Schlagwort: Polit-Punk

RISE AGAINST – Zusammen können wir etwas bewirken, wir haben ,The Numbers‘

Mit ,The Numbers‘ zeigen die immer engagierten Melodic Punks Rise Against, dass ihr am 04. Juni erscheinendes Album „Noweher Genertion“ nicht nur inhaltlich eine gewissen Relevanz haben könnte, sondern auch musikalisch. ,The Numbers‘ ist ein mitreißender und kämpferischer Punkrock-Song, der in den Arsch tritt und kein Rumgedudel wie die bisherigen Promo-Songs. Glaubt ihr nicht? Dann…

ANTI-FLAG – Rette (d)ich wer kann

Wer sich seit mehr als 25 Jahren im politischen Punk-Universum umhertreibt, den darf man getrost zu den Urgesteinen der Szene zählen. Doch anstatt eine gewisse Altersmilde zu entwickeln, sind Anti-Flag immer noch die, die lieber mit Steinen werfen, um ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen. Nationalflagge anzünden? Jetzt erst recht. Wir haben mit Chris#2 darüber gesprochen,…

20/20 Vision

Keine Mainstream-Punk-Band kämpft so unnachgiebig und aufopferungsvoll gegen die Missstände der aktuellen gesellschaftlichen Situation wie Anti-Flag. Seit 1988 und auf zwölf Alben halten sie der Unmenschlichkeit die Flagge der Menschlichkeit entgegen. In ihren Anfangstagen war ihr wilder und doch melodisch-hymnischer Punkrock der Gegenpol zum teilweise infantilen Fun-Punk von NoFX. Inzwischen ist ihr Output gediegener und oft auch so poppig, dass Blink-182 als Hardcore-Punks dastehen. Die Texte Anti-Flags in Verbindung mit der musikalischen Ausrichtung haben aber immer noch die unaufdringliche Nähe zu den Punk-Vätern von The Clash.

Auch auf „20/20 Vision“ (Spinefarm Records/Universal Music) bieten Anti-Flag eine ausgeglichene Mischung aus Punkrock-, Pop- und Alternative-Songs feil. Wer auf die frühen Tage der Punks aus Pittsburgh steht, wird mit Adrenalin pumpenden Songs wie ,It Went Off Like A Bomb‘ und dem rasenden Kracher ,A Nation Sleeps‘ zufriedengestellt. Für diejenigen, die den Pop-Punk der vorangegangenen drei Alben präferieren, sind ,Hate Conquers All‘ und die erste Single ,Christian Nationalist‘ erste Wahl. Die Alternative-Rocker werden sich beim Titeltrack und der Akustik-Nummer ,Un-American‘ ganz zu Hause fühlen.

Alle relevanten Rezipienten bekommen die Message der Band im auf sie zugeschnittenen Format serviert. Das ist auch das Problem von „20/20 Vision“. Dadurch herrscht oftmals Leerlauf, Pausen oder sogar Langweile entstehen. Auch dass die hymnischen Midtempo-Songs nahezu gänzlich nach dem gleichen, zuckersüßen Pop-Muster gestrickt sind, sorgt nicht gerade für prickelnde Aufregung. Gänsehautnummern wie zum Beispiel ,Post-War Breakout‘ („The Terror State“, 2003) oder ,Watch Your Right‘ („Underground Network“, 2001) fehlen gänzlich. Die Ecken und Kanten sind inzwischen nahezu komplett abgeschliffen, zu oft hängen Billy Talent oder Blink-182 über den elf Liedern. Nur inhaltlich sind Anti-Flag noch relevant, sodass sie immer noch in der Lage sind, der Generation der Digital Natives eine Vorstellung davon zu geben, dass Punk mal etwas mit Widerstand, Aktionismus, Individualismus, Respekt, Toleranz, freier Meinungsäußerung und Kunst zu tun hatte und erst in zweiter Reihe mit Spaß und Party.

Insofern ist es gut zu wissen, dass sich Anti-Flag weiterhin an den politischen Umständen der Gegenwart mit vollem Einsatz und tiefer Überzeugung abarbeiten, wie hierzulande die Oldies von Slime. „20/20 Vision“ ist also kein sehr gutes oder gar großartiges Album, aber gut und auf jeden Fall integer.

