Schlagwort: Lo Fi

OLD KERRY McKEE – Blues trifft Folk trifft Black Metal

Wie klingt wohl die Mucke, die ein ehemaliger Death-Metal-Musiker aus dem ländlichen Schweden liefert, wenn er die restlichen Bandmitglieder mit einer Akustik-Gitarre, einem simplen Schlagzeug und einem alten Kassettenrecorder ersetzt? Irgenwas zwischen Old Folk, Blues und Black Metal. Man könnte auch sagen: Dark Country mit jeder Menge roher Energie und absolut minimalistischer Technik. Das Album…

album

Ich wäre gern Feministin mit Tourette.

Das meint Apocalypse Vega so witzig wie ernst. Konservative Kackbratzen und stocksteife Schnösel könnten beim Hören der Werke von Acht Eimer Hühnerherzen freilich meinen, dass sie das schon längst ist. Die Frontfrau der Berliner Kombo singt so unmittelbar, unverblümt und ausgelassen, dass Jemand ohne Humor hier sofort verloren hat.

Auch sein zweites „album“ (Destiny Records) präsentiert das Trio mit einem erfrischenden instrumentalen Minimalismus, der zum Einen pogo-, zum Anderen lagerfeuertauglich ist. „Mit dieser schönen Flüchtigkeit“ („Immer schlimmer“) bietet es uns Esprit und Leichtigkeit, mit denen Viele wohl gern durch’s Leben gehen würden. Diese auf Vinyl gepresste Straßenmusik made in Kreuzberg und ihre textliche Ingredienz mag zunächst naiv, manchmal sogar albern wirken – wie im Prinzip das gesamte Bandprojekt, siehe Name. Es liegt aber eine stattliche Portion Lebenserfahrung und auch eine gewisse Weisheit darin.

Also sind sie sehr authentisch, die Songs von Acht Eimer Hühnerherzen. Und auch wenn das Ganze eine humorvolle Angelegenheit ist, ist es doch keine Witz. In der scheinbaren Unbekümmertheit lässt sich nämlich eine ausgeprägte Widerstandshaltung erkennen: gegen eine Pflicht- und Verbotskultur („Kozmic Schlüsseldienst“), Konsum- und Produktionswahn („Zahlen“), gegen das Mantra des Vernünftigseinmüssens („Somnambulismus“), überhaupt wider den stoischen Ernst:

Ich will Orgien, Stress und Streit
und mehr Gemeinheit
und weiter narkoleptisch bleiben.

Eine Prise Acht Eimer Hühnerherzen tut jedem Lebenskonzept gut. Auch mal nicht wissen, „wann man aufwacht und wo man aufwacht“ („Somnambulismus“). Aber Obacht! Auch das kommt nicht ohne Seelentäler und traurige Momente aus. So, wie es im irdischen Dasein nunmal läuft. Und dann überrascht vielleicht doch ein wenig das Fazit aus „Gesellschaftstanz“:

Melancholie ist das, was bleibt.


Acht Eimer Hühnerherzen Website
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Rookie Records

DIET CIG kündigen zweites Album „Do You Wonder About Me?“ an

Man hat sie bereits als Tornado, Feuerwerkskörper oder Gewitter beschrieben und sie echt, unverfroren und bodenständig genannt: Heute kündigen Alex Luciano und Noah Bowman, alias Diet Cig, ihr zweites Album „Do You Wonder About Me?“ für den 01. Mai 2020 an. Dazu erscheint die Single „Thriving“. Das Duo kommentiert ihren neuen Song mit einem Gefühl,…

Power Nap

„I am stronger than I might think.“ (Easy Way Out)

Auf jeden Fall, möchte man aufgeregt zustimmend rufen. Auf „Power Nap“ (Power Nap Records) ist zwar viel von Lethargie und Melancholie die Rede. Aber der stärkste Eindruck, den Ilgen-Nurs Debütalbum hinterlässt, ist doch der ihres Selbstvertrauens. Kaum zu glauben, dass hier eine 23-Jährige am Werk ist, die ihre Songs erst seit zwei Jahren vor Publikum spielt. In der kurzen Zeit schaffte sie es bereits ins Vorprogramm von Tocotronic und auf Festivals wie The Great Escape (GB) und Eurosonic (NL).

