerade so richtig aus. Füße stillhalten ist also weiterhin das Gebot der Stunde, damit dieser ganze Wahnsinn hoffentlich bald ein Ende hat. Um Freiberufler in der Musik- und Veranstaltungsbranche zu unterstützen, haben sich Hirsch von Montreal und Carsten vom Online-Merch-Store Merchcowboy etwas einfallen lassen: den Soli-Sampler „Merchcowboy Mixtape Vol.1“. Die Einnahmen kommen vollständig der Initiative #handforahand zugute.

Was steckt dahinter? #handforahand ist ein Solidaritätsfonds, der Menschen in der Veranstaltungsbranche derzeit finanziell unter die Arme greift. Feine Sache. Daher haben sich ganze 16 mit Merchcowboy verbandelte Bands nicht lumpen lassen und einen Song für das „Merchcowboy Mixtape Vol. 1“ beigesteuert.

Mit vertreten sind selbstverständlich Montreal – wenn Bassist Hirsch schon einer der Mit-Initiatoren des Projekts ist … Weitere prominente Namen: Madsen, Donots, Selig, Itchy, Tim Vantol, Antilopen Gang, Royal Republic, Grossstadtgeflüster, Milliarden, Das Pack, Liedfett, KMPFSPRT. Minimum eine Lieblingsband gefunden? Perfekt! Denn völlig wurscht, welche Songs auf dem Sampler sind: Ohne Tontechniker:Innen, Lichtmenschen, Stage Hands, Booker:Innen, Tourmanager:Innen und all die anderen fleißigen Bienchen im Hintergrund hätte niemand ein Konzerterlebnis. Die Band nicht. Die Fans auch nicht.

Also: 12,99 Euro berappen, dat Dingen im Merch-Store Deiner Lieblingsband vorbestellen und die Menschen in der Veranstaltungsbranche unterstützen. Denn am Ende des Tages wollen wir alle wieder auf Konzerte gehen, sobald das machbar ist. Und dafür brauchen wir Leute, die uns und unseren Lieblingsbands das möglich machen. Solidarität rockt!


Merchcowboy

Holocene

Prahlt da jemand mit Schulwissen? Oder wollen uns die drei Herren Musiker von Statues mit ihrem zweiten Album „Holocene“ (Lövely Records) und dem Blick auf den zeitlichen Überbau die Hektik des Alltags nehmen? Das Holozän jedenfalls ist der geologische Zeitabschnitt, in dem sich Mutter Erde seit 11.700 Jahren befindet. So betrachtet, scheint es auf einen einzelnen Tag nicht anzukommen. Trotzdem konnten die Statues nicht an sich halten und haben ihre elf neuen Songs in nur drei Stunden im Studio runtergerattert.

Gut gehaushaltet, denn da gab es Geld zurück für die länger kalkulierte und bereits bezahlte Studiozeit. Musikalisch geben sich die Statues allerdings nicht so sparsam. Die Band aus Umeå, Schweden, führt Hüsker Dü als Referenz an und tut es ihnen in Sachen Übersteuerung fleißig nach. Etwas zeitgenössischer betrachtet fallen klare Parallelen zu den Japandroids auf, wenn die Statues ihre Songs auch mit offensiveren Rock-Riffs ausstatten. Will sagen: „Holocene“ ist laut, dicht und verzerrt.

Doch während bei den namhaften Bands, die hier Pate standen, klare Konzepte erkennbar sind, werden die Arrangements und Soundeffekte bei den Statues eher lieblos eingesetzt. Im Laufe des Albums wird langsam immer deutlicher, dass die dicke Produktion ein eher dünnes Songwriting kaschiert. Nach den ersten beiden Songs geht die Aufmerksamkeitskurve ziemlich rapide nach unten. Erst mit „Ending The Holocene“ vermag der Hörer wieder aufgerüttelt werden, aber da hat die Band schon einen Gutteil des anfänglichen Sympathiebonus wortwörtlich verspielt.

Um Ambitionen sind Statues nicht verlegen. Nur sind sie mit ihrer offenkundigen Verehrung für das SST-Label wohl um die 35 Jahre zu spät dran. Die Band rühmt sich selbst ihres impulsiven, aber einfachen Rocksounds, was ganz und gar nichts Schlechtes sein muss. Es bleibt nur irgendwie unklar, aus welcher tieferen Motivation heraus die einzelnen Songs von „Holocene“ entstanden sind und was sie im Heute verankert.