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ANTI-FLAG – Erster Song vom neuen Album

Anti-Flag promo-pic

Wie bereits vor ein paar Tagen erwähnt, die Pittsburgher Polit-Punks Anti-Flag beenden derzeit die Arbeit an ihrem neuem Album. Damit der Appetit noch größer wird, präsentieren Anti-Flag mit „Christian Nationalist“ ein erstes Lyric-Video. Natürlich hat der Song eine aktuelle Message, die Justin Sane wie folgt erklärt: “History is full of wealthy and powerful people using…

Hier und Jetzt

Mit alten Helden ist das so eine Sache. Einst haben sie unser Fühlen bestimmt, unser Sein geschärft und sich damit einen unauslöschlichen Platz in unserem Leben gesichert. Wenn sie sich zurückziehen, ist das schmerzhaft. Immer bleibt da der versteckte Wunsch, sie würden zurückkommen. Noch schmerzhafter kann es aber sein, wenn sie es wirklich tun.

Denn allzu oft verändern sich die Verhältnisse, die alten Helden jedoch nicht. In Bezug auf Slime hält sich ein mögliches Unbehagen über ihre Rückkehr zumindest dadurch in Grenzen, dass ersteres in diesem Falle schlicht nicht zutrifft. ‚Unsere Lieder‘, Single und Opener der vorliegenden Platte, handelt genau davon und liefert vorweg den Grund, warum die Band 23 Jahre nach ihrem letzten Album mit eigenen Texten neue Songs veröffentlicht. Und warum es die Leute immer noch auf ihre Konzerte zieht.

Ob sie wollen oder nicht, Slime sind für ganz viele ihrer Fans eben alte Helden. Und keine Deutschpunk-Band, die sich in den letzten Jahren wieder zusammengetan hat, hat so ein bedeutsames und daher schwer wiegendes Erbe zu wuchten. Nach sieben Jahren fast reiner Live-Tätigkeit (das 2012er Album ‚Sich Fügen Heißt Lügen‘ vertonter Mühsam-Texte soll hier mal geflissentlich ignoriert werden) soll nun aber nicht mehr nur aus alten Zeiten gschöpft werden. Fast trotzig wirkt daher der Albumtitel. Und wie um dem noch mehr Nachdruck zu verleihen, wurde ‚Hier und Jetzt‘ mit 16 Songs sehr lang gestaltet. Dabei hätte man der Prägnanz halber auf das eine oder andere Stück (‚Der 7. Kontinent‘ etwa) verzichten können.

All die Themen und Gedanken gelten allerdings wohl der Suche nach dem richtigen Kurs. Schließlich ist das Heute voller Probleme und verwirrend unübersichtlich:

‚Hier und jetzt sind wir immer noch da, auch wenn der Weg nie zuvor so im Dunkeln lag.‘

Es geht nicht mehr schnurstracks in eine klare Richtung. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht, ist das ein Grund dafür, dass Slime fünf Jahre gebraucht haben, um neue Songs zu erdenken. Und noch viel länger, wenn man bedenkt, dass sich auf ‚Sich fügen heißt lügen‘ keine bandeigenen Texte befanden. Musikalisch zumindest fand man für das neue Album inspirierende Unterstützung z.B. bei Frank Nowatzki (Beton Combo), Rod Gonzales (Die Ärzte), Paul von Wakes und Enrico von Los Fastidios, den Bläsern von Seeed bis hin zu den Rappern Swiss und Pablo von den Irie Révoltés.

Trotzdem wird sich auf ‚Hier und Jetzt‘ in musikalischer Hinsicht kaum mit Ruhm bekleckert. Viel Midtempo, kaum prägnante Melodien. Dafür viele bemühte Riffs und Gitarrensolos, was typisch anmutet für in die Jahre gekommenen, etwas nostalgische Punkrocker. Das Ende ist stark, ja (‚Für alle Zeit‘). Eh man dahin gelangt, muss man aber Einiges an Phrasen aushalten, die man doch schon so oft gehört hat:

‚Fünf Finger sind eine Faust.‘

(‚Hier und Jetzt‘),

‚Entweder bist du ein Teil der Lösung oder du bist Teil des Problems.‘

(‚Bekenntnis zu einem Paradoxon‘),

‚Doch es geht immer nur ums Geld in eurer ach so heilen Welt‘

(‚Spinner‘). Gemeinsamkeit schaffen und Zusammenhalt, alles schön und gut. Aber beflügelnder war es doch, als Slime noch ihre eigenen Worte gefunden haben und die Szene sich sloganmäßig an ihnen bediente – und nicht umgekehrt. But again: Die Legitimierung dazu liefern sie in ‚Spinner‘ selbst:

‚Und ziemlich krass ist, dass sich im Grunde wirklich nichts verändert hat.‘

Daran kann man fast verzweifeln. Darum: Ja, es ist gut, dass es Slime – wieder oder immer noch – gibt. Denn das eigentliche Problem ist ja schließlich, dass es kaum junge Bands gibt, die so klare Aussagen mit so einer Reichweite raushauen. Und dafür können Slime ja nun wirklich nichts. Aber einen Jeden prägt seine Vergangenheit, und ‚Hier und Jetzt‘ gereicht dem Gesamtwerk der Hamburger nun mal nicht wirklich zur Ehre.

Sich fügen heißt lügen

Ist das die Rückkehr der lebenden Toten? Slime-Reunions kann man kaum an einer Hand abzählen. Die letzte ist 18 Jahre her, begann eher uninspiriert mit der nicht ganz überzeugenden „Viva La Muerta“, die starke Momente hatte, aber auch ebenso viele schwache. Eigentlich sollte einer die Hamburger Punklegende mit der grandiosen „Schweineherbst“ in besten Gedenken behalten. Denn diese Scheibe hat einfach alles: großartige Songs, intelligente, mitreißende Texte und die Energie, die eine herausragende Punk-Schallplatte haben muss. Perfekt. Die Live-Reunion in 2010 war auch sehr gelungen mit großartigen Konzerten unter anderem dem Highlight beim Wacken Open Air. Aber ein neues Album? Skepsis überall: Slime-Songs nicht von Stefan Mahler? Texte nicht von dem Schlagzeuger, der „Schweineherbst“ geschrieben hat? Kann das gut gehen? Kein Problem! „Sich fügen heißt lügen“ steht dem letzten Spätwerk in nichts nach! In keiner Hinsicht, weder musikalisch, noch inhaltlich.

Schon der Opener und Titeltrack deutet an, in welcher Topform die alten Herren sind. Nach spätestens 23 Sekunden ist es um einen geschehen, „Sich fügen heißt lügen“ hat einen gepackt. Kämpferisch reckt sich die Faust in die Höhe. Alte Ideale flammen vor den Augen auf. Der fette, rauhe Sound bläst einen um. Das reggae-mäßige „Rebellen“ passt so gut zu Slime und zum rebellischen Text von Erich Mühsam. Damit haben wir auch die Textebene geklärt. Das Quintett hat sich nicht hingesetzt und versucht, Texte zu schreiben, haben Christian, Dirk und Elf doch schon oft zugegeben, dass sie keine anspruchsvollen Lyriker sind. Sie bedienen sich der Texte des Anarchisten und Kabarettisten Erich Mühsam, der 1936 von der SS zu Tode geprügelt worden ist. Und die Texte passen perfekt zu Slime, auf der einen Seite engagiert und kritisch, auf der anderen Seite humorvoll und süffisant. Und aktuell wie es nur geht. Ein Blick auf das Textblatt und in die Werke Mühsams lohnt sich, auch für den, der sich nicht so gern mit Lyrik herumärgern möchte.

Der Kampf geht weiter!

„Freiheit in Ketten“ ist kein Rührstück, der Anfang täuscht, sondern ein frischer Wirbelwind direkt von der Waterkant. Das Einbetten der mühsamen Texte ist überaus gelungen, die Refrains der ersten drei Songs sind schon beim ersten Hören abgespeichert. Elfs leicht metallische Riffs, der melodische Chorus und der druckvolle Rhythmus sind zu einer kompakten Punkhymne kombiniert. „Wir geben nicht nach“ ist eine Gänsehautnummer, die einem Mut macht, den nächsten Tag in der Maschinerie durchzustehen. Dirks Gesang ist so rotzig wie eh und je und bleibt das Markenzeichen Slimes. Das Bankensystem in „Seenot“, so sehr am Puls der Zeit. Der Text ist von 1925 und immer noch brandaktuell: „… wenn die Banker über Leichen gehen.“. „Bürgers Alptraum“ fühlt sich beim ersten Hören ein wenig altbacken an, da er nicht so los prescht wie seine Vorgänger. Seine Eindringlichkeit entfacht er einfach erst beim dritten Hören. Toller Chorus!