Was ist es also, das sie so besonders macht? Talent. Oder besser: eine Gabe. Ilgen-Nur hat ein absolutes Gespür für Songwriting und -ausstattung. Arrangements, Textumfang, Gesangseinsatz, Stimmlage, Instrumentalsoli sitzen perfekt. Nichts möchte man anders wollen. Musikalisch schafft sie es, sehr gegenwärtig – um nicht zu sagen: modern – zu klingen und gleichzeitig nur die besten Referenzen an den 90er-Jahre-Indie zu bedienen. In ihrer Abgeklärtheit bieten ihre Songs wunderbare Gitarren-Melodien, die weder zu cool, noch zu süß sind.

Mit dunkler, aber klarer Stimme geht die Wahl-Hamburgerin mit einer großen Selbstverständlichkeit durch ihre Songs, in denen sie offensichtlich ganz sie selbst sein kann. Das vermittelt auch dem Hörer eine angenehme Geborgenheit. Hilfreich war dabei mit Sicherheit die Unterstützung von erfahrenen Kollegen wie Max Rieger (Die Nerven) als Produzenten oder Paul Pötsch (Trümmer) an der Gitarre. Ilgen-Nur gewährt uns auf seine letzten Tage nochmal die ganze Lässigkeit des Sommers, das süße Laissez-faire langer Sonnentage. Mit „Power Nap“ lässt sich diese behagliche Entschleunigung bis zur einsetzenden Winterstarre beibehalten. Schließlich heißt es in „Nothing Surprises Me“:

„Should I do something differently? I don’t know, I don’t think so.“

 

facebook.com/ilgennur.band

ilgen-nur.bandcamp.com

www.checkyourhead.de

Things That Hurt

Bei Cultdrreams geschieht nichts einfach so. Alles ist bis in seine Konsequenzen durchdacht und in seiner Vertretbarkeit abgewogen. So ist nach eigener Aussage der Namenswechsel, den die als Kamikaze Girls gegründete Band Anfang dieses Jahres vornahm, das Ergebnis eines intensiven Lern- und Rechercheprozesses. An dessen Ende stand die Entscheidung, die im Musikgeschäft durchaus ein selbstmörderisches Potential bergen kann. Aber der Respekt vor unterschiedlichen kulturellen Prägungen und womöglich verletzenden Verwendungen von Begriffen hatte für die Band mehr Gewicht.

Verletzungen sind es nämlich, die besonders Sängerin und Songwritern Lucinda Livingstone in ihrem Leben als prägend erfahren hat. Seit dem Debüt-Album „Seafoam“ wissen wir, dass Cultdreams ihre Musik zur Problembewältigung nutzen, brauchen – aber auch anbieten. Thematisch decken sie alles von psychischen Traumata, Depressionen und Selbstzweifel bis hin zu Frauenfeindlichkeit, sexueller Belästigung und gesellschaftlicher Ausgegrenztheit ab. Das fordert dem/r Hörer/in Einiges an Kraft ab, kann ihm und ihr diese, vor allem wenn selbst betroffen, aber eben auch geben.

Allein über Schmerzhaftes, „Things That Hurt“, offen zu reden, kann neue Qualen hervorrufen. Auf ihrem neuen Album (Big Scary Monsters) geben Cultdreams darum musikalisch größere Hilfestellungen als noch beim Vorgänger. Will sagen, nicht nur in den Texten, sondern auch im Songaufbau, den Arrangements und Melodien wurden mehr Emotionen verarbeitet, was beim Freilassen selbiger helfen kann. Das Duo ist im Songwriting und Zusammenspiel hörbar gereift. Auch wenn Livingstone uns ab und an die harte Kante gibt und ihr Leid unmittelbar herausschreit („Not My Generation“, „Flowers On Their Graves“), gibt es doch mehrere Songs, die einnehmend, ermutigend und auch tröstend klingen.

