Schlagwort: Crust Punk

Kurjien Elegia

Ohne wiedermal in das Lied von der eigenwilligen Untergrundszene Finnlands einzustimmen, das Quartett VVorse ist seit acht Jahren Teil dieser Bewegung. In dem Land, in dem die Sonne nicht so oft scheint, ist es naheliegend irgendetwas „Blackened“ zu spielen. Ebenso nahe liegen Genres wie Black Metal, Hardcore oder Crust Punk/D-Beat. VVorse’ zweite Schwarzrille „Kurjien Elegia“…

VVORSE – Finnische Crust-Punks fragen, wer die Macht hat

Wer hat die Macht? Die Politik, die Industrie, die Straße oder das Volk? Dieser Fragestellung gehen die finnischen Neo-Crusties VVorse mit ihrer neuen Single ,Kenen valta?‘ nach. Der Songs wird auf dem zweiten Longplayer des Quartett aus Jyväskylä „Kurjien Elegia“, der 28. Januar dank Off Records wie ein Donnerhall einschalgen wird. Der vier Minuten lange,…

Satan’s Loss of Son

Satan hat seinen Sohn verloren! Heißt das, dass dieser weg gelaufen, ausgerissen ist oder sich im Labyrinth der Hölle verlaufen hat? Solch philosophische Fragestellungen erörtern Sólstafirs Aðalbjörn Tryggvason und sein Bruder im Verbrechen Birgir Jónsson in ihren Crustpunk-Projekt Bastardur. Schon viele nordländische Kader haben beweisen, dass Crust als Hobby sehr viel Spaß machen kann. Dem steht das isländische Duo mit ihrem Debütalbum „Satan’s Loss of Son“ (Season of Mist) in nichts nach.

Mit einer Menge Wucht und Wut im Bauch ballern Bastardur ohne Umschweife gekonnt los. Polternder D-Beat, niederwalzende Double-bass-Attacken, kratzende Gitarren, heisere und growlige Vocals wechseln sich ab, kurze Solos in Gendenken an Motörhead und dazu ein guter Schuss Death Metal – das klingt nach klassischen Crustpunk. Jawoll! So wie er einem Freude bereitet. Und ohne den gerade bei vielen Bands des Genres angesagten atmospährischen Post Metal-Kram auskommend. Pure icelandig crust!

Mit der Highspeed-Nummer ,Neonlight Blitzkrieg‘ ist mit der Unterstützung von Marc Grewe sogar ein mörderischer Smash-Hit entstanden. Im Übrigen haben sich viele Freunde und Bekannte der beiden Hauptprotagonisten auf „Satan’s Loss of Son“ verewigt. Den Spaß beim Zocken ist den acht Songs anzuhören. Selbst die monotonen Instrumentalpassagen haben Charme. Uptempo und massiver Midtempo-Beat wechseln schablonenhaftig ab, was den Punch Bastardurs aber nicht mindert. Fast alle Songs sind jenseits der Drei-Minuten-Grenze angesiedelt, was Platz für ein paar nette Spielereien lässt.

Nachdem das Ding zwischen den Ohren von Bastardur mal wieder gehörig durchgerüttelt und von all dem Müll, der da sonst so herum hallt, frei geblasen ist, kann man sich wieder voll der Pandemie widmen. Masken tragen, andere Menschen belehren und beschimpfen, der Pest anheim fallen und einen elenden Tod sterben. Vielleicht finden wir ja unterwegs den verlorenen Sohn. Oder sind wir das am Ende selber?

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BASTARÐUR – Isländische Crusties beschwören den ,Viral Tumor‘

Viele Metal-Musiker haben neben ihrer Hauptband ein Faible für Abwegiges. Bei Todesmetallern ist es oft der Crust Punk, weil er ebenso düster, aber einfacher, ebenso energiegeladen ist, aber auch eine ausgeprägte Fuck-you-Attitüde hat. Viele schwedische Kader frönen dieser Neigung, nun auch Aðalbjörn „Addi“ Tryggvason, seines Zeichen Singer und Gitarrist der isländischen Kapelle Sólstafir. Zusammen mit…

Kennt ihr schon … UTILITARIAN?