Nun ja, wenn wir in geologischen Erdzeitaltern rechnen, sind Statues brandaktuell. Aber machen wir uns nichts vor, Musikfans im gefühlt immer schneller fortschreitenden 21. Jahrhundert ticken einfach anders. In einer Band zu spielen, nur um des In-einer-Band-spielen-Willens, reicht da eben doch nicht aus.

 

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Cargo Records

Perceptions

Bereits Charles Dickens beschrieb in „Große Erwartungen“, einem Klassiker der englischsprachigen Literatur, was alles schief gehen kann, wenn Menschen zu viel auf eine Karte setzen und unterschiedliche Interessen kollidieren. Ebenso machen es Cadet Carter auf ihrem Zweitling „Perceptions“ (Uncle M / Cargo Records): die Münchner Indie-Emo-Pop-Punks rechnen mit den Erwartungshaltungen ab, die ihnen bisweilen das Leben schwer machen – seien es die eigenen oder die Dritter.

Im Grunde hat sich Frontmann und Gitarrist Nick Sauter beim Texten für die Platte einmal seinen gesamten Frust von der Seele geschrieben. „A Bad Few Weeks“ ist ein Song, der während einer dunklen Phase im Leben des Sängers entstand und davon handelt, wie bescheiden das Leben manchmal laufen kann – und dass es sich lohnt, sich aufzuraffen und weiterzumachen. Hier wie auf fast dem gesamten Album stehen Lyrics und Musik im Kontrast zueinander: Während es textlich eher düster und nachdenklich zugeht, reißen die packenden, schwerelosen Sounds die HörerInnenschaft mit.

Überhaupt gönnen sich Cadet Carter auf „Perceptions“ eine hübsche musikalische Bandbreite. Es darf dengeln, es darf schrammeln, es darf rocken, es darf aber auch mal melancholisch-sphärisch („Hold Me Down“) oder mit dezenten Pianoklängen untermalt („End / Begin“) zugehen. Klar ist: Die Platte war kein Schnellschuss, sondern ist das Ergebnis eines Reifungsprozesses. Nicht die erstbesten Songs haben es aufs Album geschafft, sondern die, hinter denen die Band steht – und die für die Band sprechen. Beliebigkeit ist einfach nicht das Ding des Quartetts.

Fans der energiegeladeneren Gangart werden anmerken, dass die Scheibe ein bisschen mehr Punk und einen Ticken weniger Emo bieten dürfte. Die leiseren Tracks nehmen das zuvor gut aufgenommene Tempo raus – ein bisschen, als ob sie an der Reißleine ziehen wollten, bevor der Übermut zu groß wird. Denn wir alle wissen: Im Rausch der Euphorie sind dumme Entscheidungen schnell getroffen. Und zack! Sind die Erwartungshaltungen an sich selbst wieder enttäuscht.

Mit „Perceptions“ liefern Cadet Carter ein musikalisch vielschichtiges und ausgereiftes Album, das sich seinem Kernthema aus den unterschiedlichsten Perspektiven nähert. Eine Handvoll mehr positive Vibes hätten der Platte sicher nicht geschadet, würden aber vermutlich der Intention der Band querschießen. Halten wir es zum Abschluss mit Dickens: Es mag seitens der AnhängerInneschaft große Erwartungen an die zweite Platte gegeben haben. Diese wurden definitiv nicht enttäuscht, manch einer wird sie allerdings nur zu 90% erfüllt sehen. Eine Quote, mit der die Band sicher gut leben kann.

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CADET CARTER – Zweitling im Gepäck

Die Münchener Indie-Punk-Emo-Formation Cadet Carter veröffentlicht am 8. Mai ihre zweite Platte „Perceptions“ via Uncle M. Die Songs des Tonträgers setzen sich hauptsächlich mit Erwartungshaltungen auseinander – den eigenen, und denen der anderen an einen selbst. Auch bei der Arbeit an „Perceptions“ spielten Erwartungen eine große Rolle, wie Sänger und Gitarrist Nick Sauter erklärt: Wir…

Seasons

Hal Johnson, das westfälische Quartett aus Greve, präsentiert nach knapp fünf Jahren Bandbelastungsprobe sein Debutalbum „Seasons“ (Uncle M Music / Cargo Records). Die ersten Jahre im Bandzeitalter haben die Vier mit Eigenregie-Learning zugebracht und sich ihre DIY-Sporen verdient (Demo, Split EP). So gestärkt konnte dann alles in „Seasons“ einfließen.