Cultdreams fabrizieren weiterhin extrem dichte Songgewebe, aber einzelne Features und vor allem der Gesang werden hier pointierter eingesetzt. Schöne Melodielinien, sphärische Gitarrenwände und eine gewisse Beherrschtheit gab es so auf „Seafoam“ noch nicht. Damit ist „Things That Hurt“ ein wesentlich facettenreicheres und tiefgründigeres Album geworden. Den Schmerz vermag es womöglich nicht ganz zu nehmen, aber zur Katharsis trägt es sicher bei.

 

www.cultdreams.co.uk

CULTDREAMS – Zweites Video aus kommendem Album

Das Lo-Fi Punk / Shoegaze-Duo Cultdreams (früher bekannt als Kamikaze Girls) veröffentlichte gerade mit „Not My Generation“ die zweite Single aus dem neuen Album „Things That Hurt“, das am 16. August erscheint. Im Text zu „Not My Generation“ geht es um die Zeit nach der Veröffentlichung ihrer Debüt-EP „SAD“. Sängerin und Songwriterin Lucinda Livingstons schreibt über…

CULTDREAMS (ehemals KAMIKAZE GIRLS) kündigen neues Album an

Das Lo-Fi-Punk/Shoegaze-Duo Cultdreams (ehemals Kamikaze Girls) veröffentlicht am 16. August mit ‚Things That Hurt‘ sein zweites Album auf Big Scary Monsters Records in Deutschland. Die Lead-Single ‚We Never Rest‘ handelt von dem Druck, dem man ausgesetzt ist, wenn man versucht sich dieser ermüdende Gesellschaft anzupassen. Auf dem neuen Song bekommen Cultdreams Unterstützung von Katie Dvorak und David F. Bello…

Debt Begins At 30

In der heutigen Zeit kann es bereits als Qualitätsmerkmal gelten, wenn eine Band auch nach drei Albumveröffentlichungen noch keinen Wikipedia-Eintrag hat. Da lässt sich noch unvoreingenommen, ohne vorgefilterte Informationen und abseits jeglichen Mainstreams etwas entdecken. Im Falle von The Gotobeds ist es ihr neues, besagtes drittes Album ‚Debt Begins At 30‘, von dem man sich im Idealfall Sneak Preview-mäßig überrollen lassen und dabei seiner wilden Emotionskurve hingeben sollte.

Allein, ihre Plattenfirma Sub Pop wollte uns die Band und ihren Sound vorab mit dem Label ‚Folk der Steel City Pittsburgh‘ schmackhaft machen. Dabei ist das schon wieder eine ungehörige Einschränkung! Auf ‚Debt Begins At 30‘ sind die Einflüsse derart mannigfaltig, dass Genregrenzen getrost ignoriert werden können. Das dürfte auch den zahlreichen Gastmusikern gedankt sein, von denen für jeden Song mindestens Einer hinzugezogen wurde und deren Liste bitte dem beigefügten Booklet zu entnehmen ist.

Erste musikalische Assoziationen, die in des Hörers Kopf aufpoppen, reichen von Fugazi und den Pixies über The Breeders bis hin zu New Order – und viel weiter. Anleihen von Garage-Rock, Grunge, No Wave und Noise der 80er Jahre sowie einer Prise Anti-Folk bilden ein dichtes Gebilde, mit dem The Gotobeds den Punk- und D.I.Y.-Werten in ihrer Ursprünglichkeit huldigen. Wir haben teil am Ausleben von künstlerischer Freiheit ohne Kalkül und Einordnung in beengende Strukturen. Da wird an den Songs nicht rumgedoktort, Akkorde nicht angepasst, der Gesang nicht professionalisiert, keine bekömmlichen Harmonien erdacht. Und ein Song wird auch nicht zugunsten einer leichter verträglichen, womöglich sogar radiotauglichen Kürze abgebrochen, wenn er doch gerade richtig Drive und den Charakter einer sich verselbstständigten Jam-Session bekommt (‚Bleached Midnight‘, 6:46).

