Schlagwort: Alcoholic Metal

Die zweite Staffel der Tankard-Reissues

Die nächste Runde der Noise-Ära-Remasters von Tankard erscheint am 18. Januar auf Vinyl und CD. Wie viele Bands hatten Tankard Anfang der 1990er mit musikalischen wie gesellschaftlichen Veränderungen zu kämpfen, was diese Alben neben feinem Bangerstoff auch zu höchst interessanten Zeitdokumenten macht.

Tankard – Die frühen Jahre wieder in Vinyl

Die BMG hat den Metal-Fan in den letzten Monaten mit so manchem höchst willkommenenn Re-Release aus dem Roster des deutschen Kultlabels Noise Records erfreut. Nun sind die frühen Alben der Frankfurter Thrash-Legenden Tankard dran – wir sagen Euch, ob sich das Gewese lohnt.

Oldies & Goldies – The Very Best of the Noise Years 1986-1995

Tankard waren dem Rezensenten schon immer die sympathischste der „Big Teutonic Four“. Die Jungs aus Frankfurt nahmen sich selbst nie so verbissen ernst wie manch andere bekannte Thrash-Metal-Combo. Bodenständig mit Riesenbock auf Bier und Metal mit Punk-Attitüde sowie witzig-komödiantischem Anstrich. Trotzdem rockten die Hessen immer böse die Hütte. 1982 gegründet haben es die Jungs um Frontmann Andreas „Gerre“ Geremia bis heute auf stolze 16 Studioalben gebracht. Hut – äh – Kronkorken ab! Vorzugsweise mit schickem Karikatur-Artwork widmeten sich die Herren in ihren Songs dem Lieblingsthema der Band: Alkohol. Auch wenn das deutsche Reinheitsgebot oder Eintracht Frankfurt den Bach runtergeht: Auf Tankard (als biervernichtende Metaltruppe) ist auch 2016 Verlass, die letzten beiden Alben von 2012 und 2014 lieferten den erfolgreichen Beweis.

Das Doppelalbum „Oldies & Goldies“ erscheint im Rahmen der Wiederveröffentlichung des Noise-Katalogs durch den heutigen Rechte-Inhaber im schicken Digi-Pack. Grosses Manko ist ein fehlendes Remastering der Songs, die Soundqualität ist daher für eine Veröffentlichung im Jahr 2016 nicht besonders gut. Dabei sind natürlich alle beliebten Mitsing-Klassiker der Band: ‚Beermuda‘, ‚Chemical Invasion‘, ‚Zombie Attack‘, ‚Alcohol‘, ‚Spacebeer‘ und viele mehr. Trotzdem: Satte 35 Songs von 8 Alben für 13 Euro, das ist obwohl es auch von Tankard bereits mehrere Best-Of-Alben mit besserem Sound gibt, kein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis.

R.I.B.

Der Tankard aus Frankfurt am Main ist zum 16. Mal randvoll mit Leckereien gefüllt. Grund genug für einen Toast! Auf dass wir bierselig dem Leben begegnen! Prost!

Ungewohnt harsch legen Tankard mit ,War Cry‘ sogleich los und lassen einem mehr als nur kurz die Kollegen von Sodom durch den wirren Kopf hüpfen. Und dann diese mega-melodiösen Harmonien. Ungelenker Auftakt! Mit ,Fooled by Your Guts‘ dröhnt auch schon der erste „richtige“ Tankard-Thrasher aus den Lautsprechern und lässt sofort behagliche Gefühle einsetzen. Jetzt ein Bier! Hmmm! Fear of your own belly brew! Kritisch wie eh und je kämpfen Gerre, Frank und Co. für das Recht auf Bier. Im Leben und im Tod! Andreas Gutjahr scheint Melodien und Harmonien für sich entdeckt zu haben, die er an jeder Ecke bis zum Eichstrich eingebaut hat. Kennt man gar nicht in diesem Umfang von den Alkohol-Metallern. Hat was modernes, metalcoriges an sich.

Die Party endet, wenn Tankard es sagen!

Ihren schlechten Geschmack haben die Vier aber nicht verloren, wie der Chor im Mittelteil vom Titelsong beweist. Gerre ist in Hochform, so gut kam sein Organ seit Langem nicht rüber. Der Sound ist überhaupt sehr sauber und klar, aber trotzdem druckvoll geworden. Grandios ist die klassische Metal-Nummer ,Riders of Doom‘ geworden, vor allem wegen des süffisanten Textes. ,Hope Can‘t Die‘ kommt danach leider nicht so richtig aus dem Arsch. Ist so eine Rentner-Nummer, mit 40 über die Landstraße und alles wartet, dass endlich freie Fahrt kommt. ,No one hit wonder, we’re rolling thunder!‘ – Ja, so sind sie, unsere Bierkrüge! Voller Selbstkritik! Einfach sympathisch, die Bengels! Das fast schon punkige ,Breakfast for Champions‘ ist allein der Kauf wert. Der Song treibt einen an, ein Thrash Metal-Kraftwerk, live mit Sicherheit ein Kracher. Ist ,Enemy of Order‘ die Antwort auf Sabrina Classens Messi-Sachverstand? Auf jeden Fall ist der Song ein Thrasher aller erster Güte. Genau wie ,Clockwise To Deadline‘. Die Tankard-typische Hymne hat sich das Quartett bis zum Schluss aufgehoben: ,The Party Ain’t Over ‘Til We Say So‘ lädt zum gemeinsamen, wilden Schunkeln ein. Der Soundtrack zur wüsten Kellerparty!

Tankard haben sich mit „R.I.B.“ selber übertroffen! Blödsinn! Die Bierkrüge haben schlicht und einfach geliefert, was wir bestellt haben! Alcoholic Metal in Reinform!

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