Utilitarian Band Pic

In der 90ern war die britische Punk/Hardcore-Szene eine der lebendigsten überhaupt. Vor allem war sie politisch wie kaum eine andere. Die Anarcho-Punks von Conflict stehen, wie die Crust-Institutionen Doom und Extreme Noise Terror und natürlich die Ur-Grinder Napaln Death stellvertretend für diese Zeit. Es ist ruhiger geworden, obwohl die genannten Bands noch immer ihre Kreise…

Stay Angry

Bereits das Debütalbum „Fight War, Not Wars. Destroy Power, Not People“ der drei Sheffielder Anarcho-Punks war eine Frischzellenkur für die überalterte britische Polit-Punk-Szene. Utilitarian verbinden all das Gute von Bands wie Conflict und Napalm Death: Energie, Wut, Aussage und Frische. Dies gilt auch für die neue EP „Stay Angry“ (DIY), deren Titel die Marschrichtung der fünf Songs vorgibt.

Der metallische Punk des Trios ist genau das, was die Schublade aussagt, wütender Punk mit einer Metal-Kante, die nie die Oberhand übernimmt, sondern die Kraft der Songs unterstützt. Alteingefleischte Cruties und Anarchos werden ebenso ihre Freude an der Performance Utilitarians haben, wie junge Grinder und Thrasher. Besonders sticht das fast sechsminütige ,Anarchy (Justice Without Order)‘ mit seinem langen Instrumental-Part hervor. Der Song verbindet sämtliche musikalische Einflüsse der Band zu einem Monster-Song. Es hätten auch drei oder sogar vier Stücke daraus entstehen können, aber dann wäre er nicht einmal halb so massiv und vernichtend. Die ähnlich lange Antwort ,ACAB (Order Without Justice)‘ fällt dagegen nicht so auf den Punkt gebracht aus. Hier wären zwei Songs angebracht gewesen. Als Sahnehaube präsentieren Utilitarian noch zwei Cover-Songs, die, wie schon auf ihrem Debüt, wirklich gelungen sind. Dooms ,Police Bastard‘ erstrahlt in einer Grindcore-Version und ,Police Truck‘ von Dead Kennedys wurde noch nie so wütend vorgetragen, kommt aber nicht an ,Nazi Punks Fuck Off!‘ der Birminghamer Helden heran.

Die letzten Jahre über haben die alten Recken die schwarze-rote Fahne der englischen Polit-Punk-Szene hoch gehalten. Doch mit Utilitarian steht der Nachwuchs angriffslustig bereit. So frisch und engagiert wie damals die Gründungsväter, dabei kein bisschen grün hinter den Ohren, sind sie der dringend nötige Tritt in der Arsch der apathischen Punk-Szene auf der Insel.

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Politics Versus the Erection

Volle Deckung! Shane Embury ist zurück! Der britische Extrem-Basser ballert ein weiteres Mal mit einem seiner Projekte wild um sich. Dieses Mal handelt es sich um Venomous Concept, mit denen der Workaholic das sechste Release seit der Gründung 2004 von der Kette lässt. Dabei teilen sich die Grind-Institutionen Napalm Death und Brutal Truth nicht mehr ganz so brüderlich die Aufgaben auf „Politics Versus the Erection“ (Season of Mist) – Embury und Herrera an den tiefen Saiten und der Schlagbude, Kevin Sharp am Mikro und wieder dabei ist John Cooke von Corrupt Moral Altar an der Gitarre. Thrash-Legende Danny Lilker nimmt eine Auszeit.

Oft als Grindcore-Kapelle schubladisiert, zeigen Venomous Concept ihr wahres Gesicht: Outlaw Punk. Und dies bedeutet Punk versus Hardcore versus Crust versus Grindcore, all die feinen Leckereien in einem Feuerball vereint. Dreckig, wütend und ohne Umschweife gehen die alten Recken zu Werke. So sticht Punk-Faktor den metallischen Anteil unüberhörbar aus. Die Ohren schlackern, der Puls rast und das Adrenalin pumpt.