Weil die Songs eben nicht um jeden Preis auf die Sympathien und das Wohlbefinden des Hörers abzielen, könnte der Sound von ‚Debt Begins At 30‘ als distanziert, stellenweise fast kühl erscheinen – aber nur Jenen, die dem Album nicht die volle Aufmerksamkeit widmen, die es verdient, ja erfordert. Im Gegenteil kann uns die Platte, wenn wir uns gänzlich auf sie einlassen, viel mehr geben als so viele hochproduzierte, empathische Alben, die womöglich professionell, aber eben keine Konventionen zu brechen bereit sind. Auch wenn The Gotobeds eine widerborstige Attitüde zu pflegen scheinen, legen sie uns ihr Herz und ihre Seele doch vollständig offen. Soviel Glaubwürdigkeit ist selten.­

Modern Air

You gotta do what you gotta do.

Eine Musikerseele muss tun, was eine Musikerseele tun muss. Vermutlich war es dieses Gefühl, dem Kate Cooper und Damon Cox folgten, als sie ihre Band An Horse aus dem Pausenmodus befreiten, den sie sich seit 2012 selbst auferlegt hatten. ‚Modern Air‘ ist bestes Zeugnis dafür, dass das Duo aus Australien sich von den Zeiten des Nonstop-Tourens und physischen Auspowerns erholt hat. Mit ihrer Musik sind sie nicht nur selbst wieder im Reinen. Sie soll vor allem auch Anderen, sprich den Hörern, mit ihren positiven Vibes Trost und Kraft spenden:

This is a song for all the times you weren’t alright.
This is a song for all the times it was a fucking fight …
But we are ok now, we made it through somehow.

Aus der Leichtigkeit, die ‚Modern Air‘ bisweilen an den Tag legt, darf man freilich nicht schließen, es seien nur nette Stories und leichte Kost, die An Horse anbieten. Dafür gab es in den Leben der Beiden zu viele Tiefschläge. Und gibt es allerorten nach wie vor zuviel an bigottem und diskriminierendem Gebaren anzuprangern:

It seems the more you lie the more you get the headlines, it doesn`t suit well with me…
You tell me I couldn’t get married while you’re fucking your secretary …
It’s up to us now to turn this around.

Aber soviel ist klar, Problemewälzen artet bei An Horse nicht in Gejammer aus. Was sie sich von der Seele singen, ist nicht be-, sondern entlastend. Offen und, ja, irgendwie konstruktiv. Unterstützend kommt hinzu, dass Kate Cooper ein sicheres Gefühl für sehr dynamischen Gesang hat. Der verleiht den Songs von ‚Modern Air‘ etwas sehr Sanftes, auch wenn die Gitarren mitunter ruppig und der Takt mal kantig werden. Ihr Sound vor allem freundlich und sehr positiv.

Womit wir wieder beim Trostspenden wären. Dieses Anliegen erfüllend hebt das Album die Stimmung eines oder einer Jeden, der oder die es sich gönnt. Mit seinem aufbauenden Sound lässt sich das Leben zumindest für den Augenblick etwas leichter bewältigen:

I’ll rise up, I can be a lion.

NED RUSSIN von TITLE FIGHT kündigt als GLITTERER sein Debütalbum an

Glitterer ist die Rock-Band des Title Fight-Sängers und -Bassisten Ned Russin. Mit ‚Looking Through The Shades‘ erscheint am 12. Juli sein Debütalbum auf Anti-Records. Darauf sind u.a. seine Brüder Ben und Alex zu hören. Unterstützung bei der Produktion bekam Ned Russin durch (Sandy) Alex G und Arthur Rizk (Code Orange, Power Trip, Sumerlands, the 2018 Grammy Awards).…