Schlagwort: Crossover Thrash

CAGE FIGHT – Neue Hardcore-/Thrash-Gruppe des TesseracT-Gitarristen

James Monteith, der Gitarrist der Progressive-Metaller TesseracT, hat ein neues Projekt: Cage Fight. Das Quartett hat sich erst zu Beginn dieses Jahres in London gegründet, nun aber mit „Hope Castreted“ seinen ersten Song präsentiert. Musikalisch ist die Gruppe von Hardcore, Crossover und Thrash Metal beeinflusst. Für Monteith geht es darum, sämtlichen Emotionen und vor allem…

Sea Savage

Thrash Metal from Ireland, underpants from China. Humor und Thrash Metal sind seit jeher ein unschlagbares Duo. Legendäre Kapellen wie Lawnmover Death oder Acid Reign haben diese Vereinbarkeit stets unter Beweis gestellt. Seit 18 Jahren unterhalten Gama Bomb uns mit gepfeffertem Metal in Verbindung mit – manchmal infantilem – Humor, der aber vor allem bei älteren Semester auf nahrhaften Boden fallen dürfte. Gama Bomb sind halt Kinder der 80er. Genau aus diesem Holz, bzw. diesen Untiefen entstammt Album Nummer 7. „Sea Savage“ (Prosthetic Records), welches zugleich eine Scheibe mitreißenden Crossover Thrash’ ist.

Immer hart am Wind segelnd, sprich immer volle Segel bedeutet immer volles Tempo, slamen sich die Iren durch 40 Minuten Stakkato-Riffs, massig Crew-Shouts, schrägen Gesang, aufmüpfige Vocals und lyrischen Kalauern. Dabei ist der Fünfer über die Jahre kaum von seiner Marschroute abgewichen. Thrashen macht Spaß! Slamen macht Spaß! Blödsinn macht Spaß! Gama Bomb machen Spaß! Alles wird dem Spaßfaktor untergeordnet. Dies bedeutet kurze und kompakte Songs ohne langatmiges Songwriting und langweilige Instrumentalpassagen. Dafür hauen die Jungs zwölf satte Steilvorlagen für die nächste 80er-Jahre-Party raus.

Von Judas Priest über Forbidden bis zu Metallica kriegen eine Vielzahl von Metal-Institutionen musikalisch ihr Fett weg. Textlich wird währenddessen über ,Judo Killer‘, ,Lords Of The Hellfire Club‘ oder ,Monsterizer‘ sinnfrei sinniert. Da die Stücke recht simpel aufgebaut sind, nehmen sie schnell vom Bewegungsapparat Besitz. Füße und Kopf wippen wild mit und gegen den Takt, der Oberkörper ächzt unter dem schnellen Rhythmus und die unförmige Hüfte groovt wie einst John Travolta. Wer jetzt das Bild von schlecht animierten Monster in echt gruseligen Horrorfilmen aus den 80ern hat, der weiß, was ihn mit „Sea Savage“ erwartet: „Good Friendly Violent Fun“!

Heavy Metal mit einem schelmischen Grinsen in ernsten Zeiten. Klar sollte man sich engagieren, seine Meinung vertreten, nicht nur an sich denken und so weiter. Zwischendurch muss aber auch mal wilder Pogo mit lauter Mucke in Form von „Sea Savage“ auf dem Plattenteller und selbstverständlich einem Bier in der Hand erlaubt sein. Nur aufgeräumt werden sollte nachher unbedingt.

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United States Of Anarchy

Evildead wurde 1986 als Nebenprojekt vom Agent Steel-Gitarristen Juan Garcia gegründet. Eine EP und zwei Alben produzierte die Band bis zu ihrem Abschied 1992. Die Band hat also das Sterben des Thrash Metals in den 90ern am eigenen Leib erfahren. Nichtsdestotrotz sind die Musiker dem Metal über die Jahre treu geblieben, allen voran der Ur-Gitarrist, der noch bei Agent Steel maßgeblich beteiligt war und inzwischen Ice-Ts Bodycount veredelt. Überraschend war die Ankündigung eines neuen Evildead-Albums, was hohe Erwartungen zur Folge hatte. Nun liegt „United States Of Anarchy“ (Steamhammer/SPV) vor und kann durchaus mit dem 1989er-Album „Annihilation Of Civilization“ mithalten.

Wie schon beim eben genannten Album warten Evildead mit einem Stakkato-Riff-Feuerwerk auf, das zum intensiven Headbangen einlädt. Ein weiteres Markenzeichen der Ami-Thrasher sind die aggressiven Vocals, die sich ungewöhnlich stark am Rhythmus orientieren. Somit gehen Riffs, Vocals und Beat Hand in Hand. Dazu kommen noch die hardcore-lastigen Crewshouts. Schon nach dem Opener ,The Descending‘ ist klar, „Annihilation Of Civilization“ ist ein waschechtes Evildead-Album. Der Old School Thrash Metal ist absolut Pit-tauglich im Sinne von Hymnen der Kollegen Exodus wie zum Beispiel ,Bonded by Blood‘ oder ,Toxic Waltz‘. Auch der Sound klingt nach den 90er, nur dass er gehörig entstaubt wurde. Die neun Songs pendeln zwischen Highspeed und Midtempo und sind kompakt auf den Punkt gebracht, so wie es von Evildead zu erwarten war. Darüber hinaus macht der Fünfer keine großen Experimente, eigentlich sogar gar keine.