„Bett aus Lehm und Jauche“ ist sehr düster und manisch und wird von „Revoluzzer“ stimmungsvoll abgelöst. „Sich fügen heißt lügen“ hat hier in der Mitte eine ruhigere Phase, nur um sich dann noch mal bierseelig mit dem rockigen „Trinklied“ zu geben. Darauf ’n Astra! Als Kampfansage gegen das Schweinesystem hält „Zum Kampf“ auf rock’n’rollige Weise perfekt her. Schon wieder recken sich die Fäuste zum Kampf. Drei Songs vor dem Ende geht „Bauchweh“ noch mal so richtig ab. Absolut Pogo-tauglich! Wir sind das Lumpenpack des Kapitalismus, ausgebeutet und nach Strich und Faden verarscht. Deshalb holen wir am Ende des Tages noch mal „das Beil“ raus und tanzen uns den Frust vom Leib.

So frisch und engagiert haben wir die fünf seit langem nicht erlebt, weder bei den Mimmis, noch bei C.I.A., Rubberslime oder Elf solo. Man spürt förmlich den Spaß, den Slime die Arbeit an den Songs gemacht hat. Nicht ein Ausfall, nicht mal an kleiner Ausrutscher, dem gebührt Respekt. Aber am besten ist es, sich darüber freuen, dass sich Slime noch mal ein so grandioses Album aus den alten Knochen geleiert haben. Auch wenn viele jetzt „Ausverkauf!“ schreien, „Sich fügen heißt lügen“ beweist das Gegenteil. Hier steckt viel Herzblut und Überzeugung drinnen. Viva Slime!

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Complete Control Session

Bei dieser Veröffentlichung aus der „Complete Control“-Serie (SideOneDummy) treffen die Geschichten von zwei Punk-Bands zusammen, die die glorreichen Anfangstage der Bewegung und das Erbe dieser Tage miteinander verbindet. Unbestritten sind The Clash einer der einflussreichsten Bands der Musikgeschichte. Sie verbanden Musik mit politischen Aussagen in einem globalen Kontext ohne Grenzen und ohne Plattitüden. Dabei bestand Punkrock nicht unbedingt aus dreckigem Gitarrenrock, sondern durfte Pop, Reggae und Folk für seine Zwecke benutzen. Und inhaltlich gab es für die Londoner mehr als die nächste Straßenschlacht auf heimischen Terrain. 
 
Anti-Flag machen zwar klassischen Melodic-Punk. Sie haben aber schon seit jeher eine politische Agenda. Und sie erreichen die Kiddie-Punks genauso wie die „alten“ Punks. Somit schlagen sie mit ihrer „Complete Control Session“ die Brücke zwischen den guten alten The Clash und moderner Punk-Kommunikation, indem sie Klassiker wie „White Riot“, „Guns of Brixton/I Fought the Law“ und gleich zwei mal „Should I Stay or Should I Go“ intonieren und diesen drei ihrer Hits mutig gegenüberstellen. „Turncoat“, „This Is the End“ und „The Economy Is Suffering“ fallen gegenüber den Klassikern zwar ab, aber Anti-Flag können erhobenen Hauptes ihre Session schließen. 
 
Mit diesen Songs haben Anti-Flag die bisher beste „Complete Control Session“ abgeliefert. The Bouncing Souls waren gut, die alten HarDCore-Recken Scream konnten überraschen und Anti-Flag verbeugen sich tief vor ihren Wurzeln. Da es diese Serie als Vinyl-10-Inch bzw. nur noch als Download gibt, nicht aber auf CD und dazu noch schön aufgemacht ist, zeigt SideOneDummy, dass es mehr bedarf ,als nur ein liebloses Jewel-case ins Verkaufsregal zu stellen. Musik verkauft sich mit Liebe zum Detail und vor allem zur Musik. Musik ist kein Produkt. Schöne Idee diese Serie!

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