Der Opener „Ghost“ beginnt mit choralen Gesangsparts – zumindest solange bis die Punkrockkeule einsetzt. Doch im Falle von Hal Johnson ist das nie kopflos mit der Brechstange, sonder es bleibt immer äußerst melodieverliebt, catchy und vom Pop getragen. Selten wird man bei einer Platte bereits vom ersten Song so eingefangen und gefesselt das man in Freudenschreie ausbrechen möchte. Doch genau das passiert bei „Ghost“.

Das Coverartwork, welches eine Matroschka zeigt der man in den Bauch schauen kann, spiegelt die Vielschichtigkeit von „Seasons“ ganz gut wieder. Denn auch die Instrumentierung ist nicht ausschließlich klassisch. So findet sich bei „Control“ eine Trompete, die jedoch – anders als man vermuten könnte – nicht skalastig daherkommt sondern dem Song eine leise Melancholie einhaucht. „Better“ hingegen erinnert gesanglich an die Donots inklusive Hymnenhaftigkeit und „Oo-oohs“. Lyrisch arbeiten sich Hal Johnson an den Sorgen und Alltagsproblemen ab, singen über Nöte und Hoffnung. Das ist zwar nicht die ganz große Kunst, aber da sind andere schon für weitaus weniger gelobt worden. „Gang In Black“ punktet mit übersprudelnden Gitarrenriffs – die dazu in die Luft stoßenden Fäuste sieht man quasi schon vor sich.

Mit „Seasons“ haben Hal Johnson ein sehr beachtliches Debut vorgelegt. Man merkt Band und Platte an dass ihnen die verhältnismäßiges lange Phase des sich Eingroovens und des Punkspirit-Atmens gut getan hat. Aus „Seasons“ tropft die Leidenschaft zu dem was die Herren da tun förmlich aus jedem Song heraus.

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The Shadow of Your Guard Receeding

Als vor vier Jahren ihre Erste EP „Age OF Swans“ (This Charming Man) erschien, erhielten Oakhands nicht nur wegen ihrer Musik von Kritikern und Fans Aufmerksamkeit. Denn sie drehten ein 15-minütiges Musikvideo, welches auf künstlerische Art und Weise die Gegensätze der Songs aufzeigen sollte. Mit diesem Ansatz wollten die Münchener ihrem Werk eine neue Dimension hinzufügen.

Dieses Vorgehen rücken sie auf ihrem Debütalbum „The Shadow of Your Guard Receeding“ (This Charming Man) ebenfalls in den Mittelpunkt. Denn auch hierzu wird in den nächsten Wochen eine Reihe von Musikvideos erscheinen, die den Post-Hardcore und die Texte von Oakhands ins richtige Bild setzen sollen.

Der Genre-Begriff Post-Hardcore greift für die Musik der fünf Jungs allerdings zu kurz. Zwar sehen sie sich selbst in der Szene verankert, ihre Songs besitzen aber äußerst starke Emo- und vor allem Indie-Elemente. So könnten Lieder wie „Samsa“ oder „Palming“ von einem lupenreinen Indie-Künstler stammen.

Natürlich gibt es daneben die emotionalen und lauten Ausbrüche. „Reverie 1890“ oder „Several“ sind typische Post-Hardcore-Songs im Stil der 2011er Generation von „The Wave“-Bands. Oakhands lassen sich also irgendwo zwischen La Disputes „Wildlife“ und Touché Amorés neuestem Werk „Stage Four“ verorten.

Ganz in diesem Sinne stehen nicht knallende Gitarren oder viel Geschrei im Vordergrund. „The Shadow of Your Guard Receeding“ soll stattdessen eine düstere Atmosphäre erzeugen. Besonders gut gelingt das beim Instrumental-Song „Twenty-Two“, dessen Durchbrechung mittels eines Schreis für Unbehagen sorgt. Dieses beklemmende Gefühl spiegelt sich auch in den Texten wieder. Der Ich-Erzähler setzt sich mit seinen eigenen schwierigen Problemen wie Sozialphobien, psychischer Verfassung, Familie oder Maskulinität auseinander.

„The Shadow of Your Guard Receeding“ ist ein starkes Debütalbum geworden, von dem man nicht gedacht hätte, dass es aus der bayerischen Landeshauptstadt stammt. Vor allem die von Oakhands erzeugte dicht gedrängte Atmosphäre kann überzeugen. Manchmal wirken die Lieder jedoch etwas zu verkopft, sodass den negativen Emotionen noch etwas wütender freier Lauf gelassen werden könnte.

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