Sharp keift und faucht sich mit seinem gutturalen Organ völlig aufgeputscht die Seele aus dem Leib, während Herrara seine Mitstreiter in seiner unnachgiebigen Art antreibt. Ob fies grindend, treibend im Midtempo, rasend schnell oder noisig depressiv, Venomous Concept unterstreichen ihre – oftmals unterschätzte – Vielseitigkeit. Bei all den Gegensätzen, die sich oft perfekt, mal eher holprig ergänzen, ist den 13 Songs eins gemein, sie sind nicht leicht verdaulich und werden Puristen übel aufstoßen. Schließlich wirken Stücke sehr spontan, teilweise passen sie nicht recht zu einander und verbreiten eine Atmosphäre der Unstetigkeit, der Uneinheitlichkeit und der Orientierungslosigkeit. Unterstreichen tut die der ungeschönte und raue Sound. Venomous Concept setzen sich auf ihrem vierten Longplayer über die stereotypen Hörgewohnheiten der Masse hinweg, was zur Folge hat, dass „Politics Versus the Erection“ nicht in jeder Lebenssituation ein Hörgenuss ist. Wessen Geist aber gerade völlig durch den Wind ist, der wird jeden Song lieben.

Wer es sich leisten kann, auf Trademarks und Hörgewohnheiten zu scheißen, der muss eine zufriedene Band sein. Venomous Concept machen partout nicht das, was von ihnen erwartet wird, sondern wonach ihnen der Sinn steht. Ihr Credo scheint zu sein, Hauptsache so oft und viel wie möglich anzuecken. Mit „Politics Versus the Erection“ haben sie dieses Vorhaben erfolgreich umgesetzt.

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Katharsis

Kaum scheint in Finnland mal die Sonne, schon kommt ein ungehobeltes Punk-Trio daher und unternimmt alles, damit es wieder dunkel wird. Mustasuo lärmen, brüllen und schreien voller Inbrunst gegen das Licht an. Sie scheinen nicht nur ihren inneren Dämon bekämpfen zu wollen, sondern haben an ihrem freudlosen Handwerk auch noch Freude. Denn Helligkeit blendet und verblendet. Und das kann einem Punk nicht schmecken. Also holen sie mit „Katharsis“ (Off Records) zum Rund-um-Schlag aus, um sich den Frust von der Seele zu prügeln.

Mit einer rudimentären Mischung aus Screamo, Crust und Grindcore läuten Mustasuo das Ende der schöngeistigen Kultur ein. Holpriger D-Deat, wilde Blastbeats und Kettensägen-Riffs kämpfen im wahrsten Sinne des Wortes in dem Tornado eines ächzenden und kratzenden Sound gegen einander an. Das Szenario, das sich einem eröffnet, verdient nur eine Charakterisierung: pure Verzweiflung. Das heisere Geschrei ist kaum auszuhalten. Die musikalische Darbietung ist kalt und schmerzend. Jede Note tut weh. Sie trauen sich auch, Elemente von trostlosem Noise und walzendem Industrial in ihren ätzenden Cocktail einfließen zu lassen. Eine halbe Stunde lang strapazieren sie die Nerven des Zuhörers bis zum Zusammenbruch. Gefahrensucher-Musik trifft den Kern dieser Eruption am besten. „Katharsis“ hört man nicht einfach, man wagt es, wie ein Mutprobe. Shane Embury ist mit Sicherheit ein Fan dieser verrückten Finnen.

Mit ihrem Debütalbum stehen Mustasuo in der Tradition legendärer finnischer Bands, die sich nie um Trends oder die Hörgewohnheiten des Mainstreams geschert haben. Mustasuo atmen den Spirit von Bands wie Terveet Kädet und Rotten Sound und sind dabei doch so grundverschieden. Herrlich ist die Ruhe nach „Katharsis“. Aber es wird den Moment geben, da passen die zehn Songs, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

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Fight War, Not Wars. Destroy Power, Not People

„Fight War, Not Wars. Destroy Power, Not People“ – Der Titel dieses Albums klingt so sehr nach Anarcho-Punk aus dem Vereinigten Königreich, wie er in den 80ern von Bands wie Conflict gespielt wurde. Nicht so weit gefehlt! Der erste Eindruck, zudem auch das schwarz-weiße Cover-Artwork mit dem roten Anarchie-Zeichen zählt, trifft den Kern der Annahme. Allerdings sind die 14 Songs sind die 14 Songs auf dem Debüt des Sheffielder Punk-Trios Utilitarian zeitgemäßer.