Keine Experimente – Pit-tauglicher Old School Thrash Metal

Überraschend sind aber die engagierten und kritischen Aussagen, die die Band tätig. Vom Klimawandel bis zur chaotischen politischen Lage in den Staaten beziehen sie klar Stellung. Die Wut, die in ihnen gärt, ist ihnen deutlich anzumerken. Dies ist dann wohl auch der Grund für die Reunion in der letzten Besetzung von 1992. Die fünf Thrashheads möchten sich mitteilen. Dass dabei bester Old School Thrash mit Hardcore-Kante herauskommt war nicht unbedingt mit zu rechnen, ist aber so. Einzig die kurze Spielzeit von 35 Minuten gereicht zu einem Miesepeterpunkt. Abgerundet wird das dritte Album der Bandgeschichte durch ein typisches Artwork von keinem Geringeren als Edward J. Repka.

„United States Of Anarchy“ wird mit Sicherheit keine Preise gewinnen oder zu einen großen Kapitel im gegenwärtigen Metal-Geschehen führen. Evildead sorgen aber für eine kleine Fußnote mit Ausrufezeichen, an der sich nicht nur Fans der Alten Schule freuen dürfen. Es waren schöne Zeiten damals, aber heutzutage ist eine Metal Band, die nicht ausschließlich über Tolkienschen Nonsense oder Piraten sinniert, selten. Daher sind Evildead zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

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D.R.I. – It’s Crossover-Summer

Im Sommer spielen die Dirty Rotten Imbeciles ein gutes Dutzend Konzerte in Europa, darunter auch in Berlin und Hamburg. Das sind doch gute Nachrichten für alle Haupt- und Hansestädter Crossover Punks. Vielleicht gibt es ja noch mehr Termine. Macht also Platz in euren Kalender für D.R.I.! 27.07.2019 Berlin – BiNuu11.08.2019 Hamburg – Monkey’s Club

Control The Fear

Was haben D.R.I., Corrosion of Conformity und Suicidal Tendencies Mitte der 80er die Szene aufgemischt, als sie Hardcore und Thrash-Metal vereinten und diesen Mix „Crossover“ tauften. Seitdem gibt es immer wieder Wellen, auf denen Bands die Crossover-Fahne hissen. Und das nicht erst seit Municipal Waste. Schließlich gibt es neben den unsterblichen Institutionen ja noch Bands wie zum Beispiel Insantiy Alert, Toxic Shock, Adrenicide oder Dr. Living Dead!

Aus Mitgliedern der letztgenannten Schweden sind Negative Self entstanden, um ihre ganz eigene Version der Venice-Beach-Cycos zum Leben zu erwecken. Das selbstbetitelte Debütalbum hat schon gezeigt, welche Elemente die Schweden an Cyco Mike so sehr lieben. Mit „Control The Fear“ perfektionieren Negative Self ihre Vorliebe: nasaler Singsang à la Mike Muir, überirdisch melodische Rocky-George-Gedächtnis-Solos, Crew-Shouts, mitreißende Up-Tempo- und Thrash-Nummern und ganz viel (negatives) Feeling. Die beste Suicidal-Scheibe seit Jahren? Ein klares und eindeutiges: Ja! Die Band um Frontmann Andreas Sandberg setzt all die guten Sachen in einer Souveränität um, dass man entweder sprachlos ist oder von der ersten bis zur letzten Note durchdrehen möchte.

Das beste Album, das Mike Muir nie geschrieben hat

„Control The Fear“ hat nicht eine schwache Sekunde, die versponnenen Passagen gehen in rasende Thrasher über, die weit entfernt von sinnlosen Prügelorgien sind, um dann wieder in Groove zu verfallen. Das alles verbunden mit atemberaubenden Solos und gekonnten Übergängen, wie sie eigentlich nur Mr. George Himself spielen kann. Dieses Trademark fehlt den aktuellen Suicidal leider komplett. Und zum Glück lassen Negative Self den Funk außen vor. Songs wie der Opener ‚Underneath The Wave‘ oder ‚The Pain Return‘, aber auch die anderen acht Songs scheinen mit einer solchen Leichtigkeit aus dem Ärmel gezaubert worden zu sein, dass es schon fast schmerzt, wie schön jedes einzelne Lied ist. Obendrauf kommt noch das düstere rot-schwarze Artwork, das so herrlich vor Klischees strotz, aber doch so effektiv den Albumtitel umsetzt.

Mit „Control The Fear“ haben Negative Self neben „Lights Camera Revolution“ eines der besten Suicidal-Alben überhaupt geschrieben, so dass es einem nicht leicht fällt, die Schweden als Kopie zu verunglimpfen. Ein Klon, das kommt der Wahrheit schon näher, denn: Das neue Venice Beach liegt in Stockholm!

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