Wütender Kreisch-Gesang in Verbindung mit einem metallischen Songwriting und knackigen Sound lassen das Herz eines jeden Polit-Punks höher schlagen. Schwarze Nietenkutte, Dreads, Dauerkarte zu jeder Demo in der Stadt, das Regal voll mit sämtlichen relevanten linken Polit-Bibeln und Napalm Death auf dem Plattenteller – Utilitarian blasen einen ihre Meinung mit nachhaltigem Druck und tiefer Überzeugung in die Fresse. Dabei verbinden sie souverän treibenden Hardcore, nach vor Wut schnaubenden Crust Punk und explosiven Grindcore. Nur Briten verstehen es, alles durcheinander zu spielen und trotzdem auf den Punkt zu kommen. Dieses Verständnis sorgt für ein Maximum an Abwechslung und extrem hohen Adrenalin-Faktor.

Anarcho Punk at it’s best anno 2020

Ob Klimawandel, Schuldenfalle, Konsum, Kapitalismus und der sinnlose Hass im Netz, Utilitarian gehen jedes aktuelle Thema an ohne dabei auf platte Parolen zurück zu greifen. Sie versuchen durchaus, differenziert ihre Gedanken rüber zu bringen. Im Grunde sind die eigenen Kompositionen gut genug, um für sich ein intensives Debütalbum zu markieren, aber die Version von Napalm Deaths ,Instinct Of Survival‘ und die geniale Interpretation von Woody Guthries ,All You Fascists‘ sind der Zuckerguss auf jeden Molotow Cocktail.

Utilitarian stehen für die Wiederbelebung diese Genres. „Fight War, Not Wars. Destroy Power, Not People“ steht zwar fest in der ehrwürdigen Tradition britischer Polit-Punk-Combos, musikalisch aber auf der Höhe der Zeit und mit einer aggressiven Durchschlagskraft, die dem Subgenre des Punks in den letzten Jahren abhanden gekommen ist. Selbstverständlich veröffentlicht das Trio seine Releases in Eigenregie, die ihr auf deren Bandcamp-Seite bestellen und herunterladen könnt.

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Medium

Crust hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass sich diese Spielart des Punks musikalisch schwer zu greifen ist. Ob Anteile von Grindcore, Rock’n’Roll, Post Metal – im Falle Medium ist es Death Metal der Stockholmer Schule, der ihren Crustcore anreichert. Die Argentinische Kapelle feuert auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum (Transcending Obscurity Records) sieben Granaten ab, so kraftvoll und so düster wie der Bastard aus den beiden Stilen nur sein kann.

Mit gnadenlosem Tempo, wütend-heiseren, böse-hallende Vocals, schneidenden, tiefen Saitenklängen und unheilvoll finsterer Stimmung kommen einem die Songs entgegen geschmettert. Die Songs sind zwar schnörkellos und wirken bei den ersten Bauchtreffer einfach gestrickt, aber die Energie, die Medium frei setzen, gleicht der eines Vulkanausbruchs. Funken sprühen, wie bei einem Hammer, der unentwegt Stahl bearbeitet. Strand, Sonne oder gar gute Laune negieren die brasilianischen Crusties gänzlich.

Das Debütalbum des Vierers aus dem so arg gebeutelten südamerikanischen Land weiß aber trotz der vermeintlich mangelnden Abwechslung, bzw. gerade deshalb einen genüsslich zu plätten. Durch gekonnt eingesetzte spielerische Schlenker wirken die Tracks nie stumpf, sondern können ihr zerstörerische Kraft frei entfalten. Textlich hauen Medium, wie es sich im Crust gehört, in die gute alte Weltuntergangskerbe, was im perfekten Einklang mit der musikalischen Darbietung steht. Guter Crust muss eben nicht immer nur aus England oder Skandinavien kommen.

Im Schwung der Großzahl der Crust-Releases der letzten Monate – von den alten Platzhirschen Wolfbrigade über namenhafte Nebenprojekte wie Frecuencia De Muerte bis zu den Newcomern M:40 – können sich Medium absolut behaupten. Ihre erste Schwarzrille ist ein bärenstarkes Album geworden, mit seinen nicht mal 20 Minuten aber leider viel zu kurz. 10 Minuten fehlen, um schon jetzt, die rostige Krone aufgesetzt zu bekommen.

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